Das Kampfgeschwader 100 war ein Verband der Luftwaffe der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Aufgrund seines Wappens wurde es auch Wiking-Geschwader genannt. Als Kampfgeschwader, ausgestattet mit Bombern, erst vom Typ Heinkel He 111, dann mit der Dornier Do 217 und zuletzt mit der Heinkel He 177 führte es Luftangriffe mit Bomben auf zugewiesene Ziele durch. Die II. und die III. Gruppe waren spezialisiert auf die Schiffsbekämpfung auf hoher See und versenkten Schiffe vom Ärmelkanal bis zum Mittelmeer und vom Nordmeer bis zum Schwarzen Meer. Dazu verwendeten sie Bomben und Lufttorpedos. Das Geschwader beteiligte sich am Norwegenfeldzug, der Luftschlacht um England und dem Deutsch-Sowjetischen Krieg. Ab 1942 kam es gegen die Westalliierten im Mittelmeerraum und im Bereich des Vereinigten Königreichs zum Einsatz. Letzte Teile des Geschwaders wurden am 2. Februar 1945 aufgelöst.

Aufstellung Der Ursprung des Geschwaders war die am 26. August 1938 in Fliegerhorst Köthen aufgestellte Luftnachrichten-Abteilung 100, die über die 1. Fliegerkompanie (ausgestattet mit der Junkers Ju 52/3m) und die 2. Fliegerkompanie (Heinkel He 111) verfügte. Diese wurde am 18. November 1939 in Kampfgruppe 100 mit der 1. und 2. Staffel umbenannt. Eine 3. Staffel entstand am 13. Juli 1940. Nachdem am 15. Dezember 1941 ein Geschwaderstab Kampfgeschwader 100 gebildet hatte, wurde diesem die bisherige Kampfgruppe 100 als I. Gruppe unterstellt. Die II. Gruppe war die im Winter 1941/42 umbenannte III. Gruppe des Kampfgeschwaders 26. Als III. Gruppe übernahm das Geschwader im Winter 1941/1942 die Küstenfliegergruppe 126. Eine IV. (Ergänzungs-)Gruppe entstand ebenfalls. Das Geschwader war anfangs mit der Heinkel He 111, später mit der Dornier Do 217 und der Heinkel He 177 ausgestattet. Die Geschwaderkennung war 6N.

Gliederung Der Geschwaderstab führte die I. bis IV. Gruppe die wiederum in Staffeln unterteilt waren. Die 1. bis 3. Staffel gehörte der I. Gruppe, die 4. bis 6. Staffel der II. Gruppe, die 7. bis 9. Staffel der III. Gruppe und die 10. bis 12. Staffel der IV. Gruppe an. Jede Staffel, geführt durch einen Staffelkapitän, war in drei Schwärme mit je vier Flugzeugen unterteilt. Daraus ergab sich eine Sollstärke der Bombergruppe von 36 Flugzeugen in den drei Staffeln + ein Flugzeug für den Gruppenkommandeur. Dies ergab bei vier Bombergruppen eine Sollstärke von 148 Flugzeugen, + 4 Flugzeuge für den Geschwaderkommodore und seinen Stab. Daraus ergibt sich eine Sollstärke von 148 Flugzeugen. Die IV. Gruppe war eine Ergänzungsgruppe und nahm in der Regel nicht an Kampfeinsätzen teil. In ihr wurden frisch ausgebildete oder rekonvaleszente Flieger eine Zeitlang an die Frontbedingungen gewöhnt und geschult, bevor sie in eine der drei Einsatzgruppen wechselten. Darum hatte sie meist ihren Standort in der Heimatbasis des jeweiligen Geschwaders.

Geschichte Nordsee 1939/40 Die selbständige Kampfgruppe 100 begann ab dem 6. Dezember 1939 vom Fliegerhorst Köthen () aus Einsätze gegen britische Schiffe in der Nordsee zu fliegen. Dabei flog sie mit ihren Heinkel He 111H-2 bewaffnete Aufklärung bis zu den Orkney-Inseln und entlang der norwegischen Küste. Die He 111H-2 hatte zwei Junkers Jumo 211-Motoren, die jeweils 1200 PS leisteten und dem Bomber eine Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h mit 2500 kg Bomben an Bord ermöglichte. Am 13. Februar 1940 schossen britische Spitfires der 54. Staffel den Gruppenkommandeur Oberstleutnant Joachim Stollbrock mit seiner He 111 (Geschwaderkennung 6N+BB) ab. Dieser befand sich auf einem Flug im Bereich der Themsemündung bei Manston, um das neue Funkleitstrahl-System X-Verfahren zu testen.

