mini|hochkant|Alexander Mach Alexander „Šaňo“ Mach (deutsch auch Schanjo Mach, * 11. Oktober 1902 in Tótmegyer; † 15. Oktober 1980 in Bratislava) war ein slowakischer faschistischer Journalist, Politiker (Ludaken) und Minister des von NS-Deutschland abhängigen Slowakischen Staates. Mach gilt als der „Architekt des slowakischen Holocaust“ und war maßgeblich verantwortlich für die Judenverfolgung in der Slowakei während des Zweiten Weltkrieges.
Neben Vojtech Tuka war Mach der wichtigste Führer und Ideologe der faschistischen Rodobrana (1926–29). Nach deren Auflösung führte Mach in den 1930er Jahren die Rodobrana-Veteranen innerhalb des rechtsradikalen Parteiflügels der Ludaken an und beteiligte sich als Autor an der ultranationalistischen Zeitschrift Nástup. Während des diktatorischen Ludaken-Regimes von 1938 bis 1945 war Mach, erneut neben Tuka, der bedeutendste Vertreter des nationalsozialistischen Parteiflügels. In dieser Zeit war er Propagandachef (1938–39), Oberkommandant der Hlinka-Garde (1939–40, 1940–44) sowie Innenminister und Vize-Ministerpräsident (1940–45).
Von 1947 bis 1968 war er als Kriegsverbrecher inhaftiert, wurde anschließend entlassen und starb 1980 in Freiheit.
Jugend, Werdegang und Politik bis 1938 Mach wurde am 1. Oktober 1902 als Sohn eines Bauern in Slowakisch-Meder geboren. Sein Vater fiel während des Ersten Weltkrieges als Soldat der österreichisch-ungarischen Armee an der italienischen Front. Er besuchte das Gymnasium in Nové Zámky. Danach absolvierte er von 1916 bis 1922 Priesterseminare in Esztergom und Trnava, entschied sich aber schließlich, nicht Priester zu werden. Ab 1922 war er Funktionär der Slowakischen Volkspartei; 1925 wurde er deren Zentralsekretär. Von 1926 bis 1939 war Mach Redakteur und Chefredakteur der Parteizeitung „Slovák“.
Schon als Zwanzigjähriger gründete er Jugendorganisationen der Slowakischen Volkspartei und hielt Reden bei Parteiversammlungen. Zum Journalismus brachte ihn der damalige Chefredakteur der Parteizeitung „Slovák“, Vojtech Tuka, der sein politischer Mentor wurde. Schon als Student las Mach alles, was Tuka im „Slovák“ veröffentlichte. Noch 30 bis 40 Jahre später rezitierte Mach seinen späteren Mitgefangenen Passagen aus Tukas Artikeln.
miniatur|Flagge der faschistischen Rodobrana (1926–1929) Die Freundschaft der beiden begann trotz des großen Altersunterschieds 1926, als Tuka Mach als seinen Gefährten für die Reorganisation der Rodobrana auswählte. Die Mitglieder der Rodobrana bekannten sich offen zu den Ideen des italienischen Faschismus und verehrten Benito Mussolini.
„Mach war der Idee der Rodobrana hingegeben mit Geist und Seele. Auch die zwei Monate im Gefängnis konnten sein Feuer nicht löschen“, schrieb Tuka.
Von Anfang an galt Mach als einer der Hauptredner der Volkspartei. Schon in dieser Zeit waren seine Reden radikal, voll von antitschechischen und antijüdischen Äußerungen. Seine Vorträge hielt er immer mit Pathos und Sentimentalität. So erklärte Mach in einer seiner Reden:
Der slowakische Historiker František Vnuk erklärt in seinem Buch Môj štát, nach welchem Grundsatz Mach sich richtete: „Sag dem Volk, was es schmerzt und verschreib gegen die Krankheit eine starke Medizin.“
1929 wurde Mach gemeinsam mit Vojtech Tuka des Hochverrats angeklagt, aber aus Mangel an Beweisen nur zu zwei Monaten Haft verurteilt. Danach arbeitete er als Redakteur und später Chefredakteur der Parteizeitung „Slovák“.
Nachdem er sich zwei Jahre lang vor dem Parteivorstand der Ludaken für eine Neuaufstellung der ostslowakischen Wochenzeitung Slovenská pravda („Slowakische Wahrheit“) eingesetzt hatte, wurde Mach 1936 zum Chefredakteur der Abendzeitung Slovenská pravda, welche davor bereits als Wochenzeitung in der Ostslowakei herausgegeben wurde. Unter Mach wurde das neue Format dann als dünne und billige Tageszeitung produziert, wobei er in fast jeder Ausgabe eine Kolumne schrieb.Sabine Witt: Nationalistische Intellektuelle in der Slowakei 1918–1945. Kulturelle Praxis zwischen Sakralisierung und Säkularisierung. Berlin / München / Boston 2015, S. 131 f. Mach hatte enge Kontakte zu literarischen Kreisen, vor allem zu Milo Urban und Ladislav Novomeský.
