Das Black Album ( für Schwarzes Album) ist das 16. Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Es erschien am 21. November 1994 bei Warner Bros. Records. Prince hatte das Album bereits in den Jahren 1986 und 1987 aufgenommen und die Veröffentlichung war ursprünglich für den 8. Dezember 1987 geplant. Doch eine Woche vor dem Termin zog Prince das Album ohne Begründung zurück. Anschließend kursierte es als Bootleg und entwickelte sich mit über 250.000 Exemplaren zu einem der meistverkauften Raubpressungen der Musikgeschichte, bevor es sieben Jahre später offiziell erschien.
Als das Black Album 1994 erschien, hatte Prince seinen Künstlernamen abgelegt und stand weiterhin im Streit mit Warner Bros. Records unter Vertrag. Weder Prince noch das Label betrieben nennenswerte Musikpromotion. International erreichte das Album weder Gold- noch Platinstatus. Musikalisch ist es überwiegend dem Funk zuzuordnen; die Liedtexte behandeln vor allem Liebe, Sex und Wollust. Als Gäste wirkten Sheila E. und Susannah Melvoin mit.
Entstehung Ursprüngliche Planung Die meisten Songs des zunächst unter dem Arbeitstitel The Funk Bible geführten Black Album nahm Prince zwischen Oktober 1986 und März 1987 auf. Im Tonstudio Sunset Sound in Los Angeles entstand am 28. und 29. Oktober 1986 mit Rockhard in a Funky Place der erste Titel. Drei weitere Stücke – 2 Nigs United 4 West Compton, Bob George und Le Grind – entstanden vom 7. bis 10. Dezember 1986 ebenfalls dort anlässlich der Geburtstagsfeier von Schlagzeugerin Sheila E., die am 12. Dezember 29 Jahre alt wurde. Laut seiner damaligen Toningenieurin Susan Rogers (* 1956) plante Prince zunächst keine Albumveröffentlichung. Erst nach der Veröffentlichung von Sign "☮" the Times (30. März 1987) „brachten wir die Stücke in eine Reihenfolge und machten ein Album daraus“, sagte sie 2016 nach Prince’ Tod.Nilsen (1999), S. 244.Azhar (2016), S. 51
In seinem Heimstudio Galpin Blvd Home Studio in Chanhassen (Minneapolis) nahm Prince im Januar 1987 Superfunkycalifragisexy auf und überarbeitete den Titel im selben Monat im Tonstudio Washington Avenue Warehouse in Eden Prairie, ebenfalls in Minnesota. Cindy C. und Dead on It entstanden im März 1987 auch dort. Den letzten Titel, When 2 R in Love, nahm er am 20. Oktober 1987 in seinem neu eröffneten Paisley Park Studio in Chanhassen auf. Trompeter Atlanta Bliss (* 1952) und Saxophonist Eric Leeds (* 1952) spielten Bläserparts für Le Grind und Cindy C., Boni Boyer und Sheila E. steuerten Backing Vocals bei. Für Cindy C. ergänzte Tänzerin Cat einen Rap-Part. Zudem nahm Prince eine „Party-Szene“ auf, die 2 Nigs United 4 West Compton vorangestellt ist.Uptown (2004), S. 396.Nilsen (1999), S. 244 u. 269.
Im November 1987 erschien im Veröffentlichungsplan von Warner Bros. Records eine LP mit dem Arbeitstitel Something („Etwas“) des Künstlers „Somebody“, die mysteriöse Angabe wurde Prince zugeordnet. Als er dem Label das titellose Album – später als Black Album bekannt – vorlegte, versuchte er zugleich, Einfluss auf die Produktpolitik des Marketings zu nehmen: Die Covergestaltung solle weder seinen Namen noch andere Hinweise enthalten; abgesehen von der Katalognummer sollte das Cover vorn und hinten vollständig schwarz sein. Obwohl Warner dem Konzept skeptisch gegenüberstand, ließ das Unternehmen 500.000 Exemplare pressen, um das Album am 8. Dezember 1987 zu veröffentlichen.Hahn (2016), S. 181.Nilsen (1999), S. 243.Greenman (2017), S. 128. Am 24. November wurde der Termin auf den 15. Dezember verschoben. Doch am 1. Dezember 1987 kontaktierte Prince den damaligen Vorstandsvorsitzenden Mo Ostin und bat um Absage der Veröffentlichung. Ostin entsprach der Bitte ohne Nachfrage. Marylou Badeaux, damals Vizepräsidentin von Warner, bestätigte später, Prince habe eindringlich auf der Absage bestanden. Offiziell erklärte Warner Bros. Records, Prince habe die Veröffentlichung untersagt.Hahn (2016), S. 184.Uptown (2004), S. 87.Seibold (1991), S. 71.
Die 500.000 gepressten LPs wurden daraufhin eingestampft. Alan Leeds (* 1947), älterer Bruder des Saxophonisten Eric Leeds und damaliger Tourmanager von Prince, bezeichnete dies als „logistischen Albtraum“: „In den Ladedocks waren Alben verpackt, adressiert und versandbereit, sodass man in großer Panikstimmung einen Weg finden musste, den Lieferprozess zu stoppen, ohne eine hausinterne Diebstahlsituation zu schaffen, weil natürlich klar war, das wird sofort ein Sammlerstück werden.“Nilsen (1999), S. 247. Drei Tage nach Prince’ Tod im April 2016 erklärte Mo Ostin in einem Interview, Prince habe sämtliche Herstellungskosten übernommen. „Er bezahlte uns sogar aus seinen Royaltys“, fügte Ostin hinzu.
Mehrere Warner-Führungskräfte erhielten Originalexemplare des Black Album; Prince behielt weitere zurück und verschenkte sie an Freunde. Darüber hinaus existieren weltweit rund 100 LPs und etwa zehn Original-CDs. Das Black Album entwickelte sich zu einem begehrten Bootleg, bevor Warner Bros. Records es im November 1994 offiziell veröffentlichte.Ro (2011), S. 263.
1987 nannte Prince keinen Grund für den Rückzug des Black Album. Erst im Tourbuch zur Lovesexy Tour (1988) erschien eine kryptische Andeutung, in der Prince schrieb, die Figur „Camille“, als sein Alter Ego gedeutet, habe seine negative Seite übersteigert.Ewing (1994), S. 76. 1990 erläuterte Prince in einem Interview mit dem US-Musikmagazin Rolling Stone seine Entscheidung gegen eine Veröffentlichung; er habe erkannt, jederzeit sterben zu können und anschließend danach beurteilt zu werden, was man zuletzt hinterlasse.Ewing (1994), S. 77.
Offizielle Ausgabe In den Jahren nach der abgesagten Erstveröffentlichung versuchte Warner Bros. Records, Prince von einer späteren Veröffentlichung des Black Album zu überzeugen. So gab es 1991 Überlegungen, das Album zusammen mit einer Greatest-Hits-Kompilation als Doppel-CD herauszubringen.Ro (2011), S. 213. Warner befürchtete jedoch, Prince könne mit zahlreichen Neuveröffentlichungen den Markt übersättigen; die Pläne wurden daher zunächst verworfen. 1993 verschärften sich die Differenzen zwischen Prince und Warner Bros. Records. Daraufhin legte Prince für sieben Jahre seinen Künstlernamen ab und wurde in den Massenmedien bis 2000 meist als „The Artist Formerly Known as Prince“ bezeichnet.
Am 21. November 1994 veröffentlichte Warner Bros. Records das Black Album. Laut Warner-Sprecher Bob Merlis hatte das Label Prince’ Wunsch entsprochen und die Veröffentlichung vertraglich vereinbart. Seiner damaligen Pressesprecherin Karen Lee zufolge war Prince jedoch dagegen; er habe zustimmen müssen, da ihm vertraglich keine andere Wahl blieb. 1994 habe Prince eine andere Einstellung gehabt als 1987, während der Aufnahme des Albums. Damals sei er sehr wütend gewesen und habe das Album nicht veröffentlichen wollen. Merlis erklärte: „Alles, was ich sagen kann, ist, dass er am 25. Oktober einen Vertrag unterzeichnete, der uns die Veröffentlichung gestattete.“
Am Veröffentlichungstag des Black Album kleideten sich die Warner-Mitarbeiter in Burbank (Los Angeles) komplett in Schwarz und führten einen „Blackout“ durch, in dem sie für 15 Minuten das Licht ausschalteten. In einer humorvollen Werbeanzeige bot Warner Bros. Records Besitzern von Bootleg-Exemplaren ein „Begnadigungsangebot“: Die ersten 1.000, die ihre Bootlegs zurückschickten, erhielten eine neue Ausgabe des Albums. Das Angebot wurde kaum genutzt, und die Veröffentlichung zog insgesamt nur wenig Medienaufmerksamkeit auf sich.Draper (2016), S. 119.Uptown (2004), S. 170.
Prince soll für die Veröffentlichung des Black Album rund eine Million US-Dollar erhalten haben, im Rahmen eines Dreiervertrags, der das Album, The Gold Experience und einen nicht näher definierten Soundtrack zu einem Kinofilm umfasste. Später wurde der Vertrag von Prince annulliert.
Gestaltung des Covers Wie ursprünglich für den 8. Dezember 1987 geplant, erschien das Black Album am 21. November 1994 mit vollständig schwarzem Front- und Rückcover. Lediglich ein Aufkleber mit Katalognummer und der Aufschrift „Prince – The legendary Black Album – Limited Edition“ in Orange befand sich auf dem Cover. LP und CD enthalten kein Begleitheft, und die Liedtexte sind nicht abgedruckt. Mitwirkende Musiker werden nicht genannt.Vinyl-Album und CD-Ausgabe des Black Album von Prince, Warner Bros. Records, 1994
Musik und Liedtexte Das Album ist vom Funk geprägt; Rap-Einflüsse sind ebenfalls enthalten. Prince’ Stimme ist in verschiedenen Tonlagen zu hören: Im durch Pitch-Shifting etwas höheren und schnelleren Gesang in Rockhard in a Funky Place, verlangsamt in Le Grind, als tiefes Brummen in Bob George und im Falsett in When 2 R in Love. Hektische Backing Vocals und zugerufene Instruktionen erzeugen zusätzlich eine ausgeprägte Party-Atmosphäre.Nilsen (1999), S. 245.
Die Liedtexte behandeln Themen wie Sex, Wollust, Liebe und Spiritualität. 1987 gehörte das Black Album zu den ersten Alben mit dem Warnhinweis „Parental Advisory – Explicit Lyrics“ auf dem Frontcover. Prince erklärte 1990 im US-Musikmagazin Rolling Stone, er sei während der Aufnahmen oft wütend gewesen, was sich in der Musik widerspiegele.Uptown (2004), S. 397.Draper (2016), S. 83. Le Grind Der Opener ist ein rhythmischer Up-tempo-Song mit Trompete- und Perkussion-Leitmotiven. Eine Party-Atmosphäre entsteht durch Unterhaltungen, wiederholte Anweisungen und keuchende Geräusche im Hintergrund. Le Grind basiert auf einer Jamsession mit einem einzigen Akkord. Etwa 30 Sekunden nach Beginn murmelt Prince: „Komm tanz’ mit uns: Funk Bible – das Neue Testament“. Der Liedtext thematisiert persönliche Befreiung durch einen „neuen Tanz“ namens „Le Grind“. Dabei nähern sich Mädchen und Jungen ohne Angst. Der Refrain enthält die Zeile „Rauf und runter, das ist gut, so wie es ein Pferdchen tut“.Ro (2011), S. 170. Cindy C. mini|Cindy Crawford, 1995 Der schnelle Song verfügt über einen stampfenden Beat, Trompeten- und Saxophon-Riffs sowie Perkussion-Fills. Der Track fokussiert das gesangliche Zusammenspiel von Prince, Sheila E. und Backgroundsängerin Boni Boyer. Tänzerin Cat liefert einen Rap-Part, basierend auf Music is the Key (1985) von Steve Hurley. Das Model Cindy Crawford inspirierte Prince zum Liedtext, der unter anderem von einem „erstklassigen Model in Paris“ handelt. Die Titelfigur wird vereinzelt in die Nähe einer Prostituierten gerückt, etwa mit den Worten: „Cindy C., spiel’ mit mir, ich werde das übliche Honorar bezahlen“.Ro (2011), S. 168. Dead on It Der Songtitel leitet sich vom Album Hustle!!! (Dead on It) (1975) von James Brown ab. Dead on It ist ein Funk-Track mit Drumcomputer, Bassline und Rhythmusgitarre. Im Liedtext persifliert Prince Rap. Toningenieurin Susan Rogers berichtete, Prince habe Rap zunächst skeptisch betrachtet, aber erkannt, dass er in irgendeiner Form integriert werden müsse. Er habe „echte“ Musik bevorzugt und Künstler, die nicht singen konnten, abgelehnt, erkannte jedoch allmählich Rap als aufkommende Bewegung.Brown (2010), S. 136. When 2 R in Love Die einzige Ballade des Black Album ist dem Popgenre zuzurechnen. Die Instrumentierung ist sparsam: Cembalo-ähnlicher Synthesizer, Bass-Synthesizer und ein Linn LM-1 Drumcomputer. Prince variiert etwa fünf Stimmlagen und wechselt innerhalb einzelner Verse zwischen den Registern. Der Text behandelt Liebe und Sex, etwa: „Nimm ein Bad mit mir / Lass uns in unseren Gefühlen ertrinken / Reiben wir uns mit Parfüm und Lotion ein“. When 2 R in Love erschien 1988 auch auf Prince’ Album Lovesexy.Hill (1989), S. 286.Mischke (1989), S. 200.Uptown (2004), S. 379. u. S. 397. Bob George mini|Kulturkritiker Nelson George, 2014