miniatur|Festlich mit den Wappen der 12 Zünfte und Gesellschaften geschmückte Vordergasse in Schaffhausen

Die zehn alten Zünfte der Stadt Schaffhausen waren ursprünglich Handwerksvereinigungen und entstanden im 15. Jahrhundert. Neben diesen Handwerksvereinigungen bildeten der Stadtadel und die Kaufleute zusätzlich die beiden Gesellschaften zun Herren sowie zun Kaufleuten. Die Zünfte und Gesellschaften prägten über Jahrhunderte das wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Leben der Stadt Schaffhausen.

Geschichte Ursprung Vom 11. bis 15. Jahrhundert entstanden in ganz Europa zahlreiche Handwerksvereinigungen und Korporationen, die die Interessen ihres Gewerbes vertraten und je länger je mehr versuchten, sich auch politisch zu betätigen. In den umliegenden Städten Zürich, Basel und Konstanz übernahmen die Zünfte im 14. Jahrhundert die Macht. Schaffhausen wurde jedoch weiterhin vom Adel regiert, obwohl die Handwerker immer mächtiger wurden. Der Rat der Stadt Schaffhausen verbot in den Jahren 1281 und 1332 den Handwerkern ausdrücklich, sich zu Zünften zu verbinden. In der Schlacht bei Sempach (1386) und der Schlacht bei Näfels (1388) kämpften die Schaffhauser noch an der Seite der Habsburger. Viele einflussreiche Schaffhauser Adelige fielen in den beiden Schlachten. Die Handwerker nutzen die Schwäche des Adels und baten im Jahre 1411 den obersten Stadtherrn, Friedrich IV. von Österreich, ihnen das Recht zu gewähren, Zünfte zu gründen. Am 1. Juli 1411 stellte er ihnen bereits die nötige Urkunde aus, welche den Handwerkern erlaubte, ein entsprechendes Gesetz zu erlassen.

Gründungen Am 12. Juli 1411 schlossen sich nach Einführung der Zunftverfassung die Handwerker zu 10 Zünften zusammen und wählten je ihren Zunftmeister. Die Adeligen bildeten die „obere Gesellschaft zun Herren“, genannt nach ihrem Versammlungshaus beim Fronwagplatz. Die Kaufleute gründeten die „Gesellschaft zun Kaufleuten“. Sie trafen sich jeweils in der unteren Stube an der Vordergasse. Beide Gesellschaften wählten ihren Oberherrn.

Politischer Einfluss Die Zünfte übernahmen die Macht im Stadtstaat. Jede Vereinigung durfte zwei Mitglieder in den 24-köpfigen Kleinen Rat entsenden. In den Grossen Rat mit 84 Mitgliedern nahmen je 5 Vertreter sowie der ganze Kleine Rat Einsitz. Die „obere Gesellschaft zun Herren“ durfte zeitweise 4 Mitglieder in den Kleinen Rat entsenden. Für die nächsten mehr als 400 Jahre sollte sich an dieser neuen Ordnung nicht viel ändern.

Das Ende der Vorherrschaft der Zünfte Mit der Französischen Revolution (1789) und den Napoleonischen Kriegen (1798–1815) war in Europa eine neue Epoche angebrochen. 1798 stürzte die Alte Eidgenossenschaften, und im Einheitsstaat der Helvetik wurden die Zünfte aufgehoben. 1803 wurden sie durch die von Napoleon gewährte Mediationsverfassung zwar wieder verfassungsrechtlich errichtet, fungierten aber bis zur Kantonsverfassung von 1852 als Wahlkörperschaften zum Grossen Rat und nicht mehr als Zünfte im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Sinn. Allerdings hatten die städtischen Wahlkörper zunächst noch ein Übergewicht gegenüber den ländlichen. Mit der Handwerksordnung von 1804 wurde wieder bestimmt, dass jedes Handwerk in der Stadt eine Innung bildete. Den Handwerksmeistern auf dem Land blieb es freigestellt, ob sie sich den städtischen Innungen anschliessen oder aber einen eigenen Verband gründen wollten.

Die Leute, besonders auch in den unterdrückten Dörfern, sehnten sich nach Freiheit und Gleichheit für alle Bewohner. In der aufkommenden Industrialisierung entstanden überall in Europa Fabriken. Noch 1840 hatten die Schaffhauser Industriepioniere Johann Conrad Fischer und Heinrich Moser mit vielen Schaffhauser Handwerkern zu kämpfen, die sich gegen jegliche Art von Grossbetrieben wehrten. Fortschrittlichere Zünfter realisierten jedoch, dass sich Handel und Gewerbe im Umbruch befanden. 1855 trat im Kanton Schaffhausen das neue Gewerbegesetz in Kraft. Dieses beendete auch im wirtschaftlichen Bereich den Einfluss der Handwerksinnungen und ebnete den Weg für die Industrialisierung.

