Das Europäische Zentrum für Sprachwissenschaften (EZS) ist eine Kooperation des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache mit der Universität Heidelberg.

Ziele Das EZS wurde 2010 gegründet und soll die sprachwissenschaftlichen Forschungs- und Lehraktivitäten der beiden Einrichtungen in multilingual-europäischer Perspektive bündeln. Das Gründungsdirektorium bestand aus Ludwig M. Eichinger, Ekkehard Felder und Jörg Riecke; inzwischen besteht das Direktorium aus Ekkehard Felder, Henning Lobin und Angelika Wöllstein. Die Geschäftsstelle befindet sich in Heidelberg. Das EZS versucht Sprachen als kulturelle und identitätsstiftende Grundformate zu untersuchen. In Zeiten politischer Globalisierung berücksichtigt es dafür besonders die Gesichtspunkte des Sprachkontakts und der Mehrsprachigkeit. Im Fokus steht damit die Stellung der einzelnen Sprachen – als Wissenschaftssprache, als Vermittlungssprache von europäischen politischen, kulturellen, wirtschaftlichen, rechtlichen und gesellschaftlichen Prozessen – im Wandel des Gesamtgeflechts aller Einzelsprachen und ihrer Funktionen.

Arbeitsgebiete Das EZS setzt sich mit der Erforschung der europäischen Sprachlandschaft aus einer dezidiert mehrsprachigen Perspektive auseinander.

Neben seiner Funktion als Forschungskooperation stellt es eine nachhaltige Infrastruktur für die Ausbildung und Betreuung von Nachwuswissenschaftlern in der europäischen Sprachforschung (u. a. Dissertationen, Habilitationen) bereit. Im Rahmen zweier Sommerschulen wurden literaturlinguistische Ansätze fokussiert.

Das EZS umfasst acht Forschungseinrichtungen und erforscht die Sprachen Bulgarisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Galicisch, Italienisch, Japanisch, Katalanisch, Kroatisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Serbisch, Spanisch und Tschechisch. Das EZS arbeitet mit den Sprachwissenschaftlern der Universität Heidelberg und des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache sowie regelmäßig auch mit externen Gästen anderer Forschungseinrichtungen zusammen.

Aktivitäten

Kolloquium Jedes Semester veranstaltet das EZS ein Kolloquium für Nachwuchswissenschaftler, in dem ein mehrsprachiger Blick auf linguistische Fragestellungen aus verschiedenen Teildisziplinen angestrebt wird. Es stellt in erster Linie eine Plattform zum Austausch zwischen Doktoranden verschiedener Philologien dar, bietet aber auch die Möglichkeit für Vorträge zu Habilitationsschriften und anderen wissenschaftlichen Arbeiten. In diesem Rahmen veranstaltet das EZS auch Exkursionen.

Internationale Kooperationen Das EZS unterhält internationale Kooperationen mit verschiedenen Universitäten. In den letzten Jahren wurden im Rahmen des DAAD-Förderformats „Germanistische Institutspartnerschaften“ (GIP) die Beziehungen zu den Hochschulen in Budapest, Breslau und Sarajevo besonders gepflegt, indem neben dem Austausch von Dozierenden vor allem Studierende in den ausländischen Universitäten ihr Studium vertiefen konnten. Aus dieser Zusammenarbeit entstanden gemeinsame Publikationen und weiterführende Projekte.

Eine besonders intensive Internationalisierung findet unter Federführung des Instituts für Übersetzen und Dolmetschen (IÜD) im europäischen Förderformat „4EU+ European University Alliance“ (4eu+) statt. Das internationale Forschungsprojekt „Europäische Diskursgemeinschaft: Perspektivenfrieden und Perspektivenstreit“ (EuDG) betrachtet Europa nicht nur als eine politische und ökonomische (Werte-)Gemeinschaft, sondern auch als einen gemeinsamen, diskursiven Raum – die Europäische Diskursgemeinschaft. Aus linguistischer Sicht interessieren vor den sprachlichen und kulturellen Hintergründen die mono- und multilingualen Voraussetzungen und Weltbilder in den jeweiligen Ländern.

