Die Stiftung PWG zur Erhaltung von preisgünstigen Wohn- und Gewerberäumen der Stadt Zürich ist eine gemeinnützige, öffentlich-rechtliche Stiftung der Stadt Zürich mit eigener Rechtspersönlichkeit. Sie bezweckt, in der Stadt Zürich preisgünstige Wohn- und Gewerberäume zu erhalten und zu schaffen.
Die Stiftung PWG bewirtschaftet in über 200 Liegenschaften über 2000 Wohnungen und über 300 Gewerberäume mit einem Anlagewert von etwa 1000 Millionen Schweizer Franken. Die Häuser bleiben im Bestand der Stiftung PWG (kein Verkauf, keine Spekulation). Beim Kauf einer Liegenschaft kann die ansässige Mieterschaft zu den gleichen Konditionen bleiben.
Stiftungszweck Die Tätigkeiten der Stiftung PWG umfassen das Erwerben, Vermieten, Unterhalten, Erneuern und Erstellen von Liegenschaften. Der Wohn- und Gewerberaum, den die Stiftung erwirbt oder baut, soll preisgünstig sein.
Die Mietzinse richten sich dabei nach der Lage und dem Objekt (Altbau, Neubau, Komfort etc.). Die Stiftung PWG will nicht einer begrenzten Bevölkerungsgruppe sehr tiefe, sondern immer mehr Wohnungssuchenden erschwingliche Mietzinse ermöglichen. Die Mieten der Stiftung PWG liegen einen Drittel unter dem Marktdurchschnitt, wie das Beratungsunternehmen Wüest Partner regelmässig bestätigt.Adi Kälin: «Die Stadt Zürich will den Häuserkauf weiter verbilligen», in: Neue Zürcher Zeitung, 24. Februar 2012, S. 15. (Online-Zugriff, 5. April 2013)
Das Tätigkeitsgebiet ist auf die Stadt Zürich beschränkt.
Geschichte mini|rechts|Wohngenossenschaften setzten sich im Abstimmungskampf mit einem Plakat für die Gründung der Stiftung PWG ein. Zur Gründung der Stiftung PWG führte eine Volksinitiative. Diese war eine Reaktion der Sozialdemokratischen Partei (SP) auf den aufgeheizten Immobilienmarkt, welcher das Angebot verknappte und für steigende Mieten sorgte. Die Initiative wurde am 20. Januar 1982 eingereicht und verlangte die Einrichtung einer Stiftung mit einem Kapital von 50 Mio. Schweizer Franken zur Erhaltung von preisgünstigen Wohn- und Gewerberäumen. Die erworbenen oder neu erstellten Liegenschaften sollten so dauerhaft der Spekulation entzogen werden.
Der Gemeinderat überwies die Volksinitiative am 7. April 1982 dem Stadtrat zu Bericht und Antrag. In der Folge beschloss der Gemeinderat auf Antrag des Stadtrates am 30. Januar 1985, den Stimmberechtigten die Ablehnung der Initiative zu empfehlen. Das Zürcher Stimmvolk jedoch nahm die Initiative am 9. Juni 1985 mit einem Ja-Stimmenanteil von 51,1 % an (50 331 Ja gegen 48 178 Nein).
Aus bürgerlichen Kreise erhob sich daraufhin Widerstand gegen das Abstimmungsergebnis. Mehrere Stimmberechtigte legten am 26. Juni 1985 Beschwerde beim Bezirksrat gegen das Abstimmungsergebnis ein und verlangten die Aufhebung des Volksentscheids. Im Wesentlichen monierten sie, die Stiftung stehe im Widerspruch zur Gemeindeordnung, zu den kantonalen Vorschriften über den Gemeindehaushalt, zur Handels- und Gewerbefreiheit sowie zum Gesetz über die Förderung des Wohnungsbaus.Vgl. Neue Zürcher Zeitung: «Erhaltung preisgünstiger Wohn- und Gewerberäume. Errichtung einer öffentlichrechtlichen Stiftung», 8. Januar 1990, S. 24.
Der Bezirksrat hiess die Beschwerde gut, worauf die SP der Stadt Zürich an den Regierungsrat gelangte. Nachdem dessen Gutachter zum gleichen Schluss gekommen war, zog die SP den Fall weiter ans Bundesgericht. Mit Urteil vom 14. Dezember 1988 hob dieses Gericht den Beschluss des Regierungsrates auf und wies die Sache zum Neuentscheid zurück. Dieser wurde am 16. August 1989 gefällt, was bedeutete, dass das Ergebnis der Volksabstimmung vom 9. Juni 1985 gültig war.Vgl. Neue Zürcher Zeitung: «Erhaltung preisgünstiger Wohn- und Gewerberäume. Errichtung einer öffentlichrechtlichen Stiftung», 8. Januar 1990, S. 24.
