Die Militärgeschichte von Thailand deckt einen Zeitraum von etwa eintausend Jahren ab, der von den Kämpfen um die Unabhängigkeit vom Reich der Khmer über die bewaffneten Auseinandersetzungen mit regionalen Mächten, wie Birma und Vietnam, bis zu Spannungen mit den Kolonialmächten in Südostasien Großbritannien und Frankreich reicht und auch den Vietnamkrieg einschließt. Infolge der zentralen Lage in Südostasien und seiner Größe war Thailand, das alte Siam, über die meiste Zeit eine regionale Großmacht. In beiden Weltkriegen war Thailand beteiligt, allerdings auf unterschiedlichen Seiten: im Ersten Weltkrieg auf der Seite der Alliierten, im Zweiten Weltkrieg durch den Druck Japans auf der Seite der Achsenmächte. In der Nachkriegszeit dominierten die engen Beziehungen zu den USA mit ihrem Höhepunkt während des Vietnamkriegs. Das Militär ist seit der Abschaffung der absoluten Monarchie in Thailand 1932 ein wichtiger politischer Faktor.

Staatenbildung und regionale Konflikte (1300–1826) Der siamesische Staat entstand nach der Auflösung des einst mächtigen Reiches der Khmer im 14. Jahrhundert, die sich auf ihr Kernland im heutigen Kambodscha zurückziehen mussten. Sie hatten große Teile Südostasiens mit Hilfe von Militärführern beherrscht, indem sie persönliche Abhängigkeiten und Beziehungen zu den Khmer-Königen aufbauten. Ihre militärische Struktur war auf die Infanterie gestützt, die durch Kriegselefanten und später durch Artillerie aus China verstärkt wurde.

Im 13. und 14. Jahrhundert brachen regionale Revolten gegen die Khmer im Gebiet der Tai-Völker im heutigen Thailand und Vietnam aus, die durch Angriffe aus dem unabhängigen Champa die Khmer in Bedrängnis brachten. Nach der Eroberung von Angkor Wat durch Truppen aus Champa 1178/1179 schwand die Fähigkeit der Khmer, die entfernteren Gebiete ihres Reiches zu kontrollieren. Das erste unabhängige Tai-Königreich, Sukhothai, wurde sehr bald von einem anderen Tai-Reich erobert, dem Reich Ayutthaya, das erst 1350 gegründet worden war. Nach 1352 wurde Ayutthaya der wichtigste Rivale der Khmer und konnte 1431 den Staat endgültig erobern.

Dem Zusammenbruch des Khmer-Reiches folgten zahllose lokale Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Herrschaftsgebieten. Da alle über eine gleichwertige Militärtechnik verfügten, kam es bei den Auseinandersetzungen darauf an, möglichst große Armeen bereitzustellen. Dazu wurden regelmäßig Bewohner der jeweiligen gegnerischen Staaten in das eigene Herrschaftsgebiet verschleppt, um dort die Bevölkerungszahl zu erhöhen und mehr Arbeitskräfte und Truppen zur Verfügung zu haben.

Ayutthaya konnte sich im Süden relativ leichten Zugriff auf malaiische Staaten sichern, während es im Westen und Norden auf einen mächtigeren Gegner traf: Birma. Obwohl Birma oft geteilt und zerstritten war, konnte es in Phasen der Einigung das Reich Ayutthaya bezwingen. So geschah es im Siamesisch-Birmanischen Krieg (1563–1569), als die Familie des Königs in Ayutthaya gefangen genommen und nach Birma verschleppt wurde. Unter den Geiseln befand sich Prinz Naresuan, der eine militärische Ausbildung erhielt, um für die Birmanen ins Feld zu ziehen. Dies tat er über lange Jahre, doch als ihn der birmanische Kronprinz aus Eifersucht über seine Erfolge zu ermorden versuchte, sagte er sich und das Reich Ayutthaya von den Birmanen los, wohl wissend, dass diese sich damit nicht einfach abfinden würden. Er verbesserte die Verteidigungsanlagen der Hauptstadt und führte eine neue Kampftaktik ein, die auf überfallartige Angriffe gestützt war, also eine Guerilla-Taktik. 1593 kam es während des Siamesisch-Birmanischen Krieges (1593–1600) zu einem Kampf zwischen Naresuan und dem birmanischen Kronprinzen auf Kriegselefanten, bei dem Naresuan den Birmanen tötete.

