Ovelgönne ist eine Gemeinde im Landkreis Wesermarsch in Niedersachsen. Mit einer Fläche von rund 120 Quadratkilometern ist sie die zweitgrößte Gemeinde des Landkreises Wesermarsch. Die Gemeinde ist stark von der Landwirtschaft geprägt und bezeichnet sich selbst als das „Grüne Herz der Wesermarsch“. Der Sitz der Verwaltung befindet sich im Ortsteil Oldenbrok-Mittelort, namensgebend ist aber das alte Burgdorf Ovelgönne.
Geografie Geografische Lage Ovelgönne liegt innerhalb des Städtevierecks Bremen, Oldenburg, Wilhelmshaven und Bremerhaven. Nach Bremen sind es 24 Kilometer und nach Oldenburg 16 Kilometer. Die Kreisstadt Brake ist vom Zentrum in Oldenbrok-Mittelort lediglich sechs Kilometer entfernt.
Die Gemeinde liegt inmitten des flachen Marschlandes, nahezu frei von jeder Industrie, mit viel Weideland und den für die Wesermarsch typischen Entwässerungsgräben. Erwähnenswert ist vor allem das Hochmoor in Rüdershausen, das aus der Zeit stammt, als der Jadebusen noch Moorlandschaft war.
Nachbargemeinden Ovelgönne liegt im Zentrum des Landkreises Wesermarsch und grenzt im Nordwesten an die Gemeinde Jade, im Norden an die Gemeinde Stadland, im Osten an die Stadt Brake und im Süden an die Stadt Elsfleth (alle Landkreis Wesermarsch). Im Südwesten hat die Gemeinde eine Grenze mit der Gemeinde Rastede im Landkreis Ammerland.
Gemeindegliederung Die Gemeinde ist in vier Gemarkungen unterteilt: Großenmeer, 26,66 km² Oldenbrok, 28,60 km² Strückhausen, 64,41 km² Ovelgönne, 4,14 km²
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gemeindegebiet von Ovelgönne liegt hydrologisch im Flusssystem der Weser und in der Marschlandschaft der Wesermarsch und ist hydrologisch durch ein dichtes Netz aus Gräben und Sieltiefen geprägt, das historisch der landwirtschaftlichen Entwässerung dient.
Zu den bedeutendsten Oberflächengewässern zählen das Käseburger Sieltief (Oldenbroker Sieltief) und das Braker Sieltief, die zahlreiche Entwässerungsgräben aufnehmen und in die Weser münden. Beide Gewässer durchfließen das Gemeindegebiet und sind teilweise Bestandteil von Landschaftsschutz- und FFH-Gebieten, die insbesondere dem Schutz feuchtgebietsgebundener Arten dienen.
Neben den Hauptgewässern ist die Landschaft von zahlreichen kleineren, meist unbenannten Entwässerungsgräben durchzogen, die das hydrologische Netz der Wesermarsch ergänzen und den Wasserhaushalt maßgeblich beeinflussen. Die starke Entwässerung hat zu einer weitgehenden Veränderung natürlicher Moor- und Feuchtgebiete geführt.
Zu den ökologisch bedeutsamen Bereichen zählt die Große Angelkuhle, ein Rest eines ehemaligen Hochmoorkomplexes mit noch vorhandener moortypischer Vegetation, darunter gefährdete Pflanzenarten. Weitere Moor- und Feuchtflächen befinden sich unter anderem im Bereich der Oberströmischen Seite und der Nördlichen Moorseite. Diese Flächen stellen wichtige Lebensräume dar und sind Ziel von Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen, insbesondere durch Wiedervernässung.
Zentrale Herausforderungen für Ovelgönne sind die Überentwässerung von Niedermoorböden, der Verlust naturnaher Feuchtlebensräume sowie klimawandelbedingte Belastungen durch Starkregen und sommerliche Trockenphasen. Als Gegenmaßnahmen werden die Wiedervernässung ehemaliger Moorstandorte, die ökologische Aufwertung von Entwässerungsgewässern und ein integriertes Wassermanagement im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie verfolgt.
Untergrundverhältnisse Die Gemeinde Övelgönne liegt in der norddeutschen Küstenebene innerhalb der Wesermarsch. Der Untergrund besteht überwiegend aus holozänen Marsch- und Moorablagerungen aus Klei, Schluff, Feinsand und Torf, die pleistozäne Sande und Kiese überlagern. In größeren Tiefen treten tertiäre Sedimente auf, die teils brackiges bis salzhaltiges Grundwasser führen.
Hydrogeologisch gehört das Gebiet zum Lockergesteins-Aquifersystem der Norddeutschen Tiefebene. Die bindigen Marsch- und Moorböden sind gering durchlässig, enthalten jedoch lokal oberflächennahe Grundwasserleiter in sandigen Bereichen.
