mini|Capoeirablock mini|Ivete Sangalo

Der Karneval in Salvador da Bahia () ist nach dem Guinness-Buch der Rekorde der größte Straßenkarneval der Welt und eines der größten Feste der Erde.Karneval in Salvador auf dem Brasilienportal. An den Feierlichkeiten in der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Bahia nehmen bis zu 2,7 Millionen Menschen teil. Der Karneval findet an drei Hauptorten (circuito) statt: Dodô (in Barra-Ondina), Osmar (auf dem Campo Grande der Avenida Sete) und Batatinha (im Centro Histórico, dem historischen Zentrum Salvadors). Weiterhin gibt es Stadtteilfeste u. a. in Cajazeiras, Itapoã, Periperi und Pau da Lima. Während des Karnevals spielen berühmte Bands wie Olodum, Daniela Mercury, Timbalada und Ivete Sangalo auf Freiluftkonzerten und auf den Trios Elétricos. Die Popularität und der internationale Bekanntheitsgrad des Karnevals in Salvador ist neben dem in Rio de Janeiro oder Olinda sehr groß. In Salvador findet die größte Karnevalsveranstaltung statt, ein weiteres bekanntes Karnevalsfest des Bundesstaates Bahia ist in Porto Seguro.

Geschichte mini|Afrobrasilianischer Block Der Karneval in Bahia gründet sich auf das Jahr 1884. Aus einer Veranstaltung der Tanzsalons und privater Clubs wurde der Straßenkarneval für das Volk. 1890 nahm der erste Afoxé„Botschafter Afrikas“ -Block am Karneval teil und zelebrierte Trachten und Bräuche aus der Kultur der Yoruba, den Nachkommen vieler ehemaliger Sklaven.

1950 erster Trio Elétrico mit dem Vassourinhaportugiesisch: Vassoura, vassourinha – Besen, kleiner Besen -Block, einer Frevo-Tanzgruppe aus Pernambuco 1961 erste Parade zu Ehren des Rei Momo 1962 Bloco Os InternacionaisAuf Deutsch: Block der Internationalen als erster Karnevalsblock 1969 Caetano Veloso singt das Lied: „Atrás do Trio Elétrico Só Não Vai Quem Já Morreu“ (Nur wer schon tot ist, geht nicht hinterm Trio Elétrico her) 1970 Karneval von Salvador findet auf dem Platz Praça Castro Alves statt, es beginnt die Ära der kulturellen, gesellschaftlichen und sexuellen Befreiung 1972 Hommage des Trio Tapajos an Caetano Veloso, welcher von der brasilianischen Militärregierung verhaftet wurde 1974 Dodô und Osmar feiern das silberne Jubiläum des Karnevals von Salvador 1976 das in Bahia etablierte Trio Tapajós gibt Impulse an die Karnevalsveranstaltungen in Belo Horizonte und Santos ab 1978 Todesjahr von Adolfo Nascimento (Dodô) 1980 der Trio Elétrico „Traz Os Montes“Auf Deutsch: Hinter den Bergen revolutioniert den Karneval von Salvador mit einer neuartigen Soundtechnik 1998 Einweihung eines Denkmals zu Ehren der Karnevalsgründer Dodô und Osmar

Erfindungen Pau Elétrico mini|Carnaval Salvador da Bahia Der Pau ElétricoAuf Deutsch: Elektrischer Stock oder Bahianische Gitarre, welche in den 1940er Jahren entstand, ermöglichte die Entwicklung des Straßenkarnevals auf großen Umzugswagen, den sogenannten Trio Elétricos. Inspiriert wurde der Pau Elétrico von einem Typ der elektrischen Gitarre, der von Benedito Chavez in Rio de Janeiro entworfen wurde..

Weitere typische Instrumente sind die Violão-Pau-ElétricoAuf Deutsch: Elektrische Bass-Gitarre mit Basstönen und die Tenor-Gitarre Triolim.

Trio Elétrico mini|links|hochkant|Denkmal der Erfinder des Trio elétrico, Dodó und Osmar mini|Erster Trio Elétrico aus dem Jahre 1950 Typisch für den Straßenkarneval in Salvador sind die Trios Elétricos. Sie entstanden damals aus einem alten Ford Bigode, Baujahr 1929, welcher in das erste Trio Elétrico umgebaut und für die Karnevalsfeierlichkeiten bemalt und geschmückt wurde. Auf der Ladefläche spielten Musiker dann mit dem typischen Pau Elétrico. Erfinder des Trio Elétrico sind Dodô (mit bürgerlichem Namen Antonio Adolfo Nascimento) und Osmar Macedo, welche seit 1938 im Radio zusammenarbeiteten. Beide waren Musikstudenten und suchten nach einer technischen Möglichkeit, die Lautstärke von Instrumenten ohne Kabel zu verstärken. 1950 gelang ihnen mithilfe des Pau Elétrico und des Trio Elétrico der ersten Straßenkarneval in Salvador. Der erste Wagen nannte sich Fobica. Sie luden 1951 den Musiker Temístocles Aragão ein, und aus dem „Duo elétrico“" war das „Trio elétrico“ geboren. Im Jahr darauf musste das Trio auf Temístocles Aragão verzichten, aber ob der gewonnenen Berühmtheit aus dem Vorjahr blieb es bei dem Namen Trio Elétrico.