Überfall auf Dänemark und Norwegen Die Kampfgruppe 100 war mit der 1. bis 3. Staffel, ausgestattet mit der Heinkel He 111 H-2 und H-3, im Rahmen des X. Fliegerkorps, am Überfall auf Dänemark und Norwegen beteiligt. Die Liegeplätze in dieser Zeit wechselten häufig. So war sie nacheinander in Nordholz (), Schleswig (), Jonsvatnetsee (), Aalborg-West (), Trondheim-Vaernes () und Stavanger Sola () stationiert. Während des Unternehmens versenkte sie am 4. Mai 1940 den polnischen Zerstörer Grom (), der gerade deutsche Landungstruppen in Narvik mit seiner Artillerie beschoss. Dabei starben 59 polnische Seeleute. Am 20. Mai musste der Gruppenkommandeur Hauptmann Arthur von Casimir mit seiner He 111H-2 (Geschwaderkennung 6N+NH) auf dem Jonsvatnetsee notlanden. Er und seine Besatzung konnten unverletzt gerettet werden. Das Flugzeug versank im Wasser und wurde im Jahr 2004 wieder gehoben und restauriert. Neun Tage später geriet Hauptmann von Casimir in britische Kriegsgefangenschaft als seine He 111H-3 (Geschwaderkennung 6N+BA) nahe Hamarøy von einer britischen Hawker Hurricane der 46 Squadron abgeschossen wurde.

Am 26. Mai versenkte die Kampfgruppe 100 vor Skånland, unter Verlust von 9 britischen Seeleuten, den britischen Flakkreuzer HMS Curlew ().

Am 31. Mai 1940 verlegte die Kampfgruppe 100 zurück nach Lüneburg und war der 9. Fliegerdivision unterstellt, die zu dieser Zeit ihre Befehle direkt vom Oberkommando der Luftwaffe bekam. Hier erhielt die Gruppe neue He 111H-3, die alle mit dem X-Gerät ausgerüstet waren.

Luftschlacht um England Zum 9. August 1940 wechselte die Kampfgruppe 100 in den besetzten Teil Frankreichs, auf den Flugplatz Vannes-Meucon (). Dort war sie der 9. Fliegerdivision der Luftflotte 2 unterstellt.Ulf Balke: Der Luftkrieg in Europa 1939–1941, Bechtermünz Verlag, ISBN 3-86047-591-6, S. 408–413.

In der am 13. August beginnenden Luftschlacht um England übernahmen die Besatzungen der Kampfgruppe 100 mit ihren Heinkel He 111H-3 die Aufgabe eines Zielfinders/Zielmarkierers (Pfadfinderaufgaben). Dabei wendete sie das X-Verfahren des deutschen Physikers Johannes Plendl an, mit dem es möglich war, auf 350 km Entfernung ein Quadrat von 300 Metern Breite zu treffen. In dieser Funktion waren sie bei allen großen Luftangriffen auf London, Glasgow, Birmingham, Liverpool, Manchester und anderen beteiligt. Auch beim Luftangriff auf Coventry () am 14. November 1940 übernahm die Kampfgruppe die Zielfindung/Zielmarkierung für die nachfolgenden Kampfflugzeuge. Insgesamt starben in dieser Nacht in Coventry mindestens 568 Menschen.BBC: 1940: Germans bomb Coventry to destruction (= On this day, 15 November) Online, abgerufen am 6. Februar 2017.

Deutsch-Sowjetischer Krieg 1941 Bei Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 befand sich die Kampfgruppe 100 noch im besetzten Frankreich und war dem IX. Fliegerkorps der Luftflotte 3 zugeteilt. Erst am 19. Juli wechselte sie zum II. Fliegerkorps der Luftflotte 2 auf den Fliegerhorst Terespol () und ab 1. August auf den Fliegerhorst Bobruisk () beide im Mittelabschnitt der Ostfront gelegen.

Für die Luftangriffe auf Moskau übernahm sie wiederum Zielfinder/Zielmarkierungsaufgaben. Der erste Luftangriff auf Moskau erfolgte in der Nacht des 21./22. Juli. Insgesamt 195 Bomber der Kampfgeschwader 2, 3 und 53 machten sich unter der Führung der Kampfgruppe 100 auf den Weg. Nachdem 127 Bomber den Zielraum erreichten, warfen sie 104 Tonnen Spreng- und 46.000 Brandbomben ab.

Bei der am 2. Oktober beginnenden Schlacht um Moskau war sie dem II. Fliegerkorps der Luftflotte 2 unterstellt. Am 13. November verlegte die Kampfgruppe 100 nach Hannover-Langenhagen, um dort aufgefrischt zu werden. Danach wechselte sie am 11. Dezember auf den Fliegerhorst Märkisch-Friedland (), wo sie am 15. Dezember dem Geschwaderstab des Kampfgeschwaders 100 als I. Gruppe unterstellt wurde. Am gleichen Tag wurde die in Seschtschinskaja im Mittelabschnitt der Ostfront stationierte III. Gruppe des Kampfgeschwaders 26 in II. Gruppe des Kampfgeschwaders 100 umbenannt. Dem VIII. Fliegerkorps unterstellt blieb sie bis Februar 1942 in diesem Sektor und unterstützte die Bodentruppen gegen die großangelegte sowjetische Gegenoffensive vor Moskau. Anschließend übergab sie ihre Flugzeuge an die I. Gruppe des Kampfgeschwaders 28 und ging nach Poix, in das deutschbesetzte Frankreich, wo sie neu ausgerüstet wurde.