In der Wesermarsch lassen sich zwei Grundwasserstockwerke unterscheiden: Ein oberflächennaher Aquifer in holozänen und pleistozänen Sanden liegt meist 2–5 m unter Geländeoberkante und ist stark von Niederschlag, Tideeinfluss und saisonalen Schwankungen geprägt. Darunter befindet sich ein bedeutenderer, regional genutzter Aquifer aus pleistozänen Sand- und Kieslagen in etwa 20–40 m Tiefe, der durch tonige Schichten hydraulisch getrennt ist.
Die Grundwasserstände werden durch Niederschläge, den Tideeinfluss der Weser und das Entwässerungssystem mit Sielen bestimmt und unterliegen teils starken jahreszeitlichen Schwankungen.Grundwasservorkommen. In: nlwkn.niedersachsen.de.
Geschichte mini|Entwicklung von Jadebusen und Weserdelta; Verlandung seit 1300 entstandener Wasserflächen ab 1500 nur indirekt über die Abdeichung dargestellt.→ Vergrößerungen: • 33 %, • 50 % mini|Neustadt (Ovelgönne) aus der Luft (2012) mini|Strückhauser Kirchdorf mit der evangelisch-lutherischen Kirche St. Johannes (2012)
Der Hortfund von Strückhausen ist einer der ältesten Belege für die frühe Besiedlung des Gebietes.
Ovelgönne Nach der letzten Unterwerfung und letzten entscheidenden Niederlage der Butjadinger und Stadländer Friesen in Hartwarden 1514 begann Graf Johann V. von Oldenburg (1482 bis 1526) noch im gleichen Jahr mit dem Bau der Festung „Oevelgünne“, um seine neue Herrschaft und seine Machtansprüche zu sichern. Die Burg Ovelgönne wurde auf einer Anhöhe am südlichen Ufer des Lockfleths, eines damals schiffbaren Wasserweges, erbaut. Dieses Gebiet war kaum zugänglich, die umliegenden Flächen waren Sumpf-, Moor- und Schlickgebiete. Die natürliche, nie überspülte Bodenerhebung bildete damals vermutlich einen geeigneten, strategisch wichtigen Brückenkopf nach Butjadingen und dem Stadland. Das Lochfleth war eine Verlängerung der Ahne zur Harger Brake (Bracke = Dammdurchbruch) und der Weser. Das Stadland, die umliegenden Ortschaften und die rechts der Weser liegende Bremer Vogtei Hagen konnten besonders gut eingesehen werden. Inwieweit Graf Johann V. das Verbot für eine Errichtung von Festungen an der Weser aus dem verkündeten Schiedsspruch vom 29. Juli 1424 in Oldenburg des Erzbischofs Nikolaus von Bremen und der Sendboten der Städte Lübeck und Hamburg umgehen wollte, ist fraglich. Die einstigen an der Weser gelegenen Festungen, die Friedeburg bei Atens, die Ellwürden, die Harriser Burg, das Blockhaus an der Harrier Brake, die Sandburg bei Lienen, die Altonau bei Elsfleth und die Festung Berne, wurden alle nach dem Schiedsspruch geschleift oder wehrtechnisch entkernt.Dieter Jürgen Bolte, Butjadingen, Stadland und Burgdorf Ovelgönne einst und jetzt. Band 1. Isensee, Oldenburg 2014.
Der Name der Feste sollte sich laut des Historikers Onno Klopp davon ableiten, dass Graf Johann dem ehemaligen Herrn der Gegend, Edzard I. von Ostfriesland, das Land missgönnte („övel gönne“).Onno Klopp: Geschichte Ostfrieslands. Band 1. Hannover 1854–1858, S. 280 Tatsächlich soll der Ortsname jedoch anderen Ursprungs sein.Vgl. UB 311 S 237 – 239, UB 364 14. November 1523, UB 465 10. Juni 1530, UB 486 und 488 3. Juli 1531, UB 791 4. November 1547, UB 804 25. Juli 1548. Im Heimatblatt Vechta Nr. 8: erklärt Karl Sichart, „Ewen günne“, also Ovelgönne, sei eine ehemalige Thingstätte, ein Ort, Platz oder ein Grundstück. Nahe Magdeburg gibt es noch ein Ovelgünne mit der alten Schreibweise.Dieter Jürgen Bolte, Butjadingen, Stadland und Burgdorf Ovelgönne einst und jetzt. Band 1. Isensee, Oldenburg 2014.
