Der Katholische Studentenverein Frankonia-Straßburg (KStV Frankonia-Straßburg zu Frankfurt am Main) ist ein katholischer Studentenverein in Frankfurt am Main. Er wurde am 26. Juni 1875Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 40. in Straßburg gegründet und ist die letzte aktive KV-Korporation in Frankfurt am Main.
Er vereint Studenten und Ehemalige der Frankfurter Hochschulen. Die Verbindungsmitglieder werden Frankonen (aufgrund der Gründung in Straßburg selten auch Straßen-Franken) genannt. Die Prinzipien der Frankonia sind Religio, Scientia, Amicitia. Sie ist die älteste katholische Studentenverbindung in Frankfurt.Vergleiche hierzu beispielsweise die Übersicht der Frankfurter Korporationen auf: www.frankfurter-verbindungen.de.
Couleur Der Name der Verbindung wurde in Anlehnung an die aus Franken stammenden Gründer gewählt. Frankonia führt die Farben Rot-Weiß-Gold, wobei sich diese einerseits auf die Herkunft der Gründer, andererseits auf den Gründungsort Straßburg im Elsass beziehen. Die Burschenfarben sind Rot-Weiß-Gold, die Fuchsenfarben Rot-Weiß, jeweils mit goldener Perkussion. Der Wichs der Verbindung besteht aus schwarzen Pekeschen mit rot-weiß-goldener Kordelierung, wozu ein schwarzes Barett getragen wird. Der Wahlspruch lautet Nec aspera terrent! (sinngemäß: Gegen jeden Widerstand!) und bezieht sich auf den Akademischen Kulturkampf.
Wappen miniatur|Wappen des KStV Frankonia-Straßburg aus dem Akademischen Deutschland Band 4.
Das Wappen der Frankonia besteht aus einem klassisch geviertem Schild mit einem Herzschild. Seine Elemente symbolisieren die Prinzipien der Verbindung.
In der rechten oberen Vierung befindet sich ein goldenes Kreuz auf weißem Grund. (Religio) Links oben ist eine Eule auf zwei gekreuzten Fackeln auf goldenem Grund zu sehen. Die Eule symbolisiert Pallas Athene und steht ebenso wie die brennenden Fackeln für Weisheit. (Scientia) Die rechte untere Vierung zeigt einen Kranz aus Weinlaub und einen Weinpokal auf rotem Grund. Der Pokal und das Weinlaub stehen für Geselligkeit. (Amicitia, in Verbindung mit dem Kranz: Lebensbundprinzip) Links unten befindet sich das Wappen der Alsatia Straßburg; die Verbindung, als welche die Frankonia ursprünglich gegründet wurde.
Der Herzschild zeigt die Farben, sowie den Zirkel der Frankonia.
Geschichte Gründungszeit miniatur|Aktive des Wintersemester 1897/98, unter anderem Bernard Custodis (rechts unten)
1873, ein Jahr nachdem die Straßburger Kaiser-Wilhelm-Universität eingeweiht wurde, wurde im KV die Gründung eines Vereins in Straßburg angedacht. Die Entscheidung zur Gründung eines katholischen Studentenvereins in Straßburg fiel 1875 durch den Vorort Palatia Heidelberg. Sie wurde im selben Jahr umgesetzt, die Vereinsstatuten am 10. Juni angenommen und Frankonia das 15. Mitglied des KV. Als Demonstration einer Verwurzelung in der Straßburger Bevölkerung wurde ursprünglich der Name Alsatia gewählt. Dieser Name musste jedoch geändert werden, da es bereits eine schlagende, nichtkonfessionelle Verbindung Alsatia an der Universität gab.
Dem Rektor der Universität, Gustav von Schmoller, wurde die neu entstandene Korporation gemeldet. Er konnte der Zulassung nicht widersprechen: Durch die Neugründung der Universität bedingt unterstand das gesamte Studentenwesen der Straßburger Polizei und nicht der Akademischen Gerichtsbarkeit.Hier zeigt sich bereits eine Vorwegnahme des Gerichtsverfassungsgesetz von 1877, welches die Gerichtsbarkeit der Universitäten im Deutschen Reich bis auf die Disziplinargerichtsbarkeit einschränkte und ordentlichen Gerichten zuwies. Vgl. dazu: Deutsches Reichsgesetzblatt, Band 1877, Nr. 4, S. 41–76.
miniatur|Die dicke Marie, das Restaurant Au Pigeon in der Rue des Tonneliers 23, Straßburg.
