Hans Jörg Glattfelder (* 10. Juli 1939 in Zürich) ist ein Schweizer konstruktiver Künstler.
Leben Hans Jörg Glattfelder studierte an der Universität Zürich zunächst Rechtswissenschaft, Kunstgeschichte und Archäologie, bevor er 1961 ins Ausland ging. Nach einem Studienaufenthalt in Rom liess er sich in Florenz nieder, wo erste streng strukturierte Arbeiten entstanden. 1966 hatte er in der Galleria Numero in Mailand seine erste Einzelausstellung, kurz danach war er bereits an verschiedenen Gruppenausstellungen beteiligt. 1970 zog er nach Mailand, wo er mit Gianni Colombo und Antonio Calderara in engem, freundschaftlichem Kontakt stand. Ende der 1970er Jahre begann die Serie der «nichteuklidischen Metaphern», die sein Schaffen über viele Jahre bestimmen sollten. 1986 war er auf der Biennale von Venedig vertreten. 1990 bezog er ein Atelier in New York, 1998 wechselte er nach Paris.
2015 wurde Hans Jörg Glattfelder in die Stiftung für Konkrete Kunst und Design Ingolstadt aufgenommen.
Glattfelder erhielt am 8. November 2016 den Preis Peter C. Ruppert für Konkrete Kunst in Europa, er ist mit 15.000 Euro dotiert.
Künstlerisches Werk Hans Jörg Glattfelders künstlerisches Werk, das mit strengen, geometrischen Elementen arbeitet, steht auf den ersten Blick in der Tradition der Zürcher Konkreten, wenngleich er in seiner Hinwendung an das Phänomen des Raumes über diese hinausgeht. Der Kunsttheoretiker Hans Heinz Holz spricht in diesem Zusammenhang davon, dass mit Glattfelder «die konstruktivistische Kunst in eine sichtbar neue Phase eingetreten ist»,Hans Heinz Holz: Seins-Formen. Über den strengen Konstruktivismus in der Kunst. Aisthesis Verlag, Bielefeld 2001, S. 219. da dieser als einer der ersten versucht habe, die komplexen Raumvorstellungen der modernen Physik auf die konstruktive Kunst zu übertragen. Dabei wird der rechte Winkel, der in der konstruktiven Tradition stets von grösster Bedeutung war, zugunsten neuer – von Glattfelder «nichteuklidisch» genannter – Strukturen aufgegeben. Um die so entstandenen künstlerischen Raum-Veranschaulichungen von naturwissenschaftlich-mathematischen Modellen zu unterscheiden, bezeichnet Glattfelder seine Werke gerne als «Metaphern».
Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen 1966: Hans Jörg Glattfelder, Galleria Numero, Mailand, Italien 1968: Goethe-Institut, Turin 1970: Galerie Bischofberger, Zürich 1972: Galerie Gimpel & Hanover, Zürich 1982: Galerie konstruktiv tendens, Stockholm 1984: Galerie Schoeller, Düsseldorf (mit Imre Koscis) 1987: Stiftung für konkrete und konstruktive Kunst, Zürich 1992: Josef Albers Museum, Bottrop 1993: Museum moderner Kunst, Otterndorf 1998: Fondation Saner, Studen 1999: Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt 2004: Galerie Hoffmann, Friedberg 2009: Galerie artopoi, Freiburg i. Br. 2011: Galerie Geiger, Konstanz 2012: Galerie Lindner, Wien 2013: Hans Jörg Glattfelder: Was der Fall ist , Haus Konstruktiv, Zürich, Schweiz 2014: Vasarely Museum, Budapest 2014: Museum Chasa Jaura, Valchava 2016: Galerie Geiger, Konstanz 2017: Galerie Wenger, Zürich 2019: Museum Ritter, Waldenbuch 2026: Betrachtungsdimensionen: Hans Jörg Glattfelder, Arithmeum, Bonn
Ausstellungsbeteiligungen 1968: Wege und Experimente Kunsthaus Zürich 1970: II. Triennale New Delhi 1971: The Swiss Avantgarde The New York Cultural Centre, New York 1973: Schweizer Konkrete Kunstverein Biel 1977: Rationale Konzepte Kunstcentrum Badhuis, Gorinchem 1980: Reliefs Kunsthaus Zürich 1982: Schaffhauser Sammlungen Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen 1983: Jüngere Schweizer Künstler Gimpel Hanover & Emmerich Galerien, Zürich 1984: Die Sprache der Geometrie, Kunstmuseum Bern 1986: Arte e Scienza – Colore, Biennale di Venezia 1986: Konstruktivism, Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk, Dänemark 1987: Mathematik in der Kunst der letzten 30 Jahre. Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen 1997: Regel und Abweichung, Schweiz konstruktiv 1960–1997 haus konstruktiv, Zürich 1999: Positionen der Konkreten und Konstruktiven Kunst Bauhaus, Dessau 2005: Experiment Konkret. Hommage an Eugen Gomringer Museum für konkrete Kunst, Ingolstadt 2008: Neupräsentation der Sammlung Marli Hoppe-Ritter Museum Ritter, Waldenbuch 2009: Konkret – Die Sammlung Teufel Kunstmuseum Stuttgart
Literatur Hans Jörg Glattfelder. Reliefs Werkübersicht 1965–1996. Ausstellungskatalog. Galerie am See, Zug 1996. Hans Heinz Holz: Seins-Formen. Über strengen Konstruktivismus in der Kunst. Aisthesis Verlag, Bielefeld 2001, ISBN 3-89528-253-7. Stephan Geiger: Hans Jörg Glattfelder. Through Time and Space – Highlights aus 50 Jahren. Ausstellungskatalog Galerie Geiger, Konstanz 2016, ISBN 978-3-946060-01-7. Hans Jörg Glattfelder. Vom Besonderen zum Allgemeinen. Hrsg. Barbara Willert. Mit Beiträgen von Stephan Geiger, Hans Jörg Glattfelder, Marli Hoppe-Ritter und Serge Lemoine. Ausstellungskatalog Museum Ritter, Heidelberg 2019, ISBN 978-3-88423-621-5
Weblinks
Website von Hans Jörg Glattfelder (deutsch, englisch, französisch, italienisch) (Archivversion, 2019.)
Einzelnachweise
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