Die Brücke ist der erste Roman des Schriftstellers Gregor Dorfmeister. Er wurde 1958 unter dem Pseudonym Manfred Gregor veröffentlicht und erlangte größere Bekanntheit durch die gleichnamige Verfilmung von Bernhard Wicki aus dem Jahr 1959. Im Jahr 2008 erschien eine weitere Neuverfilmung für den Fernsehsender Pro 7, siehe Die Brücke (2008).

Der autobiografisch gefärbte Roman schildert den tödlichen Kampfeinsatz von sieben Jugendlichen, die im April 1945 kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch zum Volkssturm eingezogen werden und die titelgebende Brücke in ihrer Heimatstadt verteidigen sollen. Wenngleich die Handlung Die Brücke zum Genre des Antikriegsromans zählen lässt, enthält der Roman auch Elemente des Bildungsromans, da er abseits der eigentlichen Handlung in Rückblenden auch die Jugend und das Erwachsenwerden der Protagonisten im Nationalsozialismus thematisiert.

Handlung Sieben Jugendliche – Albert Mutz, Ernst Scholten, Karl Horber, Klaus Hager, Jürgen Borchert, Walter Forst und Siegfried „Siegi“ Bernhard – verbringen den Zweiten Weltkrieg in ihrer Heimatstadt in Süddeutschland. Alle werden im Frühjahr 1945, kurz nach Vollendung ihres 16. Lebensjahres, zum Volkssturm eingezogen. Auf dem Kasernenhof geraten sie an verschiedene Unteroffiziere als Ausbilder, den treiberischen Alois Schaubeck und den düsteren, verschlossenen Adolf Heilmann.

Nach zwei Wochen der Ausbildung rückt die Front näher. Schaubeck stirbt bei einem Tieffliegerangriff auf die Kaserne. Heilmann und der ebenfalls eingezogene Leutnant Fröhlich raten den Jungen zur Desertion vom Kasernengelände; diese lehnen jedoch ab. In der folgenden Nacht zum 2. Mai 1945 gibt es einen Alarm, und die gesamte Einheit wird an die Front geschickt, den Amerikanern entgegen. Fröhlich kann jedoch erreichen, dass die Jungen unter dem Befehl von Heilmann im Rücken der Front an einer scheinbar unwichtigen Brücke in der Stadt postiert werden.

Heilmann versucht weiterhin, die Jungen zum Aufgeben zu bewegen. Er zieht sich Zivilkleidung an und will für die Jungen die Lage in der Stadt überprüfen, dabei wird er jedoch von Feldgendarmen gestellt und auf der Flucht erschossen. Die Jungen bleiben allein an der Brücke zurück. Der kommandierende General passiert die Brücke und stellt den Jungen seinen Adjutanten, Unteroffizier Schlopke, zur Seite. Plan des Generals ist es, die Amerikaner an der Brücke in eine Falle zu locken und die Brücke anschließend zu sprengen, um nachrückenden Verstärkungen den Weg abzuschneiden und Zeit für den Abzug der eigenen Truppen zu gewinnen. Schlopke gibt zunächst vor, die Brücke halten zu wollen, desertiert aber kurze Zeit später erfolgreich, sodass die Jungen die Brücke alleine verteidigen wollen.

Unterdessen setzt an der Front ein Rückzug ein, sodass die Jungen auf einmal an vorderster Front stehen. Die Brücke gerät unter den Beschuss von Lightning-Jagdbombern, wobei Siegi Bernhard fällt. Der Verlust schreckt die Jungen aber nicht ab, sondern spornt sie an, die Brücke umso verbissener zu verteidigen. So legen sie einen Hinterhalt, der die mit Panzern anrückenden Amerikaner völlig überrascht. Walter Forst zerstört mit Panzerfäusten zwei der Sherman-Panzer, bevor er nach einer perplexen Begegnung mit einem amerikanischen Soldaten unter der Brücke in Deckung geht. Die anderen Jungen allerdings fallen nach und nach dem Gefecht zum Opfer: Jürgen Borchert wird Opfer eines Scharfschützen, Karl Horber wird in seiner MG-Stellung erschossen, und Klaus Hager stirbt bei dem durch die Verzweiflung ausgelösten Versuch, lediglich mit einem Bajonett bewaffnet ein Haus zu stürmen. Am Ende des Gefechtes ziehen sich aber die Amerikaner zurück. Allerdings stirbt Walter Forst, als der von ihm unter der Brücke deponierte Haufen an Panzerfäusten detoniert.

Nun kommt der Plan des Generals zum Tragen: Ein Sprengkommando wird zur Brücke beordert. Ernst Scholten ist schockiert, dass die Brücke, deren Verteidigung seine fünf Freunde mit dem Leben bezahlt haben, nun gesprengt werden soll. Er will die Soldaten mit vorgehaltenem Gewehr zum Rückzug zwingen. Als deren Kommandeur Ernst Scholten von hinten erschießen will, feuert Albert Mutz wiederum auf den Mann und tötet ihn dabei. Die Soldaten fahren nun tatsächlich ab, verstecken sich aber in der Nähe und feuern auf die Jungen. Ernst Scholten wird tödlich getroffen und stirbt in den Armen seines Freundes. Albert Mutz geht langsam durch die Stadt, die nun von den Amerikanern angegriffen wird, und versucht einen Sinn im Geschehenen zu finden. Schließlich trifft er am Haus seiner Mutter ein und zerschlägt dort sein Gewehr auf der Straße. Der Junge wartet bis zum Morgengrauen, und als die Panzer die Straße herauffahren, klingelt er, worauf ihm seine Mutter die Tür öffnet.

Autobiografische Elemente In einem Interview vom Mai 2015 berichtete Dorfmeister von den autobiographischen Elementen seines Romans. Er und sieben weitere Jungen seien im April 1945 in eine SS-Kaserne in Bad Tölz eingezogen worden. Nach wenigen Tagen Ausbildung hätten die acht Jungen dann am 1. Mai eine kleine Brücke verteidigen müssen, die bei Bad Heilbrunn über die Loisach führte. Die Jugendlichen schossen laut Dorfmeister einen Panzer auf der gegenüberliegenden Seite ab, wobei ein US-Soldat verbrannte. Danach seien sie unter heftigem Beschuss der Amerikaner geraten und hätten flüchten müssen. Nur drei der acht Jungen konnten sich retten, darunter Dorfmeister. Danach hätten die drei am nächsten Tag laut Befehl eine weitere Brücke in Bad Tölz verteidigen sollen. Während der desillusionierte Dorfmeister flüchtete, seien seine beiden verbliebenen Kameraden bei der Verteidigung der Brücke gefallen: „Ich ging zur Brücke, da lagen die beiden tot da, eine alte Frau ging vorüber und bespuckte sie. Ich werde dieses Bild nie vergessen.“Kriegsdrama "Die Brücke": Die wahre Geschichte, tz vom 2. Mai 2015

Rückblenden Charakteristisch für den Roman ist, dass die Lebensgeschichte jeder erwähnten Figur in einer eigenen Rückblende geschildert wird. Diese Rückblenden lassen dabei Rückschlüsse auf die Persönlichkeit und Denkweisen jeder Person zu. Die einzelnen Rückblenden sind:

Unteroffizier Schaubeck und der Alkohol: Alois Schaubeck drückt sich vor dem Kriegseinsatz, terrorisiert aber als Schleifer die Rekruten. Außer Dienst gilt seine Leidenschaft dem Alkohol und unbeständigen Liebschaften. Schaubeck stirbt, als eine Mustang das Unteroffizierskasino mit MG-Feuer belegt.

Leutnant Fröhlich und Gaius Julius Caesar: Nachdem all seine Schüler und schließlich sogar sein eigener Sohn eingezogen worden und mehrere von ihnen gefallen sind, wird auch Studienrat Franz Fröhlich zur Wehrmacht bestellt. Obwohl er sich in seiner schulischen Laufbahn mit Strategie beschäftigt hat, entwickelt er durch seine Erfahrungen pazifistische Züge. Da die Jungen ihn an seine Schüler erinnern, fühlt er sich diesen besonders verbunden und plant, diese vor dem Kriegsgeschehen zu bewahren.

Unteroffizier Heilmann und der Krieg: Adolf Heilmann verbaut sich seine eigene Offizierskarriere, als er auf dem Kriegsschullehrgang eine unbedachte politische Äußerung von sich gibt. Heilmann ist ein zäher Soldat und rettet sich im Mai 1944 als einziger Überlebender seiner Einheit nach dem Angriff auf eine sowjetische Stellung mit einer schweren Beinverletzung, lediglich auf den Händen kriechend, zu den eigenen Linien.

Ein General und sein Befehl: Der General wird als fähiger Offizier beschrieben, denkt jedoch nicht mehr in menschlichen, sondern in militärischen Begriffen. Entsprechend ist ihm der Abzug seiner Einheit wichtiger als das individuelle Schicksal der an der Brücke postierten Jungen, was metaphorisch mit einem Scheibenwischer gleichgesetzt wird.

Unteroffizier Schlopke und der Feldgendarm: Schlopke hat den ganzen Krieg unbeschadet überstanden und möchte diesen auch bis zum Ende überleben. Somit rettet er sich vor dem Feldgendarm durch eine Lüge, in der er die Verteidigung der Brücke als GKdoS bezeichnet und anders als Heilmann hierbei die Fassung bewahrt.

Siegi Bernhard und seine Bücher: Siegfried Bernhard ist der jüngste und kleinste der Jungen. Sein Vater starb vor Jahren bei seiner Arbeit als Bergmann. Siegi selber liest in seiner Freizeit gerne Bücher und verliert sich dabei häufig in seiner Fantasie. Der Traum von Heldentaten zieht sich durch sein Leben, weshalb er sich – in Gedanken an die Sagengeschichte vom Ritter Curtius – beim Luftangriff auf die Brücke nicht in Deckung wirft, sondern aufrecht stehen bleibt. Siegi stirbt durch einen Granatsplitter.

Studienrat Stern und der pädagogische Ethos: Der ehemalige Lehrer und Freund der Jungen konnte wegen einer Behinderung nicht am Ersten Weltkrieg teilnehmen. Im Laufe der Jahre lernte er aber, mit dieser Behinderung umzugehen, und fand schließlich seine Berufung in der Bildung.

Ernst Scholten und Johann Sebastian Bach: Ernst Scholten stammt aus einer Großstadt und gelangt im Rahmen der Kinderlandverschickung auf einen Bauernhof nahe der Kleinstadt. Wegen seiner spitzbübischen Art und verwegener Pläne steht ihm die Stadt häufig skeptisch gegenüber. So dringt er beispielsweise mit seinen Freunden in ein stillgelegtes Bergwerk ein, betreibt Wilderei oder stiehlt die Eier eines Bauern. Andererseits ist er aber auch musikalisch begabt und spielt gerne Flöte.

Jürgen Borchert und die Ertüchtigung des Leibes: Als Sohn eines Offiziers möchte Jürgen Borchert seinem Vater nacheifern und versucht dabei vor allem, sich körperlich stark aufzubauen. Nachdem sein Vater im Dezember 1944 gefallen ist, muss Jürgen jedoch auf Druck seiner Mutter die Bewerbung zum Offiziersanwärter zurückziehen. Entsprechend ist er wenig begeistert, schließlich als Mannschaftsdienstgrad eingezogen zu werden.

Karl Horber und das schlechte Gewissen: Bei seiner Geburt stirbt Karl Horbers Mutter. Der Sohn eines Friseurs hat in seinem weiteren Leben vor allem den Ruf, zahllose Missetaten zu begehen, sei es nun das Schwänzen des Schulunterrichts oder das Durchführen gefährlicher Experimente wie der Herstellung von Schießpulver. Karl ist dabei kein schlechter Mensch, hat sich aber angewöhnt, dem Spott seiner Mitschüler durch Großspurigkeit und Selbstironie entgegenzutreten. Unter seinen Freunden verschafft sich Horber zusätzlich einen Ruf, als er diese dazu einlädt, durch ein Astloch in der Wand Barbara, die Angestellte seines Vaters, beim Umziehen zu beobachten. Später bemerkt Karl, wie sein Vater mit Barbara sexuell verkehrt. Die einen Tag später eingehende Einberufung kommt ihm daher wie gelegen.

Klaus Hager und die Angst vor dem Leben: Der unauffällige, aber emotionale Hager frisst häufig seinen Frust in sich hinein und leidet unter seiner zugleich beherrschenden und übervorsichtigen Mutter, weswegen er schließlich einen Selbstmordversuch unternimmt. Über die Lebenskrise hinweg hilft ihm schließlich eine Liebesbeziehung zu Franziska Feller, der Tochter von Flüchtlingen aus Osteuropa. Im Laufe der Zeit entwickelt Klaus allerdings Eifersuchtsgefühle, die kulminieren, als er Franziska am Bahnhof einen jungen Soldaten verabschieden sieht, sodass er mit ihr bricht. Erst beim Einrücken in die Kaserne erfährt er, dass Franziska lediglich ihren Bruder verabschiedet hatte.