Da die Frankonia keine eigene Kneipausstattung besaß, traf man sich in wechselnden Lokalitäten, zunächst in der „Neuen Post“ gegenüber dem Hauptportal des Münsters, dann „Zum Stern“ am Gerbergraben, im „Felsenkeller“ Nähe Gutenbergplatz, schließlich im „Goldenen Löwen“ am Schiffleutstaden. Hermann Iseke besuchte zu dieser Zeit häufig die junge Frankonia und begründete dieses damit, weil sie nicht französisch sprachen, aber ganz germanisch tranken!Zit. n.: 1875–2000. 125 Jahre Frankonia-Straßburg, S. 18.
Mehrere Frankonen der damaligen Zeit wurden Abgeordnete im Deutschen Reichstag, unter der Aktivitas befanden sich die Juristen Karl Bachem und Karl Trimborn, Mitschöpfer des Reformwerks der sozialen Gesetzgebung. Insgesamt betrug in den ersten zehn Jahren die Zahl der aktiven Mitglieder zumeist zwischen 20 und 25.
Zum 10. Stiftungsfestes erhielt die Frankonia eine in Gold und Seide gestickte Vereinsfahne, die vom Straßburger Bischof Peter Paul Stumpf geweiht wurde. Der Wahlspruch Nec aspera terrent wurde aufgrund der aus kirchenpolitischer Sicht schwierigen Zeitumstände (Kulturkampf) festgelegt.
1887 bezog die Frankonia ihr Stammlokal, das Restaurant Zur Marie, genannt dicke Marie, in der heutigen Rue des Tonneliers.
Zum Wintersemester 1888/89 war die Frankonia mit 35 Aktiven die stärkste Korporation Straßburgs. Im Sommersemester 1891 trat der Straßburger Bischof Adolf Fritzen, Mitglied der Germania Münster und der Askania Berlin, der Frankonia bei. Er war für 28 Jahre der Schutzherr des Vereins und veranlasste viele Straßburger Studenten sich der Frankonia anzuschließen. Am Stiftungsfest 1892 nahm der protestantische Rektor der Universität Wilhelm Nowack, der sich häufig gegen den Katholizismus äußerte, teil, was als Ausdruck der Anerkennung durch die Universität betrachtet wurde.
Akademischer Kulturkampf Ende des Sommersemesters 1904 zählte Frankonia mehr als 30 aktive Mitglieder und sah sich somit gezwungen, wie auch schon einige andere Kartellvereine vor ihr, zu einer Teilung zu schreiten, um so ein persönliches Aktivenleben weiter garantieren zu können. Zu Beginn des Wintersemesters 1904/05 wurde der Beschluss gefasst, zwei Tochterverbindungen zu gründen: Merovingia und Staufia (mittlerweile vertagt). Eine einfache Teilung der Frankonia schien bei den damaligen Verhältnissen im Elsass nicht angebracht, da man verhindern wollte, dass eine altdeutsche und eine altelsässische Korporation entstehen. Beide Tochterverbindungen konnten gleich nach Gründung durch den Eintritt neuer Mitglieder bereits über 20 Aktive vorweisen. Das Publikationsfest der beiden Tochterkorporationen fand am 13. Januar 1905 statt, bei der Bischof Fritzen während des Festgottesdienstes die Fahnen weihte.
miniatur|Frankonen auf der Kneipe, dicke Marie, 1913 Nachdem der Streit um die konfessionelle Ausrichtung der historischen Lehrstühle an der Universität Straßburg in den akademischen Kulturkampf mündete, bildete die durch die Gründung der Tochterverbindungen der Frankonia eine außerordentlich starke Grundlage um die eigenen Interessen an der Universität Straßburg zu vertreten. Frankonia sprach in dieser Angelegenheit mehrfach beim Rektor vor und konnte gemeinsam mit den Tochterverbindungen das Gewicht von nahezu aktiven 100 Studenten (was ca. 30 % der damaligen Studentenschaft der Universität Straßburg entsprach) in die Waagschale werfen. Gleichzeitig erreichte die Debatte ein so großes Ausmaß, dass sie für das gesamte Kaiserreich bedeutend wurde. Schließlich wurden zwei historische Lehrstühle in Straßburg eingerichtet, ein Katholischer und ein Protestantischer. Ein Ergebnis, an dem die Mitwirkung der Frankonen maßgeblich war.