Im Jahre 1583 wurde die Festung verstärkt, während des Dreißigjährigen Krieges quartierten sich hier von 1628 bis 1631 kaiserliche Truppen ein. Mehrfach, zeitweise jährlich, hat sich Graf Anton Günther mit seinem Hof in Ovelgönne aufgehalten. Er war es auch, der den Ovelgönner Vieh- und Pferdemarkt einrichtete, der seit 1633 jedes Jahr Anfang September stattfindet. 1664 übergab Graf Anton Günther Ovelgönne seinem illegitimen Sohn Anton von Aldenburg. 1667 kam es in den Besitz des dänischen Königs als rechtmäßigen Erbfolgers des Oldenburger Grafen. Die dänische Regierung ließ Schloss und Festung während der Jahre 1677 bis 1679 abreißen, da die innere Sicherheit des Landes ausreichend und ein Militärstandort somit nicht mehr notwendig erschien. Ovelgönne blieb aber ein Verwaltungssitz für die Wesermarschen und Gerichtsstand für das Stadland und Butjadingen, seit 1616 mit einem Landgericht, später Amts- und Landgericht bis 1879. Zitat (H. Lübbing): „Trotz seiner Bedeutung als … Gerichtssitz blieb Ovelgönne ein Flecken.“
Bis 1809 gehörte Ovelgönne zum Kirchspiel der St.-Bartholomäus-Kirche in Golzwarden, erst mit der Einweihung der Martinskirche wurde Ovelgönne selbst Kirchspiel mit eigenem Pastor.
Jüdische Gemeinde Seit Mitte des 18. Jahrhunderts lebten Juden in Ovelgönne, die sich zunächst in einem Betsaal und ab 1804 in der neu errichteten Synagoge (am Judengang) zum Gottesdienst versammelten. Eine zugehörige Begräbnisstätte wurde 1811 angelegt; bis dahin musste auf die jüdischen Friedhöfe in Hohenberge (Varel) und Scharmbeck ausgewichen werden.Die Synagogengemeinde war ab 1858 auch für Brake, Burhave, Dedesdorf und Rodenkirchen zuständig. Innerhalb der folgenden Jahre verließen aber immer mehr Gemeindemitglieder den Ort, so dass in der Synagoge bald keine Gottesdienste mehr stattfanden. Sie wurde daher 1906 verkauft. Das Gebäude wurde anschließend vom örtlichen Turnverein noch bis 1922 genutzt und 1931 abgerissen.A. Eckhardt (Hrsg.): Oldenburgisches Ortslexikon. Isensee, Oldenburg 2011, Band 2, S. 801.Ovelgönne. Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde. In: alemannia-judaica.de, abgerufen am 14. Juni 2014.
Großenmeer mini|St.-Anna-Kirche in Großenmeer
Zwischen dem Linebrok und dem südlichen Moorriem nördlich von Elsfleth führte im Mittelalter ein westlicher Arm der Weser über die heutige Jade in die Nordsee. In der Mitte des Wasserzugs, der weitgehend dem Verlauf des Flusses Liene folgte, entstand ein See, der Großes Meer, Grote Meer oder einfach Dat Meer genannt wurde. Am südlichen Rand dieses Gewässers lag das schon 1059 erwähnte Me(e)rhusen, welches zum in dem Jahr neu gegründeten Kirchspiel Rastede gehörte. Als um 1480 Teile des Großen Meers durch die Oldenburger Grafen eingedeicht wurden, wurde für die Kolonisten eine neue Kirche erbaut,Hermann Hamelmann: Oldenburgisch Chronicon, 1599, S. 288 u. 300. wodurch das Dorf den Namen Meerkirchen, auch Großenmeer genannt, erhielt. Um 1600 wurde die St.-Anna-Kirche am jetzigen Standort errichtet. In: Arbeitsgemeinschaft Archäologische Denkmalpflege Oldenburg.
Vereinigung, Eingemeindungen und Ausgliederungen Im Rahmen einer 1933 durchgeführten Verwaltungsreform wurden die vorher eigenständigen Gemeinden Golzwarden, Strückhausen und Ovelgönne zur Großgemeinde Ovelgönne zusammengeschlossen. Zur Gemeinde Ovelgönne gehören heute unter anderem die Ortschaften Großenmeer, Neustadt-Colmar, Oldenbrok-Mittelort und Strückhausen.
Am 1. März 1974 wurde die Gemeinde Oldenbrok eingegliedert; zugleich wurde der Ortsteil Golzwarden zugunsten der Kreisstadt Brake umgemeindet.
Mit den Stationen Ovelgönne, Strückhausen, Oldenbrok und Großenmeer war das heutige Gemeindegebiet von 1896 bis 1976 an die mittlerweile stillgelegte Bahnstrecke Oldenburg–Brake angeschlossen.
Politik Gemeinderat
Der Rat der Gemeinde Ovelgönne besteht aus 16 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 5.001 und 6.000 Einwohnern. Die 16 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
Stimmberechtigt im Rat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister der Gemeinde.
Die vergangenen Gemeinderatswahlen ergaben folgende Sitzverteilungen: