mini|James B. Comey (2013) rahmenlos|zentriert|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von James B. Comey (2016)
James Brien Comey, Jr. (* 14. Dezember 1960 in Yonkers, New York) ist ein US-amerikanischer Jurist, Wirtschaftsmanager und Regierungsbeamter. Vom 4. September 2013 bis zu seiner Entlassung am 9. Mai 2017 war er Direktor des Federal Bureau of Investigation (FBI). Von 2003 bis 2005 war er stellvertretender US-Justizminister in der Regierung George W. Bush.
Leben und Wirken Ausbildung und Persönliches Comeys Vorfahren stammen aus Irland.Tom McCarthy: James Comey: Democrat by birth, Republican by trade, thorn in the side of both. In: The Guardian, 25. März 2017 (englisch). Als zweites von vier Kindern wuchs James Comey in einem kleinen Ort im Bergen County (New Jersey) auf; sein Vater arbeitete in der Immobilienbranche und saß im Gemeinderat. Mit 17 Jahren geriet er mit seinem Bruder in die Gewalt eines Kidnappers, was Comey als prägende Erfahrung gerade für das Verständnis der Opferperspektive von Verbrechen bezeichnet hat.Annmarie Conboy-DePasquale: In: The World Mind. American University’s undergraduate policy magazine for international and public affairs. 24. April 2017 (englisch). Er studierte zunächst Chemie und Religion am College of William & Mary und beendete dieses Studium 1982 mit einem Bachelor of Science. Ein anschließendes postgraduales Studium der Rechtswissenschaft an der Law School der University of Chicago schloss er 1985 mit dem Juris Doctor ab.
Comey und seine Frau Patrice, die er 1987 heiratete, haben fünf Kinder. Zudem haben sie ein Pflegekind. Aufgewachsen als Katholik, konvertierte er zum Methodismus.
Er war lange über Parteigrenzen hinweg respektiert und gilt als unabhängig und integer. Nachdem er bei der Präsidentschaftswahl 1980 noch den Demokraten Jimmy Carter unterstützt hatte, schloss sich Comey der Republikanischen Partei anDorothea Hahn: „You’re fired!“ In: taz.de, 10. Mai 2017. und hat unter anderem die Präsidentschaftskandidaturen John McCains 2008 und Mitt Romneys 2012 gegen Barack Obama unterstützt.Mike Allen, Josh Gerstein: President Obama to tap James Comey for FBI. In: Politico, Mai 2013 (englisch).
Anfänge in Justiz und Verwaltung Nach dem Studium arbeitete Comey für den Rechtsberatungsrat des National Legal Center for the Public Interest und trat 1987 als Staatsanwalt in das US-Justizministerium ein, in dem er bis 1993 stellvertretender Leiter der Abteilung für Strafrecht (Criminal Division) für den südlichen Distrikt von New York war. Daneben lehrte er an der University of Richmond. 2002 wurde er United States Attorney for the Southern District of New York. Er ermittelte unter anderem zum Bombenanschlag von Al-Chubar.
Von 2003 bis 2005 war Comey stellvertretender Justizminister der Vereinigten Staaten. Als solcher widersetzte er sich manchen Folter- und Überwachungsmaßnahmen der Regierung George W. Bush, die dann mit Änderungen doch in Kraft traten.Mr. Comey’s Tale. A standoff at a hospital bedside speaks volumes about Attorney General Gonzales. In: The Washington Post, 15. Mai 2007 (englisch); „...he pushed back on certain elements of the Bush-Cheney torture and surveillance programs — but ended up signing off on both.“ In: The Intercept, 25. Februar 2016 (englisch).
In Wirtschaft und Lehre 2005 wurde er Senior Vice President und Chefrechtsberater des Rüstungs- und Technologieunternehmens Lockheed Martin. Von 2010 bis 2013 war er Chefjustiziar beim Hedgefonds Bridgewater Associates.FBI Executives. In: FBI.gov (englisch). 2013 war er ein Aufsichtsratsmitglied bei HSBC Holdings PLC. In: HSBC Holdings plc, 30. Januar 2013 (englisch). Im März 2011 erhielt er von seiner Alma Mater für seinen Dienst an der Gesellschaft die Carter O. Lowance-Fellowship.James B. Comey, Jr. ‘82, honored for public service as Lowance Fellow. In: William & Mary College, 28. März 2011 (englisch). Ab Februar 2013 war er Professor an der Law School der Columbia University.Senior Research Scholar and Hertog Fellow on National Security Law,
FBI-Direktor unter Präsident Obama mini|Comey (am Pult) bei seiner Vorstellung mit Vorgänger Robert Mueller (links) und Präsident Obama Im Mai 2013 schlug Präsident Obama den von Demokraten wie von Republikanern geschätzten Comey als FBI-Direktor vor.Republikaner soll neuer FBI-Chef werden. In: N24.de, 30. Mai 2013. Der Senat der Vereinigten Staaten bestätigte im Juli 2013 seine Nominierung; Comey trat sein Amt als Nachfolger Robert Muellers am 4. September 2013 an.Obamas Favorit: US-Senat bestätigt Comey als neuen FBI-Boss. In: Spiegel Online, 31. Juli 2013. Die reguläre Amtszeit beträgt zehn Jahre.Spiegel Online, 10. Mai 2017 / Marc Pitzke: Das Dienstagabend-Massaker.
Comey wurde vor der Präsidentschaftswahl am 8. November 2016 zweimal Gegenstand öffentlicher Kontroversen. Im Juli 2016 verkündete er zunächst unter Eid, dass der Umgang der Kandidatin Hillary Clinton mit dienstlichen E-Mails in ihrer Amtszeit als Außenministerin nicht weiter verfolgt werden solle. Er veröffentlichte dann aber elf Tage vor der Wahl die FBI-interne Entscheidung, die Ermittlungen wieder aufzunehmen, was kontroverse politische und öffentliche Debatten auslöste. Diese Bekanntmachung half nach Einschätzung vieler Beobachter Clintons Gegner Donald Trump; weil Comey das neue Material in dem Fall noch nicht gesichtet hatte, kritisierten ihn demokratische und republikanische US-Senatoren scharf.Sari Horwitz, Tom Hamburger, Ellen Nakashima: Comey faces a firestorm of criticism over renewed Clinton email probe. In: The Washington Post, 31. Oktober 2016 (englisch). Der Inspector General Michael E. Horowitz teilte am 12. Januar 2017 mit, er wolle untersuchen lassen, ob das FBI im Umgang mit Clinton rechtmäßig agiert habe.Justizministerium prüft FBI-Vorgehen gegen Clinton. In: FAZ.net, 13. Januar 2017.
Nach der Wahl Trumps wurde Comey am 20. März 2017 vom Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses angehört.Simon Riesche: Absage an Trumps Verschwörungstheorien. In: FAZ.net, 20. März 2017. Er gab dabei bekannt, dass das FBI bereits vor der Präsidentschaftswahl 2016 eine Untersuchung der Russland-Verbindungen um Donald Trump und der versuchten russischen Einflussnahme auf die Wahl durch Hacker begonnen habe, dies einen Monat vor der Wahl aber nicht habe bekanntgeben wollen, weil er der Ansicht war, dies könne als parteiische Einmischung gewertet werden. Comey machte zudem deutlich, das FBI habe keinerlei Erkenntnisse, die Trumps Abhörvorwürfe gegen Obama unterstützen würden.Marc Pitzke: Öffentliche Demontage. In: Spiegel Online, 20. März 2017; Russia hearing: Comey says no information to confirm Trump’s wiretap claims. In: The Guardian, 20. März 2017 (englisch, mit weiteren Links). Das Verhältnis zwischen Comey und Trump galt seither als belastet.Gefeuerter FBI-Chef Comey meldet sich zu Wort. In: FAZ.net, 11. Mai 2017.
Seit der Entlassung durch Präsident Trump mini|Entlassungsschreiben Trumps vom 9. Mai 2017
US-Präsident Trump entließ Comey als FBI-Direktor am 9. Mai 2017 mit sofortiger Wirkung. Trump schrieb, er entlasse ihn auf Rat des Justizministers Jeff Sessions und dessen Stellvertreters Rod Rosenstein.Warum Trump FBI-Chef Comey gefeuert hat. In: Sueddeutsche.de, 10. Mai 2017. Am nächsten Tag empfing Trump den russischen Außenminister Lawrow und Botschafter Kisljak im Oval Office und sagte zu ihnen, dass er wegen der Russland-Untersuchung des FBI unter Druck gestanden habe und ihn die Entlassung des „Spinners“ Comey von diesem Druck befreit habe.Matt Apuzzo, Maggie Haberman, Matthew Rosenberg: Trump Told Russians That Firing ‘Nut Job’ Comey Eased Pressure From Investigation. In: The New York Times, 19. Mai 2017.Trump nennt Ex-FBI-Chef Comey einen "Spinner". In: Spiegel Online, 19. Mai 2017. Am darauffolgenden Tag während eines Interviews mit NBC Nightly News widersprach Trump der offiziellen Begründung für die Entlassung Comeys. Trump sagte, er habe den FBI-Direktor schon lange und unabhängig von der Empfehlung Rosensteins entlassen wollen. Ausschlaggebend für die Entscheidung war sein Ärger über Comeys Ermittlungen wegen möglicher Absprachen zwischen Mitgliedern von Trumps Wahlkampfteam und Vertretern Russlands. „Als ich mich entschied, sagte ich mir, dieses Russland-Ding mit Trump und Russland ist doch eine erfundene Geschichte“, äußerte Trump.Stefan Schaaf: Neue Fragen zu Comeygate. In: taz. 13. Mai 2017.Devlin Barrett und Philip Rucker: Trump said he was thinking of Russia controversy when he decided to fire Comey. In: Washington Post. 11. Mai 2017 (englisch). In dem Interview bezeichnete Trump Comey zudem als „Blender“ und „Angeber“ und behauptete, das FBI sei unter Comey in Aufruhr gewesen.Ali Vitali, Corky Siemaszko: Trump Interview With Lester Holt: President Asked Comey If He Was Under Investigation. In: NBC News. 11. Mai 2017 (englisch). Der damalige kommissarische FBI-Direktor Andrew McCabe widersprach Trumps Darstellung. Comey genieße weiterhin Unterstützung und Hochachtung innerhalb des FBI.
In den Tagen vor der Entlassung hatte Trump per Twitter mehrfach Comey und das FBI kritisiert: Dessen „vom Steuerzahler finanzierte“ Russland-Untersuchungen seien eine „Scharade“ und ein „totaler Schwindel“; er fragte rhetorisch, wann sie enden würden. Comey hatte wenige Tage zuvor mehr Finanzmittel für die Untersuchung der möglichen russischen Einflussnahme auf die US-Präsidentschaftswahl angefordert.Matthew Rosenberg, Matt Apuzzo: Days Before He Was Fired, Comey Asked for Money for Russia Investigation. In: The New York Times, 10. Mai 2017 (englisch). Beobachter sprachen von einem Angriff auf die Demokratie und zogen Parallelen zum Saturday Night Massacre 1973 während der Watergate-Affäre.John Cassidy: Donald Trump’s Firing of James Comey Is an Attack on American Democracy. In: The New Yorker, 9. Mai 2017 (englisch); Todd S. Purdum: Trump pulls from Nixon’s playbook. In: Politico. 9. Mai 2017 (englisch).
Vor Comey war nur ein FBI-Direktor entlassen worden, nämlich 1993 William S. Sessions von Präsident Bill Clinton. Die Umstände sind unterschiedlich: Clinton entließ Sessions, weil er laut eines Berichts von William Barr, dem Justizminister der Vereinigten Staaten im Kabinett des vorherigen Präsidenten George H. W. Bush, allgemein anerkannten Steuerpflichten für geldwerte Amtsvorteile nicht gefolgt sei und staatliche Gelder für private Zwecke verwendet haben soll. Trump entließ Comey, weil dieser gegen Trump bzw. Mitglieder seines Wahlkampfteams ermittelte.Joe Sterling: Bill Clinton fired an FBI director 2 decades before Trump. In: CNN.com. 10. Mai 2017 (englisch).
Comey lehnte eine Einladung des Geheimdienstausschusses des US-Senats ab, sich in einer vertraulichen Sitzung zu den Umständen zu äußern.Shannon Vavra: Comey turns down Senate invite, won't testify. In: Axios.com. 12. Mai 2017 (englisch). Nachdem Trump ihm am 12. Mai 2017 via Twitter mit der Veröffentlichung von Tonbandaufnahmen ihrer Gespräche gedroht hatte,Trump warnt Comey vor Weitergabe von Informationen. In: Spiegel Online, 12. Mai 2017. sagte Comey am 8. Juni 2017 vor dem Geheimdienstausschuss „Lordy, I hope there are tapes!“ („Lieber Gott, ich hoffe, es gibt Tonbandaufnahmen!“) und dass er kein Problem mit ihrer Veröffentlichung habe. Am 22. Juni 2017 gab Trump zu, nicht zu wissen, ob es Tonbandaufnahmen der Gespräche zwischen ihm und Comey gab.Trump says he has no ‘tapes’ of Comey conversations. In: The Washington Post, 22. Juni 2017.