mini|Stammbuch Rupstein Studentenverbindungen entstanden an der Georg-August-Universität Göttingen, obwohl unerwünscht, im Zuge der Gründung als Landsmannschaft und auch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Studentenorden. Dabei waren Doppelmitgliedschaften möglich und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auch erstrebt, da beispielsweise der Orden ZN ein höheres Sozialprestige unter den Aufklärungssozietäten in Göttingen hatte.

Allgemein mini|Studentischer Aufzug mit Musik für den Universitätsgründer v. Münchhausen (1737) Mit deutlichen Signalen suchten der Geheime Rat des Kurfürstentums Hannover und die Prorektoren der jungen Göttinger Universität diese gleich nach ihrer Gründung von unerwünschten studentischen Zusammenschlüssen und Gebräuchen, wie sie an den anderen deutschen Universitäten üblich waren, frei zu halten. Gegen den Pennalismus richtete sich die Proclamation wegen des Pennalisirens der neu angekommenen „Studiosorum“ vom 9. November 1739Deneke (1937), S. 10 ff.. Gegen das Farbentragen der Erlass vom 8. Juni 1747Deneke (1937), S. 12 und gegen die Bildung von Landsmannschaften am Beispiel der Ilfelder Landsmannschaft der Erlass vom 6. November 1748.Deneke (1937), S. 14 Schon 1751 erging die nächste Verfügung durch den Prorektor Georg Heinrich Ayrer vom 26. Juli 1751, mit welcher die Zusammenschlüsse farbentragender studentischer Vereinigungen untersagt wurde.Deneke (1937), S. 15 Die seit Gründung der Universität erlassenen Vorschriften wurden nur vier Jahre später als Auszug und Wiederholung der Gesetze, welche den Studirenden in Göttingen vorgeschrieben sind.Digitalisat von Prorektor Johann Matthias Gesner am 3. November 1755 zusammengefasst und erneuert.Deneke (1937), S. 16 Die undisziplinierten Verhältnisse in der Studentenschaft machten nach dem Siebenjährigen Krieg erneut eine Verkündung der Akademische Gesetze für die studiosos auf der Georg Augustus Universität zu Göttingen. vom 18. August 1763 erforderlich.Deneke (1937), S. 17 Die Universität richtete Mitte der 1760er Jahre ihren Verfolgungsdruck vorrangig gegen die ihr suspekter erscheinenden, weil geheimeren Studentenorden. Die führte zu einem Niedergang der Studentenorden in Göttingen 1766, der in der Literatur auch als Ordenssterben bezeichnet wird, und die Entfaltungen der Landsmannschaften in Göttingen indirekt förderte. Aus dem Stammbuch Rupstein hat sich eine Darstellung uniformierter Landsmannschafter mit Legende erhalten. Dies belegt anschaulich das Bestehen von acht Landsmannschaften zu diesem Zeitpunkt, die in ihrem Bestand auch durch die Akten des Universitätsgericht belegt sind. Für das Jahr 1778 geben die erhaltenen Conventsprotokolle der Hannoverschen Landsmannschaft einen Vergleich „mit den übrigen drei Landsmannschaften“ wieder.Deneke (1937), S. 34 unten Es bestanden also neben den Hannoveranern drei weitere Landsmannschaften der Braunschweiger, der Hamburger und der Kurländer. Aus der gleichen Quelle ergibt sich, dass die Mecklenburgische Landsmannschaft im November als fünfte wieder hinzu kam, also erneuert wurde. An die Zeit der Protokolle schließt die Silhouetten-Sammlung Schubert, eine Sammlung von Schattenrissen des Mitglieds der Hannoverschen Landsmannschaft Carl Schubert an, in der sich Silhouetten von maßgeblichen Persönlichkeiten aller Göttinger Landsmannschaften aus der Zeit um 1775–1779 finden.

Landsmannschaften In alphabetischer Folge mit ersten Erwähnungen und signifikanten Existenznachweisen.

Braunschweigische Landsmannschaft Eine führende Rolle dieser Landsmannschaft ist 1768 der Teilnehmerliste des Besuchs des Herzogs Ferdinand von Braunschweig am 3./4. Juli 1768 zu entnehmen.Handschriftenabteilung der SUB Göttingen Eine Erwähnung findet sich beim Göttinger Landsmannschaftsstreit 1772 und eine Darstellung der Uniform der Braunschweiger findet sich 1772 im Stammbuch Rupstein. 1777, beim Auszug des Kurländers Lerch, ist der Senior der Landsmannschaft der Braunschweiger, Reitemeyer, namentlich erwähnt. Der Senior des Jahres 1778 v. Münchhausen wird von Carl Schubert in seiner Silhouettensammlung abgebildet und benannt.

