Eine Pilzvergiftung oder Myzetismus (von „Pilz“) ist eine Vergiftung, die durch den Verzehr von Pilzen verursacht wird. Im engeren Sinn ist damit eine „echte Pilzvergiftung“ gemeint, die durch den Verzehr von Giftpilzen verursacht wird.Pilzvergiftung. Duden online; „Vergiftung durch den Genuss von Pilzen, besonders von Giftpilzen“ (Hervorhebung hier hinzugefügt). Giftpilze enthalten bestimmte Pilzgifte. Je nach Art und Menge der verzehrten Pilze kann eine Pilzvergiftung bis zum Tod führen. Bei stark giftigen Pilzen sind dafür kleinste Mengen ausreichend.

Zu den sogenannten unechten oder sekundären Pilzvergiftungen zählen vor allem Lebensmittelvergiftungen, die durch verdorbene Speisepilze oder durch Aufwärmen von Pilzgerichten nach zu langer Aufbewahrungszeit verursacht werden.Pilzvergiftung. In: Pschyrembel. 258. Auflage, 1998; „die durch Verspeisen giftiger oder verdorbener Pilze (Bildung toxischer Proteinzersetzungsprodukte, zum Beispiel durch Aufbewahren von Pilzen in Plastiktüten od. Wiederaufwärmen von Pilzgerichten) entstehenden Erkrankungen“ (Hervorhebung hier hinzugefügt).Informationen zum Verbraucherschutz der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM): In diesem Text werden „Erkrankungen, ausgelöst durch verdorbene ansonsten aber essbare Pilze“ als „unechte Pilz- oder Lebensmittelvergiftung“ bezeichnet.

Von den Pilzvergiftungen sind Unverträglichkeitserscheinungen, allergische Reaktionen und eingebildete Pilzvergiftungen zu unterscheiden, die ebenfalls durch den Genuss von Pilzen ausgelöst werden können. In diesen Fällen werden keine giftigen Substanzen konsumiert, die Symptome sind jedoch oft ähnlich wie bei einer Pilzvergiftung. Deshalb werden mitunter auch diese Fälle als „unechte Pilzvergiftungen“ angesprochen.

Ursachen

Giftpilze

mini|Vorsicht bei Doppelgängern! Die tödlichen Gift-Häublinge sehen den essbaren Stockschwämmchen sehr ähnlich. Echte Pilzvergiftungen mit charakteristischen Vergiftungssyndromen treten nach dem Verzehr von Giftpilzen ein. Die Symptome zeigen sich in aller Regel bei jedem Konsumenten und auch dann, wenn die Fruchtkörper unverdorben waren und lange gegart wurden. Häufigste Ursache für echte Pilzvergiftungen sind Verwechslungen mit essbaren Pilzen. Daneben ist auch der absichtliche Verzehr von halluzinogenen Pilzen als Rauschdroge bekannt, der einerseits die vom Konsumenten beabsichtigten (Gift-)Wirkungen, andererseits auch unerwünschte Symptome auslösen kann.

Rohe Speisepilze oder unter bestimmten Bedingungen giftige Pilze Während einige Speisepilze wie etwa viele Champignon-Arten roh essbar sind, kann beim Verzehr zahlreicher anderer Speisepilze eine Pilzvergiftung auftreten, wenn diese zuvor nicht oder nur unzureichend erhitzt wurden. Denn viele Speisepilz-Arten enthalten Toxine, die erst durch Erhitzen zerstört werden. Die Garzeit sollte mindestens 15 Minuten betragen.

Einige Pilze enthalten Substanzen, die erst in Verbindung mit anderen Stoffen toxisch wirken, so zum Beispiel bei Tintlingen (mit Ausnahme des Schopf-Tintlings) in Verbindung mit Alkohol.J. Stein, K.-W. Jauch: Praxishandbuch klinische Ernährung und Infusionstherapie. Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg 2012, ISBN 978-3-642-62625-8, S. 830.Gerhard Eisenbrand, Peter Schreier: RÖMPP Lexikon Lebensmittelchemie. 2. Auflage. 2014, ISBN 978-3-13-179282-2, S. 444.

Lebensmittelvergiftung durch verdorbene Speisepilze Verdorbene Pilze sind die Hauptverursacher für „unechte Pilzvergiftungen“. Dies können selbst gesammelte Pilze sein, die schon verdorben geerntet oder die unzureichend und zu lange transportiert oder aufbewahrt wurden. Man kann auch beim Einkauf Pilze erhalten, die falsch gelagert wurden. Beispiele für eine unsachgemäße Lagerung können sein: eine Unterbrechung der Kühlkette, schlechte Verpackungen, zu lange oder zu warme Lagerung. Es handelt sich also um eine Lebensmittelvergiftung.Pilzvergiftungen. Abschnitt „Die häufigsten Ursachen für Pilzvergiftungen“. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) nennt „alte Pilze“ sowie zu lange oder falsche Lagerung als wichtigste Ursachen für Pilzvergiftungen.