In kurzer Zeit gelang es Mach, bis in die höchsten Ebenen der Partei aufzusteigen. Unter der Aufsicht Tukas wurde er ein radikaler Gegner der Tschechoslowakei und überzeugter Faschist. Seine journalistische Tätigkeit, aber auch das Redetalent verhalfen ihm 1938 dazu, Chef der Propagandaabteilung der autonomen Slowakei zu werden. Außerdem wurde Mach gemeinsam mit Karol Murgaš Stellvertretender Oberbefehlshaber der von Karol Sidor gegründeten Hlinka-Garde.Jörg Konrad Hoensch: Studia Slovaca: Studien zur Geschichte der Slowaken und der Slowakei. S. 212 (online)
Ideologie Mach war ein großer Widersacher des tschechoslowakischen Staates; das damalige parlamentarische System bezeichnete Mach als Diktatur und rief zu dessen Sturz auf. Seine Ideologie orientierte sich am deutschen Nationalsozialismus. So schrieb Mach 1941 in der Gardista:
Mach suchte verschiedene, oft auch zufällige Ähnlichkeiten zwischen der slowakischen und der deutschen Geschichte, und leitete von ihnen sein nationalsozialistisches Verständnis ab. So waren Mach zufolge alle großen Persönlichkeiten der slowakischen Geschichte – von Anton Bernolák über Ľudovít Štúr, Milan Rastislav Štefánik bis Martin Rázus und Andrej Hlinka – eigentlich Nationalsozialisten. In Ľudovít Štúr sah Mach gar einen slowakischen Hitler und zu Štefánik erklärte er:
Politik 1939 bis 1945 Oberbefehlshaber der Hlinka-Garde und Innenminister mini|hochkant|Alexander Mach in gardistischer Uniform mini|Alexander Mach (1941) Nach der Ausrufung der slowakischen Autonomie innerhalb der Tschechoslowakei setzte sich Mach für eine schnelle und vollständige Unabhängigkeit der Slowakei ein. Nachdem sich Karol Sidor auf deutschen Druck hin aus der slowakischen Politik weitgehend zurückziehen musste, übernahm Mach den Oberbefehl über die paramilitärische Hlinka-Garde, die vom radikalen Flügel der Slowakischen Volkspartei geführt wurde. Die Bemühungen der Radikalen, im neuen Staat die Macht zu übernehmen, gipfelte bereits im Februar 1940 in einer politischen Krise.
Um eine deutsche Intervention in die slowakische Innenpolitik zugunsten des radikalen Parteiflügels zu provozieren, reichte Alexander Mach beim Staatspräsidenten Jozef Tiso am 21. Februar 1940 seinen Rücktritt als Oberbefehlshaber der Hlinka-Garde und Leiter des Propaganda-Amtes ein. Tiso verschob eine offene Regierungskrise zunächst, indem er Machs Rücktrittsgesuch ablehnte. Erst drei Monate später, als das Deutsche Reich sich mit Frankreich im Krieg befand, nahm Tiso am 21. Mai 1940 Machs Rücktritt an. Neuer Oberbefehlshaber der Hlinka-Garde wurde mit František Galan ein Vertreter von Tisos Parteiflügel. Galan verfügte umgehend die Unterstellung der Hlinka-Garde unter die Parteiorgane der HSĽS-SSNJ. Außerdem wurden alle möglichen Eingriffe der Hlinka-Garde in den Staatsapparat untersagt.Versuche des Reichsaußenministers zur Abberufung von Karol Sidor in Folge der Verhandlungen in Salzburg, von Beáta Katrebobá-Blehová, S. 435 u. 436 (online [PDF; 247 kB]; slowakisch).
Das Deutsche Reich löste den Konflikt im Salzburger Diktat durch ein direktes Eingreifen in die slowakische Souveränität. Die Radikalen mit Mach und Tuka an der Spitze erzwangen die Abberufung des bisherigen slowakischen Außen- und Innenministers Ferdinand Ďurčanský. Mach wurde neuer Innenminister während Vojtech Tuka neben seiner Funktion als Ministerpräsident auch das Außenministerium übernahm. Außerdem erhielt Mach seinen Posten als Oberbefehlshaber der Hlinka-Garde zurück. Nach dem Salzburger Diktat wurden deutsche Berater in die Slowakei entsandt, die die politische Entwicklung im Land zugunsten der Radikalen überwachen sollten.