Reihenfolge der Nennung Gerne wäre die „obere Gesellschaft zun Herren“ bei der Aufzählung der 12 Schaffhauser Zünfte und Gesellschaften an Erster Stelle genannt worden. Die Handwerkerzünfte beschlossen jedoch, die Reihenfolge nach der ursprünglichen Lage der Zunfthäuser vom Rhein her gesehen festzulegen. Einige Zünfte errichteten später an anderen Orten in der Stadt ihre Zunfthäuser. Die ursprüngliche Reihenfolge wurde dadurch nicht verändert. Die offizielle Reihenfolge lautete somit: Zunft zun Fischern, Zunft zun Gerbern, Zunft zun Schuhmachern, Zunft zun Schneidern, Zunft zun Schmieden, Gesellschaft zun Kaufleuten, Zunft zun Becken, Zunft zun Rebleuten, Zunft zum Rüden, Gesellschaft zun Herren, Zunft zun Metzgern, und Zunft zun Webern.

Die Bedeutung der Zünfte Die Zünfte waren Handwerksvereinigungen, welche Regeln aufstellten, wer, wie und wo ein Handwerk ausüben durfte. Nach heutigen Vorstellungen waren Zünfte protektionistische Kartelle. Sie kauften auch gemeinsam Rohstoffe und Werkzeuge ein. Durch Absprachen sorgten die Zünfte dafür, dass alle Zunftmitglieder mehr oder weniger gleich viel Arbeit hatten und gleich viel verdienten. Auf diese Weise hielten sie sich auch unliebsame Konkurrenz von ausserhalb der Stadt fern. Das Lehrlingswesen wurde auch durch die Zünfte geregelt und wer Meister werden wollte, musste vor der Zunft eine Prüfung ablegen. Nur Stadtbürger waren zur Meisterprüfung zugelassen. Ausserdem mussten sie über ein genügend grosses Vermögen verfügen, um sich eine Werkstatt kaufen zu können. Genügte das Meisterstück den Anforderungen, wurde der Handwerker in den Meisterstand erhoben und gleichzeitig in die Zunft aufgenommen. Beim Tod eines Zunftmitgliedes wurde der Leichnam in einem speziellen Raum jedes Zunfthauses aufgebahrt. Gemeinsam mit den Familien nahm die Zunft von ihrem verstorbenen Mitglied Abschied. Die Zunft kümmerte sich auch um die Witwen und Waisen. Die Zünfte waren die tragende Organisation der Stadt Schaffhausen. Sie kümmerten sich deshalb auch um weitere Belange des damaligen Stadtlebens. Die Feuerbekämpfung lag in ihrer Obhut. Bei einem Brandausbruch wurden die Bürger durch Trompetenstösse von einem der vier Hochwächter auf dem Munot, dem St. Johannturm, dem Obertorturm oder dem Schwabentor alarmiert. In kriegerischen Zeiten formierte sich jede Zunft zu einem "Banner". Die Zünfte besassen eigene Waffen, Geschütze und Munition, da die Aufnahme neuer Zunftmitglieder häufig mit der Beschaffung eines eigenen Schwertes oder einer Armbrust verbunden war. Die Waffendepots der Zünfte gelten als die ersten Zeughäuser der mittelalterlichen Stadt. Auch die Bewachung der Stadt in Friedenszeiten regelten die 10 Zünfte und 2 Gesellschaften unter sich. Jede Nacht verübten 60 Männer den Wachtdienst auf den Mauern rund um die Stadt. Jeder Zünfter kam so im Schnitt alle 10 Nächte einmal an die Reihe.

Zugelassene/Ausgeschlossene Berufe und Frauen Nur die als ehrenhaft angesehenen Berufe wurden in einer Zunft zugelassen. Die unehrenhaften Berufe wie Henker, Totengräber, Wasenmeister (Entsorgung von toten Tieren), Musikanten und Nachtwächter wurden wie die Bauern, Diener und Leibeigene von der Teilnahme am Zunftleben ausgeschlossen. Über die Jahrhunderte entstanden immer wieder neue Berufe. Um die Anzahl der Zünfte nicht erhöhen zu müssen, wurden die neuen Berufe den bestehenden Zünften zugewiesen. Heute ist vielfach nicht mehr nachvollziehbar, weshalb ein Beruf einer bestimmten Zunft zugewiesen wurde. Im Mittelalter waren Handwerksmeisterinnen bei den Schneidern und Webern noch gleichberechtigte Mitglieder der Zunft. Die Zünfter blieben jedoch lieber unter sich. Der Zugang zu den Zünften wurde den Frauen ab dem 16. Jahrhundert gänzlich verwehrt. Viele Frauen halfen ihren Männern im Handwerksbetrieb mit. Verstarb ein Handwerksmeister, ging das Recht, das Handwerk auszuführen, auf seine Frau über. Mitglied der Zunft durfte sie trotzdem nicht werden.

