mini|Blick auf Bockenheim
Bockenheim an der Weinstraße (pfälzisch Bockrem []) ist die am weitesten nördlich gelegene Ortsgemeinde im Landkreis Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz). 1956 entstand sie durch Zusammenlegung der Gemeinden Großbockenheim und Kleinbockenheim. Sie gehört der Verbandsgemeinde Leiningerland an und ist, gemessen an der Einwohnerzahl, mit rund 2331 Einwohnern deren fünftgrößte Ortsgemeinde.
Geographie Lage und Umgebung Das pfälzische Bockenheim liegt im Alzeyer Hügelland. Es ist Teil der europäischen Metropolregion Rhein-Neckar und bildet den nördlichen Abschluss des Landkreises Bad Dürkheim. Unmittelbar nördlich schließt sich der rheinhessische Landkreis Alzey-Worms an.
Die Ortsgemeinde besteht aus den Ortsteilen Großbockenheim im Süden und Kleinbockenheim im Norden, die inzwischen baulich nahezu vollständig zusammengewachsen sind. Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn Monsheim, Hohen-Sülzen, Offstein, Obrigheim (Pfalz), Grünstadt, Quirnheim, Kindenheim und Wachenheim (Pfrimm).
Erhebungen und Flüsse Die westlich der Wohnbebauung von Großbockenheim in zwei Terrassen ansteigenden Hügel heißen St. Petersberg, Sonnenberg und Fahnenberg. Nördlich des Siedlungsgebiets unweit der Grenze zu Monsheim und Wachenheim erstreckt sich der Kieselberg. Durch den Norden der Gemarkung fließt von Südwest nach Nordost der Kinderbach, ein rechter Zufluss der Pfrimm.
Geschichte Die beiden Ursprungsortschaften Großbockenheim und Kleinbockenheim waren jahrhundertelang wegen der geringen räumlichen Distanz und durch ihren Namen eng miteinander verbunden. Sie waren nach der um das Jahr 500 einsetzenden fränkischen Landnahme aus kleinen Ansiedlungen entstanden, die sich um fränkische Gutshöfe entwickelt hatten. Die älteste erhaltene Erwähnung von Bockenheim stammt von 770 und findet sich im Lorscher Codex unter der Bezeichnung Buckenheim. Das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538).
Im April 1525 bildete sich im Pfälzischen Bauernkrieg der Bockenheimer Haufen, eine Zusammenrottung von Bauern, die sich den Aufständischen anschlossen.
Bereits während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts betrieben die beiden Dörfer eine Reihe gemeinsamer Institutionen wie beispielsweise ein Schulhaus oder mehrere Vereine. Ein vehementer Befürworter einer Vereinigung beider Gemeinden war der örtliche Volksschullehrer Jakob Böshenz. Ein erster Anlauf zu einer Zusammenlegung im Jahr 1947 schlug zunächst fehl, da die Mehrheit beider Gemeinderäte dagegen stimmte. Ein erneuter Anlauf fand sieben Jahre später statt; Anlass war die geplante Errichtung eines neuen Schulhauses, das den Zusammenschluss fördern sollte. Eigens dafür fand eine gemeinsame Sitzung beider Gemeinderäte statt. 1955 fiel letztlich der Beschluss zur Gemeindefusion, die am 1. Oktober 1956 vollzogen wurde. Die neu entstandene Gemeinde erhielt die Bezeichnung Bockenheim an der Weinstraße.
Diese gehörte zunächst dem Landkreis Frankenthal (Pfalz) an. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte Bockenheim 1969 in den neu geschaffenen Landkreis Bad Dürkheim. Drei Jahre später erfolgte die Zuordnung zur ebenfalls neuen Verbandsgemeinde Grünstadt-Land, die am 1. Januar 2018 in der Verbandsgemeinde Leiningerland aufging.
Politik Gemeinderat Der Ortsgemeinderat in Bockenheim besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FWG Gesamt 2024 6 3 7 16 Sitze 2019 6 4 6 16 Sitze 2014 7 4 5 16 Sitze 2009 8 4 4 16 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2009, Stadt- und Gemeinderatswahlen. 2004 8 4 4 16 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Bockenheim e. V.
Bürgermeister Ortsbürgermeister war bis Ende August 2024 Gunther Bechtel (SPD). Bei einer Stichwahl am 16. Juni 2019 setzte er sich mit einem Stimmenanteil von 52,22 % durch, nachdem bei der Direktwahl am 26. Mai keiner der ursprünglich drei Kandidaten eine ausreichende Mehrheit erreicht hatte.
Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 trat Bechtel nicht mehr an. Stattdessen setzte sich Uli Keidel (parteilos) mit 60,0 % der Stimmen gegen eine Kandidatin der SPD durch. Seine Amtseinführung war am 28. August 2024.
Amtszeit Name Partei/Wählergruppe seit 2024 Uli Keidel parteilos ab 2019 Gunther Bechtel SPD ab 2004 Kurt Janson parteilos ab 1999 Emil Wagner FWG ab 1996 Horst Kern SPD ab 1989 Eugen Ackermann SPD ab 1974 Erich Mattern SPD ab 1964 Karl Keidel SPD ab 1956 Karl Ludwig Böll WG Bühler
Wappen
Gemeindepartnerschaft Eine Gemeindepartnerschaft besteht zwischen Bockenheim und der französischen Gemeinde Grandvilliers im Département Oise.
Sehenswürdigkeiten und Kultur Bauwerke mini|hochkant|Schlossweg 8: Tor zur Emichsburg
Kulturdenkmäler
Die Überbleibsel der Emichsburg und der Ortskern von Kleinbockenheim sind als Denkmalzonen ausgewiesen.
Die Emichsburg befand sich einst im Besitz der Leininger Grafen. Sie wurde nach mehrfachen Verwüstungen beim Wiederaufbau ab 1582 in ein Schloss umgewandelt, das in der Folgezeit ebenfalls zerstört wurde. Seine Reste sind in ein Weingut integriert, das sich deshalb Schlossgut nennt. Der Kleinbockenheimer Ortskern wird von zahlreichen alten Gehöften geprägt, von denen immer mehr restauriert werden.
Der Turm der romanischen Martinskirche stammt aus dem 11. Jahrhundert. Auf dem St. Petersberg steht die Heiligenkirche, die Simon Petrus zum Patron hat. Es handelt sich um eine barocke Kapelle, unter deren Altar eine Quelle entspringt. Sie steht auf den Fundamenten einer größeren romanischen Kirche. Hinzu kommen außerdem zahlreiche Wingerthäuser, die als Trulli errichtet wurden.
Sonstige Bauwerke
mini|Haus der Deutschen Weinstraße
1995 wurde als Gegenstück zum Deutschen Weintor in Schweigen, welches seit 1936 den südlichen Beginn der Deutschen Weinstraße kennzeichnet, zwischen Groß- und Kleinbockenheim das Haus der Deutschen Weinstraße errichtet. Stilistisch an ein römisches Kastell angelehnt, überspannt es brückenartig die Weinstraße und bietet neben einem Restaurant (120 Plätze) mit Seeterrasse auch verschiedenen Veranstaltungsräumen Platz. Im Turmzimmer mit Ausblick auf die umgebenden Rebenhügel sowie die Rheinebene bis hin zum Odenwald findet für Trauwillige die Weinstraßenhochzeit statt.
Das Bürgerhaus der Gemeinde erhielt den Namen Emichsburg nach der gleichnamigen Ruine. Im Nordwesten des Ortes befindet sich außerdem eine Kneipp-Anlage.
Natur Obwohl außerhalb des Pfälzerwalds gelegen, ist der Westen der Gemarkung Bestandteil des Naturparks Pfälzerwald. Innerhalb der Bockenheimer Gemarkung gibt es insgesamt neun Naturdenkmäler, darunter der sogenannte Katzenstein in der Nähe der Heiligenkirche. Bei ihm handelt es sich um einen Kalksteinblock, der als vorchristlicher Opferaltar angesehen wird. Er soll zu einem heidnischen Kultplatz auf dem Hügel gehört haben, den laut Volkssage der lokale Heilige Philipp von Zell in einen christlichen Ort umgewandelt hat.
Veranstaltungen mini|Mundartgemeinde Bockenheim
Zur Heiligenkirche finden jährlich im zeitlichen Umfeld des Peter-und-Paul-Festes Wallfahrten statt.
Seit 1953 wird in Bockenheim in jedem Oktober der Pfälzische Mundartdichterwettstreit ausgetragen, zu dem sich Pfälzer Mundart schreibende und sprechende Teilnehmer treffen. Die Jury zeichnet bis zu zehn Gedichte aus.
Die alljährlich an einem Maiwochenende stattfindenden Bockenheimer Mundarttage wurden dadurch bekannt, dass Dialektologen vor Publikum über Mundarten referierten und darüber – traditionell im Dialekt – auf dem Podium diskutierten.
Zudem wird vor Ort jährlich eine „Kerweredd“ gehalten; diejenige von 1991 war im darauf folgenden Jahr Gegenstand eines Gerichtsprozesses, bei dem es um den Widerruf bestimmter Passagen der Rede ging.
