Die Bibliothek Brehm Stiftung ist die aus der Privatbibliothek des Schweizers Adolf Brehm (1927–2022) hervorgegangene, 1990 als Stiftung in Bad Arolsen in Zusammenwirken mit dem Landkreis Waldeck-Frankenberg eingerichtete Sammlung von Büchern, Urkunden, historischem Mobiliar und Antiquitäten.

Mit ihren schätzungsweise 44.000 Objekten aus acht Jahrhunderten deutscher Buchkunst und Literaturgeschichte ist die Bibliothek Brehm ein Spiegel der Entwicklung der Wissensstände und Forschungsinteresse sowie Sprach-, Produktions- und Gesellschaftsentwicklung über die Epochen hinweg.

Die Bibliothek ist in 20 Räumen im Westflügel des Schlosses Arolsen untergebracht. Im selben Gebäude befindet sich auch die historisch gewachsene Fürstlich Waldeckische Hofbibliothek.

Geschichte Seit den frühen 1950er Jahren baute Adolf Brehm (1927–2022) eine Büchersammlung auf, die bis Mitte der 1980er Jahre etwa 20.000 Bände umfasste. Da Brehm keine direkten Nachkommen hatte, bemühte er sich um eine dauerhafte öffentliche Nutzung der Sammlung.

1987 nahm Brehm Kontakt mit dem damaligen Landrat des Landkreises Waldeck-Frankenberg, Günter Weltecke, auf. In den folgenden Jahren fanden Gespräche über die Gründung einer Stiftung und den Aufbau einer öffentlich zugänglichen Bibliothek statt. Beteiligt waren neben Adolf Brehm und dem Landkreis Waldeck-Frankenberg, vertreten durch die Waldeckische Domanialverwaltung, auch externe Fachleute und Wissenschaftler.

Im Februar 1990 unterzeichneten die Beteiligten die Stiftungsverfassung und reichten sie zur Genehmigung bei der Stiftungsaufsicht ein. Mit Genehmigung der Satzung durch das Regierungspräsidium Kassel wurde die Stiftung am 22. Mai 1990 offiziell errichtet.Regierungspräsidium Kassel, Genehmigung der Stiftungsverfassung vom 22. Mai 1990, Archiv der Bibliothek Brehm Stiftung. Anschließend begann der Aufbau der Bibliothek Brehm.

Brehm lebte in den letzten Jahren seines Lebens im Residenzschloss Arolsen oberhalb der Bibliotheksräume. Nach seinem Tod vermachte er seinen Nachlass der Bibliothek Brehm Stiftung.

Bestand Sammlungsschwerpunkt sind die für Geschichte und Gegenwart des deutschen Kulturraums wesentlichen Druckwerke ab 1456. Der Bestand umfasst Objekte vom ausgehenden Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert. Neben schätzungsweise 44.000 Bänden gehören auch 225 historische Landkarten und Stadtansichten, 345 Porträtstiche sowie 460 Autographen, Urkunden und Handschriften. Bei einem überwiegend Teil handelt sich um Erstausgaben in sehr gutem Erhaltungszustand.

Zu den bedeutendsten Werken der Sammlung gehört ein Pergamentexemplar des Theuerdank von Kaiser Maximilian I. aus dem Jahr 1517. Das in der Bibliothek vorhandene Exemplar ist teilkoloriert.

2023 erlangte die Bibliothek Brehm Bekanntheit durch den Zufallsfund eines Richard-Wagner-Briefes aus dem Jahr 1863. Dieser Brief führte zu einer intensiveren Zusammenarbeit mit der Universität Kassel. 2024/25 wurden mehr als 80 Objekte aus den Beständen der Bibliothek Brehm digitalisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dazu gehörten auch eine Abschrift des Sachsenspiegels von 1423, ein Regelwerk des Deutschen Ordens aus den 1440er Jahren und zahlreiche spätmittelalterliche Urkunden. Zukünftig sollen u. a. noch zwei Hexenprozessakten aus dem Bestand restauriert und ebenfalls digitalisiert werden.

Die Bedeutung der Stiftung liegt darin, dass sie den in Deutschland eher seltenen Typ einer öffentlich zugänglichen Privatsammlung vertritt.

Seit 2026 ist der Bestand der Bibliothek Brehm durch einen Virtuellen Rundgang erlebbar. Das Projekt wurde durch das hessische Ministerium für Digitales und Innovationen gefördert im Rahmen des Programms "Starke Heimat Hessen" gefördert.

Weblinks

Homepage der Bibliothek Brehm Stiftung "Bibliothek Brehm Stiftung" im Online-Repositorium ORKA der Universität Kassel „Bibliothek Brehm Stiftung“ auf www.literatur-nordhessen.de

Einzelnachweise

Adolf Brehm Kategorie:Kultur (Bad Arolsen) Kategorie:Organisation (Bad Arolsen) Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 1990