mini|Sämtliche Logos seit dem Gründungsjahr 1883.Bis 1974 wurden verschiedene Logos gleichzeitig verwendet. Die Ravensburger AG ist eine weltweit tätige deutsche Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Ravensburg, die international vor allem durch die Herstellung von Gesellschaftsspielen und Puzzles bekannt ist. Als Firmenlogo dient ein blaues Dreieck mit dem Schriftzug „Ravensburger“. 2020 wurden 25 Millionen Spiele und 28 Millionen Puzzles verkauft. Als Puzzlehersteller ist Ravensburger in Europa führend und in Nordamerika an zweiter Position.Martina Meisenberg, Dirk Polzin: Weltpuzzletag - große Nachfrage nach Puzzle am 29. Januar 2024 auf swr.de, abgerufen am 5. Januar 2025
Geschichte Gründung des Verlages Otto Maier mini|Otto Maier 1872
Otto Maier (1852–1925), Sohn des Ravensburger Buchhändlers und Verlegers Carl Maier (1819–1867), wurde 1876 Teilhaber der Dorn’schen Buchhandlung in Ravensburg und Biberach.Anzeigeblatt – Geschäftliche Einrichtungen, Veränderungen u. s.. w. – 47238 im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel und die mit ihm verwandten Geschäftszweige, No 299, Seite 3 vom 28. Dezember 1876, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 19. Februar 2025 Die Gründung eines eigenen Verlages wird im Rückblick auf das Jahr 1883 datiert. In diesem Jahr nämlich schloss der junge Verleger den ersten, heute noch erhaltenen Autorenvertrag ab und nummerierte die von ihm veröffentlichten Spiele fortan mit seinem Namenskürzel als OM 1 usw. (O[tto] M[aier], Spiel Nr. 1ff). Schon 1884 erschienen das erste Gesellschaftsspiel, die Reise um die Erde, und die ersten Jugenderzählungen des Pfarrers Christoph von Schmid.
Ab 1891 war Maier Alleininhaber der Buchhandlung in Ravensburg,Verzeichnis der im Mai 1891 bei der Geschäftsstelle hinterlegten Rundschreiben mit eigenhändiger Unterschrift im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel und die verwandten Geschäftszweige, No 125, Seite 1 vom 3. Juni 1891, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 22. Januar 2025 verkaufte diese aber im März 1893; für die Fortführung der Verlagstätigkeit wurde die Verlagsbuchhandlung „Otto Maier“ im Handelsregister des Königlichen Amtsgericht Ravensburg eingetragen.Bekanntmachungen über Einträge im Handelsregister – K. Amtsgericht Ravensburg – 18. März in Schwäbischer Merkur Nr. 68, Seite 16 vom 22. März 1893, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 19. Februar 2025
Konzentrierte sich Maier in den ersten Jahren auf Vorlagemappen für Handwerker, Bildungs- und Familienspiele, Ratgeber und Kindererzählungen, so kamen um 1900 Bilderbücher, Bücher und Hefte für Kinderbeschäftigungen, kunsttechnische Anleitungen und Bastelliteratur hinzu. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg hatte der Verlag bereits rund 800 verschiedene Spiele- und Büchertitel im Sortiment. Der Name „Ravensburger Spiele“ wurde im Jahre 1900 vom Kaiserlichen Patentamt patentiert. 1912 wurden schon zahlreiche Produkte nach Westeuropa und Russland exportiert. 1914 erwirtschaftete der Verlag 200.000 Mark Umsatz mit 15 Mitarbeitern.Vita Ravensburger auf Ravensburger – Tischkalender zum 125-jährigen Firmenjubiläum (2008) bei der Europäischen Spielesammler Gilde, abgerufen am 9. Dezember 2024
Zweite Generation Im Juli 1920 gründete Maier mit seinem ältesten Sohn Otto Maier (1891–1952) die Offene Handelsgesellschaft „Otto Maier“ (Handelsregistereintrag im Februar 1921), auf die das bisherige Geschäft überging.Handelsregister – Ravensburg, 121386 in Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger Nr. 45 am 23. Februar 1921, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 19. Februar 2025 Otto Maier jun. wurde damit Mitgesellschafter.Wöchentliche Übersicht über geschäftliche Veränderungen und Einrichtungen im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, 88. Jahrgang, No 52, Seite 49 vom 3. März 1921, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 13. Februar 2025 1924 zog sich der Firmengründer aus dem Unternehmen zurück; sein Sohn Otto wurde Geschäftsführer und die beiden anderen Söhne Karl Maier (1894–1979) und Eugen Maier (1899–1945) wurden Mitgesellschafter des Verlags;Ravensburger AG bei encyclopedia.com, abgerufen am 18. Januar 2025 er starb 1925. Danach gab es mit Maiers Ehefrau Helene und den Kindern Otto, Karl und Eugen vier Gesellschafter; später waren die drei Brüder zu gleichen Teilen Gesellschafter.Otto Julius Maier, Andrea Reidt: Der Enkel oder Mister Ravensburger fängt den Hut, veröffentlicht 2013 bei sagas.edition Stuttgart, abgerufen auf yumpu.com am 20. Februar 2025
Ab Ende der 1920er Jahre wurde der Verlag unter anderem durch handliche Kino-Sport-Bücher bekannt. Dabei bezog sich der Hinweis Kino darauf, dass in aufeinanderfolgenden Seiten die Einzelphasen einer Sportart in Fotos dargestellt sind. Beim schnellen Abblättern am Rand bewegen sich die Sportler. Deshalb hieß der Werbespruch auf dem Umschlag auch „mit Bildern, die sich wirklich bewegen“.Wie man flott Skilaufen lernt. Die Technik des Skilaufs von ersten Läufern vorgefahren. Mit Lehre von A. Janner. Verlag Otto Maier Ravensburg, 1932, Druck von Otto Bechtler Buchdruckerei, Esslingen a. N.