miniatur|200px|Yamada Nagamasa (1590–1632) Während dieser Zeit gab es zahlreiche Söldner in den Reihen der Siamesen, vor allem aus Portugal aber auch aus Japan, Samurai, die vor dem Tokugawa-Shogunat geflohen waren und nun in Südostasien ihr Glück suchten. Die Japaner waren hoch geachtet ob ihrer Kriegskunst und als Palastwachen angestellt. Während der Thronfolgestreitigkeiten nach dem Tod des Bruders von Naresuan, Ekathotsarot (reg. 1605 bis 1610), kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dem König Songtham (reg. 1610 bis 1628) und den japanischen Wachen, die einen anderen Thronfolger unterstützen. Songtham löste die Angelegenheit auf diplomatische Weise, auch als laotische Kräfte zur „Friedensstiftung“ herbeieilten und Lop Buri einnahmen. Sie wurden vertrieben und die Japaner in ihre früheren Stellung eingesetzt, wobei sie ihre Festung in Phetchabun an die Siamesen übergeben mussten.

Unter König Narai entstanden Konflikte mit der englischen Britischen Ostindienkompanie, die 1687 zu einem Krieg zwischen England und Siam führte. Die Engländer wurden anschließend vom Handelsverkehr mit Siam ausgeschlossen, bis sie Birma 1826 teilweise erobern konnten.

Ein wiedervereinigtes Birma schlug Ayutthaya 1767 vernichtend, indem es in drei gewaltigen Armeen nach Siam einmarschierte und Hilfsvölker aus dem Norden organisierte. Die Hauptstadt Ayutthaya wurde völlig dem Erdboden gleichgemacht, alles Gold wurde eingeschmolzen und nach Birma geschafft, die anderen wertvollen Gegenstände wurden zerstört, so das Staatsarchiv und die Bibliothek Siams. Überraschend schnell gelang den Siamesen unter General Taksin, dem späteren König, die Vertreibung der Birmanen. Darüber hinaus konnte Taksin auch Vietnam und Kambodscha in Schach halten und sogar besiegen.Owen (2004), S. 94 f. Im Norden vertrieben seine Truppen die Birmanen und befreiten damit Lan Na, wobei sie eine Pufferzone schufen. Die nervenaufreibende Arbeit in der Kriegsführung und beim Aufbau des Landes ließ Taksin in einen Größenwahn verfallen, der schließlich zu seiner Ablösung als König zugunsten von Rama I. führte. Dieser war selbst ein erfolgreicher Heerführer und wurde erst aus Kambodscha nach Siam zurückbeordert, um den Thron besteigen zu können. Er ist der Stammvater der heute noch regierenden Chakri-Dynastie in Thailand.

Militärische Auseinandersetzungen um die Oberherrschaft über Südostasien setzten sich fort, wobei Siam die Kontrolle über Kambodscha behielten und 1802 dabei half, die missliebige Tây-Sơn-Dynastie durch den zunächst Siam zugeneigten Nguyễn Anh zu ersetzen.Tarling (1999), S. 594. Später war der vietnamesische Herrscher weniger um freundliche Beziehungen zu Siam bemüht und unterstützte einen Aufstand gegen die Siamesen in Kambodscha und installierte für eine gewisse Zeit eine vietnamesische Garnison in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh.Buttinger (1958), S. 305. Auch Konflikte mit Birma brachen wieder auf, so im Siamesisch-Birmanischen Krieg 1775–1776 und 1785–1792. In beiden Kriegen konnten die Siamesen anfängliche birmanischer Erfolge in entscheidende eigene Siege verwandeln. 1809, mit der Thronübernahme von König Rama II., erfolgte die letzte Invasion birmanischer Streitkräfte nach Siam, womit sich die Siamesen als relativ stärkste Militärmacht in Südostasien behaupten konnten. Dies auch, weil Birma 1826 von den Briten besiegt wurde und Stück für Stück in deren indisches Kolonialreich eingegliedert wurde.