Sommerschule Das EZS schrieb in den ersten Jahren in Kooperation mit dem Germanistischen Seminar Heidelberg bzw. der Neuphilogischen Fakultät Sommerschulen für Doktoranden, Habilitanden sowie fortgeschrittene Master-Studierende mit bis zu 45 Plätzen aus. Die Sommerschulen setzten sich aus Workshops und Vorträgen von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen und Universitäten Deutschlands zusammen. Diese behandelten ein bestimmtes, der jeweiligen Sommerschule übergeordnetes Thema; beispielsweise widmete sich die Sommerschule 2017 dem Thema „Artikulation des Unsicheren“. Unterstützt wurden die Sommerschulen von der Volkswagenstiftung.

Promotionskolleg Das EZS betrieb das Promotionskolleg „Sprachkritik als Gesellschaftskritik im europäischen Vergleich“, das aus der interdisziplinären Forschergruppe „Europäische Sprachkritik Online“ (ESO) bestand und „die wertende Auseinandersetzung mit sprachlichen Phänomenen aus dem Blickwinkel der gesellschaftlichen Relevanz“ untersuchte. Es wurde geleitet von Beatrix Busse vom Anglistischen Seminar Heidelberg und Ekkehard Felder vom Germanistischen Seminar Heidelberg.

EZS-Forum Im Forum des EZS stellen Linguisten des EZS-Kollegiums und auswärtiger wissenschaftlicher Einrichtungen ihre aktuellen Forschungsprojekte vor. Es findet in Kooperation mit der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) [LJ1] statt und richtet sich sowohl an fachlich vorgebildete Personen als auch an sprachinteressierte Teilnehmer aus der Bevölkerung. Das EZS-Forum ist öffentlich. Nach den Vorträgen werden die Forschungsergebnisse mit dem Publikum diskutiert. Die Themen des EZS-Forums umfassen alle Aspekte sprachlicher Erscheinungsformen mit besonderer Berücksichtigung der Sprachgeschichte und der Gegenwartssprachen. Dabei werden natürliche Sprachen in allen funktionalen, sozialen, regionalen und historischen Variationen sowohl aus systembezogener als auch aus handlungsbezogener Perspektive thematisiert.

Publikationen Handbuch Europäische Sprachkritik Online (HESO) Im Dezember 2017 publizierte die EZS-Projektgruppe „Europäische Sprachkritik Online“ (ESO) den ersten Band des Handbuchs Europäische Sprachkritik Online (HESO), der den Zusammenhang zwischen Sprachnormierung und Sprachkritik behandelt. Im Dezember 2018 wurde der zweite und dritte Band veröffentlicht. In der zweiten Ausgabe widmen sich die Autoren dem Zusammenhang zwischen Standardisierung und Sprachkritik, in der dritten Ausgabe dem Zusammenhang zwischen Sprachpurismus und Sprachkritik. 2019 erschien der vierte Band „Sprachinstitutionen und Sprachkritik“ und 2025 der fünfte mit dem Titel „Sprachideologien und Sprachkritik“. Das Handbuch wird in fünf Sprachen im Verlag Heidelberg University Publishing (heiUp) veröffentlicht.

Buchreihe Seit 2015 veröffentlicht das EZS die Reihe „Schriften des Europäischen Zentrums für Sprachwissenschaften“, in der sich die Autoren aus multilingual-europäischer Perspektive aktuellen Forschungen widmen. Diese werden in der Reihe „unter sprachsystematischen und sprachvergleichenden Gesichtspunkten sowie unter kulturellen und identitätsstiftenden Aspekten“ untersucht. Die Schwerpunkte der Reihe liegen auf den Bereichen Lexikologie und Lexikografie im europäischen Kontext, mono- und multilinguale Interaktions- und Diskursanalysen sowie Grammatik im europäischen und typologischen Vergleich. Herausgegeben wird die Reihe beim Universitätsverlag Winter von den Direktoren des EZS, Ekkehard Felder und Henning Lobin.

Weblinks Offizielle Website Website des Germanistischen Seminars der Uni Heidelberg Neuphilologische Fakultät Uni Heidelberg - Informationen über Promotion Handbuch Europäische Sprachkritik Online

Einzelnachweise

Kategorie:Organisation (Sprachwissenschaft) Kategorie:Europäische Organisation Kategorie:Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Kategorie:Forschungseinrichtungsgründung 2010