Von den 1930er- bis zu den 1950er-Jahren war der Verlag hauptsächlich Buchverlag – Beschäftigungsmittel, Gesellschaftsspiele, Quartette und Geduldsspiele ergänzten das Programm. 1939 erwirtschaftete der Verlag mit 65 Mitarbeitern 600.000 Reichsmark Umsatz. Während der Zeit des Nationalsozialismus erschienen bei Otto Maier unter anderem die von der Reichsjugendführung herausgegebenen Werkblätter der Hitlerjugend.
Eugen Maier starb am letzten Kriegstag, am 8. Mai 1945. Ansonsten überstand der Verlag „Otto Maier“, der seit diesem Zeitpunkt als Kommanditgesellschaft geführt wurde, den Zweiten Weltkrieg ohne Schäden und arbeitete danach schon in den Jahren des Wiederaufbaus weiter.
1946 wurde die Tochtergesellschaft „Graphische Kunstanstalt Maier“ GmbH gegründet. Diese betrieb eine Druckerei mit graphischer Kunstanstalt, später auch Kartonage, Buchbinderei, Plastik- und Holzverarbeitung. Karl Maier war Geschäftsführer; Otto Julius Maier wurde 1970 weiterer Geschäftsführer, Dorothee Hess-Maier ab 1978 ebenso.
1949 kam der Buchhändler Erwin Glonnegger zum Verlag, anfangs im Vertrieb von Fachbüchern,„Spielepapst“ Erwin Glonnegger wird 90 Jahre alt im Mai 2015 auf spielzeuginternational.de, abgerufen am 9. Dezember 2024 war er ab 1951 für das Spieleprogramm beim Verlag zuständig.Ravensburger Spiele aus den 50er Jahren bei der Europäischen Spielesammler Gilde, abgerufen am 19. Dezember 2024 Zu dieser Zeit machte der Buchverlag ungefähr 1,5 Millionen DM und der Spieleverlag 0,5 Millionen DM Umsatz.Kirsten Becker: Erlebte Geschichten mit Erwin Glonnegger am 16. Mai 2010 auf wdr.de, abgerufen am 21. Dezember 2024
1952 starb Otto Maier; sein Bruder Karl war damit alleiniger persönlich haftender Gesellschafter der Kommanditgesellschaft.
In den 1950er Jahren wuchs das Programm an Gesellschaftsspielen, Kinder- und Jugendbüchern und an Fachbüchern für Kunst, Architektur und Hobby.
mini|Logo für Spiele, ca. 1957 bis 1973 Ab 1957 wurden verschiedene Logos mit einem Dreieck und verschiedenen Schriftzügen („Ravensburger Spiele“, „Ravensburger Bilderbücher“ bzw. „Otto Maier Verlag Ravensburg“) eingeführt, hierbei wurden verschiedene Farben für das Dreieck (z. B. schwarz, grün, blau oder rot) und den Schriftzug (z. B. schwarz oder weiß) verwendet.
1959 erschien das Spiel memory, 1960 das Spiel Malefiz, welche beide millionenfach verkauft wurden. Seit Beginn der 1960er Jahre überflügelte der Spielebereich den Buchsektor beim Umsatz.
Mit einem neuen Gesellschaftsvertrag Ende der 1950er oder Anfang der 1960er Jahre wurde das Unternehmen von „Otto Maier“ in „Otto Maier Verlag“ (ab 1961 als HRA 20 beim Amtsgericht Ravensburg geführt) umbenannt;
Dritte Generation 1963 wurde Otto Julius Maier (* 1930), Sohn von Otto Maier, zuvor Prokurist, neben Karl Maier ebenfalls persönlich haftender Gesellschafter. 1967 wurde Dorothee Hess-Maier (* 1936), Tochter von Eugen Maier, zuvor ab 1963 Prokuristin, ebenfalls persönlich haftende Gesellschafterin.
