Oberwolfach ist eine Gemeinde im Ortenaukreis in Baden-Württemberg.

Geografie Geografische Lage mini|Oberwolfach Walke Der Luftkurort Oberwolfach liegt in 270 bis 948 Meter Höhe im mittleren Schwarzwald am Unterlauf der Wolf, eines Nebenflusses der Kinzig.

Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt im Norden an Bad Peterstal-Griesbach, im Osten an Bad Rippoldsau-Schapbach im Landkreis Freudenstadt, im Süden an die Städte Wolfach und Hausach und im Westen an Oberharmersbach.

Gemeindegliederung mini|Typische Einzelhof-Landschaft in Mitteltal Zur Gemeinde Oberwolfach gehören die Dörfer Bei der Kirche und Walke, die Siedlung Grünach, die Weiler Battengott, Erzenbach, Frohnbach, Gelbach, Grangat, Kurzenbach, Rankach und Tiefenbach, die Höfe Hapbach, Landeck, Mitteltal, Obertal, Schwarzenbruch, Waldhans, Waldlehme und Zierle und der Wohnplatz Untertal. Im Gemeindegebiet liegt die abgegangene Ortschaft Tiefenbach.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 431–432.

Geologie Bis zum Ende des Paläozoikums faltete sich in Mitteleuropa das sogenannte variskische Grundgebirge auf und wurde später im Gebiet des heutigen Baden-Württemberg von zahlreichen Sedimentschichten überlagert. Erst infolge tektonischer Bewegungen sowie Abtragungen im Zusammenhang mit der Entstehung der Oberrheinischen Tiefebene gelangte das heute bei Oberwolfach sichtbare Gebirge wieder zum Vorschein. Weiter östlich sowie auf zahlreichen Berghöhen Oberwolfachs sind die Schichten des Deckgebirges – insbesondere des Buntsandstein – noch in Resten erhalten geblieben, bevor sie am Übergang des Schwarzwaldes zum Gäu stark zu Tage treten (siehe auch: südwestdeutsches Schichtstufenland).

Das Grundgebirge besteht im Wesentlichen aus Metamorphiten, im Bereich Oberwolfachs vor allem Gneis und Granit. Sie entstanden durch den hohen Druck der ursprünglich aufliegenden Deckgebirgsschichten. Unter verschiedensten Bedingungen entwickelten sich dadurch außerdem die bei Sammlern begehrten Mineralien, die besonders in der Gegend von Oberwolfach häufig zu finden sind. So lässt sich auch der Silberreichtum der Gegend erklären.Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg (Hrsg.): Geologische Schulkarte von Baden-Württemberg 1:1000000. Erläuterungen. Freiburg i.Br. 1998. 12., überarbeitete und erweiterte Auflage. S. 11 ff.

Geschichte 1275 wurde Oberwolfach als superioris Wolfach erstmals urkundlich erwähnt. 1409 taucht es als Ober-Wolfach und 1482 als obern Wolfach auf. Daneben wurde es auch als veteri Wolfach,Kirchenbuch Schapbach, Ehebuch 1720–1810, S. 55. Alt-Wolfach bzw. Altwolfach oder – auch heute noch – im Wolftaler Dialekt als alde Wolfe bezeichnet.

Der Ort gehörte den Herren von Wolfach, die ihre Herrschaft im Wolftal sowie im Kinzigtal hatten. Durch Heirat kam die Herrschaft Wolfach 1291 bereits an das Fürstenhaus Fürstenberg. Dieses verpfändete den Ort 1365 an die Stadt Wolfach und dann bis 1419 an Straßburger Familien. Oberwolfach gehörte zum fürstenbergischen Oberamt Wolfach.Geschichte von Oberwolfach auf Mortenau.de 1806 fiel es mit diesem wie das gesamte Wolftal an das Großherzogtum Baden.

Vegetation und Landwirtschaft mini|Ansicht in OberwolfachFür die Landwirtschaft bieten die Berghöhen Oberwolfachs aufgrund der Böden, die durch die aufliegenden Schichten des Buntsandsteins entstanden sind, ausgesprochen ungünstige Bedingungen. Zudem herrscht häufig Wassermangel. Das ist der Grund, weshalb sich dort keine größeren Siedlungen entwickeln konnten. Sie konzentrieren sich in den Tälern, wobei auch dort nur eine eingeschränkte Bewirtschaftung möglich ist. Das von den Hängen hinabfließende Wasser sammelt sich im Tal und es bildet sich Staunässe, deren Nachteile nur durch umfangreiche Drainagemaßnahmen teilweise ausgeglichen werden können.Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg (Hrsg.): Geologische Schulkarte von Baden-Württemberg 1:1000000, Erläuterungen. Freiburg i.Br. 1998, 12. überarbeitete und erweiterte Auflage, S. 133.

