Langenschwarz ist ein Ortsteil der Marktgemeinde Burghaun im osthessischen Landkreis Fulda.
Geografische Lage Langenschwarz gehört zusammen mit Großenmoor, Hechelmannskirchen und Schlotzau zum sogenannten Kiebitzgrund. Als nordwestliches Ende der Marktgemeinde Burghaun bildet es auch die Grenze des Landkreises Fulda zum Vogelsbergkreis und zum Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Somit liegen die Nachbarorte Sandlofs und Unter-Schwarz im Vogelsbergkreis sowie Wehrda im Landkreis Hersfeld-Rotenburg.
Durch den Ort fließt der Schwarzbach, ein zehn Kilometer langer Nebenfluss rechts der Fulda, in die er in Unter-Schwarz mündet.
In der Nähe des Ortes verläuft die Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg, die 1991 eröffnet wurde. Dort befindet sich der Betriebsbahnhof Langenschwarz.
Ortsgeschichte Mittelalter Urkundliche Ersterwähnung des Ortes geschieht in der Schenkungsurkunde des Uualto von 801. Genannt wird „suuarzahafurt“ erstmals im Codex Eberhardi,Edmund Ernst Stengel: Fuldisches Urkundenbuch. Band 1. Nr. 275, S. 399. einem Kopiar, geschrieben in der Zeit um 1160.
Mehrere Hinweise lassen vermuten, dass das Gebiet des heutigen Kiebitzgundes um 800 bereits gerodet und besiedelt war. In den Anfängen des Ortes erscheint der Ortsname nicht differenziert nach Langenschwarz und Unter-Schwarz. Die Unterscheidung zwischen den beiden Orten Schwarz wird erstmals in einem Kopiar um 1404 manifest: „... vier große gut, der ligt eyns tcu alden Swartza, daz ander zcu Quecka unde dy andern Tzwey zcu Heynbach ...“StAM, K 432, fol. 282 r. Neuzeit Der ältere Teil der Siedlung an Oberlauf des Flusses Schwarz behielt den Namen Schwarz auch im Spätmittelalter und in der Neuzeit bei, wurde aber auch gelegentlich als „alden Swartza“ wie im angeführten Kopiar von 1404 und einem weiteren Codex aus der Zeit um 1500. 1498 datiert hier eine Lagebeschreibung: „... zwischen michels vnd frawen Rombach, Sandolfs ... auch grabenhaug, Alden Swartz .. “StAM, K 436, Nr. 302, S. 685. Erst nach der Gründung einer zweiten Siedlung an der Einmündung der Schwarz in die Fulda erscheint 1559 nun urkundlich „Niddernschwarz“Hotz: 1912, S. 45. bzw. auch „Unntern Schwarz“ genannt, wie etwa im Jahre 1631.StAD, Abt. XIII, 2. Konv. 40, Fasc. 31.
Die heutige Ortsbezeichnung „Langenschwarz“ findet sich erstmals in einer Karte 1617. Schließlich erscheint urkundlich „Schwartza vulgo (gewöhnlich) Langenswartz“.A. Weber: 1960, S. 130, 177 Fußnote. Die ersten Behausungen und Ställe sind mutmaßlich unmittelbar am Ufer des Schwarzbaches errichtet worden. Da die Talsohle eng war, zog sich die Siedlung in die Länge, am Schwarzbach entlang, daher Langenschwarz. So erwuchs aus einem siedlungsgeschichtlichen Vorgang eine Siedlungsform und daraus die Unterscheidung in den Ortsnamen.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 338 ff, S. 339. Der Grundname Schwarz entspricht dem Namen des Grebenauer Ortsteil Schwarz.
Zum 1. Oktober 1971 fusionierten im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständigen Gemeinden Großenmoor, Hechelmannskirchen, Langenschwarz und Schlotzau zur neuen Gemeinde Kiebitzgrund. Nur zehn Monate später, am 1. August 1972, wurde die Gemeinde Kiebitzgrund, und damit auch Langenschwarz, durch das abschließende regionale Neugliederungsgesetz zur Gebietsreform in die Gemeinde Burghaun eingegliedert. Für Langenschwarz sowie für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Burghaun wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Bevölkerung Einwohnerentwicklung
Quelle: Historisches Ortslexikon 1631: 49 Haushalte 1680: 18 Haushalte [Fuld. Akten v. Buchenau] 1789: 8 Bauern, 12 Hüttner und 10 Beisassen 1812: 83 Feuerstellen, 725 Seelen
Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 725 evangelische (= 85,80 %), 68 katholische (= 8,05 %), 52 jüdische (= 6,15 %) Einwohner • 1961: 483 evangelische (= 82,58 %), 117 katholische (= 16,57 %) Einwohner
Politik Für Langenschwarz besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Langenschwarz) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 63,91 %. Alle Kandidaten gehörten der „Bürgerliste Langenschwarz“ an. Der Ortsbeirat wählte Florian Ritz zum Ortsvorsteher.
Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde 1966–1971 Karl HornungHubert Ziegler: Aus der Vergangenheit Burghauns. In: Burghaun im Wandel der Zeiten. Gemeinde Burghaun (Hrsg.). Fulda, 1980. S. 138–145
Sehenswürdigkeiten Katholische Kirche mini|Katholische Kirche und Altes Schloss
Die katholische Kirche befindet sich in einem Teil des ehemaligen Schlosses von Langenschwarz. 1677 verkauften die Herren von Buchenau einen Teil des Schlosses an den fuldischen Vizekanzler Johannis. 1844 kauften Langenschwärzer Bürger den restlichen Teil des Schlosses. Dieser Teil wurde in Wohnungen aufgeteilt. Ehemals war das Gebäude auch Sitz der katholischen Schule in Langenschwarz. Die katholische Kirchengemeinde St. Johannes der Täufer hat ca. 220 Mitglieder, aus den Gemeinden Langenschwarz, Hechelmannskirchen, Großenmoor, Wehrda, Schletzenrod und Wetzlos.
Zur Zeit der Reformation gab es in Langenschwarz keine katholische Gemeinde. Um das Jahr 1680 kaufte der Fuldaer Kanzler Johann Ludwig Johannis die Grundherrschaft Langenschwarz. Er wurde dabei geadelt und nannte sich von da ab: von Langenschwarz. Als Katholik ließ er im Schloss eine Hauskapelle einrichten. Um diese Hauskapelle bildete sich durch Bedienstete des Schlosses und zuziehende Katholiken eine eigene Gemeinde. Betreut wurde diese anfangs durch Franziskaner des Klosters Frauenberg in Fulda. Bis 1724 kamen die Brüder jeden Sonntag zur Feier der Heiligen Messe nach Langenschwarz. Da aber die Wege sehr weit und beschwerlich waren, entsandte das Kloster Frauenberg im Jahre 1724 einen Priester als ständigen Schlosskaplan nach Langenschwarz. Ab 1864 traten an diese Stelle Weltpriester als Pfarrkuraten.
Nach dem Aussterben der Herrschaft von Langenschwarz wurde das Schloss 1824 durch den Fiskus an Privatleute verkauft. Der katholischen Gemeinde wurde der Seitenflügel des alten Schlosses zugewiesen. Im Erdgeschoss wurden Schule und Kirche eingerichtet und im Stockwerk darüber die Wohnung des Pfarrkuraten, der gleichzeitig Lehrer der katholischen Volksschule bis zur Aufhebung der Konfessionsschule im Jahre 1938 war. 1946 wurde eine Erweiterung der Kirche notwendig. Die Wände im Erdgeschoss wurden herausgenommen und der Schulsaal zur Kirche hinzugenommen. 1961 erfolgte ein Umbau. Der Keller wurde zugeschüttet und der Fußboden der Kirche auf Erdbodenhöhe gelegt. Dadurch ist ein schöner, etwas höherer Kirchenraum entstanden. Die Madonna ist eine Nachbildung. Das wertvolle Original (ca. 1500) steht im Dommuseum in Fulda.
Evangelische Kirche mini|hochkant|Evangelische Kirche Im Jahre 1879 wurde die unbenutzbar gewordene alte Wehrkirche abgerissenIhre aus dem Jahr 1838 stammende Oestreich-Orgel wurde nach Ober-Wegfurth verkauft. und mit dem Bau der im neugotischen Stil errichteten neuen evangelisch-lutherischen Kirche begonnen. Aus eigenen Mitteln wäre dies nicht möglich gewesen, daher stellte das Gustav-Adolf-Werk 67.000 Goldmark zur Verfügung. Baumeister war Martin Scheich aus Horas bei Fulda. Die Einwohner von Langenschwarz schafften für den Bau Material aus den nahen Steinbrüchen in Rimbach und Rothenkirchen heran und leisteten Handlangerdienste. Die Einweihung der Kirche erfolgte am Sonntag, dem 29. August 1880. Die Kirche hat eine Länge von ca. 34,50 Metern, eine Querschiffbreite von ca. 16,40 Metern, eine Längsschiffbreite von 8,20 Metern und eine Innenhöhe von ca. 10 Metern. In den Bänken finden etwa 500 Gottesdienstbesucher Platz. Seit 2005 schmücken drei von Gabi Weiss künstlerisch gestaltete Scheiben die Chorfenster.GJP (Götz J. Pfeiffer): Chorfenster von Gabi Weiss, in: Mut zum Gestalten. Kunstförderung in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel, 2013, S. 44–45.
Jüdischer Friedhof Eine jüdische Gemeinde bestand in Langenschwarz von der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Der jüdische Friedhof in Langenschwarz wurde 1832 angelegt und bis um 1900 belegt.
Söhne und Töchter von Langenschwarz Samuel Hecht (1830–1907), Gründer der amerikanischen Warenhauskette Hecht’s
Literatur Adrian Seib: Kulturdenkmäler in Hessen. Landkreis Fulda II. Burghaun, Eiterfeld, Hünfeld, Nüsttal, Rasdorf. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Herausgeber und Verlag), Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-8062-2607-2, S. 94–104.
Weblinks
Webauftritt der Marktgemeinde Burghaun
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Burghaun) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Fulda) Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Ersterwähnung 801 Kategorie:Haufendorf