Das Unternehmen wuchs stark und entwickelte sich zu einem großen Medienunternehmen, es entstanden ausländische Tochterunternehmen in den Niederlanden (1964) und Italien (1966).
Seit 1964 produziert der Verlag Interlocking-Puzzles, von denen mittlerweile jährlich bis zu 28 Millionen Stück (2020) verkauft werden. 1965 erwirtschaftete der Verlag mit 280 Mitarbeitern über 10 Millionen DM Umsatz. 1969 wurde der „Ravensburger Verlag Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ gegründet.
1969 stieg der Otto Maier Verlag beim 1934 in Stuttgart gegründeten,Oliver Pütz: Löhmann-Mitarbeiter gibt Führung am 5. Mai 2023 auf schwarzwaelder-bote.de, abgerufen am 24. Februar 2025 seit 1954 in Wildberg ansässigen Sportartikel- und Spielwarenhersteller „Fritz Löhmann Holz- und Spielwarenfabrik“ ein.Jacqueline Geisel: Als man noch mit Löhmann Billard spielte am 7. März 2023 auf schwarzwaelder-bote.de, abgerufen am 24. Februar 2025 1970 wurde in Wildberg die „Fritz Löhmann Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ gegründet. 1973 zogen sich Fritz und Margarete Löhmann aus Altersgründen zurück; die Geschäftsführung wurde 1975 abgegeben. 1977 wurde das Unternehmen nach Ravensburg verlegt; 1981 wurde die in Ravensburg ansässige Abteilung verkauft.
1970 gründeten verschiedene Spielwarenhersteller (Lego, Otto Maier Verlag, Margarete Steiff, Gebrüder Faller, Gebrüder Märklin) in Stuttgart das Marktanalyseunternehmen „Markenspielwarendienst“ als Joint Venture (GmbH HRB 4211 beim Amtsgericht Stuttgart).opera mundi europe – rapports hebdomadaires sur l’économie européenne (französisch; deutsch: wöchentliche Berichte über die europäische Wirtschaft) No 587, Seite 42 vom 17. November 1970 bei aei.pitt.edu, abgerufen am 18. Februar 2025 Erste Geschäftsführer waren Karl Franck (Lego), Otto Julius Maier, Hans-Otto Steiff (Steiff), Edwin Faller (Faller) und Karl Heller (Märklin); später wurde Heinz-Georg Schöneberg (Revell), danach Dieter Breede Geschäftsführer. 1984 wurde das Unternehmen mit der Otto Maier Verlag GmbH verschmolzen.
1970 wurde die Schweizer Niederlassung „Otto Maier GmbH“ gegründet.Handelsregister – Zürich im Schweizerischen Handelsamtsblatt No 66, Seite 625 vom 20. März 1970, abgerufen auf e-periodica.ch am 25. Februar 2025 Kurz darauf wurde zusammen mit dem Schweizer Spielehersteller „Carlit“ die „Carlit- und Ravensburger-Spiele Vertriebs AG“ gegründet.Handelsregister – Zürich im Schweizerischen Handelsamtsblatt No 184, Seite 1812 vom 10. August 1970, abgerufen auf e-periodica.ch am 30. Dezember 2024 Weitere Tochterunternehmen entstanden in Österreich (1970) und Frankreich (1974).
mini|Logo der Marke Ravensburger, ab 1974 Seit 1974 wird für alle Produkte (u. a. Bücher, Spiele und Puzzles) in der rechten unteren Ecke das als Warenzeichen eingetragene Logo mit dem blauen Dreieck und dem weißen Schriftzug „Ravensburger“ verwendet. Die vorher für verschiedene Produkte verwendeten verschiedenen Logos wurden nicht weiter geführt.
1977 wurde das Unternehmen organisatorisch in einen Spieleverlag und einen Buchverlag mit getrennten Außendiensten (getrennte Geschäftsbereiche) aufgeteilt.
Ab 1977 war Carlit ein Tochterunternehmen des Ravensburger Verlags.Nous aimons les jeux (französisch) in FAN – L’Express vom 1. Januar 1986, Seite 28, abgerufen auf e-newspaperarchives.ch am 25. Februar 2025 1979 wurde die in Rupperswil (Schweiz) ansässige „Otto Maier GmbH“ mit der „Carlit AG“ verschmolzen.Handelsregister – Aargau im Schweizerischen Handelsamtsblatt No 74, Seite 984 vom 29. März 1979, abgerufen auf e-periodica.ch am 25. Februar 2025
1979 erwirtschaftete der Verlag mit 800 Mitarbeitern über 100 Millionen DM Umsatz. 1979 starb Karl Maier.