Die Leichtflugzeugbau Klemm GmbH war ein deutscher Flugzeughersteller mit Sitz in Böblingen.

Klemm-Unternehmen Quelle: Vorgeschichte Nach dem Zusammenschluss der beiden Konkurrenten Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) und der Benz & Cie. zur Daimler-Benz AG erfolgte Ende 1925 eine Konzentration auf die Kerngeschäftsbereiche Automobil- und Motorenbau. Die von Hanns Klemm geleitete Flugzeugbauabteilung der DMG in Sindelfingen wurde geschlossen. Im Herbst 1926 nahm Hanns Klemm mit der Daimler-Benz AG Verhandlungen zur Übernahme des ehemaligen DMG-Flugzeugbaus auf. Neben den Werkstatteinrichtungen und Betriebsmitteln sowie existierenden Flugzeugen erwarb Hanns Klemm auch die Nutzungsrechte an seinen bisherigen Flugzeugentwicklungen bei der DMG.

Leichtflugzeugbau Klemm GmbH mini|Klemm L20 Nachbau im Mercedes-Benz Museum Stuttgart mini|Klemm Kl 25 mini|Klemm Kl 26

Zur Übernahme der DMG-Werkstätten und -Rechte gründete Hanns Klemm am 15. Dezember 1926 in Sindelfingen die Leichtflugzeugbau Klemm als Personengesellschaft mit einem Grundkapital von 3000 Mark. Eineinhalb Jahre nach dem großen Erfolg der Daimler-Leichtflugzeuge beim Deutschen Rundflug 1925 strebte Hanns Klemm eine rasche Aufnahme der Serienproduktion der Daimler L20 in seinem neu gegründeten Unternehmen an. Dazu übernahm er Personal aus der ehemaligen DMG-Flugzeugwerkstatt und mietete von der Daimler-Benz AG in Sindelfingen die ehemalige Flugzeugbau-Halle 6 an. Bereits im März 1927 wurden die ersten Daimler L20 bei der Leichtflugzeugbau Klemm in Sindelfingen fertiggestellt.

Zur Ausweitung der Serienproduktion benötigte Hanns Klemm weitere finanzielle Mittel. Dazu wurde die Personengesellschaft am 18. Februar 1927 in die Leichtflugzeugbau Klemm GmbH überführt. Gesellschafter des Unternehmens waren in erster Linie Freunde und Familienmitglieder von Hanns Klemm und seiner Ehefrau Charlotte, die beide 10 % der Geschäftsanteile hielten. Ein weiterer Gesellschafter wurde Friedrich Siebel, der neben seiner persönlichen Beteiligung auch staatliche Fördermittel in Höhe von 100.000 Reichsmark in das Unternehmen mit einem Grundkapital von 155.000 Reichsmark einbrachte. Zum ersten Geschäftsführer wurde Robert Lusser ernannt, der bereits in der DMG-Werkstatt als Konstrukteur für Hanns Klemm tätig war. Hanns Klemm übernahm den Vorsitz der Gesellschafterversammlung.

Seit 1927 unterhielt die Leichtflugzeugbau Klemm GmbH eine eigene Fliegerschule zur Ausbildung von Werkspiloten und Kunden unter der Bezeichnung Fliegerschule Klemm-Flug. Die Fliegerschule blieb bis 1934 als Abteilung innerhalb der Leichtflugzeugbau Klemm GmbH erhalten und wurde nach Zentralisierung der Pilotenausbildung unter den Nationalsozialisten an den Luftsportverband abgegeben.

Da die Daimler-Benz AG die angemietete Flugzeughalle in Sindelfingen nur übergangsweise an die Leichtflugzeugbau Klemm GmbH vermietet hatte, mietete Hanns Klemm 1928 von der Stadt Böblingen die ehemalige Werkhalle der Firma Hirth an der Calwer Straße in Böblingen mit einem angrenzenden Grundstück von 1,1 Hektar auf Erbpachtbasis an. Hier errichtete die Leichtflugzeugbau Klemm GmbH bis 1929 ein neues Flugzeugwerk. Bis zur Fertigstellung des Werks zog der Produktionsbetrieb nach Einstellung der Daimler-L20-Serienproduktion im Mai 1928 aus den ehemaligen DMG-Werkstätten in Sindelfingen in die Hallen des ehemaligen Reichsbahn-Ausbesserungswerks in Böblingen. Hier nahm die Leichtflugzeugbau Klemm GmbH im Juni 1928 die Serienproduktion ihres ersten von Robert Lusser für die Leichtflugzeugbau Klemm GmbH entwickelten Leichtflugzeugs Klemm Kl 25 auf. Der Bezug des endgültigen Klemm-Werks an der Calwer Straße fand ab September 1929 statt. Nach Bezug des neuen Werks übernahm Hanns Klemm von Robert Lusser am 11. November 1929 die Geschäftsführung der Leichtflugzeugbau Klemm GmbH. Robert Lusser übernahm die Aufgabe des technischen Konstrukteurs.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten verdoppelte sich die staatliche Nachfrage nach Klemm-Ausbildungsflugzeugen. Zur Ausweitung der Produktion mietete die Leichtflugzeugbau Klemm GmbH im Mai 1934 den Werkskomplex des Kameraherstellers Contessa von Alfred Nagel an der Sindelfinger Straße in Böblingen. In das neue Klemm-Werk II zogen Werkstattbetriebe und der Flugzeug-Reparaturbetrieb. Eine weitere Expansion der Klemm-Werke in Böblingen wurde seitens des Reichsluftfahrtministeriums (RLM) auf Grund der grenznahen Lage zu Frankreich untersagt. Stattdessen erhielt das Unternehmen 1934 den Auftrag zum Aufbau eines neuen Flugzeugwerks in Halle/Saale, wohin der Böblinger Betrieb verlagert werden sollte.

