N.E.W.S (sprich: „news“) ist das 27. Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Das Album trägt den Untertitel „New Directions in Music from Prince“ (englisch für „Neue Wege in der Musik von Prince“) und erschien am 30. Juni 2003 zunächst exklusiv als Download für registrierte Nutzer seiner damaligen Website. Zu dieser Zeit (2001–2004) war Prince bei keinem Plattenlabel unter Vertrag und vertrieb seine Musik eigenständig. Die CD-Veröffentlichung folgte weltweit am 29. Juli 2003 über sein Label NPG Records.

N.E.W.S ist ein Instrumental-Konzeptalbum. Der Titel setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der vier jeweils 14 Minuten langen Stücke North, East, West und South zusammen, die nach den Himmelsrichtungen benannt sind. Stilistisch ist das Album den Genres Funk, Fusion und Jazz zuzuordnen und unterscheidet sich deutlich von Prince’ früheren Veröffentlichungen wie Purple Rain (1984), Sign “☮” the Times (1987) oder Diamonds and Pearls (1991).

Prince bewarb N.E.W.S kaum; kommerziell war es sein zu Lebzeiten am schwächsten verkauftes Album. Die zeitgenössische Rezeption fiel geteilt aus, mit etwa gleich viel positiver wie negativer Kritik. Zwar absolvierte Prince Ende 2003 eine Tournee, spielte daraus jedoch keine Stücke.

Entstehung Bereits 1987 wandte sich Prince dem Jazz zu und produzierte für sein Nebenprojekt Madhouse die Instrumental-Jazz-Funk-Alben 8 und 16. Der Saxophonist Eric Leeds (* 1952) gehörte damals zu seinen Begleitmusikern. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts zeigten auch mehrere Prince-Alben deutliche Jazz-Einflüsse, darunter The Rainbow Children (2001) und Xpectation (2003). Auf dem Cover von Xpectation findet sich bereits der Hinweis „new directions in music“, der auch bei N.E.W.S verwendet wurde.

Prince nahm N.E.W.S am 6. Februar 2003 an einem einzigen Tag in seinem Paisley Park Studio in Chanhassen (Minnesota) auf. Den Großteil der Musik hatte er zuvor komponiert; bei den Aufnahmen entstanden jedoch auch mehrere improvisierte Passagen.Uptown (2004), S. 425.Albumcover der CD N.E.W.S von Prince, NPG Records, 2003

Eric Leeds schilderte 2016 die Entstehung von N.E.W.S als weitgehend spontan: Die Aufnahme habe etwa so lange gedauert wie das fertige Album (56 Minuten) und sei vermutlich bereits während des Einspielens abgemischt worden. Prince habe lediglich Tonart und Groove vorgegeben und spontane Wechsel sowie Soli angeleitet.Azhar (2016), S. 113

Gestaltung des Covers Der Artdirector Jeremy Gavin entwarf das Layout des Albumcovers. Die CD erscheint in einem aufklappbaren Digipak, das sich an allen vier Seiten öffnen lässt und an eine Windrose erinnert; erst danach kann die CD entnommen werden. Ein Booklet ist nicht enthalten. Zudem enthält die CD eine Datei mit multimedialem Inhalt, die beim Abspielen am Computer die Nachricht „He causes 2 become“ anzeigt – eine Anspielung auf die Zeugen Jehovas, deren Glaubensgemeinschaft Prince 2001 beitrat und der er bis zu seinem Tod im April 2016 angehörte.

Musik mini|links|hochkant=1|Schlagzeuger John Blackwell(* 1973; † 2017) N.E.W.S ist ein Instrumentalalbum mit vier Stücken, die jeweils in zwei oder drei musikalische Abschnitte gegliedert sind. Stilistisch ist es vor allem von Funk, Jazz und Rockmusik geprägt, enthält jedoch auch Elemente orientalischer und klassischer Musik.

