mini|William Andrews Clark mit seinen Töchtern in „Columbia Gardens“, Butte. Andrée (links), Huguette (rechts)

Huguette Marcelle Clark (* 9. Juni 1906 in Paris, Frankreich; † 24. Mai 2011 in New York, Vereinigte StaatenHuguette Clark bei telegraph.co.uk, abgerufen am 29. Mai 2011) war eine US-amerikanische Millionärin, die vor allem für ihr exzentrisches Verhalten bekannt war.

Leben Huguette Clark kam am 9. Juni 1906 in Paris als zweites Kind des Industrie-Tycoons William Andrews Clark und seiner zweiten Frau Anna Eugenia Clark (geborene Chapelle) zur Welt. Clark galt zu Lebzeiten als einer der reichsten Männer der USA. Er war auch politisch aktiv und war zwischen 1899 und 1900 sowie von 1901 bis 1907 Senator für Montana. Ihr Vater hatte nach dem Tod seiner ersten Frau das ehemalige Kindermädchen der Familie geheiratet. Die Ehe wurde vermutlich 1901 geschlossen. Vor der amerikanischen Öffentlichkeit wurde sie jedoch zunächst geheim gehalten, da die 39 Jahre jüngere Frau hier als nicht standesgemäß galt. Clark und seine Frau konnten so nur in Europa gemeinsam als Paar auftreten, was sich erst im Jahr 1904 änderte, als die Verbindung nach Presseberichten auch in den Vereinigten Staaten bekannt wurde. Aus der ersten Ehe ihres Vaters hatte sie noch fünf Geschwister, von denen mindestens eine vor ihrer Geburt verstarb.

Ihre Kindheit verbrachte sie ab 1907 in einer prachtvollen Villa an der Fifth Avenue. Sie besuchte die New Yorker Miss Spence’s School for Girls. Als ihre Schwester Andree 1919 mit nur 16 Jahren an Meningitis verstarb, wurde sie zur Haupterbin und musste nun an Stelle ihrer Schwester gesellschaftliche Aufgaben übernehmen. In den 1920er Jahren kaufte der Vater von Clark als Winterquartier der Familie in Santa Barbara, Kalifornien das Anwesen Bellosguardo mit Blick über den Pazifik. Nach dem Tode ihres Vaters 1925 erbten ihre Halbgeschwister und sie ein Vermögen von über 300 Millionen US-Dollar.

Zu dieser Zeit hatte sich Clark auch verstärkt den Künsten und der Musik zugewandt. Für das Jahr 1929 ist eine Ausstellung mit sieben ihrer Bilder im Washingtoner Corcoran College of Art and Design belegt.

Im Jahr 1928 heiratete sie den Jura-Studenten William MacDonald Gower, von dem sie sich 1930 bereits wieder scheiden ließ. Die Ehe blieb kinderlos. Aus dem gleichen Jahr stammt ihr letztes bekanntes Foto. Ein Jahr später bestritt ein irischer Adliger öffentlich eine geplante Ehe mit Clark. Sie verließ überstürzt einen Opernbesuch und nahm danach bis zum Tode ihrer Mutter 1963 nur noch gelegentlich öffentliche Auftritte wahr. Danach zog sie sich komplett aus der Öffentlichkeit zurück und lebte die nächsten 25 Jahre in einem Apartment in New York. Dort verbrachte sie die Zeit mit ihrer umfangreichen Puppensammlung und kommunizierte mit Besuchern oft nur durch verschlossene Türen.

Seit 1988 lebte sie auf eigenen Wunsch in Krankenhäusern, obwohl sie nach Aussage ihrer damaligen Hausangestellten gesund schien. Dort war sie unter wechselnden Namen bekannt und wurde als Privatpatientin von Krankenschwestern gepflegt.104 Jahre alt: Geheimnisvolle US-Millionärin gestorben bei spiegel.de, abgerufen am 30. Mai 2011 Nach fast 80 Jahren, in denen Clark extrem zurückgezogen lebte, gab es seit Mitte des Jahres 2010 im Zuge mehrerer Rechtsstreite umfangreiche Presseberichte über die exzentrische Millionärin.

Clark spendete wiederholt für wohltätige Zwecke, was aber größtenteils erst nach ihrem Tod bekannt wurde. Am 24. Mai 2011 verstarb sie im Alter von 104 Jahren im New Yorker Beth Israel Hospital. Zwei Tage später wurde sie auf dem Woodlawn Cemetery in der New Yorker Bronx beigesetzt. Clark hinterließ ein Vermögen von etwa 500 Millionen Dollar.Mysteriöse Millionärin: Tod mit 104 bei welt.de, abgerufen am 29. Mai 2011 Der Großteil des Vermögens ging an eine Stiftung zur Förderung der Künste. Sie soll unter anderem den Ausbau von der Villa Bellosguardo in ein Museum mit Gemälden, Musikinstrumenten und seltenen Büchern der Erblasserin dienen. Clarks entfernte Verwandte erhielten aus dem Erbe nichts.Der Wille der alten Dame in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 26. Juni 2011, Seite 54 bei focus.de, abgerufen am 12. Oktober 2013

Kunstsammlung Bereits ihr Vater William Andrews Clark sammelte Kunst und ließ sich in seinem New Yorker Wohnsitz William A. Clark House einen eigenen Galerieraum einrichten. Nach seinem Tod gingen Teile seiner Sammlung als Stiftung an die Corcoran Gallery of Art. Auch ihre Mutter sammelte Kunst, später tätigte Huguette Clark eigene Kunstkäufe. Lange Zeit ließ sie die Sammlung der Familie unangetastet, auch als sie schon längst nicht mehr in ihrer New Yorker Wohnung lebte und nur Hausangestellte sich um den Besitz kümmerten.