Um den Werksausbau in Böblingen für die als Großserie geplante Fertigung der Klemm Kl 35 zu vermeiden, musste 1936 auf Anweisung des RLM eine Lizenzvereinbarung mit den Gerhard-Fieseler-Werken geschlossen werden, die es dem RLM ermöglichte, Bauaufträge direkt an die Fieseler-Werke in Kassel zu vergeben. Die Lizenzfertigung von Klemm-Flugzeugen lief 1938 in Kassel an. Ab 1940 übernahm die Zlíner Flugzeugwerke AG im tschechischen Otrokovice im Protektorat Böhmen und Mähren diese Lizenzfertigung.

Klemm-Flugzeugwerk Halle GmbH Für den Aufbau und den Betrieb des neuen Klemm-Werks in Halle wurde am 16. August 1934 zunächst die Flugzeugwerk Halle GmbHMitteldeutsche Nationalzeitung vom 14. September 1934 als Tochterunternehmen der Leichtflugzeugbau Klemm GmbH gegründet. Da das Flugzeugwerk Halle als Ersatzwerk für das Böblinger Klemmwerk vorgesehen war, erfolgte am 27. Oktober 1934 die Umbenennung in Klemm Flugzeugwerk Halle GmbH (KFH)Reichsanzeiger vom 7. Dezember 1934. An dem Unternehmen war auch Friedrich Siebel beteiligt, der in Berlin die Verhandlungen zum Aufbau des neuen Werks mit dem RLM führte. Die Aufgabe der Geschäftsführung übernahm Franz Walter, der als kaufmännischer LFK-Geschäftsführer von Böblingen nach Halle wechselte und dort den Werksaufbau leitete.

Bis Ende 1935 entstand auf dem ehemaligen Gelände der Flieger-Ersatz-Abteilung 14 (FEA 14) an der Boelckestraße in Halle-Mötzlich ein Sportflugzeugwerk, in das der Böblinger Klemm-Flugzeugbau verlegt werden sollte. Bereits im April 1935 absolvierte das erste bei KFH gefertigte Ausbildungsflugzeug vom Typ Focke-Wulf Fw44 in Halle-Mötzlich seinen Erstflug. Gefertigt wurden bei KFH zunächst einmotorige Schulflugzeuge vom Typ Focke-Wulf Fw44, sowie Nahaufklärer vom Typ Heinkel He46.

Im Juni 1935 erhielt die KFH den Projektierungsauftrag des Reichsluftfahrtministerium für den Ausbau des Werks für den Bau von größeren, zweimotorigen Flugzeugen. Da die Flugplatzverhältnisse in Mötzlich hierfür nicht ausreichten, entstand am Flughafen Leipzig-Schkeuditz ein neues Endmontagewerk III, das für die Endmontage mit Baugruppen aus Halle beliefert wurde. Der Betrieb im Endmontagewerk III in Schkeuditz nahm im Juli 1937 seinen Anfang.

Zur besseren Abgrenzung des militärischen und zivilen Flugzeugbaus schlugen Friedrich Siebel und Hanns Klemm die Beibehaltung des Böblinger LFK-Betriebs für den zivilen Flugzeugbau vor, während der KFH-Betrieb in Halle das militärische Flugzeugbauprogramm übernehmen sollte. Hanns Klemm verblieb als Geschäftsführer der Leichtflugzeugbau Klemm GmbH in Böblingen mit einem stark reduzierten Personalkörper, während Friedrich Siebel die Aufsicht über die Entwicklung der Flugzeugwerk Halle GmbH übernahm. Am 8. Januar 1936 wurde die Klemm Flugzeugwerk Halle GmbH erneut in Flugzeugwerk Halle GmbH (FwH)Reichsanzeiger vom 6. Februar 1936 umbenannt.

Der Administrationsbereich der LFK und das LFK-Konstruktionsbüro unter Friedrich Fecher wurden Ende 1935 von Böblingen nach Halle verlagertReichsanzeiger vom 8. Februar 1936. Bei der Flugzeugwerk Halle GmbH führte Fecher die in Böblingen begonnene Klemm-Konstruktion der FwH Fh104 bis zur Musterzulassung, sowie das Aufklärungsflugzeug FwH Fh201 bis zum Erstflug bis Ende 1937 weiter.