Die steilen Hänge der Täler Oberwolfachs sind für die moderne Landwirtschaft ein großes Problem. Sie sind nur schwer oder überhaupt nicht maschinell zu bewirtschaften. Viele Flächen, die früher mit Hilfe von Brandrodung oder Mehrfelderwirtschaft als vergleichsweise fruchtbare Äcker genutzt wurden, bewaldeten sich daher in den letzten Jahrzehnten.Veltzke, Gardy Gerhard: Der gebundene bäuerliche Besitz in der fürstenbergischen Gesetzgebung dargestellt am Beispiel der ehemals fürstenbergischen Herrschaft Wolfach. Donaueschingen 1938. S. 10–12. Lediglich die Namen einzelner Orte deuten auf die ursprüngliche Bewirtschaftung hin. Mit der Bewaldung der Kulturlandschaft verschwanden zahlreiche Pflanzen- und Tierarten und das kleinörtliche Klima veränderte sich negativ.

mini| Wanderweg in Oberwolfach Aufgrund der geschilderten Bedingungen waren die Landwirte um Oberwolfach schon immer vom Waldbau abhängig. Getreide- oder Gemüseanbau fand meist nur zur Deckung des Eigenbedarfs statt. Das gilt auch heute noch, auch wenn Tourismus und Fördergelder als Einnahmequellen hinzugekommen sind. Geändert hat sich hingegen die Form der Waldbewirtschaftung. Dominierten früher im Schwarzwald Buchen und Tannen, wird heute aus wirtschaftlichen Gründen vor allem die eigentlich ortsfremde Fichte angebaut. Eine Folge des extensiven Fichtenanbaus ist eine starke Bodenversauerung, der man durch Kalkung entgegenzuwirken versucht. Mittlerweile werden die äußerst negativen Folgen der Fichten-Monokultur immer stärker wahrgenommen und man versucht, zu traditionellen Wirtschaftsformen zurückzukehren.

Ein Resultat der ungünstigen landwirtschaftlichen Bedingungen sind die überdurchschnittlichen Hofgrößen in Oberwolfach und seiner Umgebung. Nicht selten bewirtschaften Bauernhöfe mehr als 100 Hektar Land. Gestützt wurde die Entwicklung dieses Großbauerntums durch das Anerbenrecht, das Graf Wilhelm von Fürstenberg mit der Kinzigtäler Landesordnung 1543 einführte. Nun konnten Höfe nicht mehr unter mehreren Erben aufgeteilt werden und wurden so in ihrer Substanz erhalten.Veltzke, Gardy Gerhard: Der gebundene bäuerliche Besitz in der fürstenbergischen Gesetzgebung dargestellt am Beispiel der ehemals fürstenbergischen Herrschaft Wolfach. Donaueschingen 1938. S. 6 ff.

mini| Weidehaltung in Oberwolfach In heutiger Zeit sind es vor allem die problematischen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die den Fortbestand der einst stolzen Schwarzwaldhöfe gefährden. Die meisten Landwirte haben mittlerweile einen anderen Hauptberuf und bewirtschaften ihre Höfe nur noch nebenbei. Ob auch künftige Generationen bereit sein werden, diese Arbeitsbelastung zu tragen, ist fraglich.

Demographie Bevölkerungsentwicklung:

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Jahr Einwohnerentwicklung 1834 2.085 1852 2.128 1885 1.966 1939 2.027 1961 2.427 1970 2.611 1990 2.655 2001 2.775 2011 2.678 2021 2.574 2022 2.578

Politik Vögte 1380: Claus Marschalckh 1389: Jacob Bernard, Vogt, Jackli Bennehart, Untervogt 1414: Hainrich Kyssling, genannt Kuttly 1482: N.N. Erhart und Stephan Vosen 1500: Hans Brüstlin 1634: Balthasar Zanger 1662: Claus Armbruster 1674: Michel Kächeler 1749: Anton Echle 1755: Zacharias Wölfle 1771: Johann Michael Herrmann 1782: N.N. BaurKurt-Erich Maier: Oberwolfach. Die Geschichte einer Schwarzwaldgemeinde im Wolftal, Oberwolfach 1958, S. 135. 1788 bis wahrscheinlich 1822: Johann Michael Bonath 1822: Johannes Herrmann 1823: Lorenz Haas 1826: Konrad Feger 1833: Michael HerrmannGemeindeverwaltung Oberwolfach (Hrsg.): Heimat im Wolftal - Oberwolfach: Leben und Brauchtum in einer Schwarzwaldgemeinde. Oberwolfach 1999, S. 35.

