mini|Ansicht von Nordosten Die Wallfahrtskirche Mariä Krönung ist eine römisch-katholische Wallfahrts- und Pfarrkirche in Lautenbach im Ortenaukreis und ein bedeutendes Denkmal der süddeutschen Spätgotik. Die Wallfahrt zu einem wundertätigen Marienbild geht dort wohl auf das frühe 14. Jahrhundert zurück. Der Gebäudekomplex aus der 1471–1488 errichteten Wallfahrtskirche und dem daran anschließendem Gebäudeflügel einer unvollendet gebliebenen Klosteranlage, zu der die Prämonstratenser-Chorherren von Kloster Allerheiligen aus dem benachbarten Lierbachtal umsiedeln wollten, ist weitgehend unverändert erhalten. In seltener Vollständigkeit haben auch Hochaltar (Mittelschrein 1483–1488; Seitenflügel 1506–1511), zwei weitere Altarretabel (1521, 1523), eine in den Kirchenraum eingebaute Gnadenkapelle (1483–1487), Lettner (1483–1488), Kanzel (1650), Chorgestühl (Ende 15. Jahrhundert), Westportal (vor 1488) und Glasfensterausstattung (1471–1492) mit nur geringen Verlusten und Änderungen an ihrem ursprünglichen Ort überdauert. Seit 1815 dient die Wallfahrtskirche zugleich als Pfarrkirche des Ortes und der anschließende Gebäudeflügel als Pfarrhaus.

Vorgeschichte Ortsgeschichte Die Geschichte der Kirche Mariä Krönung ist eng mit Kloster Allerheiligen verbunden, das an der Mündung des Lauterbach (= reiner Bach) genannten Rüstbachs in die Rench und in anderen Streusiedlungen des Renchtals Güter besaß. Die Chorherren betreuten zudem die Pfarreien Oberndorf und Oberkirch, zu denen der Weiler Lautenbach damals wechselweise gehörte. Mit der benachbarten Stadt Oberkirch war auch der Weiler Lautenbach 1303 durch Verkauf in den weltlichen Besitz des Hochstifts Straßburg gelangt. Der Grund und Boden, auf dem die Kirche steht, war zudem ebersteinisch-badisches Lehen, das an die bischöflich-straßburgischen Pfandherren zu Oberkirch, Junker von Schauenburg und Junker Georg von Bach, gelangt war, der Ende 1471 ein Lehen am Rüstenbach, dem Bauort der Kirche, erwarb.

Anfänge der Wallfahrt (ab 1303) Nach Darstellung des 1815 installierten ersten Pfarrers von Lautenbach, eines ehemaligen Kanonikers des 1802 aufgehobenen Klosters Allerheiligen, soll ein Hirte am Ort der heutigen Wallfahrtskirche in einem Baum bei einer Quelle ein wunderbares Singen gehört haben. In dem hohlen Baum sei dann eine Madonnenstatue gefunden worden, die zunächst vor dem Baum zur Verehrung aufgestellt worden sein soll. Wegen des Zustroms von Pilgern, der sich nach Gebetserhörungen einstellte, habe man dann um die Statue herum eine einfache hölzerne Kapelle errichtet.

Vorgängerbau (2. Hälfte 14. Jahrhundert)

Der erste Pfarrer von Lautenbach notiert, die Vorgängerkapelle sei mit dem heutigen Kirchenschiff eingehaust und die heutige Gnadenkapelle 1483 nach deren Abriss über deren Grundmauern errichtet worden. Die alte Wallfahrtskapelle stand jedoch wahrscheinlich nicht dort, sondern wohl an der Nordseite des Chores, wo sich heute die zweijochige, zweigeschossige Sakristei befindet. Architekturelemente aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts – Außenmauern, eine aufgemauerte Altarmensa sowie zwei später zugemauerte und verputzte romanischen Fensterbogen – legen nahe, dass sich dort die ältere kleine Wallfahrtskapelle befand, die in der heutigen Sakristei aufgegangen ist. Hieraus erklärt sich wohl auch, dass der Chor stark eingezogen und die Achse des Chores gegenüber der Achse des zuvor errichteten Langhauses zudem um etwa einen Meter nach Süden verschoben wurde. Die alte Kapelle und ihr konsekrierter Altar hätten sonst abgebrochen werden müssen, was die Wallfahrt beeinträchtigt hätte.

Baugeschichte mini|Ansicht von Südosten, 17. Jahrhundert mini|Ansicht von Süden, Radierung, 1830mini|Ansicht von Westen vor 1895

Klosterplanung (1470–1484) Wenig glaubwürdig sind die Darstellung des ersten Pfarrers von Lautenbach, die Kanoniker des Klosters Allerheiligen hätten schon 1303 die Betreuung einer Marienwallfahrt in Lautenbach übernommen, und die Erläuterung in Wilhelm Gumppenbergs Atlas Marianus von 1672, ein Prämonstratenser-Abt habe die Wallfahrtskirche von Lautenbach schon 1320 errichtet, auf deren Hochaltar ein kunstvolles Gnadenbild der Madonna steht. Gesichert ist, dass die Chorherren nach einem Brand des Klosters Allerheiligen vom 13. April 1470 in der Nachbarschaft Lautenbachs auf den Gütern der Familie ihres Propstes Andreas Rohart von Neuenstein Unterkunft gefunden hatten und dass sie den Bau des Kirchengebäudes unterstützten. Lange beabsichtigten sie wohl, ihren Sitz dauerhaft aus dem abgeschiedenen und unwirtlichen Waldtal des Lierbachs im Schwarzwald in die klimatisch mildere und leicht zugängliche Landschaft des offenen Renchtales nach Lautenbach zu verlegen. Ein Einspruch derer von Schauenburg, deren Vorfahrin Uta von Schauenburg Kloster Allerheiligen mit Gründungsurkunde von 1195 oder 1196 gestiftet hatte und die dort ihre Grablege hatten, vereitelte die dauerhafte Umsiedlung des Konvents nach Lautenbach 1480 jedoch. Nach einem Konventsbeschluss wurde 1484 in einer Urkunde als Aufnahmebedingung für den Konvent ein Schwur festgelegt, niemals einer Verlegung des Klosters an irgendeinen anderen als den ursprünglichen Ort im Lierbachtal zuzustimmen. 1485 kehrten die Chorherren vollständig in ihr wiederhergestelltes Kloster Allerheiligen zurück. Die Überlegungen, hier ein Kloster zu etablieren, bestimmten allerdings auch das weitere Baugeschehen. So kann etwa der Chor der Lautenbacher Kirche kaum ohne den Zweck entstanden sein, als Mönchschor zahlreichen Kanonikern Platz zu bieten. Dass ein Gebäudeflügel rechtwinklig an die Südwand des Langhauses angebaut wurde und seinerseits rechtwinklig nach Osten abknickt in einen nicht weitergeführten Flügel, zielte wohl im selben Sinne darauf, bei Einrichtung eines Klosters als Vorderseite eines vierflügligen Klausurbaus mit Kreuzgang zu dienen.

Finanzierung Finanziert wurde der Bau zunächst aus Spenden lokaler Familien des mit dem Kloster Allerheiligen verbundenen niederen Adels der Ortenau, wie etwa der Junker von Bach, von Schauenburg und von Neuenstein sowie durch Almosen von Pilgern und Bürgern wie etwa dem Bäcker Konrad Wegstein. Hierbei wirkten offenbar eine starke lokale Frömmigkeit und Marienverehrung, die Funktion des Kirchenraums als repräsentative Grablege des lokalen niederen Adels und die Notwendigkeit zusammen, einen anwachsenden Pilgerstrom zu dem älteren Gnadenbild der Madonna zu bewältigen.

Schon vor 1480 war die Kirche Mariä Krönung in der Obhut des Bischofs von Straßburg, zu dessen Hochstift das Renchtal als weltlicher Besitz gehörte. Die Pflegschaft über die Kirche hatte der Bischof dem Propst des Chorherren-Konvents Allerheiligen übertragen, der die Gesamtleitung des Lautenbacher Bauprojekts wahrnahm und auch die Haupttitel ihrer Altäre bestimmte. Zur Finanzierung legte der Bischof 1480 fest, dass nach Vollendung des Baues ein Opferstock aufgestellt werden sollte, dessen Einnahmen für die Vollendung von Bau und Ausstattung und zum Unterhalt der dortigen Gottesdienste verwendet werden sollten. So wurde die Marienwallfahrt zu einer wichtigen Einnahmequelle des Klosters. 1491 erhielt die Lautenbacher Kapelle vom Straßburger Bischof zudem alle Güter und Rechte der vermögenden Frauenklause von Oberndorf bei Oberkirch, die der Bischof wegen des Vorwurfs mangelnder Klosterzucht auf Antrag des Klosters Allerheiligen aufgelöst hatte. Verbunden war damit die Verpflichtung, einmal wöchentlich Messe zu halten für den gesamten Ortenauer Adel und insbesondere für die Stifter der Klause. Seit 1488 stellte der Chorherren-Konvent Allerheiligen stets einen Kanoniker zur geistlichen Versorgung der Kirche durch eine Kaplanei. mini|Langhaus, Nordwand, 3. bis 5. Joch

Baubeginn (1471) Laut einer Inschrift über dem Hauptportal begann der Bau der heutigen Wallfahrtskirche 1471. Wie eine Urkunde von 1526 berichtet, stifteten die Junker von Bach und von Schauenburg das Gelände und legten den Grundstein.

Baufortschritt bis 1482 1482 hatte der straßburgische Baumeister Hans Hertwig von Bergzabern, der eine Wanderbauhütte unterhielt, den Bau noch nicht vollendet. Der Bau muss allerdings weit vorangeschritten gewesen sein, wie eine noch 1878 dokumentierte Inschrift mit dem Datum 1482 für die Fertigstellung der Glasmalerei im südwestlichen Fenster des Chores belegt.

Weihe (1483) 1483 musste der Ausbau der Kirche und insbesondere des Chors soweit fortgeschritten sein, dass der Straßburger Bischof Albrecht von Pfalz-Mosbach die nach einer alten Überlieferung in diesem Jahr erfolgte Weihe der Kirche und der Mensa des Hochaltares zu Ehren Mariä Krönung, Johannes den Täufer und Johannes den Evangelisten vornehmen konnte. Die These, dass der Chor erst danach verlängert und in seiner langgestreckten Form erst 1492 fertiggestellt worden sein soll, ist wenig plausibel.

Errichten der Gnadenkapelle (1483–1485) Bei der Weihe der neuen Wallfahrtskirche hatte Bischof Albrecht 1483 die Errichtung einer „besonderen Kapelle“ als würdige Umgebung für einen besonders verehrten „schmerzhaften Altar“ angeregt. Auch wenn das hier wohl gemeinte Vesperbild dann nicht in der Gnadenkapelle, sondern im Altarschrein des linken Seitenaltars Platz fand, hat diese Empfehlung des Bischofs den Bau einer Gnadenkapelle doch offensichtlich angestoßen. Ausweislich einer Datumsangabe an einem ihrer Pfeiler wurde diese dann 1485 fertiggestellt. Da an Gnadenkapelle und Lettner zahlreiche andere Steinmetzzeichen vorkommen als im übrigen Gebäude, wurden diese Einbauten offensichtlich durch eine neue Gruppe von Bauleuten errichtet.

Errichten des Lettners und Fertigstellen der gesamten Kirche (1483–1488) Entsprechend der Datumsangabe auf dem Schlussstein des Arkadenbogens rechts vom Chordurchgang erfolgte die Fertigstellung des Lettners 1488. Wie die Fugen zwischen den Wänden und den späteren Einbauten zeigen, waren die Arbeiten am Langhaus vor 1485, dem Fertigstellungsdatum der Gnadenkapelle, und zumal vor 1488, dem Fertigstellungsdatum des Lettners, weitgehend abgeschlossen.

Schlussweihe (1488) 1488 erfolgte die Schlussweihe der Kirche.

Erweiterung nach Westen einschließlich Kirchturm (19. Jahrhundert) 1895–1898 verlängerte Max Meckel, der Erzbischöfliche Baudirektor des Erzbistums Freiburg, das Langhaus der Kirche für die Bedürfnisse der gewachsenen Pfarrgemeinde um zwei Joche nach Westen. Das Westportal von 1480 sowie Teile das alte Maßwerkfenster wurden dabei wiederverwendet. Statt des freistehenden eingeschossigen Glockenturms, der neben der Nordseite des Langhauses im 16. Jahrhundert provisorisch errichtet worden war, wurde damals zudem der nördlich herausgerückte, mit der neuen Fassade bündig abschließende viergeschossige Kirchturm mit Durchfahrt errichtet. In den neuen Kirchturm wurden aus dem Vorgängerbau drei auf 1590, 1700 und 1781 datierte Kirchenglocke übernommen.

Gebäudeflügel einer unvollendet gebliebenen Klosteranlage Zwischen dem ersten und zweiten Strebepfeiler des damaligen Langhauses wurde an die Südwand ein zweigeschossiger Gebäudeflügel aus verputztem Bruchsteinmauerwerk und roten Sandsteingewänden mit aufgewalmtem Satteldach erbaut. Dienen sollte das Gebäude offensichtlich als Vorderseite eines zunächst beabsichtigten, aber nicht fortgeführten vierflügligen Klausurbaus für eine Umsiedlung der Chorherren von Kloster Allerheiligen. Schon ab 1490 wurde dieser Gebäudeflügel als Pilgerherberge (Hospitium) genutzt. Insbesondere nach dem erneuten Brand von Kloster Allerheiligen 1555 sowie ab 1803 nach der Aufhebung des nahen Klosters Allerheiligen durch die Säkularisation, aber auch in anderen Phasen boten die Kirche und das angrenzende Gebäude zudem den Chorherren von Allerheiligen zumindest zeitweise Unterkunft. Seit 1815 dient das Gebäude als Pfarrhaus.Pfarrhaus:

Marienbrunnen (17. Jahrhundert)