Am Ersten Weltkrieg nahmen alle militärpflichtigen Frankonen teil, also 32 Aktive und Inaktive (was 10 % der Straßburger Studentenschaft ausmachte) und 66 Alte Herren. Noch heute erinnert an sie die Gedenktafel der Gefallenen der Straßburger Universität, die im Foyer der alten Aula des Jügelhauses der Frankfurter Universität neben den Gedenktafeln für die Gefallenen der Goethe-Universität hängt.
Die französische Besetzung Elsass-Lothringens am 11. November 1918 hatte weitreichende Folgen. Erst wurde die Straßburger Universität geschlossen, dann wurden sämtliche deutsche Studenten und Professoren ausgewiesen, so auch die Frankonia. Die Vertreibung hatte zur Folge, dass das gesamte Kneipmobiliar und zahlreiche andere Couleurgegenstände in der „dicken Marie“ verblieben und teilweise noch heute dort erhalten sind. Nachdem die Staufia bereits 1914 nach Frankfurt am Main abgewandert war, folgte ihr nun auch die Frankonia.
Neuanfang nach dem Ersten Weltkrieg Der erste Versuch der Wiedergründung im Wintersemester 1918/19 scheiterte, da sich zu wenige Frankonen zusammenfanden um einen geregelten Aktivenbetrieb aufzunehmen. Deshalb unterstützte Staufia ihrer Mutterverbindung mit elf Mitgliedern und gemeinsam mit den bereits vorhandenen Frankonen gründete man am 17. März 1919 den Bund als Franko-Rhenania wieder; am 5. Dezember folgte die Wiedergründung des Altherrenbundes. Zunächst bezeichnete sich Franko-Rhenania dem Zeitgeist entsprechend als Verbindung. Allerdings entschied der CC des 45. Stiftungsfestes im Sommer 1920 sich wieder als Verein zu bezeichnen. Im Wintersemester 1921 legte man den alten Namen wieder an, diesmal jedoch mit dem Zusatz als Frankonia-Straßburg.
Als Korporationslokal wählte man das Restaurant Zum Storchen, Saalgasse 3, in der unmittelbaren Nähe des Kaiserdoms, in welchem man bis 1926 verkehrte. Die genutzten Räume stattete die Frankonia peu-à-peu mit aus Straßburg zurückerhaltenen Tischen, Stühlen, Bildern und sonstigem Kneipgerät aus. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion gelang es heimlich nach Straßburg zu reisen, die Fahne aus dem Hinterzimmer der dicken Marie zu entwenden, durch den Oberrhein schwimmend die Grenze zu überqueren und so die Fahne wieder in den Besitz der Frankonia zu bringen. miniatur|Die Mitteilung der Auflösung durch die Gestapo
Durch gute Examina, große Kommerse und der Ausrichtung des Katholikentags 1921 gelangte die Verbindung zu großem Ansehen in der Frankfurter Bürgerschaft.
Drittes Reich Mit der Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler und der beginnenden Gleichschaltung, musste sich auch die Frankonia mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzen. Ein Antrag auf Aufnahme in den NSDStB wurde vom Großteil der Mitglieder abgelehnt. 1933 und 1934 musste man jedoch zahlreiche Abgänge von Bundesbrüdern durch Philistrierung und Universitätswechsel verzeichnen, weshalb die erschwerte Lage den Gedanken einer Auflösung zum ersten Mal auftreten ließ.
Zur Stärkung der Frankonia führte man auf dem CC 1935 den Duz-Comment zwischen Aktiven und Alten Herren ein. Der Druck durch das NS-Regime wurde 1936 jedoch so groß, dass am 2. Dezember der Burschenconvent die Suspension beschließen musste. Auch der CC trug diese Entscheidung, entschied sich aber, zumindest die Altherrenschaft weiter aufrechtzuerhalten. Zu diesem Zweck wurden jährlich in Frankfurt am Main oder Köln stattfindende Frankonentage eingeführt.
Nach dem offiziellen Verbot aller Korporationen 1938 musste auch die Frankonia ihre Pforten schließen. Um dem Einzug des Vermögens entgegenzugehen, brachte man sämtliches Inventar privat bei Bundesbrüdern unter, das finanzielle Vermögen der Verbindung wurde innerhalb von wenigen Tagen kollektiv verjubelt. Dem NSDStB wurden nur noch wenige Reichsmark als übrig gebliebenes Vermögen zugestellt. Im Zweiten Weltkrieg fielen 16 Frankonen.
Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg miniatur|Die Chargierten der Frankonia auf dem goldenen Priesterjubiläum ihres Bundesbruders Pistor, 1964