mini|Feuerbach am Feuerbach nördlich von Stuttgart und Cannstatt auf einer Karte vom Ende des 19. Jahrhunderts mini|Lithografien von Feuerbach auf einer Postkarte aus dem Jahr 1896 mini|Bezirksrathaus Feuerbach
Feuerbach ist ein Stadtbezirk der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart. Ehemals war Feuerbach eine selbstständige Stadt, 1933 folgte die Eingemeindung als Stadtteil Stuttgarts. Seinen Namen verdankt der Ort dem Gewässer Feuerbach. Nachbarbezirke sind Zuffenhausen, Bad Cannstatt, S-Nord, S-West, Botnang und Weilimdorf.
Geografie Der Lemberg ist eine 384 Meter hohe Anhöhe zwischen den Stuttgarter Stadtbezirken Weilimdorf und Feuerbach. Dort gibt es auch einen kleinen alten Steinbruch, im Volksmund „Kotzenloch“ genannt.
Geschichte Feuerbach war bereits in der Hallstattzeit, 800–900 v. Chr., und der Latènezeit, etwa 400 v. Chr., besiedelt. 1903 entdeckte Richard Kallee die vorgeschichtliche Befestigung auf dem Lemberg und ab 1904 die alamannischen Sandsteingräber im Gräberfeld von Stuttgart-Feuerbach. Es wurden 138 Gräber ausgegraben, aus denen 760 Fundstücke geborgen wurden.
Im Hochmittelalter war Feuerbach im Besitz der Grafen von Calw. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Codex Hirsaugiensis um das Jahr 1075, damals unter dem Namen Biberbach. Das Kloster Hirsau bekam vom Grafen von Calw die halbe Kirche und die Hofsiedlung Botnang geschenkt.
Eine Kopialüberlieferung aus dem 16. Jahrhundert erwähnt den Ort um 1150 als Buwirbach. 1229 Furbach, um 1276 Vurbach oder Fiwerbach, 1477 Fuerbach, 1673 Feyerbach und ab 1851 Feuerbach. Ende des 12. Jahrhunderts gelangte Feuerbach in den Besitz der Pfalzgrafen von Tübingen. Ab dem frühen 13. Jahrhundert lag über dem Dorf die Burg Frauenberg, die aber bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts abgetragen war. Im 15. Jahrhundert erwarben die Grafen von Württemberg nach und nach sämtliche Herrschaftsrechte über Feuerbach. Der Ort wurde dem Amt Stuttgart unterstellt.
In den Jahren 1593 bis 1643 wurde das zunächst rund 800 Einwohner zählende Dorf durch Ausbrüche der Pest, jahrelang ausfallende Traubenernten und Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg letztlich völlig entvölkert.
Von 1719 bis 1736 war Feuerbach vorübergehend dem Amt Cannstatt zugeordnet, blieb dann aber beim Amtsoberamt Stuttgart. Zu Zeiten des Königreichs Württemberg hatte Feuerbach weiterhin überwiegend ländlichen Charakter, bis um das Jahr 1860. Neben der normalen Landwirtschaft gab es noch den Weinbau auf 140 Hektar (heute noch 15 ha) und am Killesberg gab es Steinbrüche. Überreste davon sind dort heute noch zu sehen.
Im Jahr 1848 wurde der erste Eisenbahntunnel zwischen Stuttgart und Feuerbach eingeweiht. Mit der im selben Jahr vorgenommenen Eröffnung der Zentralbahn und des Bahnhofs durch die Württembergischen Staatseisenbahnen begann eine schnelle industrielle Entwicklung. Zum größten Feuerbacher Unternehmen wurde die ab 1910 gebaute Elektrotechnische Fabrik Robert Bosch (von 1917 bis 1937 AG), die heute als Robert Bosch GmbH weltweit bekannt ist. In den 1920er Jahren war Feuerbach aufgrund seiner Einnahmen an Gewerbesteuer die wohlhabendste Gemeinde Württembergs.
Im Jahr 1904 entdeckte Stadtpfarrer Richard Kallee im Gräberfeld an der Schlosserstraße mehrere alamannische Sandsteingräber,Richard Kallee: Was uns die alten Steine in Feuerbach erzählen, Feuerbacher Geschichtsblätter, Heft 2, 1923. deren Erforschung er sich bis an sein Lebensende durch Ausgrabungen von über 100 Gräbern widmete, aus denen insgesamt 760 Fundstücke geborgen wurden.Heinz Krämer: , Website der schmidtroeder Serviceagentur für Print- und Online-Medien Ltd. Am 4. November 1926 wurde unter seiner Direktion das Feuerbacher Heimatmuseum eingeweiht, dessen wichtigste Funde inzwischen im Foyer des Feuerbacher Bezirksrathauses ausgestellt werden. Im Jahr 1971 stieß man etwas oberhalb der Feuerbacher Heide bei Erdarbeiten auf Mauerreste der ehemaligen Burg Frauenberg. Die Grundmauern des ehemaligen Bergfrieds wurden freigelegt.
Stadtteile Von 1901 bis 1933 war Wilhelm Geiger Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister von Feuerbach. Am 15. März 1907 wurde die Gemeinde zur Stadt erhoben. 1929 schlossen sich Feuerbach und Weil im Dorf freiwillig zusammen. Am 1. Mai 1933 wurde die Stadt Feuerbach mit Weil im Dorf zwangsweise nach Stuttgart eingemeindet und als „Stadtteil Feuerbach“ geführt. Einige zentrale Straßen und Plätze in Feuerbach bekamen zu Ehren Adolf Hitlers neue Namen mit Bezug auf Österreich, die sie wie der Wiener Platz, die Grazer Straße oder die Burgenlandstraße noch heute tragen. Nur die Ostmarkstraße wurde wieder umbenannt.
Bei der Einteilung der Stadt Stuttgart in Stadtbezirke im Jahr 1956 wurde der Stadtteil Feuerbach zum Stadtbezirk Feuerbach erklärt, und bei der Neugliederung der Stuttgarter Stadtteile zum 1. Januar 2001 wurde Feuerbach in folgende Stadtteile gegliedert An der Burg Bahnhof Feuerbach Feuerbach-Mitte Feuerbach-Ost Feuerbacher Tal Hohe Warte Lemberg/Föhrich Siegelberg
Wirtschaft Ansässige Firmen mini|Firmengebäude Esselte Leitz GmbH & Co KG mini|Thieme-Verlagshaus
Seifen Haag, Seifensieder 1864 kam als erstes Industrieunternehmen die „Chininfabrik Jobst“ nach Feuerbach und begründete hier die deutsche chemische Industrie. 1871 wurde von dem Mechaniker und Faktura-Bücherfabrikanten Louis Leitz die Werkstätte zur Herstellung von Metallteilen für Ordnungsmittel gegründet. Bekannt wurde die Firma Leitz durch die Erfindung des Leitzordners. 1910 verlegte Robert Bosch sein Unternehmen von Stuttgart nach Feuerbach. Die Robert Bosch GmbH hat ihren Sitz inzwischen in Gerlingen, aber ihr Stammwerk weiterhin in Feuerbach. AkzoNobel Coatings GmbH Coperion GmbH Behr GmbH & Co. KG Druckerei und Papierwarenfabrik Gebrüder Oehler Thieme Verlagsgruppe Bis Mitte der 1990er Jahre hatte die durch Vergleich abgewickelte Lederfabrik C. F. Roser ihren Sitz in Feuerbach. Der Lebensmittelhersteller Bürger (heute in Ditzingen) wurde in Feuerbach gegründet und war bis 1978 dort ansässig. Seit 1921 Firmensitz der Kessler & Söhne Württ. Eisenwerk GmbH & Co. KG Seit 2012 befindet sich der Firmensitz des Stuttgarter Familienunternehmens Karle Recycling GmbH in Feuerbach.
Infrastruktur Verkehr Fernstraßen Feuerbach liegt an den Bundesstraßen 10 (Karlsruhe – Stuttgart – Ulm), 27 (Heilbronn – Stuttgart – Tübingen) und 295 (Calw – Stuttgart) und es besteht über die B 295 eine Verbindung zur A 81 (Würzburg – Heilbronn – Stuttgart – Gottmadingen (bei Singen)) und weiterhin eine Verbindung zur A 8 (Karlsruhe – Pforzheim – Stuttgart – Ulm – München). Das Zentrum von Feuerbach wird durch einen 1995 fertiggestellten 1200 Meter langen Straßentunnel der B 295 vom Durchgangsverkehr entlastet.
Bahn- und Busverkehr Der Stadtbezirk wird von den S-Bahn-Linien S4 (Backnang – Marbach – Stuttgart), S5 (Bietigheim – Stuttgart), S6 (Weil der Stadt – Leonberg – Stuttgart) und der Expresslinie S62 (Weil der Stadt – Leonberg – Stuttgart Feuerbach) erschlossen, die den Bahnhof Stuttgart-Feuerbach an der Frankenbahn bedienen. Zusätzlich verkehrt im Stadtgebiet die 1909 eröffnete und früher weit verzweigte Industriebahn Feuerbach, die jedoch seit 2012 nur noch einige wenige Anschlüsse an der Wernerstraße bedient.
mini|Der Feuerbacher Bahnhof bei Nacht Feuerbach wird durch fünf Stadtbahnlinien mit Stuttgart verbunden: Mönchfeld – Zuffenhausen – Feuerbach (Pragsattel) – Hauptbahnhof – Heumaden (Stuttgart) – Ostfildern-Nellingen Gerlingen – Feuerbach (Mitte) – Hauptbahnhof – Möhringen Bahnhof – Flughafen/Messe Giebel – Feuerbach (Mitte) – Bad Cannstatt – Untertürkheim – Hedelfingen Stammheim – Zuffenhausen – Feuerbach (Pragsattel) – Hauptbahnhof – Heumaden Stuttgart-Giebel – Feuerbach (Mitte) – Pragsattel – Bad Cannstatt – Fellbach (nur im Berufsverkehr)
Zusätzlich gibt es noch die innerstädtischen Buslinien: Bus 91 Feuerbach – Botnang – Forsthaus – (Sindelfingen) Nachtbus N3 Schlossplatz – Feuerbach – Gerlingen Weitere Buslinien verbinden Feuerbach mit dem Umland.