Kurz nachdem Huguette Clark Anfang der 1990er Jahre in ein Krankenhaus übersiedelt war, kam es in ihrer Wohnung zum Diebstahl der Pastellbildes Danseuse Faisant des Pointes von Edgar Degas, was aber zunächst unbemerkt blieb. Ein unbekannter Mann verkaufte das Gemälde an die Peter Findlay Gallery in New York, von der es 1993 der Sammler Henry W. Bloch erwarb. Dieser erfuhr zunächst 2005, dass es sich um ein gestohlenes Gemälde handelte und erst 2007, dass die eigentliche Eigentümerin Huguette Clark war. 2008 kam es zu einer vertragliche Einigung zwischen Huguette Clark und dem Sammlerpaar Henry und Marion Bloch. Danach erhielt Clark formal das Degas-Pastell zurück, stiftete es jedoch umgehend dem Nelson-Atkins Museum of Art in Kansas City, dem die Blochs als Unterstützer sehr verbunden waren und dem sie später ihre Sammlung vererbten. Clark vereinbarte vorerst Stillschweigen in dieser Angelegenheit. Die Öffentlichkeit erfuhr hiervon erst nach dem Tod von Clark 2012.Bill Dedman: The $10 million Degas ballerina, heiress Huguette Clark and the tax man, NBC News vom 14. März 2012.Angaben zum Gemälde Dancer Making Points von edgar Degas auf der Website des Nelson-Atkins Museum of Art.

Im Jahr 2000 hatte sie dem Krankenhaus Beth Israel Medical Center in New York das Gemälde Päonien in einer Flasche von Édouard Manet zum Dank für die langjährige Pflege in der Einrichtung geschenkt. Das Bild wurde anschließend am 8. November 2000 in der New Yorker Filiale des Auktionshauses Christie’sEintrag zur Auktion des Gemäldes Pivoines dans une bouteille von Édouard Manet in der Auktion im Jahr 2000 Impressionist and Modern Art mit des Los Nr. 21 im Auktionshaus Christie’s auf der Website Invaluable.com. für 3,5 Millionen US-Dollar versteigert.Sarah Cascone: Court Rules Hospital Can Keep Late Heiress’s $3.5 Million Manet Painting, Onlineartikel vom 29. August 2015 auf artnet. Nach dem Tod von Huguette Clark warfen entfernte Verwandte dem Krankenhauspersonal vor, es hätte den Willen von Clark dahingehend beeinflusst, um Zuwendungen von der Patientin zu erhalten. Nach einer entsprechenden Klage vor Gericht entschied ein Richter jedoch zugunsten des Krankenhauses und bestätigte, die Schenkung des Manet-Gemäldes sei rechtmäßig erfolgt.Judge Rules Against Lawsuit Claiming Hospital Manipulated Heiress into Donating $3.5 Million Manet, Onlineartikel vom 28. August 2015 auf der Website von Artforum.

2003 ließ sie das Gemälde Dans les Roses (Portrait de Madame Léon Clapisson) von Pierre-Auguste Renoir im Aktionshaus Sotheby’s für 23,5 Millionen US-Dollar versteigern."Dans les Roses" Renoir-Gemälde für 20,5 Millionen Euro versteigert rp-online.de am 7. Mai 2003 Das Bild hatte sie 1937 in Paris erworben und war seither nicht mehr öffentlich zu sehen.Paul Tharp: Renoir auction scratches 10-year itch, Artikel in der New York Post vom 3. April 2003.

Am 6. Mai 2014 wurden im Auktionshaus Christie’s wertvolle französische Gemälde aus dem Besitz der Verstorbenen versteigert. Hierzu gehörten die Werke Jeunes filles jouant au volantAngaben zum Gemälde Jeunes filles jouant au volant von Pierre-Auguste Renoir auf der Website von Christie’s. und Femme à l’ombrelleAngaben zum Gemälde Femme à l’ombrelle von Pierre-Auguste Renoir auf der Website von Christie’s. von Renoir und ein Seerosenmotiv Nymphéas von Claude Monet.Angaben zum Gemälde Nymphéas von Claude Monet auf der Website von Christie’s. In einer weiteren Auktion am 18. Juni 2018 versteigerte Christie’s unter dem Titel An American Dynasty: The Clark Family Treasures den Nachlass der Verstorbenen.Informationen zur Versteigerung An American Dynasty: The Clark Family Treasures auf der Website von Christe’s. Zu den Losen der Auktion gehörten Porzellane, Silberarbeiten, Möbel und alte Bücher. Ebenso fanden sich einige Gemälde in dieser Auktion. Diese stammten von Künstlern wie Charles-François Daubigny, Narcisso Virgilio Díaz de la Peña, John Singer Sargent und William Merritt Chase.

Literatur Bill Dedman, Paul Clark Newell Jr.: Empty mansions, the mysterious life of Huguette Clark and the spending of a great American fortune. Atlantic Books, New York 2013, ISBN 978-1-78239-492-1.

Weblinks At 104, the mysterious heiress Huguette Clark is alone now bei msnbc.msn.com (englisch) Tod mit 104 Millionenerbin nimmt ihr Geheimnis mit ins Grab auf Spiegel Online Marc Pitzke: Der Schatz der alten Dame auf Spiegel Online am 17. April 2012

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