Als Innenminister ging Mach gegen verschiedene Gruppen vor, die eine „staatsfeindliche Tätigkeit“ ausübten, vor allem gegen die Kommunisten. Jedoch intervenierte Mach auch zugunsten der Freilassung mehrerer Kommunisten. Im Januar 1940 verkündete Mach vor Mitgliedern der Hlinka-Garde:
Am 10. September 1941 verkündete Mach mit Tuka durch ein Ermächtigungsgesetz den sogenannten Judenkodex. Diese 270 Paragraphen umfassenden antisemitischen Gesetze orientierten sich an den deutschen Nürnberger Gesetzen und boten die Grundlage zur Enteignung, Ächtung, Internierung und schließlich Vernichtung von über 56.000 slowakischen Juden.Jörg Konrad Hoensch: Studia Slovaca: Studien zur Geschichte der Slowaken und der Slowakei, S. 242 u. 243 (online)
Im Jahr 1942 vereinbarte Mach gemeinsam mit Tuka nach geheimen Verhandlungen mit den Deutschen – zunächst ohne das Wissen des Staatspräsidenten Jozef Tiso und der anderen Regierungsmitglieder – die Deportation der slowakischen Juden aus dem slowakischen Staatsgebiet in deutsche „Arbeitslager“ in Polen. In der von Mach unterzeichneten Begründung des Gesetzesentwurfes des Deporationsgesetzes wird erklärt:
Mach gründete im Innenministerium eine eigene antisemitische Abteilung unter Leitung von Anton Vašek, die die Organisation der Deportationen bewerkstelligen sollte. Der erste Transport verließ die Slowakei am 25. März 1942.
Daneben war es auch Mach, der Reichsführer SS Heinrich Himmler um die Entsendung von SS-Führern bat, die bei der Errichtung von Konzentrationslagern in der Slowakei beratend tätig sein sollten.Christoph Dieckmann: Kooperation und Verbrechen: Formen der „Kollaboration“ im östlichen Europa. S. 44 (online) Mach war neben Vojtech Tuka und Karol Murgaš eine der führenden Persönlichkeiten des Slowakischen Nationalsozialismus.
Antisemitismus und Beteiligung am Holocaust mini|Mach während einer Rede mini|Mach vor slowakischem Militär Mach vertrat eine antijüdischen Gesinnung. Schon in der autonomen Slowakei sprach sich Mach gegen die Art und Weise aus, wie die Regierung Tiso die „jüdische Frage“ anhand eines Numerus clausus zu lösen versuchte und forderte radikalere Maßnahmen.Lotte Weiss: Meine zwei Leben: Erinnerungen einer Holocaust-Überlebenden. S. 195 (online) Bei einer Rede vor Mitgliedern der Hlinka-Garde in Rišňovce im Februar 1939 rief Mach:
Als Chef der Propagandaabteilung versuchte er, eine antijüdische Stimmung im Land zu erzeugen und als Innenminister war er für die Mehrheit der antijüdischen Maßnahmen verantwortlich. Nach geheimen Verhandlungen mit der deutschen Führung organisierte Mach gemeinsam mit Tuka die Deportation slowakischer Juden in deutsche Konzentrationslager. Den ersten Transport am 25. März 1942 organisierten Mach und Tuka, noch bevor das slowakische Parlament die Deportationen gesetzlich verabschiedet hatte. Auf die bald folgenden Proteste erklärte Mach, dass „er mit den Deportationen fortfahren werde und für sie die volle Verantwortung übernehme“.
Bis Ende Oktober 1942 wurden fast 58.000 Juden deportiert. Als sich in der Öffentlichkeit Berichte verbreiteten, denen zufolge die deportierten Juden ermordet würden, äußerte sich Mach, dass „das Gerede über ermordete Juden eine schändliche Erfindung der Juden selber und der Feinde des slowakischen Staates ist“. Im Jahr 1943 propagierte er weitere Transporte.
1944 änderte er allerdings seine Meinung und er erklärte auch entgegen der deutschen Forderungen, alle Juden „auszusiedeln“, dass „wenn die Juden es sich mit ihrem Verhalten nicht selbst verschulden und erzwingen, werden wir sie nicht aussiedeln“. Später behauptete Mach bei seiner Vernehmung, dass er bis zum Jahr 1943 nicht gewusst habe, was mit den Juden passierte und dass er es erst erfahren hatte, nachdem ihm der Bischof von Spiš Ján Vojtaššák davon geschrieben hatte:
Verhältnis zu den Nationalsozialisten Obwohl der erste deutsche Gesandte in Bratislava, Manfred von Killinger, der Auffassung war, Mach halte „treu zu Deutschland“, stand sein Nachfolger Hanns Ludin Mach bereits kritischer gegenüber: