mini|hochkant=1.2|Ortskern von Norden mini|hochkant=1.2|Antdorf und Iffeldorf von Süden mini|hochkant=1.2|Fohnsee mit Blick auf Iffeldorf

Iffeldorf ist eine Gemeinde und ein Pfarrdorf im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau.

Das Dorf wurde erstmals im Jahr 1080 erwähnt und war vom 14. Jahrhundert bis 1653 im Besitz der Edlen von Höhenkirchen. Anschließend war Iffeldorf bis zur Säkularisation im Besitz des Klosters Wessobrunn. Von etwa 1860 bis 1961 war die Gemeinde stark durch den Gutsbetrieb Staltach der Familie Maffei geprägt. Heute hat Iffeldorf Einwohner (Stand: ) und ist insbesondere für die Eiszerfallslandschaft der Osterseen bekannt.

Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt zentral im Bayerischen Oberland im Alpenvorland südlich des Starnberger Sees auf einer Linie zwischen der Kreisstadt Weilheim und Penzberg. Zur Landeshauptstadt München im Nordosten beträgt die Entfernung etwa 45 Kilometer, nach Garmisch-Partenkirchen im Süden ungefähr 40 Kilometer.

Die südlichen und mittleren Osterseen bis zum Ameisensee liegen im Gemeindegebiet. Dessen nördlichster Punkt ist etwa 350 m vom Ufer des Starnberger Sees entfernt.

Gemeindegliederung Es gibt 13 Gemeindeteile:

Die einzige Gemarkung ist Iffeldorf.

Ehemalige Gemeindeteile waren Aschberg (Einöde, letztmals erwähnt 1871), Gabelchristl (Einöde, letztmals eigenständig erwähnt 1861, dann Unterlauterbach zugeschlagen) und Ostersee (bis 1900 Weiler, 1925 letztmals als Einöde erwähnt).

Nachbargemeinden Das Gemeindegebiet wird im Osten und Süden durch die Fließgewässer Bodenbach, Singerbach, Neuweibergraben, Brünnlesbach und Steinbach begrenzt. Nach Westen und Norden bilden Felder und Wälder die Grenzen des Gemeindegebiets.

Die Nachbargemeinden (im Uhrzeigersinn im Norden beginnend) sind: Seeshaupt, Münsing, Penzberg und Antdorf.

Entfernungen ca. von Ortskern zu Ortskern

Geologie Die Gemeinde liegt im süddeutschen Molassebecken, das sich während der Alpenentstehung als nördliche Vortiefe bildete und nach und nach durch den Erosionsschutt gefüllt wurde. Die Molasseablagerungen wurden im Laufe der folgenden Eiszeiten vielerorts mit frischen Geröllen und Kiesen überdeckt. Das Gebiet der Gemeinde Iffeldorf ist von Lockersedimenten der Jungmoräne des Isar-Loisach-Gletschers aus der Würm-Kaltzeit bedeckt. Als ca. 9700 v. Chr. aufgrund einer erneuten Klimaveränderung die Gletscher ihren Rückzug begannen, brachen Eisblöcke unterschiedlicher Größe ab und blieben als Toteismassen inmitten von Geröllhalden liegen.

Anfangs floss ein bedeutender Anteil der Schmelzwässer aus dem Isar-Loisach-Gletscher noch in Richtung des Starnberger-See-Beckens ab. Der mitgeführte Schutt füllte entstehende Zwischenräume des Toteises und baute Eisrandterrassen auf. Später flossen die Schmelzwässer weiter östlich in Richtung Wolfratshausener Becken ab. Dadurch konnten die Toteismassen südlich des Starnberger Sees ungestört von Ablagerungen langsam abschmelzen. Es bildeten sich Toteislöcher, die sich mit Wasser füllten und die Osterseen bildeten.

Diese Eiszerfallslandschaft der Osterseen mit ihren Verlandungsbereichen, Wäldern und Moorflächen bestimmt einen großen Teil des Gemeindegebiets: Im Norden dehnen sich über weite Flächen das Schechen- und das Weidfilz aus – Hochmoore, die sich durch Verlandung ehemaliger Seen bildeten und das Umland bis zu sechs Meter überragen.. In: iffeldorf.de Daran schließen sich südöstlich die Niederungen der Osterseen an. Im Süden und Osten davon erheben sich die Eisrandterrassen mit den Siedlungen Iffeldorf und Staltach. Der Südosten und Westen des Gemeindegebiets ist von Grundmoränen, Toteislöchern, niedrigen trockenen Kuppen und Niedermooren geprägt, ein kleiner Teil im Westen liegt im Eberfinger Drumlinfeld. Das Siedlungsgebiet beschränkt sich daher auf die Schotterterrassen im Süden.

Klima

Geschichte Etymologie In verschiedenen Urkunden erscheint der Ortsname in den Formen:

Die Bezeichnung deutet darauf hin, dass die Siedlung wie auch Uffing am Staffelsee durch Angehörige der Sippe Uffo gegründet wurde.