Die Tradition der Landsmannschaft wird heute vom 1813 gestifteten Corps Brunsviga Göttingen gepflegt.

Stammbuchhalter im Umfeld der Braunschweiger Landsmannschaft Stammbuchhalter Laufzeit Lagerort Anmerkungen Abbildung Campen, H. C. S. von –1777 Staatsarchiv Wolfenbüttel Signatur: VI Hs. 13, Nr. 72 a Mitglied des Ordens ZN. Braunschweiger

Bremenser Anhaltspunkte der Entstehung dieser Landsmannschaft als Abspaltung von der Hannoverschen Landsmannschaft finden sich seit dem Universitätsjubiläum 1787. Bereits im Vorjahr hatte sich beim Jubiläum der Universität Jena dort ebenfalls eine Bremenser Landsmannschaft als Abspaltung von den Mecklenburgern gebildet. 1806 sind die Bremenser am Auszug nach Hann. Münden beteiligt. Die Tradition der Landsmannschaft wird heute vom 1812 gestifteten Corps Bremensia Göttingen gepflegt.

Curische Landsmannschaft Erste Erwähnung beim Göttinger Landsmannschaftsstreit 1772 und erste Abbildung eines uniformierten Kurländers 1772 im Stammbuch Rupstein. Am 29. Oktober 1777 erhält der Kurländer Dr. med. Lerch einen Auszug, an dem sich auch weitere Landsmannschaften beteiligen.Deneke (1937), S. 27 1777 wird der Senior v. Buddenbrock in den Protokollen der Hannoverschen Landsmannschaft genannt. Weitere Kurländer sind unter Angabe ihrer Chargen in der Silhouetten-Sammlung Schubert abgebildet. Für das Jahr 1780 berichtet der Hamburger Piter Poel über sein Zusammentreffen mit aus Göttingen nach einem Duell geflüchteten Kurländern unter ihrem Senior von Stackelberg in einem Gasthof bei Kassel. In den 1790ern integrieren sich die Kurländer vollständig beim Studentenorden der Unitisten bis zum Rückruf aller außerhalb Russlands studierenden Landeskinder durch Zar Paul 1798. Ab 1802 tut sich in Göttingen eine Curonia neu auf, nachgewiesen durch Stammbucheintrag eines E. v. Budberg mit Kurländerzirkel.Deneke (1937), S. 54 Der Curonischer Krieg des Jahres 1805 in Göttingen ist in einer Vielzahl von Stammbüchern festgehalten, die Curonen treten gegen den Rest der Studentenschaft an (Gegner hauptsächlich Holsteiner, Mecklenburger und Hessen). Beim Auszug nach Hann-Münden 1806 nehmen die Curonen als einzige Landsmannschaft nicht teil. Das Ergebnis ist ein Wiederaufleben des Curonischen Krieges mit 1400 Duellforderungen; der Streit besteht in der Hauptsache mit den Westphalen. 1808 organisieren sich die Balten als Ruthenia gemeinsam mit den Pommern. Die Tradition der Landsmannschaft und des aus ihr entstandenen Corps Curonia wird heute vom 1959 gestifteten Corps Curonia Goettingensis gepflegt.

Stammbuchhalter im Umfeld der Curländischen Landsmannschaft Stammbuchhalter Laufzeit Lagerort Anmerkungen Abbildung Patkul, Johann Jakob von(1757–1811) –1776 Württembergische LandesbibliothekSignatur: Cod. Don. 908 Kurländer, Mitglied des Ordens ZN. 100px|zentriert Petersen, Carl Friedrich Ludwig(1775–1822) –1816 Herder-Institut (Marburg)Signatur: DSHI 140 Balt. 589 stud. theol. aus Dorpat in Halle und Jena. Einträger auf Durchreise in Göttingen; zahlreiche Schattenrisse. Später Dichter und Universitätsbibliothekar in Dorpat.