Lebensmittelvergiftung durch aufgewärmte Pilzgerichte Grundsätzlich können Pilzgerichte ein zweites Mal zum Verzehr erwärmt werden. Voraussetzung für den gefahrlosen Genuss ist – wie bei anderen relativ leicht verderblichen Speisen – eine in der Zwischenzeit nicht zu lange währende, konsequent kühle Lagerung. Ansonsten droht eine bakterielle Zersetzung mit den Folgen und Gefahren einer Lebensmittelvergiftung.

Ähnliche Erscheinungen Die folgenden Erscheinungen beruhen nicht auf Vergiftungen, weil sie nicht durch Gifte verursacht werden. Dennoch werden sie teilweise als „unechte Pilzvergiftungen“ eingeordnet, wie die oben genannten Lebensmittelvergiftungen.Pilzvergiftungen. Abschnitt „Die häufigsten Ursachen für Pilzvergiftungen“: Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) zählt in diesem Text auch „allergieähnliche Erkrankungen“ sowie „allgemeine Unverträglichkeitsreaktionen“, die bei nur wenigen Konsumenten auftreten, zu den Pilzvergiftungen.

Pilzunverträglichkeit Gelegentlich sind Pilze insbesondere nach einem unzureichenden Kochvorgang oder in zu großen Mengen genossen anscheinend unverträglich. Die kurzfristig daraus entstehenden Symptome ähneln oft dem „gastrointestinalen Syndrom“ mit kurzer Latenzzeit.

Daneben bestehen auch individuelle Unverträglichkeiten gegen alle oder auch nur gegen bestimmte Pilze. So werden eindeutig essbare und gesunde Pilzexemplare von manchen Menschen nicht gut vertragen, was bei den Betroffenen zumeist allgemeines Unwohlsein, Verdauungsprobleme oder Völlegefühl zur Folge hat. Manchmal hilft es, die Pilze vor der Mahlzeit mechanisch im Mixer gründlich zu zerkleinern, da eventuell das unverdauliche Chitin der Pilzhyphen die Ursache für dieses Problem ist.

Allergien Nach dem Verzehr von an sich unbedenklichen Pilzen können sich in seltenen Fällen allergische Reaktionen einstellen. Typisch für diese Art von scheinbarer „Vergiftung“ ist, dass nur einzelne Personen davon betroffen sind, während die Mehrzahl der Menschen den Pilz ohne Schaden verzehren kann. Neben Magen-Darm-Problemen können die für allergische Reaktionen typischen Hautreaktionen und asthmatische Beschwerden auftreten. Im Extremfall kann ein anaphylaktischer Schock einen lebensbedrohlichen Zustand verursachen.

Häufig besteht in dem gefährdeten Personenkreis auch eine angeborene Überempfindlichkeit (Idiosynkrasie), die oft mit einer extremen Abneigung gegenüber Pilzen verbunden ist.

Eingebildete Pilzvergiftung Es handelt sich hierbei um eine Art von Nocebo-Effekt. Die Symptome werden nur über die Psyche ausgelöst, können aber äußerlich einer echten Pilzvergiftung entsprechen. Daher ist eine Differentialdiagnose zur echten Pilzvergiftung sehr schwierig. Die Betroffenen glauben felsenfest daran, giftige Pilze gegessen zu haben, und entwickeln aus ihrer Überzeugung heraus Symptome, die auch der fachkundige Helfer nicht von denen einer echten Vergiftung unterscheiden kann. Deshalb sind auch solche Fälle wie echte Vergiftungen zu therapieren.

Vorsichtsmaßnahmen Vorbeugend sollten schon beim Sammeln der Pilze einige Regeln beachtet werden: Nur bekannte Pilze mitnehmen. Bei geringsten Unsicherheiten über die Bestimmung der Pilzart sollte man die Pilze besser stehen lassen. Falls doch für eine spätere Bestimmung unbekannte Arten gepflückt werden, dürfen diese nicht mit den zum Verzehr bestimmten in den gleichen Behälter. Gesunde Exemplare sammeln. Matschige, zerfressene oder gar schimmelige Pilze niemals mitnehmen. Der Transport sollte in luftigen Körben oder ähnlich atmungsaktiven Behältern erfolgen. Plastiktüten, in denen sich Pilze schnell zersetzen können, sind zu meiden. Zu Hause sind die Pilze möglichst noch am selben Tag zuzubereiten. Sammelergebnis vor dem Zerteilen fotografieren.