Der Saxophonist Eric Leeds übernimmt auf dem Album eine zentrale Rolle: Mit Soli und melodischen Verzierungen prägt er dessen jazziges Klangbild. Auch das Schlagzeugspiel von John Blackwell (* 9. September 1973; † 4. Juli 2017) ist stilbildend. Der Pianist und Keyboarder Renato Neto (* 1965) begleitet die Stücke durchgängig, tritt klanglich jedoch meist zurück; seine musikalischen Wurzeln liegen im Jazz, während frühere Prince-Keyboarder überwiegend aus dem Rhythm-and-Blues- oder Rockbereich stammten. Eine vergleichsweise untergeordnete Rolle nimmt die Bassistin Rhonda Smith ein: Zwar steuert sie in East ein kurzes Basssolo bei, ihre Basslines beschränken sich jedoch meist auf repetitive Figuren und dienen vor allem als Grundlage für das Zusammenspiel der übrigen Musiker. North Der Opener basiert auf einem ruhigen, gleichmäßigen Schlagzeug- und Bassfundament, das dem Stück einen zurückhaltenden Beat verleiht; der Bass wirkt dabei durchgehend pulsierend. Sanfte Synthesizer-Streicher bilden ein Klangpolster für jazzig geprägte Saxophonlinien. Nach etwa drei Minuten setzt Prince mit Rhythmusgitarre ein, später folgt jazzig intoniertes Flötenspiel. Im weiteren Verlauf gewinnt das Stück durch Saxophon und dezente Gitarrenriffs an Dynamik. Im nächsten Abschnitt erscheinen üppig arrangierte Samples von Streicherklängen von Clare Fischer, denen Prince ein zurückhaltendes Gitarrensolo gegenüberstellt. Anschließend kehren Saxophonmotive und ein druckvolleres Schlagzeug zurück. Ab etwa der neunten Minute beruhigt sich die Musik erneut; nun dominiert das Klavierspiel von Renato Neto, das improvisatorische und melodische Elemente verbindet. Begleitet von sanftem Saxophon und Streichern klingt die Passage allmählich aus, bevor die letzten Minuten von abstrakten Synthesizerklängen geprägt sind, die wie ein fernes Echo wirken.Uptown (2004), S. 425. East Der Song beginnt mit orientalisch anmutenden, vom Synthesizer erzeugten Klängen, die an Violinenspiel erinnern. John Blackwell setzt mit lebhaftem Schlagzeug ein, während sich wiederholt Pitch-Shifting-Synthesizer ein- und ausblenden. Die Passage wirkt brummend und akkordisch unterlegt, ohne klare harmonische Auflösung, und erinnert in ihrer Anlage an den Beginn einer klassischen Ouvertüre. Nach etwa vier Minuten setzt Eric Leeds mit schnellem Saxophonspiel ein, das jedoch bald von orientalisch gefärbten Motiven abgelöst wird; anschließend spielt Prince ein atonal wirkendes Gitarrenriff. Ab etwa der achten Minute folgt ein stilistischer Wechsel zu einer funkbetonten Passage auf Basis der Rhythmusgitarre, die Raum für Soli von Saxophon, E-Piano und Orgel lässt. Nach rund 11:20 Minuten gehen gedämpftes Schlagzeug und brummender Bass in den Vordergrund, während Prince raue Gitarrenriffs ergänzt. Rhonda Smith steuert ein kurzes Basssolo bei, bevor das Stück in den letzten rund 50 Sekunden ruhig ausklingt. West Das Stück beginnt mit einer dreitönigen Bassfigur und drei gezupften Gitarrenakkorden bei langsamem, entspanntem Beat. Eric Leeds steuert ruhige Saxophonphrasen bei, während Prince mit an Carlos Santana erinnerndem Gitarrenspiel die gelassene Grundstimmung unterstreicht. Nach etwa vier Minuten treten Funk-Elemente hinzu: Gitarrenriffs werden von synkopiertem Bass- und Schlagzeugspiel begleitet, während Leeds Saxophonriffs ergänzt. Kurz darauf setzt Renato Neto mit jazzgeprägtem Klavierspiel ein, das zunehmend eine tragende Rolle übernimmt. Ab Minute 8:33 folgt ein Stilwechsel zur Rockmusik, in dem Prince E-Gitarre spielt, unterstützt von Streichern. Anschließend rückt erneut das Saxophon in den Vordergrund, bevor das Stück allmählich ausklingt; zuletzt sind nur noch Saxophon und Schlagzeug zu hören, ehe die Musik in den letzten rund 40 Sekunden vollständig verstummt.Uptown (2004), S. 425–426. South Der letzte Track beginnt mit konventionellem Funk, geprägt von einem per Slap-Technik gespielten Bass. Prince steuert rau klingende, atonale Gitarrenakkorde bei, gefolgt von geschmeidigem Saxophonspiel von Eric Leeds. Ab Minute 4:58 setzt ein abrupter Stilwechsel ein: Eine langsame Passage mit filigranen Keyboard-Phrasen beginnt, begleitet von einem schlagzeugartigen, an eine Drummachine erinnernden Rhythmus. Der Bass beschränkt sich auf eine einzelne Note, während Renato Neto ein Klavierspiel aus Akkorden, rhythmischen Phrasen und melodischen Kaskaden entfaltet. Im weiteren Verlauf steigert sich die musikalische Intensität kontinuierlich; insbesondere Streichinstrumente treten stärker hervor, ebenso Saxophon und Schlagzeug. Prince fügt ein Gitarrensolo ein, bevor die Musik gegen Ende deutlich zurückgenommen wird. Die letzten zwei Minuten werden von einem Streicherklang dominiert, ehe South mit einer sich wiederholenden Klavierfigur ausklingt.Uptown (2004), S. 426.