Hanns Klemm zeigte wenig Interesse am militärischen Flugzeugbau in Halle. Die endgültige Trennung der beiden Unternehmen fand 1937 statt, nachdem Friedrich Siebel die Anteile der Leichtflugzeugbau Klemm GmbH an der Flugzeugwerk Halle GmbH übernommen hatte und seine eigene Beteiligung an der Leichtflugzeugbau Klemm GmbH an Hanns Klemm verkaufte. Am 23. Dezember 1937 wurde die Flugzeugwerk Halle GmbH in die Siebel Flugzeugwerk Halle GmbH umgewandeltReichsanzeiger vom 3. Januar 1938. Damit endeten die Klemm-Aktivitäten in Halle.

Hanns Klemm Flugzeugbau (1938) Durch Einnahmen aus seinen Klebepatenten konnte Hanns Klemm 1938 die Gesellschafter der Leichtflugzeugbau Klemm GmbH auszahlen. Hanns Klemm wurde damit zum Alleininhaber des Böblinger Betriebs und ließ die Leichtflugzeugbau Klemm GmbH am 20. Juli 1938 in die Hanns Klemm Flugzeugbau Personengesellschaft umwandeln. Neben den beiden ertragsstarken Bereichen des Reparaturbetriebs und der Serienfertigung der Klemm Kl 35 beschäftigte sich Hanns Klemm im Rahmen der Hanns Klemm Flugzeugbau PG bis 1943 hauptsächlich mit Fragen der Flugzeugauslegung in dem von ihm entwickelten Teilschalen-Bauverfahren.

Aus steuerlichen Gründen erfolgte 1940 eine erneute Restrukturierung der Hanns Klemm Flugzeugbau. Dabei wurde die Personengesellschaft wieder in eine GmbH überführt, um die persönlichen Haftungsrisiken für Hanns Klemm zu reduzieren. Die neue Gesellschaft wurde 1941 als Hanns Klemm Flugzeugbau, Leichtflugzeugbau Klemm GmbH eingetragen.

Mit dem Ende der Serienfertigung der Klemm Kl35 endete 1943 die Fertigung eigener Klemm-Flugzeuge bei der Hanns Klemm Flugzeugbau GmbH. Auf Anweisung des Reichsluftfahrtministeriums wurde der Produktionsbetrieb Anfang 1943 von Holz- auf Metallverarbeitung umgestellt, um die Lizenzfertigung der Messerschmitt Me 163 aufnehmen zu können.

Auf Grund zunehmender Konflikte durch die Einflussnahme des Reichsluftfahrtministeriums auf sein Unternehmen trat Hanns Klemm am 23. Mai 1943 als Geschäftsführer der Hanns Klemm Flugzeugbau zurück. Das RLM setzte daraufhin einen treuhänderischen Geschäftsführer ein, der das Unternehmen bis zum Kriegsende leitete. Hanns Klemm wurde jegliche weitere Einflussnahme auf das Unternehmen durch das RLM untersagt.

Die beiden Klemm-Werke in Böblingen wurden während des Zweiten Weltkriegs mehrfach bei Bombenangriffen getroffen. Bereits 1943 erfolgte daher die Auslagerung von Betriebsteilen in kleinere Orte in der Umgebung von Böblingen. Die Me163-Tragflächenfertigung wurde Anfang 1944 in einen Schreinereibetrieb nach Herrenberg ausgelagert. Im Mai 1944 folgte die restliche Me163-Fertigung in einen Auslagerungsbetrieb nach Ebhausen. Das Klemm-Werk I an der Calwer Straße wurde bei einem Bombenangriff am 19. Juli 1944 schwer getroffen und weitgehend zerstört. Daraufhin wurden der noch in Böblingen verbliebene Flugzeugreparaturbetrieb auf den Luftwaffen-Flugplatz in Eutingen im Gäu und die Klemm-Verwaltung nach Nagold ausgelagert.

Im Februar 1945 wurde das Me163-Bauprogramm durch das RLM abgebrochen. Damit endeten die letzten Flugzeugbau-Aktivitäten bei der Hanns Klemm Flugzeugbau GmbH. Am 18. April 1945 wurde der gesamte Klemm-Betrieb von den verschiedenen Auslagerungsstandorten bei Böblingen in Richtung Bregenz vor den anrückenden alliierten Truppen verlagert. Am 22. April 1945 besetzten französisch-marokkanische Einheiten die leerstehenden Klemm-Werke in Böblingen.

Nach dem Krieg wurde die Hanns Klemm Flugzeugbau von den Alliierten zur Liquidation freigegeben. Soweit die Anlagen nicht ohnehin bereits während der Bombenangriffe im Oktober 1943 und 1944 zerstört worden waren, wurden sie für französische Betriebe demontiert. Das durch Bomben schwer beschädigte Werk I an der Calwer Straße wurde bis 1949 vollständig abgetragen. Das Werk II an der Sindelfinger Straße wurde an die IBM verkauft. Die Hanns Klemm Flugzeugbau, Leichtflugzeugbau Klemm GmbH wurde in den 1950er Jahren liquidiert.

Klemm Technik GmbH