Von der Entstehung bis zum 14. Jahrhundert Einige bajuwarische Reihengräber aus dem 6. und 7. Jahrhundert sind die ersten Siedlungsspuren auf dem Gemeindegebiet Iffeldorfs. Die älteste einwandfrei datierbare urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1080.

Vom Ende des 11. bis Mitte des 13. Jahrhunderts befand sich das Gebiet zwischen Ammersee und Starnberger See im Machtbereich der Grafen von Dießen, die sich später Grafen von Andechs nannten. In diesem Machtbereich war auch das hochfreie Geschlecht der Herren von Iffeldorf von Bedeutung. Die letzte urkundliche Erwähnung einer Person dieses Geschlechts stammt aus dem Jahr 1365: „Konrad von Ufeldorf“ und seine Frau „Cäcilia“ machten ein Testament, bezeugt von „Heinrich, Chirchher ze Uffeldorf“. Die Herren von Iffeldorf waren die Stammväter der Grafen von Eschenlohe. Schließlich gelangten die Höfe, die später die Hofmark Iffeldorf ausmachten in den Besitz der Herren von Seefeld, die 1341 die Osterseen an Kaiser Ludwig den Bayern verkauften, der sie an sein Kloster Ettal weitergab. Als auch die Seefelder in der männlichen Linie ausgestorben waren, wurde ihr Besitz aufgeteilt und zersplittert.

Ende des 14. Jahrhunderts bis 1803 Ende des 14. Jahrhunderts gelangte die Hofmark Iffeldorf in den Besitz der Edlen von Höhenkirchen, die zu diesem Zeitpunkt auch die Hofmark Königsdorf besaßen. Ihr Schloss befand sich auf dem Grund der heutigen Grundschule. Der erste bekannte Höhenkirchner, der den Titel „zu Iffeldorf“ trug, ist in einer Klosterurkunde von 1385 genannt, gesiegelt von „Ulreich der Hohenkircher ze Uffeldorf“. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erlebten die Höhenkirchner eine Blütezeit und standen in hohem Ansehen. Diese Zeit endete mit dem Dreißigjährigen Krieg, dem zufolge wahrscheinlich 1634 das Schloss abbrannte. Die in den Folgejahren aus verschiedenen Ursachen immer mehr verarmenden Höhenkirchner mussten 1653 – nachdem sie zuvor bereits Königsdorf verkauft hatten – die Hofmark Iffeldorf an das Kloster Wessobrunn für wenig Geld veräußern. Zuvor hatte bereits das Kloster Benediktbeuern ein Kaufangebot abgelehnt. Damit endete die rund 400 Jahre dauernde Herrschaft der Edlen von Höhenkirchen in Iffeldorf.

Ausschlaggebend für den Kaufentschluss der Wessobrunner waren die Osterseen mit einem großen Fischbestand. Als zur damaligen Zeit ein Drittel des Jahres ausgewiesene Fasttage waren, legte man auf die Fastenspeise großen Wert. Um die Lehnsherrschaft über die Seen zu erlangen, musste aber 1682 noch ein Tauschgeschäft mit Graf Ferdinand II. von Toerring-Seefeld abgeschlossen werden, der allerdings nur den halben Rechtsanteil innehatte. Am 6. Oktober 1698 brannten bei einem Großbrand sieben Höfe, drei Kornspeicher und die Pfarrkirche ab. 1701 wurde die Heuwinklkapelle und 1708 die neue Pfarrkirche eingeweiht. 1749 erhielt Wessobrunn im Tausch vom Kloster Ettal die vollständigen Fischereirechte an den Seen.

Säkularisation 1803 bis Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 mini|Villa Maffei in Staltach Iffeldorf gehörte bis zur Säkularisation 1803 zum Kloster Wessobrunn. Der Ort war Teil des Kurfürstentums Bayern und bildete eine geschlossene Hofmark, deren Sitz Iffeldorf war. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde, die zum Landgericht Weilheim gehörte. In den Jahren 1856 und 1858 kaufte der Münchner Industrielle Wilhelm von Weber die drei Staltacher Höfe, um in den Filzen Torf abzubauen. Dafür holte er den kapitalkräftigen, ebenfalls aus München stammenden Joseph Anton von Maffei mit ins Boot. Im Jahre 1861 – die Kooperation zwischen beiden funktionierte nicht – zahlte Maffei Weber mit 150.000 Gulden aus und wurde Alleinbesitzer des Staltacher Gutes. Der Gutsbetrieb Staltach mit Land- und Forstwirtschaft, moderner Viehhaltung, Brauerei, Sägewerk, Schmiede, Wagnerei und Torfwerk entstand. Im Juli 1870 besaß Maffei bereits 2885 Tagwerk Grund.Kornelia Bukovec, Cornelia Zachenhuber: Iffeldorf – Geschichte eines Dorfes. In: Heimatverband Lech-Isar-Land e. V. (Hrsg.): Lech-Isar-Land. Heimatkundliches Jahrbuch 2017. Weilheim 2016, S. 17–54 Zudem ließ er sich in Staltach eine Villa als Sommerwohnsitz errichten. 1865 wurde die Eisenbahnlinie Tutzing–Penzberg mit der Station Staltach eröffnet. Infolge des Zuzugs auswärtiger Arbeitskräfte des Guts, des Torfwerks und des Penzberger Bergwerks wuchs das Dorf. Die Staltacher Arbeiter sind es auch, die im Jahr 1908 einen Iffeldorfer Ortsverein der SPD gründeten.