Nach dem großen Erfolg der Trio Elétricos wurden später größere LKWLKW, Abbildung verwendet, um größeren Bands eine Auftrittsplattform zu bieten.

1969 wurde der MPB-Sänger Caetano Veloso mit seinem Lied „Atrás do trio-elétrico“Auf Deutsch: Dem Trio Elétrico hinterher national bekannt. Trios Elétricos sind im modernen Karneval Sattelschlepper mit Umkleidekabinen, Bars und einer großen Bühne. Außerdem besitzen sie große Musikanlagen mit einer Leistung von bis zu 100.000 Watt. Heute werden die Trios Elétricos von den verschiedenen Künstlern und Bands genutzt, die in einer großen Parade durch die Stadt und durch die Viertel Barra, Ondina und Campo Grande ziehen und denen eine große Fangemeinde folgt. Während die Wagen eine Art fahrende Bühne für Künstler, Schauspieler, Tänzer und prominente Personen sind, tanzt das Volk hinter den Trio Elétricos hinterher oder erwartet sie am Straßenrand.

Blöcke (blocos) mini|Seile grenzen einen Block von den Zuschauern ab Als Blöcke (blocos) bezeichnet man Einheiten von Karnevalsgruppen, die unter verschiedenen Zugehörigkeiten, Themen und Musikgruppen im Straßenkarneval Brasiliens auftreten. Die Karnevalsblöcke sind musikalische, ästhetische und religiöse Manifestationen. Auch indianische Ursprünge finden ihren Ausdruck in den Blöcken. Die Motive des Straßenkarnevals ändern sich jedes Jahr und sind politische oder gesellschaftliche Persiflagen und Parodien. So besang im Jahr 1997 die Gruppe Olodum, welche über 3.000 Anhänger hat, in ihrem Samba-Reggae Lied „Mundo Cão“ (Hunde- oder Teufelswelt) die schwierigen und diskriminierenden Lebensumstände der schwarzen Bevölkerung Salvadors, welches auch als „Roma Negra“, das schwarze Rom, bezeichnet wird.

In der Regel tragen die Mitglieder eines Blockes die gleiche Kostümierung oder zumindest das gleiche Hemd (abadá). Die Abadá ist ein meist weißes Kleidungsstück afrikanischer Moslems. In Bahia werden Abadás überwiegend von Capoeiratänzern getragen. Im brasilianischen Karneval symbolisiert die Abadá in verschiedenen Farben, Mustern und Logos die Zugehörigkeit zu einem Block oder einem Camarote und muss käuflich erworben werden. Nur durch den Erwerb einer Abadá kann an einem Umzug eines Blocks innerhalb der Seilabgrenzung oder in einem fahrenden oder fixen Camarote teilgenommen werden. CamarotesAuf Deutsch eigentlich: Loge, Kajüte, Schiffskabine sind eine Art Karnevalsvereinigungen, die zusammen in den Blöcken und den Trios Elétricos auftreten. Hinter den meisten Trios Elétricos fährt ein ähnlich großer Wagen hinterher, auf dem sich Zuschauer befinden. Camarotes können also fahrbar oder fix als Tribüne am Straßenrand aufgebaut sein.

Die Entstehung der Karnevalsblöcke oder „Cordões“ (Seile) geht auf das Jahr 1889 zurück. Die Cordões waren wegen der teilnehmenden Capoeiristas, den „Tanzkämpfern“, unter den anständigen Bürgern recht gefürchtet. Ab 1920 setzte sich der Einfluss der Intellektuellen durch, die im Karneval eine Art kulturelles Zeugnis erkannten und deshalb das bis dahin bestandene „Durcheinander“ beendeten und die bis heute bekannte Organisationsform ins Leben riefen.

Im Jahr 2013 traten im Karneval von Salvador insgesamt 38 Blöcke auf. Einem Block ist jeweils ein „Animateur“ zugeordnet. Dies sind in der Regel bekannte Sänger wie Ivete Sangalo mit dem Block Coruja (Eule) oder Léo Santana mit dem Gay-Block Muquiranas.

