Haiterbach ist eine Kleinstadt im Landkreis Calw in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Nordschwarzwald.
Geographie Lage Die Markung von Haiterbach liegt am Westrand des Heckengäus zum Nordschwarzwald und wird vom Tal der Waldach durchzogen, der aus dem namengebenden Hauptort von rechts der Heiterbach zufließt.
Stadtgliederung Zur Stadt Haiterbach gehören die ehemaligen, bis in die 1970er Jahre selbständigen Gemeinden Beihingen, Oberschwandorf und Unterschwandorf. Das Dorf Beihingen und das Gehöft Gründelhof bildeten früher die Gemeinde Beihingen. Zur Stadt Haiterbach in den Grenzen von 1971 gehört neben der Stadt der Weiler Altnuifra. Die ehemalige Gemeinde Oberschwandorf bestand einzig aus dem gleichnamigen Dorf, zur ehemaligen Gemeinde Unterschwandorf gehörte neben dem Dorf auch das Schloss Unterschwandorf.
In der Stadt Haiterbach im Gebietsstand von 1971 liegt die Wüstung Utenweiler.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 507–508
Die ehemaligen Gemeinden Beihingen, Oberschwandorf und Unterschwandorf sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzendem eingerichtet.
Geschichte Mittelalter mini|Schloss Schwandorf Haiterbach wurde 1099 erstmals urkundlich erwähnt. Im 13. Jahrhundert gehörte es zur Pfalzgrafschaft Tübingen, die es gegen Ende des Jahrhunderts an die Grafen von Hohenberg verlor. Die Stadtrechte wurden Haiterbach 1349 verliehen. Die dortige mittelalterliche Burg war Sitz der Herren von Haiterbach bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1384. Diese waren Lehnsmannen der Grafen von Hohenberg. 1363 verkaufte Otto II. von Hohenberg seine Grafschaft mitsamt Nagold und Haiterbach an Graf Eberhard den Greiner von Württemberg.
Württembergische Zeit Verwaltungstechnisch gehörte die Stadt nun zum württembergischen Amt Nagold, das 1758 zum Oberamt Nagold wurde. Auch bei der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg blieb die Zuordnung Haiterbachs zum Oberamt Nagold erhalten.
1807 zerstörte ein Stadtbrand den Gebäudebestand derart flächendeckend, dass der ursprüngliche mittelalterliche Grundriss der Stadt verloren ging. Auch die mittelalterliche Burg wurde infolgedessen abgebrochen.
Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Haiterbach 1938 zum Landkreis Calw. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Haiterbach am 16. April 1945 bombardiert. Geschichte Haiterbachs
Nachkriegszeit Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Haiterbach in die Französische Besatzungszone und kam somit 1947 zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern. 1952 ging das provisorische Nachkriegsland im Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern auf und gehört seither zum neuen Bundesland Baden-Württemberg.
Mit der Kreisreform zum 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Calw Teil der neu gegründeten Region Nordschwarzwald, die dem Regierungsbezirk Karlsruhe zugeordnet wurde. Somit wird seither über die Angelegenheiten Haiterbachs auch aus Pforzheim und Karlsruhe mitentschieden.
Eingemeindungen 1936 – Altnuifra 40px|Unterschwandorf 1. Dezember 1971 – Unterschwandorf 40px|Wappen Beihingenss 1. Januar 1972 – Beihingen 40px|Oberschwandorf 1. Januar 1975 – Oberschwandorf
Einwohner Einwohnerzahlen, Stand: 1. November 2023 Gesamt 6025 Haiterbach 3653 Altnuifra 38 Beihingen 866 Unterschwandorf 255 Oberschwandorf 1213
Religionen Evangelische Kirchengemeinden Haiterbach-Talheim: Die Evangelische Kirchengemeinde Haiterbach-TalheimWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Haiterbach-Talheim umfasst die Kernstadt und den Stadtteil Altnuifra der Stadt Haiterbach sowie die Stadtteile Ober- und Untertalheim (die heute nur noch als Stadtteil Talheim bezeichnet werden) der Stadt Horb am Neckar (Landkreis Freudenstadt) und gehört zum Kirchenbezirk Calw-Nagold der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Laurentiuskirche wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Beihingen: Die Evangelische Kirchengemeinde BeihingenWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Beihingen gehört ebenfalls zum Kirchenbezirk Calw-Nagold. Pfarramtlich betreut wird die Kirchengemeinde von der Nachbarkirchengemeinde Bösingen im gleichnamigen Ortsteil von Pfalzgrafenweiler (Landkreis Freudenstadt). Oberschwandorf und Unterschwandorf: Die Evangelische Kirchengemeinde Ober- und UnterschwandorfWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Ober- und Unterschwandorf umfasst den gleichnamigen Stadtteil und gehört ebenfalls zum Kirchenbezirk Calw-Nagold.
Katholische Kirchengemeinde Haiterbach Die Katholische Kirchengemeinde in Haiterbach ist eine Teilgemeinde der Pfarrei Heilig Geist in Altensteig. Vor 1963 gehörten die Haiterbacher Katholiken zur Pfarrei Gündringen. Als 1963 die Stadtpfarrei Heilig Geist errichtet wurde, kamen Haiterbach und Unterschwandorf nach einer Anhörung der politischen Gemeinden zur Pfarrei Heilig Geist Altensteig. Da die Haiterbacher Katholiken noch keine Kirche hatten, stellte die evangelische Gemeinde ihren Pfarrsaal für Gottesdienste zur Verfügung, was nicht selbstverständlich war. 1964 wurde mit den Planungen für einen Kirchenneubau begonnen, der am 16. Oktober 1966 eingeweiht wurde und den Namen des im 19. Jahrhundert in Frankreich lebenden Peter Julian-Eymard erhielt.
Liebenzeller Gemeinschaft Die Liebenzeller Gemeinschaft ist Teil der evangelischen Kirchengemeinde. Viele Mitglieder arbeiten ehrenamtlich; ihre Aufgabe sieht die Liebenzeller Gemeinschaft insbesondere in der Unterstützung der Liebenzeller Mission, einem Werk innerhalb der Landeskirche.
Spätregenmission Trotz ihrer Insolvenz führt die Spätregenmission, nun mit dem Latter Rain Mission Germany e. V. als Rechtsträger, eine im Stadtteil Haiterbach beheimatete Gemeinde auf. Diese ist als christliche Freikirche pfingstlicher Prägung anzusehen.
Politik
Gemeinderat In Haiterbach wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. 2024 hat der Gemeinderat in Haiterbach 19 Mitglieder, 2019 waren es 18. Er besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem vorläufigen Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
Unabhängige Bürgerliste Haiterbach (UBL): 57,67 %, 11 Sitze / 2019: 61,1 %, 11 Sitze Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU): 42,33 %, 8 Sitze / 2019: nicht angetreten Freie Wähler Haiterbach e. V. (FWH): nicht angetreten / 2019: 38,9 %, 7 Sitze
Bürgermeister Von 1949 bis 1986 war Hugo Meroth Bürgermeister, von 1987 bis 1989 Volker Schaible, von 1990 bis 1997 Karl-Heinz Schmid (Chronik Stadt Haiterbach), von 1997 bis 2008 dann Hans-Jörg Henle. Von 2008 bis 2024 war Andreas Hölzlberger (CDU) Bürgermeister. Bei der Bürgermeisterwahl 2024 trat er nicht erneut an. Seit Januar 2025 ist Kerstin Brenner Bürgermeisterin von Haiterbach. Sie wurde am 20. Oktober 2024 mit 51,9 Prozent der Stimmen gewählt.
Wappen
Städtepartnerschaften Seit 1967 besteht eine Partnerschaft mit der Marktgemeinde Metnitz in Kärnten, Österreich.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bildung Mit der Burgschule verfügt Haiterbach über eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. In Oberschwandorf befindet sich eine weitere Grundschule.
Bauwerke
Laurentiuskirche Haiterbach
Die früheste Erwähnung der Kirche geht auf das Jahr 1150 zurück. Aus dieser Zeit stammt der noch erhaltene romanische Turm, abgesehen von dem viel späteren oberen Teil. Im unteren Stockwerk des Turmes wurde in der Zeit der Frühgotik ein Kreuzgewölbe als Chor der Vorgängerkirche eingezogen. Wandmalereien mit Darstellungen der Heiligen Katharina, Barbara und Margaretha sowie ein Taufstein wohl aus jener Zeit sind noch erhalten. Beim Stadtbrand 1554 wurde das Schiff vernichtet und ein Jahr später das von Norden zum neuen Südchor reichende Schiff an der Turm-Westseite neu errichtet. Der 5/8-Chor mit hochrechteckigen Fenstern ohne gotisches Maßwerk enthält eine niedrige Orgelempore mit acht ausdrucksstarken Apostelbildnissen in der Brüstung. Das Gestühl in Schiff, Emporen und Chor ist vierseitig auf die hölzerne Kanzel rechts am Chorbogen ausgerichtet. Das Rankenwerk-Wandgemälde mit Bibelzitat am Chorbogen prägt die neugotische Innenraumgestaltung von 1857.Werther Schneider und Brigitte Schneider: Kirchen in und um Nagold; hg. Ev. Kirchenbezirk Nagold, Tübingen 1993, Seite 50 ff Um die Kirche herum war der Friedhof für die Mutterort- und die Filialgemeinde angelegt.
Beihinger Kirche Die Beihinger Kirche stammt aus dem 13. Jahrhundert, wovon der Kirchturm zeugt. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg enthielt er unten den gewölbten Turmchor mit Chorbogen-Öffnung nach Westen. Das dortige Langhaus wurde wohl zugunsten einer Straßenplanung abgebrochen und 1953/1954 durch den Anbau eines neuen, nach Osten ausgerichteten Kirchenschiffs (axial etwas nach Süden versetzt) mit anschließendem Chor und Sakristei ersetzt. Das große Wandgemälde hinter dem Altar mit dem Motiv der Majestas Domini und den begleitenden Posaunenengeln der Offenbarung stammt vom Stuttgarter Künstler Wolf-Dieter Kohler. Im frühgotischen Kirchturm finden sich die ältesten Zeugen der Ortsgeschichte: Seine Glocken sind bis zu 700 Jahre alt. Die beiden ältesten wurden wahrscheinlich im 14. Jahrhundert in Rottweil gegossen (Stimmung in „Fis“ in „A“). Woher diese Glocken stammen, lässt sich leider nicht mehr nachvollziehen. Ihr hohes Alter hat die Glocken in den Kriegen immer vor dem Einschmelzen bewahrt, da die beim Guss einst verwendete Legierung nicht für Munition taugte. Als die Glocken Risse bekommen hatten, wurden sie im Juli 1961 durch eine weitere, auf „E“ gestimmte Glocke ergänzt; später reparierte man sie nach modernen Methoden.Karl Kempf, Beihingen im Waldachtal. 1992
Severuskirche Oberschwandorf Die Severuskirche Oberschwandorf, 1725 an der Stelle einer Vorgängerkirche errichtet, musste bereits 1763–1766 nach massiven Witterungsschäden grundlegend saniert und für die zahlreichere Bevölkerung mit einer mehrseitigen Empore ausgestattet werden, die im Osten zunächst für die Orgel bestimmt war. Die Rechteck-Saalkirche mit 3/8-Raumabschluss trägt einen größeren Dachreiter mit Glockenstube. Bei der Renovierung 1974 wurde die Orgelempore hinter dem Altar entfernt und das Ost- und das Südost-Fenster vom Stuttgarter Glaskünstler Adolf Valentin Saile mit Bleiverglasungen zu den Themen Passion/Ostern und Pfingsten/Apostelgeschichte ausgestattet.Werther Schneider und Brigitte Schneider: Kirchen in und um Nagold; hg. Ev. Kirchenbezirk Nagold, Tübingen 1993, S. 78 und 81
Peter-Julian-Eymard-Kirche Haiterbach Die katholische Kirche in Haiterbach ist dem hl. Pierre Julien Eymard geweiht.Dorothee Trommer: Haiterbach: Katholiken feiern ihr Gotteshaus. In: Schwarzwälder Bote, 19. Oktober 2010, abgerufen am 17. Oktober 2020. Bereits 1964 wurde mit den Planungen begonnen. Schließlich entstand eine Kirche mit freistehendem Turm, die am 16. Oktober 1966 durch den Bischof Carl Joseph Leiprecht eingeweiht wurde und den Namen des im 19. Jahrhundert in Frankreich lebenden Peter Julian-Eymard erhielt, der 1962 von Papst Johannes XXIII. heiliggesprochen wurde. Der katholische Frauenkreis finanzierte das Kreuz über dem Altar sowie den Kreuzweg über Spenden, die durch Feste und Tombolas zusammenkamen. 1967 erhielt der Turm zwei Glocken und die Haiterbacher Partnergemeinde Metnitz aus Österreich überreichte der katholischen Gemeinde eine Marienstatue. 1975 konnte eine dritte, gestiftete Glocke aufgehängt werden.
Jüdischer Freidhof Unterschwandorf