Seit 1998 wird der Marathon Deutsche Weinstraße veranstaltet, bei dem Bockenheim sowohl Start- als auch Zielort ist. 2015 wurde im Schloss der Deutsch-Pennsylvanische Tag veranstaltet.
Am 2. Februar 2020 wurde in Bockenheim erstmals ein „Murmeltiertag“ durchgeführt, in dessen Verlauf „Bockrem Bert“ das Winterwetter für die nachfolgenden sechs Wochen verkündete. Seitdem wird jährlich ein entsprechender Wetterbericht herausgegeben, der auf dem Umstand fußt, ob das Murmeltier an „Maria Lichtmess“ seinen Schatten sieht oder nicht. Nach einer alten Bauernregel bedeutet nämlich Sonnenschein an diesem Tag, dass der Winter noch sechs Wochen dauert.
Burschenschaft 1813 Wie für die Region typisch, gibt es in Bockenheim eine Burschenschaft. Die Tradition der Burschenschaft 1813 Bockenheim reicht über 200 Jahre zurück. Wer in die Vereinigung aufgenommen werden will, kann sich bei einer der Versammlungen in einer Bockenheimer Wirtschaft bewerben, sofern er Einwohner der Gemeinde Bockenheim ist. Punkt 2 der Tagesordnung ist dann die „Burschung“. Dabei muss der „Neiborsch“ einen Schoppen Wein in einem Zug leeren. Danach bekommt der Neuling die Statuten der Burschenschaft vorgelesen und wird vereidigt. Damit ist er in die Gemeinschaft der Burschen aufgenommen.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Bockenheim ist ein altes Winzerdorf, in dem seit mehr als 1200 Jahren Weinbau betrieben wird. Er ist auch heute noch der wichtigste Wirtschaftszweig des Ortes. Bockenheims Weinberge erstrecken sich auf über 400 Hektar. Auf Gemarkung der Gemeinde befinden sich die Großlage Grafenstück sowie mehrere Einzellagen. Ein Teil der Weinberge wird vom Weingut Kreutzenberger im benachbarten Kindenheim bewirtschaftet. Daneben gewinnt der Tourismus zunehmend an Bedeutung.
Verkehr Straßenverkehr Bockenheim ist der nördlichste Ort an der 85 km langen Deutschen Weinstraße. Diese verläuft hier auf der Bundesstraße 271 und führt in Nord-Süd-Richtung noch schmal und kurvenreich mitten durch den Ort. Von ihr aus besteht eine Anbindung an die 6 km südlich gelegene Anschlussstelle Grünstadt der Autobahn 6 (Mannheim–Saarbrücken). Am südlichen Ortsrand zweigt von der Bundesstraße die Kreisstraße 27 nach Colgenstein ab.
Bereits seit den 1990er Jahren wird seitens der Kreisverwaltung eine Ortsumgehung im Osten angestrebt. Im Bundesverkehrswegeplan 2030 ist (Stand 2016) eine solche Umgehung allerdings nicht vorgesehen.
Bahnverkehr mini|Bockenheimer Bahnhof, ungefähr 1932/1933
Die Bahnstrecke der 1873 auf voller Länge eröffneten Pfälzischen Nordbahn Neustadt–Monsheim verläuft am östlichen Ortsrand. Der Bahnhof Bockenheim-Kindenheim war seinerzeit als gemeinsame Bahnstation von Großbockenheim, Kindenheim und Kleinbockenheim ausgelegt. 1984 wurde der Personenverkehr zwischen Grünstadt und Monsheim eingestellt, elf Jahre später jedoch reaktiviert. Seither wird die zwischenzeitlich zum Haltepunkt zurückgebaute Betriebsstelle im Rheinland-Pfalz-Takt von Regionalbahnen bedient. Die Fahrten in südlicher Richtung führten zunächst jedoch ausschließlich bis nach Grünstadt aufgrund fehlender Kreuzungsmöglichkeiten sowie der Verlagerung der Verkehrsströme nach dem Zweiten Weltkrieg. Seit dem Fahrplanwechsel 2023 verkehren Züge über Grünstadt hinaus bis nach Frankenthal, wo Anschluss an die S-Bahn Rhein-Neckar besteht.
Der öffentliche Nahverkehr ist in den Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) integriert, es gelten dessen Gemeinschaftstarife.
Radwege Für Fuß- und Radwanderer ist Bockenheim nördlicher Ausgangspunkt des Kraut-und-Rüben-Radwegs und des Radwegs Deutsche Weinstraße. Der Barbarossa-Radweg verläuft durch den Ort.
Fernwanderweg