Nach dem jahrelangen juristischen Prozess beschliesst der Gemeinderat am 7. Februar 1990 die Errichtung und den Erlass des Stiftungsstatutes und wählt am 18. April die ersten 19 Mitglieder des Stiftungsrates, inklusive des Präsidenten Andi Hoppler. Am 5. September gleichen Jahres erfolgte der Eintrag ins Handelsregister.Nicole Soland, Interview mit Andi Hoppler: «Faire Mieten – und es rentiert», in: P.S., 21. März 2013, S. 10.
mini|Am 22. Mai 1991 erwarb die Stiftung PWG mit der Kornhausstrasse 30 die erste Liegenschaft. Die Stiftung weist seit der Betriebsaufnahme 1991 ein konstantes Wachstum aus. Sie hat bisher jährlich bis zu elf Liegenschaften erworben, häufig in Konkurrenz zu anderen Kaufinteressenten. Aufgrund ihrer sozialen Vermietungspraxis geniesst sie besondere Sympathie bei Liegenschaftenverkäufern, denen es ein Anliegen ist, dass die bestehenden Mietverhältnisse unverändert fortbestehen.
Erster Geschäftsführer wurde Ende 1991 Andi Richiger. Anfang 1996 übernahm Adrian Rehmann die Leitung der Geschäftsstelle. Seine 14-jährige Tätigkeit war geprägt von einer Ausdehnung des Liegenschaftenbestandes und der Professionalisierung der Geschäftsstelle. Mitte 2010 übergab er die Geschäftsführung Jürg Steiner und seit 2022 ist Andreas Gysi dafür verantwortlich.
Im Februar 2013 gab Gründungsmitglied Andi Hoppler seinen Rücktritt als Präsident der Stiftung PWG bekannt. Der Rechtsanwalt hatte diese Funktion seit der Gründung der Stiftung ausgeübt. Zu seinem Nachfolger wählte der Zürcher Gemeinderat Ueli Keller. Im Juli 2013 trat der ETH-Architekt, der über grosse Erfahrung im gemeinnützigen Wohnungsbau und als Politiker im Zürcher Gemeinde- und Kantonsrat verfügt, das Amt an. 2025 trat Andreas Billeter die Nachfolge von Ueli Keller an. Der Architekt kennt die Stiftung PWG durch sein langjähriges Engagement im Stiftungsrat bestens.
Im ersten Vierteljahrhundert ihrer Tätigkeit verdreifachte sie das Stiftungskapital nahezu (147 Mio. Fr.): Ende 2015 bewirtschaftete die hauseigene Verwaltung 133 Liegenschaften mit 1557 Wohnungen und 299 Gewerberäumen (36'985 m2). «Die Stiftung PWG gehört zur Stadt Zürich wie die ETH, der Zoo, das Sechseläuten und die Luxemburgerli», sagte Stadtrat Daniel Leupi in seiner Ansprache anlässlich der Jubiläumsfeier 2015.
Am 26. August 2020 veröffentlichte die Stiftung PWG im Zürcher Salis Verlag das Buch «Kauft Häuser, so viele ihr könnt!». Es widmet sich Fragen der Stadtentwicklung und arbeitet die Geschichte der Stiftung PWG auf. Das inhaltliche Konzept stammt von der Autorin Gina Bucher, dem PWG-Kommunikationsverantwortlichen Kornel Ringli und Marco Walser, der mit seinem Atelier «Elektrosmog» auch für die Grafik verantwortlich war.
Anlässlich des 30. Geburtstages 2020 schrieb die Stiftung PWG einen Fotowettbewerb unter der Mieterschaft aus, an dem sich 202 Mieterinnen und Mieter beteiligten. Aus dem gleichen Anlass installierte sie bei 30 Liegenschaften insgesamt 50 sogenannte Bienenhotels. Die Nisthilfen für Wildbienen sollen einen Beitrag leisten zur Biodiversität. Als weiteres Jubiläumsprojekt kennzeichnet die Stiftung PWG ihre Liegenschaften mit einer Plakette aus Stahl und Emaille. Gestaltet wurde sie von «m—d—buero» nach einem Wettbewerb unter drei Ateliers. Der im September vorgesehene Anlass zum 30. Jubiläum konnte aufgrund der vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) verhängten Massnahmen gegen die Covid-19-Pandemie nicht stattfinden. Stattdessen schenkte die Stiftung PWG den geladenen Gästen Gutscheine für ein Restaurant in einer PWG-Liegenschaft. Ende 2020 bewirtschaftete sie 159 Liegenschaften mit 1919 Wohnungen und 320 Gewerberäumen.