Siehe auch: Siamesisch-Birmanischer Krieg, Siamesisch-Kambodschanischer Krieg, Siamesisch-Vietnamesischer Krieg

Siam, die Kolonialmächte und der Erste Weltkrieg (1826–1932) Die Einnahme Birmas durch die Briten leitete eine neue Phase der siamesischen Militärgeschichte ein. Waren in der Vergangenheit Kriege gegen die Nachbarn geführt worden, so traten nun europäische Mächte auf, die Interessen in Südostasien anmeldeten, darunter vor allem England und Frankreich. Bald fand sich Siam zwischen zwei Kolonialreichen und bildete einen – nicht unwillkommenen – Puffer zwischen Anglo-Birma und Französisch-Indochina. Doch musste Siam auch seine Interessen in Laos behaupten, dessen Vasallenkönig Anuvong 1827 rebellierte und vergeblich versuchte, im Nordosten Siams, dem Isan, Gebiete zu erobern. 1829 wurde er nach Gefangenschaft, öffentlicher Ausstellung und Folter mit seiner Familie in Bangkok hingerichtet.

Im Jahr 1839 brachen im Süden Unruhen aus, in deren Folge Malaien aus den englischen Kolonien von Malakka in Siam eindrangen und versuchten, Kedah und andere Provinzen von Siam abzuspalten. Die lokalen Herrscher von Pattani und Nakhon Si Thammarat, die eigentlich gemeinsam für Ordnung hätten sorgen sollen, standen sich feindselig gegenüber, so dass es den militärisch unterlegenen Malaien anfangs gelang, einen gewissen Druck auszuüben. Dem Eingreifen von König Rama III. war es schließlich zu verdanken, dass sich die Lage beruhigte und die Malaiische Halbinsel für mehrere Jahrzehnte ruhig blieb.

Im Siamesisch-Vietnamesischen Krieg 1841–1845 konnten die Siamesen erneut die Souveränität über Kambodscha behaupten. Andere Unternehmungen, wie die Kämpfe um Kengtung und Chiang Hung (1852 bis 1855) endeten dagegen erfolglos, insbesondere wegen der abgeschiedenen Lage der Kampfzonen und der eingesetzten Mittel, die traditionell aus Kriegselefanten und leichter Artillerie bestanden.

Nachdem China in den Opiumkriegen von Großbritannien besiegt wurde und seine militärische Schwäche für seine Vasallen offenbar wurde, weigerten sich auch die Siamesen, China länger als Souverän anzuerkennen. Man fühlte nun mehr die Macht des Westens, wie König Rama III. auf seinem Sterbebett gesagt haben soll: „Wir werden keine Kriege mehr mit Birma und Vietnam haben. Wir werden nur mit dem Westen zu tun haben.“

miniatur|200px|Französische Kriegsschiffe an der Mündung des Chao Phraya 1893 Dies sollte sich in den kommenden Jahrzehnten bewahrheiten. Frankreich übte verstärkt Druck auf Siam aus, indem es Vietnam in den 1840er Jahren in einer konzertierten Aktion einkesselte, Saigon fiel 1859. 1863 nahm Frankreich Kambodscha als Kolonie auf und vereinigte es 1887 mit Vietnam zu Französisch-Indochina. England baute seinen Einfluss in den Malaienstaaten im Süden Siams aus und war gleichzeitig im Norden aktiv, als es Birma vollständig unterwarf (1886). Die europäischen Mächte konnten auf eine überlegene Technologie zurückgreifen, wie z. B. Dampfschiffe, doch blieben ihre Unternehmungen aufgrund der Kosten und Schwierigkeiten bei den weiten Distanzen und wegen des ungesunden Klimas (Malaria) begrenzt.

1852 führte König Mongkut (Rama IV.) ein stehendes Heer ein, davor wurden die Truppen je nach Lage zusammengerufen und kurz antrainiert. Die Königliche Thailändische Armee führt ihren Ursprung auf dieses Datum zurück. Nach kleineren Scharmützeln an den Grenzen des Landes wurde das Heer in den 1880er Jahren erstmals in eine größere Kampfhandlungen verwickelt, als die Banden der Ho aus Süd-China nach Laos und Vietnam eindrangen. Siam versuchte, seinen Vasallen so gut wie möglich zu schützen, doch brachen die Banden an vielen Stellen durch, zogen sich nach Belieben zurück und rekrutierten Nachschub.

miniatur|200px|Siamesische Soldaten während der Kämpfe gegen die Ho in Laos (1875)