Radverkehr Von Bad Cannstatt kommend über den Pragsattel und durch ganz Feuerbach hindurch nach Weilimdorf verläuft die Hauptradroute (HRR) 6. Die beschilderte Route gehört auch zum Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de. Sie führt durch die Burgenlandstraße, in welcher 2024 teilweise eine vorfahrtberechtigte Fahrradstraße eingerichtet wurde. In anderen Bereichen kann die Route aber nicht als fertiggestellt betrachtet werden; an der Siemensstraße und Tunnelstraße verläuft sie nur auf Gehwegen, auf denen das Radfahren erlaubt wurde. Im westlichen Teil führt sie auf einem gemeinsamen Geh- und Radweg entlang der Stadtbahn. Als „Zielnetz“ soll die Route aber durch die Weilimdorfer Straße verlaufen. Längerfristig ist an der Strecke von Stuttgart-Mitte über Weilimdorf nach Ditzingen eine Radschnellverbindung vorgesehen; anstelle über den Pragsattel soll sie dann durch den Pragtunnel der Bahn verlaufen, wenn dort durch Stuttgart 21 Gleise frei werden.
Die HRR 5 soll künftig vom Stadtzentrum kommend vom Pragsattel durch das Feuerbacher Gewerbegebiet nach Zuffenhausen durchgängig an der Heilbronner Straße verlaufen. Sie ist ebenfalls eine Route aus dem Radnetz Baden-Württemberg. Da das „Zielnetz“ insbesondere in Zuffenhausen noch nicht durchgängig gut geeignet ist, ist im nördlichen Teil aktuell noch als „Startnetz“ eine Route an der Krailenshalde ausgeschildert. Auch an der HRR 5 ist längerfristig eine Radschnellverbindung vorgesehen.
Außerdem sind in Feuerbach zwei Hauptradrouten zweiter Ordnung geplant, die noch nicht ausgeschildert sind: Die HRR 21 soll durch das ganze Feuerbacher Tal führen. Sie verläuft von Botnang kommend auf einem Waldweg (Lina-Hähnle-Weg) zu den Ziegelwiesen, am Feuerbach entlang zur Helmstettstraße und über innerörtliche Straßen zum Bahnhof. Weiter verläuft sie über die Kruppstraße, an deren Ende die Heilbronner Straße gequert werden muss. Entlang der Krailenshalde führt die weiter nach Zuffenhausen. Die HRR 22 soll vom Hegelplatz in Stuttgart-Mitte über den Killesberg in Stuttgart-Nord zum Feuerbacher Bahnhof und weiter über die Wernerstraße in den westlichen Teil Zuffenhausens führen.
Schulen in Feuerbach drei Grundschulen: Bachschule (mit Grundschulförderklasse), Hattenbühlschule (mit Hort), Hohewartschule Föhrichschule (Förderschule) Bismarckschule (Hauptschule mit Werkrealschule) Realschule Feuerbach (auf dem Areal der Hohewartschule) Neues Gymnasium Leibniz Gewerbliche Schule für Farbe und Gestaltung Gewerbliche Schule für Holztechnik Kerschensteinerschule (Gewerblich-technische Schule mit technischem Gymnasium – Profil angewandte Naturwissenschaften, Berufskollegs, Fachschulen und Berufsschulen in den Berufsfeldern Chemie, Physik, Gesundheit, Raumgestaltung, Textiltechnik und Bekleidung) Louis-Leitz-Schule (Kaufmännische Berufsschule, Wirtschaftsgymnasium, Berufsfachschule – Wirtschaftsschule) Privatschulen: AKAD-Fachhochschule, Freie Musikschule Winter, Technische Fachschule Tochtermann, ein Standort des SAE Institutes mini|Stromversorgung und Weinberge
Vereine/Organisationen Bolivianisches Kinderhilfswerk e. V. (gegründet 1984) Bürgerverein Feuerbach e.V. (gegründet 1972, ca. 350 Mitglieder) CVJM-Feuerbach e. V. (gegründet 1902) Deutsches Rotes Kreuz, Bereitschaft Feuerbach (gegründet 1913) Diakonieverein Feuerbach (gegründet 1901 als Krankenpflegeverein durch Richard Kallee) DLRG OG Feuerbach (gegründet 1956) Musikverein Stadtorchester Feuerbach 1899 e. V.https://www.mvfeuerbach.de FC Feuerbach e.V. 1960 Schachclub Feuerbach (2004 von der Sportvg Feuerbach gelöst und als eigenständiger Verein gegründet) Schutzbauten Stuttgart e.V.https://www.schutzbauten-stuttgart.de (gegründet 2006) Sozialverband VdK OV S-Feuerbach e. V. (gegründet 1948) Sportvereinigung Feuerbach 1883 e.V.https://sportvg-feuerbach.de (ca. 5.300 Mitglieder)