Erste Hilfe

Im Falle von Beschwerden, die den Verdacht einer Pilzvergiftung nahelegen, ist sofortige ärztliche Hilfe durch einen Notarzt oder den Rettungsdienst erforderlich. Unterstützend sind die Giftnotrufzentralen eingerichtet worden, welche durch Fachärzte rund um die Uhr Anleitung zu angemessenen Erste-Hilfe-Maßnahmen erteilen. Klassische Erste-Hilfe-Maßnahmen wie das Beruhigen betroffener Personen und die Anwendung der stabilen Seitenlage bei Bewusstlosigkeit sind obligatorisch. Weitergehende Maßnahmen wie das Verabreichen von Hausmitteln können hingegen schädlich wirken.

Zur Eingrenzung der Art der Vergiftung und der Koordination der weiteren Behandlung sind folgende Maßnahmen wichtig: Aufbewahren der Reste vom Reinigen der Pilze, von der Mahlzeit und von Erbrochenem Notieren der Zeitspanne zwischen der Aufnahme der Pilze und dem Auftreten der ersten Symptome Angaben über das Sammeln, die Zubereitung und den Zustand der verzehrten Pilze, ihren Transport und ihre Lagerung

Gegebenenfalls wird ein geprüfter Pilzsachverständiger hinzugerufen, um die Art der verzehrten Pilze zu bestimmen.

Diagnose Wichtig für die Diagnose bei einer mutmaßlichen Pilzvergiftung ist der Zeitpunkt des Auftretens der ersten Symptome. Noch während der Mahlzeit bis ca. vier Stunden danach: Hier kann davon ausgegangen werden, dass die Vergiftung keine Lebensbedrohung darstellt, es sei denn, es wurden größere Mengen giftiger Pilze verzehrt. Zur Sicherheit sollte der Patient in jedem Fall beobachtet und die Symptome entsprechend behandelt werden. Die Symptome können je nach verursachendem Pilz ganz unterschiedlich ausfallen: Gastroinstestinale Beschwerden, Übelkeit und Erbrechen, geistige Verwirrtheit und Halluzinationen, Schweißausbrüche, Unruhe, Schläfrigkeit. In der Regel genesen die Patienten wieder vollständig und es kommt zu keinen bleibenden Schäden. Verzögertes Auftreten der Beschwerden (6 bis 72 Stunden später): Hier besteht fast immer Lebensgefahr. Als Auslöser für eine solche Vergiftung kommen vor allem die Frühjahrs-Giftlorchel, Knollenblätterpilze oder Schleierlinge in Betracht. Auch wenn die Vergiftung überlebt wird, können chronische Schäden der Leber oder der Nieren zurückbleiben. Dabei ist aber zu berücksichtigen: Wenn es innerhalb der ersten Stunden zu Symptomen kommt, können trotzdem auch gefährlichere Pilze gegessen worden sein, die innerhalb der ersten 4 Stunden nennenswerte Mengen von zum Beispiel Amanitin an den Körper abgeben. Dadurch können weitere diagnostische Maßnahmen, wie zum Beispiel die Amanitin-Bestimmung im Urin, notwendig sein.

Klassische Einteilung nach der Symptomatik, Therapie Verschiedene Pilze oder Pilzgruppen haben je nach ihren Giftstoffen verschiedene Ausprägungen der Vergiftungssymptome. Daher können verschiedene Syndrome beschrieben werden. Lebensmittelvergiftungen durch verdorbene Speisepilze oder verdorbene Pilzgerichte sowie Pilzunverträglichkeiten und Allergien werden im Rahmen dieser Systematik nicht behandelt.

Pilzvergiftungen mit einer Latenzzeit von über vier Stunden Zu dieser Kategorie zählen die gefährlichsten Vergiftungen. In diesen Fällen treten die Symptome zeitlich verzögert auf. Da die Pilzmahlzeit in der Regel nun bereits den Magen passiert hat, ist eine Entfernung der Toxine durch Erbrechen meist nicht mehr möglich; die Giftstoffe haben sich bereits im Körper ausgebreitet und ihre Giftwirkung entfaltet.

Phalloides-Syndrom, Amatoxin-Syndrom mini|hochkant=1.5|Frühlings-Knollenblätterpilz (Amanita verna) mini|Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) mini|Kegelhütiger Knollenblätterpilz (Amanita virosa)

Latenzzeit: 6 bis 24 Stunden, meist 8 bis 12 Stunden, maximal bis 48 Stunden nach der Pilzmahlzeit.