1942 Die I. Gruppe des Geschwaders erschien am 30. Januar 1942 auf dem Fliegerhorst Saky () auf der Krim im Süden der Ostfront. Dort war sie erst dem Fliegerführer Süd und ab April dem VIII. Flieger-Korps der Luftflotte 4 unterstellt. Der Geschwaderstab folgte am 21. April ebenfalls nach Saky. Im März verfügte die I. Gruppe über 19 Heinkel He 111H-6. Die Ausführung H-6 hatte zwei Jumo 211 D-Motoren die jeweils 1200 PS leisteten. Damit war eine Höchstgeschwindigkeit von 400 km/h und eine Bombenlast von 2500 kg möglich.

Die ersten Einsätze dienten der Schiffsbekämpfung auf dem Asowschen- und dem Schwarzen Meer, insbesondere der Frachter die die eingeschlossenen sowjetischen Truppen in der Seefestung Sewastopol versorgten und von der Schwarzmeerflotte geschützt wurden. Dabei legte die I. Gruppe auch Minen vor die Häfen von Anapa, Tuapse und Noworossijsk, sowie vor der kaukasischen Schwarzmeerküste und in der Straße von Kertsch.Christer Bergström: Stalingrad – The Air Battle: 1942 through January 1943. Midland Publishing, Hinkley. ISBN 978-1-85780-276-4, S. 27 Am 20. Februar versenkte der Staffelkapitän der 1. Staffel, Oberleutnant Hansgeorg Bätcher, den Frachter Kommunist (1900 BRT). Durch sowjetische Luftangriffe auf die Basis Saky verlor die I. Gruppe im Februar/März/April insgesamt 7 Heinkel He 111H-6 am Boden. Am 3. März flog sie einen ersten Luftangriff auf den Hafen von Sewastopol und verstärkte anschließend ihre Luftangriffe auf Schiffsbewegungen im Schwarzen Meer.H. L. de Zeng, D. G. Stankey, E. J. Creek, S. 268 Dabei wurde am 16. und am 17. März jeweils eine He 111H-6 durch sowjetische Jäger des 27. Jagdflieger-Regiments abgeschossen.Christer Bergström, Andrey Mikhailov: Black Cross / Red Star Air War Over the Eastern Front, Volume II, Resurgence January–June 1942. Pacifica, California: Pacifica Military History. ISBN 978-0-935553-51-2, S. 130 Am 2. Juni griff die I. Gruppe, zusammen mit dem Kampfgeschwader 76 und dem Sturzkampfgeschwader 77, die Seefestung Sewastopol an und warfen 570 Tonnen Bomben ab.Christer Bergström, Andrey Mikhailov: Black Cross / Red Star Air War Over the Eastern Front, Volume II, Resurgence January–June 1942. Pacifica, California: Pacifica Military History. ISBN 978-0-935553-51-2, S. 194 Damit leitete es die Eroberung von Sewastopol ein, die am 4. Juli abgeschlossen wurde. Während dieser Zeit flog die I. Gruppe 1339 Einsätze gegen Sewastopol und warf über 2000 t Bomben auf die Seefestung.

Am 10. Juni landeten Bomber der 3. Staffel einen direkten Bombentreffer auf dem sowjetischen Passagierschiff Abkhaziya (4727 BRT) das im Hafen von Sewastopol lag. Aufgrund dessen gab es eine Explosion an Bord und das Schiff sank. Sieben Besatzungsmitglieder starben. Bei diesem Luftangriff wurde auch der sowjetische Zerstörer Svobodny (1727 t) in der Südbucht versenkt. Einen weiteren Luftangriff am 2. Juli führte die I. Gruppe auf die sowjetische Hafenstadt Noworossijsk durch. Dabei zerstörte sie den schon beschädigten Flottillenführer Taschkent, versenkte den Zerstörer Bditelny, die Transporter Ukraina (4727 BRT) und Proletari (1123 BRT) und beschädigte den Schulkreuzer Komintern, die Zerstörer Soobrazitelny und Nezamozhnik, die Wachboote Shtorm und Shkval, das Unterseeboot L-24 sowie die Transporter Voroshilov (3908 BRT) und Kursk (5801 BRT). mini|Luftangriff auf die Stalingrader Innenstadt.