Titelliste und Veröffentlichungen mini|Prince, 2008 #TitelDauer1North14:002East14:003West14:004South14:00Spieldauer: 56:00 min.Autor aller Songs ist Prince Prince veröffentlichte N.E.W.S am 30. Juni 2003 zunächst als Download über seine damalige Website NPG Music Club.com; die CD erschien am 29. Juli 2003 im regulären Handel.Uptown (2004), S. 424. Seit 2018 ist das Album auch über verschiedene Musikstreaming-Dienste verfügbar. Das Stück West erschien zudem auf dem Kompilationsalbum Anthology: 1995–2010, das im August 2018 posthum veröffentlicht wurde. Singles wurden von N.E.W.S nicht ausgekoppelt und Coverversionen zu den Albumsongs sind nicht bekannt.

Mitwirkende mini|Rhonda Smith, 2009 Musiker Alle Songs wurden von Prince arrangiert, komponiert und produziert. Er spielte zudem alle Musikinstrumente selbst, ergänzt durch folgende Musiker: Prince – Fender Rhodes, Gitarre, Keyboard und Perkussion Eric Leeds – Baritonsaxophon und Tenorsaxophon John Blackwell – Schlagzeug Renato Neto – Klavier und Synthesizer Rhonda Smith – Akustikbass und E-Bass

Technisches Personal Prince – Mixing und Artdirector Jeremy Gavin – Artdirector Jess Sutcliffe – Toningenieur Joseph Lepinski (als „Joe Lepinski“) – Musiktechniker Takumi Suetsugu – Musiktechniker

Musikvideo Prince ließ nur zu North ein Musikvideo produzieren. Es beginnt mit einer einminütigen Aufnahme der Erde, gefolgt von Stand- und computeranimierten Bildern von Landschaften und Naturelementen, die mit Begriffen wie „Depth“ („Tiefe“), „Fire“ („Feuer“) oder „Peace“ („Frieden“) kombiniert sind. Während des Gitarrenparts erscheint Prince mit seiner Begleitband The New Power Generation als Schatten, vermutlich aus Ausschnitten der DVD Live at the Aladdin Las Vegas. Mit einer Länge von 14 Minuten ist North das längste Musikvideo, das Prince zu einem seiner Songs veröffentlichte.

Tournee

Ende 2003 ging Prince mit seiner Begleitband The New Power Generation auf die „World Tour 2003“. Die Tournee begann am 17. Oktober in Hongkong und endete am 19. Dezember 2003 in Kahului (Hawaii). Sie umfasste acht Konzerte in der Volksrepublik China, Australien und den USA und wurde von rund 75.000 Zuschauern besucht; die Konzertdauer betrug jeweils 120 bis 150 Minuten.Uptown (2004), S. 290–291. Stücke des Albums N.E.W.S spielte Prince nicht, stattdessen präsentierte er überwiegend kommerziell erfolgreiche Songs und Fanfavoriten. Während der Tour bestand The New Power Generation aus folgenden sieben Mitgliedern: Chance Howard – Backing Vocals und Keyboard Greg Boyer – Posaune John Blackwell – Schlagzeug Maceo Parker – Backing Vocals und Saxophon rad. (bürgerlich Rose Ann Dimalanta) – Backing Vocals und Keyboard Renato Neto – Keyboard Rhonda Smith – Backing Vocals und E-Bass

Bei den beiden Abschlusskonzerten auf Hawaii im Dezember 2003 gehörte auch Candy Dulfer zur Besetzung von The New Power Generation.

Aftershows Bei sieben der acht Konzerte 2003 spielte Prince eine Aftershow; bei zweien traten Gastmusiker auf: am 26. Oktober im The Basement in Sydney Larry Graham sowie am 20. Dezember im Hapa’s Nightclub in Kīhei (Hawaii) William Awihilima Kahaialiʻi, auch bekannt als Willie K.Uptown (2004), S. 293.

Rezensionen Professionelle Bewertungen Durchschnittsbewertung Quelle Bewertung AOTY 40 % Weitere Bewertungen Quelle Bewertung AllMusic Musikexpress Rolling Stone Wilson & Alroy’s Record Reviews Die zeitgenössische Kritik fiel geteilt aus: Während einige Musikkritiker das jazzbeeinflusste Album lobten, bemängelten andere einen „zu glatten“ Klang sowie eine stellenweise an James Brown erinnernde Funk-Ausrichtung, die gegenüber Prince’ früherem Werk wenig Neues biete. Die Website AOTY (Album of the Year) ermittelte aus drei englischsprachigen Rezensionen eine Durchschnittsbewertung von nur 40 %.