Bürgermeister 1833–1835: Michael Herrmann 1835–1838: Konrad Feger (der Vogt 1826) 1838–1844: Heinrich Wiegand 1844–1846: Konrad Feger, erneut 1847: Wendelin Bonath 1847–1852: Josef Bächle 1852–1855: Augustin Heitzmann 1855–1864: Lorenz Herrmann 1864–1870: Augustin Heitzmann, erneut 1870–1874: Roman Groß 1874–1901: Johann Georg Fritsch 1901–1929: Mathias Echle 1930–1937: Raimund Bächle 1938–1945: Heinrich Etzel, von den Nationalsozialisten eingesetzt 1945–1963: Gottfried Rauber 1963–1983: Willi RauberGemeindeverwaltung Oberwolfach (Hrsg.): Heimat im Wolftal – Oberwolfach: Leben und Brauchtum in einer Schwarzwaldgemeinde. Oberwolfach 1999, S. 35. 1983–2015: Jürgen Nowak 2015–2025: Matthias Bauernfeind (CDU)

Bei der Bürgermeisterwahl am 9. November 2025 erhielt der einzige Kandidat auf dem Stimmzettel, Michael Hogenmüller, nur 20,54 % der Stimmen, nachdem er bereits vor der Wahl angekündigt hatte, sein Amt nicht antreten zu wollen. Stattdessen wurde der frühere Bürgermeister Jürgen Nowak, der von Hand auf dem Stimmzettel eingetragen werden musste, mit 64,01 % zum neuen Bürgermeister gewählt.Bürgermeisterwahl Oberwolfach 2025 im Staatsanzeiger für Baden-Württemberg, abgerufen am 11. November 2025 Er hat angekündigt, dieses Amt bis zu einer Neuwahl ausüben zu wollen.

Gemeinderat Der Gemeinderat in Oberwolfach hat zwölf Mitglieder. In der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 wurde der Gemeinderat aus einer Einheitsliste gewählt. Die Wahlbeteiligung betrug 78,3 %. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

mini|Rathaus Oberwolfach

Parteien und Wählergemeinschaften 2024 2019Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil SitzeFWG Freie Wählergemeinschaft 0,00 %067,6 %8CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands0,00 %032,4 %4BO Bürgerliste Oberwolfach99,72 %120,0 %0Gesamt100 %12100 %12Wahlbeteiligung 78,31 % 77,2 %

Die Gemeindeverwaltung der selbstständigen Gemeinde ist im Rathaus (Baujahr 1926) im Ortsteil Walke untergebracht. Im Bereich der Tourismusförderung und Flächennutzungsplanung arbeitet Oberwolfach innerhalb einer Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft mit dem Nachbarort Wolfach zusammen.

Siegel und Wappen

Das älteste bekannte Siegel von Oberwolfach findet sich an einer Urkunde vom 6. Februar 1487, in welcher der Vogt und die Gerichtszwölfer von Oberwolfach den Verkauf eines Grundstückes des Heinrich Schmid, Bürger zu Wolfach, auf der Gemarkung von Oberwolfach an Andreas Kötz, Schreiber des Grafen Heinrich von Fürstenberg, beurkunden. Das grüne Wachssiegel in einer Holzschale zeigt einen aufgerichteten (angreifenden) Wolf im Schild. Das Siegel ist in der Umrandung beschriftet mit „Sigilum des tals in der wolfach“. Aus dem Jahr 1647 ist ein Siegelstempel aus Metall überliefert. Das Siegel zeigt einen springenden Wolf im Schild. In der Umrandung steht „S: DES THALS OBERWOLFACH“, darunter die Jahreszahl 1647. Das Siegel von 1811 zeigt ebenfalls einen springenden Wolf im Schild. In der Umschrift steht „OBER : WOLFACHi : SIGIL : AVS : DEM : TAHL“ zu lesen. Ober dem Schild ist die Jahreszahl 18 + 11 angebracht.

1903 wurden im Großherzogtum Baden die Siegel und Wappen allgemein festgelegt. Die Gemeinde Oberwolfach behielt Siegel und Wappen des 19. Jahrhunderts mit dem springenden Wolf. Die Tingierung wurde dabei jedoch nicht festgelegt. Im Oktober 1956 legte die Gemeinde fest, dass der Wolf rotbraun, der Schildgrund grün sein sollte. Da dies jedoch ein Farbverstoß war (Farbe auf Farbe), wurde im Dezember 1956 festgelegt, dass im Wappenbild künftig ein roter, aufgerichteter Wolf auf silbernem Grund zu sehen sein sollte. Dementsprechend wurde der Gemeinde am 25. September 1962 vom Innenministerium eine rot-weiße Flagge verliehen. Kurt-Erich Maier: Oberwolfach. Die Geschichte einer Schwarzwaldgemeinde im Wolftal, Oberwolfach 1958, S. 135f; Harald Huber: Wappenbuch Ortenaukreis, Konstanz 1987, S. 155; Herwig John, Martina Heine: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Freiburg (Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg 3), Stuttgart 1989, S. 90.