Afro-Blöcke Die Afro-Blöcke sind die bekanntesten Karnavalsgruppen des Karnevals in Salvador, welche auf ihre ethnische Herkunft in Westafrika zurückgehen. Der älteste und traditionsreichste Karnevalsblock ist Ilê Aiyê und besteht etwa aus 3.000 Mitgliedern und zahlreichen Gästen. Weitere sind zum Beispiel Filhos de Gandhy, A Mulherada, Afro Liberdade, Big Bloco do Gueto, Bloco da Capoeira, Ginga do Negro.. In Afro-Blöcken dienen die sogenannten Puxadas do IjexáAnmerkung: Ijexá, eine ethnische Untergruppe der Yoruba der Ehre der afrobrasilianischen Orixais-Gottheiten.

Afoxé mini|links|Afoxé mini|Agogo Der Karneval in Salvador und im gesamten Bundesstaat Bahia hat seine Wurzeln im indo-euro-afro-brasilianischen Verständnis, vor allem aber der afrikanischen Religion Candomblé. Deswegen ist der Afoxé in Brasilien auch als „Straßencandomblé“ bekannt. Seine Bedeutung wird in der Musik und in zahlreichen Kostümen ausgedrückt. Das Wort „Afoxé“ kommt aus der Sprache Yoruba und besteht aus drei Wörtern: a (Nominalpräfix) – fo (sagen) – xé (verwirklichen). Man könnte es umschreiben mit den Worten „das Ausgesprochene wird zur Tat“ oder „das Ausgesagte verwirklicht sich“. In einem Afoxé-Block finden sich hauptsächlich Instrumente wie Trommeln, Afoxés und Agogos. Der Gesang wird von einem vor- und dann dem gesamten Block nachgesungen, ähnlich wie in den Häusern des Candomblé.

Filhos de Gandhy mini|Filhos de Gandhy Ein großer Block des Afoxé sind die Filhos de Gandhy, „Söhne Gandhis“, die sich mit den Idealen Mahatma Gandhis, besonders dem Frieden, identifizieren. Zum Karneval sticht dieser Block durch sein blau-weißes Erscheinungsbild von tausenden Mitgliedern, die weiße Turbane tragen, besonders deutlich hervor.

Die Filhos de Gandhy gründeten sich unter der Leitung von Durval Marques da Silva 1949 aus Lagerarbeitern (estivadores) des Hafens von Salvador, einer Elite schwarzer Arbeiter, zumal diese Form von Hafenarbeit relativ unabhängig war. Um Repressalien der damaligen Militärdiktatur zu entgehen, zu groß war die Sorge, Repressalien des im Vorjahr ermordeten Namensgebers des Blocks Gandhis erleiden zu müssen, der mit seinem Hungerstreik 1932 eine friedliche Revolution ausgelöst hatte, änderten seine Begründer den Namen „Gandhi“ in „Gandhy“. Aus einem Block von 36 Teilnehmern wurde der heute über 17.000 Anhänger zählende Verein mit Sitz am Pelourinho im historischen Zentrum Salvadors. Wenn auch das Vereinsgebot, auf Alkohol zu verzichten, nicht ganz ernst genommen wird, erinnert der große Block an eine große Friedensbewegung, das wohl erhabenste Ziel Mahatma Gandhis.

Muquiranas mini|hochkant|Muquirana am Pelourinho Im Jahre 1964 änderte sich das äußere Erscheinungsbild des Karnevals von Salvador radikal, als sich Männer erstmals in Frauenkleidern unter die Feiernden mischten. Lindolfo Araújo, mit Spitznamen Charita, und ein paar Freunde waren die Anführer dieser kleinen Revolution. Mithilfe von Ehefrau, Mutter und Cousinen wurden die Kostüme angefertigt. Mittlerweile ist aus dem Familienspaß ein einträgliches Geschäft in dritter Generation entstanden und die Muquiranas, die „Schlampen“, sind mit tausenden Anhängern des Blocks ein Jahr als Barbies, dann als Geishas oder als Aphrodite nicht mehr aus dem Karneval Salvadors wegzudenken. Dabei sind die Teilnehmer nicht nur Gays, sondern auch verheiratete Familienväter, denen bis zu 200 € für die Kostümierung nicht zu schade sind. Während die Muquiranas 2013 als griechische Liebesgöttin durch den Karnevalsbereich Osmar, bewaffnet mit einer Wasserpistole feierten, wurden sie von den Sängern Léo Santana (Parangolé) und Alex Max (Saiddy Bamba) auf dem Trio Elétrico animiert. Auf ihrer offiziellen Webseite gaben die Muquiranas am 18. Februar 2013 bekannt, dass an diesem Tag Florisa Paganelli de Carvalho, Ehefrau von Lindolfo Araújo und Mitbegründerin des Blocks Muquiranas, im Alter von 77 Jahren verstorben ist.

Axé mini|Beginn des Karnevals auf dem Pelourinho