Historische Zünfte Name Berufe Typische Familiennamen Zunft-/GesellschaftshausWebpage Zunft zun Fischern Fischer, Kabishändler, Scherer, Schiffleute, Schiffmacher und Hofknechte beim Salzhof Oechslin, Pfau, Vogel Fischerzunft, Fischerstubengässchen 2, 1854 verkauft, heute Restaurant FischerzunftWebsite Zunft zun Gerbern Gerber, Karrer, Sattler Altorfer, Bäschlin, Beck, Biedermann, Hauser, Homberger, Hurter, Müller, Murbach, Pfister, Schalch, Schelling, Sigerist, Stierlin, Vogel, WüscherGerberstube, Bachstrasse 8, 1864 verkauft, heute Restaurant Gerberstube Zunft zun Schuhmachern Schuhmacher Amsler, Brunner, Faccani, Fischer, Frauenfelder, Höneisen, Joos, Keller, Murbach, Pfeiffer, Pfister, Richli, Schalch, Schatzmann, Schlatter, Späth Haus zur Granate, Vordergasse 18, 1849 verkauft Zunft zun Schneidern Schneider, Kürschner, Tuchscherer Blanz, Brütsch, Classen, Dalla Valle, Deggeller, Frey, Habicht, Hanser, Jezler, Joos, Karrer, Kressler, Müller-Forrer, Rubli, Schmid, Schwyn, Sigg, Spichiger, Ulmer, Von Grüningen, Vontobel, Walter, Winzeler Schneidergang 7, Verkauf ca. 1840, Festsaal im 1. Stock erhaltenWebsite Zunft zun Schmiden Glockengiesser, Goldschmiede, Harnischer, Hafner, Harfengiesser, Haubengiesser, Hufschmiede, Kannengiesser, Klingenschmiede, Kupferschmiede, Maurer, Messerschmiede, Nagler, Schleifer, Schlosser, Spengler, Sporer, Schreiner, Steinmetzen, Schwertfeger, Wagner, Ziegler, Zimmerleute Abegg, Bäschlin, Becker, Beglinger, Bendel, Bodmer, Brupbacher, Fischbacher, Gut, Hurter, Jezler, Kübler, Leu, Moser, Pesci, Rauber, Ruckstuhl, Schachenmann, Schäpper, Schnezler, Sigg, Sorg, Steinacher, Stierlin, Sulzer, Wermuth Vordergasse 61, 1848 verkauftWebsite Gesellschaft zun Kaufleuten Kaufleute, Bleicher, Färber Harder, Huber, Peyer/de Peyer, von Waldkirch, Ziegler, von/de Ziegler Vordergasse 52, Festsaal im 1. Stock erhalten Zunft zun Becken Bäcker, Müller Brülisauer, Ermatinger, Forster, Furger, Kirchhofer, Lang, Meyer, Müller, Neithardt, Rohr, Schärrer/Scherrer, Siegerist, Stierlin, Veith, Wäffler, Weckerle Beckenstube 8, Verkauf ca. 1850Website Zunft zun Rebleuten Rebleuten Bürgin, Forster, Ith, Mezger, Müller, Schenk, Schlatter, Spahn Rebleutegang 2, 1859 verkauft, am 1. April 1944 durch US-Bombardierung zerstört Zunftverzeichnis (anno 1831) Zunft zum Rüden Krämer, Dreher, Glaser, Gürtler, Maler, Seckler, Seiler, Wirte Abegglen, Ammann, Andreae, Frey, Hüninger, Neher, Schwarz, Seiler Haus zum Rüden, Oberstadt 20, 1862 verkauft, heute Hotel Rüden, Festsaal erhalten Gesellschaft zun Herren Vertreter der alten Adelsfamilien Im Thurn, Brümsi, von Mandach, Stokar von Neuforn, von Stokar Herrenstube, Fronwagplatz 3 Zunft zun Metzgern Metzger, Gabelmacher, Küfer, Ärzte, insbesondere Feldärzte und Chirurgen Altorfer, Baeschlin, Beck / Bek, Bendel, Bührer, Ermatinger, Fehrlin, Greuter, Habicht, Meyer, Moser, Oechslin, Schmid, Spleiss, Stierlin, Suter, Ulmer, Weber, Wirth Fronwagplatz, 1857 verkauftWebsite Zunft zun Webern Weber, Hutmacher, Siebmacher, Tuchhändler, Wannenmacher Augsburger, Bardoczy, Berger, Birchmeier, Bolli, Bollinger, Bürki, Dubach, Eberli, Gloor, Graf, Gründler, Hallauer, Harzenmoser, Hofer, Hurter, Kirchhofer, Maier, Mittler, Narr, Ott, Schalch, Schweizer, Sinniger, Sorg, Vieli, Zryd Vordergasse, Verkauf ca. 1857

Zunfthäuser