1877 kam es zum zweiten großen Brand in der Ortsgeschichte mit 16 zerstörten Gebäuden, die unverzüglich wiederaufgebaut wurden. Im selbigen Jahr veranlasste Joseph von Maffei den Bau eines Krankenhauses mit 22 Betten und einem Arzthaus. Im Ersten Weltkrieg verloren 42 Iffeldorfer ihr Leben. Im Jahre 1927 wurden die Brauerei Staltach an Paulaner und das Torfwerk Staltach verkauft. Bis 1939 erfolgte der vollständige Anschluss von Iffeldorf an das Stromnetz.

Im Zweiten Weltkrieg starben 46 Iffeldorfer Männer an den Fronten. Der Krieg verlief in Iffeldorf bis auf das Kriegsende relativ ruhig. In den letzten Kriegswochen wurde eine Bombe über dem Gemeindegebiet abgeworfen. Infolge eines Rundfunkaufrufs der Freiheitsaktion Bayern am 27. April 1945 entwaffneten einige Iffeldorfer die örtlichen SS-Männer. Als diese wenig später Unterstützung erhielten, versuchten sie die Widerständler zu erschießen. Bis auf einen gelang allen die Flucht. Er wurde am Folgetag zwischen Seeshaupt und Iffeldorf erschossen aufgefunden, zusammen mit einem Polen, der vermutlich aus einem Gefangenenlager entkommen war.Wolfgang Schörner: Ermordet, weil er Iffeldorf schützen wollte. In: Merkur.de, 28. Mai 2005. Abgerufen am 14. März 2017 Als Täter werden SS-Einheiten oder die Feldgendarmerie vermutet. Am 30. April 1945 besetzten die amerikanischen Streitkräfte nachmittags Iffeldorf, nachdem es morgens noch Kämpfe gegeben hatte. Bereits am Vorabend hielt in der Nähe des Bahnhofs Staltach wegen eines Stromausfalls ein Zug aus Allach mit etwa 2400 bis 2600Informationen über Bahntransporte aus dem KZ-Lager Dachau. In: gedenken-im-wuermtal.de. Abgerufen am 13. Oktober 2022. KZ-Häftlingen in 45 Viehwaggons aus dem KZ Dachau, die von US-amerikanischen Truppen befreit wurden. Ungefähr 1500 bis 1700 von ihnen verbrachten die darauffolgenden acht Wochen in den Häusern und Höfen des damals ca. 1000 Einwohner zählenden Dorfes Iffeldorf. Danach kamen sie ins DP-Lager Feldafing. 17 Gefangene wurden tot aus dem Zug geborgen, die eintätowierten Häftlingsnummern für die Namensermittlung notiert, neben dem Bahngleis begraben und später auf den Feldafinger DP-Friedhof verlegt.Ingeborg Kluge: Einer von vier Todeszügen bleibt in der Nähe des Staltacher Bahnhofs liegen. In: Gemeinde Iffeldorf (Hrsg.): Iffeldorferleben, 3/2017, S. 42–44 (PDF; 3,92 MB) Diese 17 am „4.5.45“ in Staltach „unbekannt“ Verstorbenen wurden am 16. Juni 1956 auf den Waldfriedhof Dachau umgebettet. Eine ausführliche, auf zahlreichen Zeitzeugenaussagen und umfangreichen Archivrecherchen basierende Publikation über diese Ereignisse veröffentlichte der Autor Hans-Gunther Hoche im Jahr 2025 unter dem Titel Moses in Iffeldorf.Hans-Gunther Hoche: Moses in Iffeldorf. Hartung-Gorre Verlag, Konstanz 2025. ISBN 978-3-86628-831-7. [Rezension].

Nach dem Zweiten Weltkrieg In der Nachkriegszeit kamen viele Flüchtlinge und Vertriebene nach Iffeldorf, die Bautätigkeiten nahmen zu und es entstanden zahlreiche neue Wohnstätten; dennoch herrschte Wohnungsnot. Die Landwirtschaft verlor immer mehr an Stellenwert, so schloss 1961 das Gut Staltach, 1966 der Gutsbetrieb Leidel im Ort und 1972 stellte das letzte Iffeldorfer Gut Obereurach den Betrieb ein. Im Juni 1970 wurde die Bundesautobahn München – Garmisch-Partenkirchen bis zur Anschlussstelle Penzberg/Iffeldorf eröffnet.