Einbeckische Compagnie Die Einbeckische Compagnie ist eine andere Bezeichnung für die dem Bonsackischen Freytisch angehörigen Studenten aus der Stadt Einbeck in den Universitätsakten des Jahres 1742, die auf eine Einordnung als landsmannschaftliche Verbindung schließen lässt.Brüdermann (1990), S. 217

Frankfurter Landsmannschaft Die Frankfurter Landsmannschaft ist durch Abbildung eines uniformierten Frankfurter Studenten 1772 Stammbuch Rupstein bildlich nachgewiesen und schriftlich für die Zeit von 1769–1772 belegt durch die handschriftliche Autobiografie des Mitglieds der Hannoverschen Landsmannschaft Ernst Franz Carl von Hake, imm. 14. April 1769 bis Ostern 1772, über seine Studienzeit in Göttingen.Manuskript im Gutsarchiv der Familie von Hake in Ohr, dort S. 161–193. Kopien im Archiv des Corps Hannovera Göttingen.

Hamburgische Landsmannschaft Die Hamburgische Landsmannschaft wird 1766 durch die Klage des stud. Piehl, Mitglied der Hamburger Landsmannschaft, gegen den Professor Johann David Michaelis beim Universitätsgericht aktenkundig.Brüdermann (1990), S. 166/167 1777 wirkt der Hamburger Wolters beim Auszug des Kurländers Lerch als Generaladjudant mit. Abbildungen von Chargierten der Hamburger befinden sich mit Benennung der Chargen in der Silhouetten-Sammlung Schubert, bestätigt durch die Lebenserinnerungen des Hamburgers Piter Poel, der seinerseits Mitglied im Orden ZN war. Dazu gehört auch der spätere Göttinger Hochschullehrer Georg Friedrich von Martens.

Hannoversche Landsmannschaft Die Hannoversche Landsmannschaft vereinigte die Landeskinder an der Georgia-Augusta. Sie war daher auch besonderem Verfolgungsdruck ausgesetzt, während das Strafmaß im Ergebnis der Verfolgungen oftmals Rücksicht auf ihre verwandtschaftlichen Beziehungen im Kurfürstentum nahm. Sie ist daher die zweifellos am besten dokumentierte Göttinger Landsmannschaft des 18. Jahrhunderts und lässt sich seit dem 1. März 1735 in Göttingen nachweisen. Mitglieder der Landsmannschaft gründeten 1809 das Corps Hannovera Göttingen.

Holsteinische Landsmannschaft Auf die Beleidigung „pereant die infamen Klöße, die Hollsteiner, die infamen PoltronsPoltron=Hasenfuß “ erhebt die Holsteiner Landsmannschaft im November 1751 Klage gegen den Beleidiger vor dem Universitätsgericht, das in seiner Entscheidung den Täter neben einer 14-tägigen Karzerstrafe verurteilt, sich bei einer Abordnung von vier Holsteinern zu entschuldigen.Brüdermann (1990), S. 223 Bemerkenswert in diesem Zusammenhang, dass die Landsmannschaften (wie auch die Studentenorden) zumindest zeitweilig für derartige „Verbandsklagen“ aktiv legitimiert waren. 1772 findet sich die Abbildung eines uniformierten Hollsteiners im Stammbuch Rupstein. In der Folgezeit schließen sich die Holsteiner häufig den Mecklenburgern an. 1802 wird als Mitglied einer wieder bestehenden Landsmannschaft Holsatia Wichard Wilhelm von Heyden genannt.Beständig im Wandel. Berichte aus sechs Generationen der Familie von Heyden/von Heyden-Linden von 1800–1989. Eingeleitet, verbunden und befragt von Harald von Heyden. Heyden’sche Familienstiftung (Hrsg.), Borgwedel, S. 140–144 (S. 140ff.) Nicht aufgeführt in den Kösener Korps-Listen von 1910 Die Holsteiner sind als Landsmannschaft 1806 Auszug nach Hann. Münden beteiligt und gehen 1808 wieder bei den Mecklenburgern in deren Vandalia auf.

Ilfelder Landsmannschaft Der Zusammenschluss von Absolventen der Klosterschule Ilfeld wurde 1748 seitens der Universität verboten.

Jeverische Landsmannschaft Landsmannschaftlicher Zusammenschluss von Studenten aus der Stadt Jever; 1748 in den Universitätsakten erwähnt.

Lüneburger Landsmannschaft 1799–1802 wird der stud. Georg Ludwig von Wedemeyer als Mitglied der Lüneburger Landsmannschaft genannt.

Mecklenburgische Landsmannschaft