Ende Januar 2021 tätigte die Stiftung PWG das grösste Erwerbsgeschäft ihrer Geschichte. Von der SRG SSR kaufte sie in Zürich-Seebach an der Schärenmoosstrasse 115, 117 eine Büroliegenschaft und wird diese in den nächsten Jahren zu preisgünstigem Wohnraum umnutzen.
Geschäftstätigkeit Die Stiftung vermietet ihre Wohn- und Gewerberäume nach ökologischen (Belegungsvorschriften), ökonomischen (Einkommen und Vermögen) und sozialen (Notfälle, Quartierbezug etc.) Kriterien. «Eine soziale Durchmischung wird angestrebt und eine intakte/gute Nachbarschaft ist uns wichtig», heisst es ausserdem im Leitbild. Als Minimalbelegung pro Wohnung gilt die Regel «Anzahl Bewohnende» plus eins gleich «Anzahl Zimmer».
Die Stiftung PWG ist keine Genossenschaft, denn zur Miete eines Wohn- oder Gewerbeobjektes müssen keine Anteilscheine gezeichnet werden. Es wird keine Warteliste geführt. Über freie Mietobjekte informiert die Website der Stiftung PWG.
Grössere Bauprojekte Die Stiftung konzipiert Neubauten sowie Umnutzungs- und Erneuerungsprojekte. Dazu heisst es in ihrem Leitbild: «Wir bauen und renovieren nachhaltig, ohne Luxus, mit umweltverträglichen Materialien und Betriebssystemen.» Seit jeher hat die Stiftung PWG ihre Bau- und Planungsaufträge in Architekturwettbewerben vergeben.
Umnutzung Nidelbadstrasse 6, 8: Das erste grössere Bauprojekt realisierte die Stiftung PWG im Jahr 2000, als sie in Wollishofen die ehemalige Zigarrenfabrik Weber zu Wohn- und Gewerberaum umnutzte. Im Gewerbebau aus den 1930er-Jahren vermietet die Stiftung PWG 23 Wohnungen und 481 m2 Gewerbefläche. Neubau Förrlibuckstrasse 224, 226: Zusammen mit der jungen Baugenossenschaft Kraftwerk errichtete die Stiftung PWG in Zürich-West eine Überbauung mit 100 Wohnungen. 20 davon gehören der Stiftung PWG. Die Architektur stammt von Architektur Stücheli Architekten mit Bünzli Courvoisier.mini|rechts|1999 erwarb die Stiftung PWG an der Albisriederstrasse 182, 184 eine stillgelegte Farbenfabrik und nutzte sie zu Wohn- und Gewerberaum um. Umnutzung Albisriederstrasse 182, 184: Auch in Albisrieden entstand 2003 nach Plänen des Architekturbüros architektick Tina Arndt & Daniel Fleischmann aus einer ehemaligen Fabrik neuer Wohn- und Gewerberaum. Um die Ausnutzungsreserven auszuschöpfen, sahen die Architekten neue Aufbauten mit auffälliger Aluminiumverkleidung vor. Neubau Kanzleistrasse 72: 2004 erstellte die Stiftung PWG nach Plänen der Architekten Hauenstein La Roche Schedler in der Kanzleistrasse in Aussersihl einen Neubau mit fünf Wohnungen und zwei Gewerberäumen. Die Architekten hatten bereits ein Bauprojekt zur Füllung der Baulücke erarbeitet. Als die Stiftung PWG die Parzelle 1999 erwarb, übernahm sie dieses und führte das Bauvorhaben aus. Neubau Hohlstrasse 78: Im Jahr 2005 weihte die Stiftung PWG an der Bäckeranlage einen vielbeachteten Neubau des Architekten Peter Märkli ein. Anstelle der als «Alkitreff» bekannten Kneipe «Schönau» entstanden neun Wohnungen für mittelständische Familien sowie ein Restaurant. Das Bauwerk erhielt die Auszeichnung für gute Bauten der Stadt Zürich 2002 bis 2005. Neunutzung Aussersihler Viadukt: Das bisher grösste und ambitiöseste Bauvorhaben der Stiftung PWG stellt die Neunutzung des Aussersihler Viadukts im ehemaligen Industriequartier Kreis 5 dar. Unter dem Label «IM VIADUKT» vermietet die Stiftung PWG seit September 2010 im denkmalgeschützten Bahnviadukt aus der Gründerzeit 46 Läden, Ateliers und Gastronomielokale, darunter die erste Markthalle der Stadt Zürich.http://markthalle.im-viadukt.ch/ 2004 hatten die Stadt Zürich und die SBB einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben, welchen das Büro EM2N gewann. Im Jahr darauf kam die Stiftung PWG mit ins Boot und entwickelte die Idee der Markthalle und der weiteren Gewerbenutzungen IM VIADUKT, welche das Quartier aufwerten.