mini|Elbschloss Bleckede mit Wassergraben
Bleckede [] ist eine Kleinstadt zu beiden Seiten der Elbe im Landkreis Lüneburg in Niedersachsen.
Geografie Geografische Lage Bleckede liegt größtenteils im Urstromtal der Elbe, einige Ortsteile auch etwas höher auf dem Geestrücken bis zu 90 m über NN. Das gesamte Stadtgebiet ist Teil von zwei Nationalen Naturlandschaften, dem Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue und dem Naturpark Wendland.Elbe.
Stadtgliederung Bleckede besteht neben dem Kernort aus 13 weiteren Ortschaften (Stand 2020):Hauptsatzung Stadt Bleckede Alt Garge, Barskamp, Bleckede-Wendischthun (mit den rechtselbischen Ortsteilen Neu Bleckede und Neu Wendischthun), Brackede, Breetze, Garlstorf, Garze, Göddingen (mit Nindorf), Karze (mit Vogelsang), Radegast, Rosenthal, Walmsburg (mit Reeßeln) und Wendewisch.
Nachbargemeinden
Geschichte mini|Fachwerkhaus in der Altstadt mit Betsaal der ehemaligen Jüdischen Gemeinde Bleckede
Anfänge Im Zuge von Hochwasserschutzmaßnahmen wurde 2008 Alt Wendischthun eingedeicht. Das Abschieben des Oberbodens in der Deichtrasse führte zur Entdeckung einer bronzezeitlichen Siedlungsstelle.
Nach dem Sturz Heinrichs des Löwen verloren die Welfen gegen Ende des 12. Jahrhunderts die Verfügung über den Elbübergang Artlenburg und Handelswege Bardowicks. Bleckede wurde deshalb 1209Gründungsurkunde vom 28. August 1209, Staatsarchiv Hannover als Stadt durch Herzog Wilhelm von Braunschweig und Lüneburg als neuer Handelsmittelpunkt unter der Bezeichnung Löwenstadt / Lowenstat an der Elbe gegründet. Der in Erinnerung an Heinrich des Löwen gewählte Name setzte sich nicht durch. Der Ortsname Bleckede ist vermutlich auf das altgermanische „Blek-ithi“ zurückzuführen, blek und -ithi bedeuten hier helle, freie, lichte Stelle,Namenserläuterung nach Jürgen Udolph unter auf NDR 1 Niedersachsen (abgerufen im Mai 2011) und entstand aus der früheren deutschen und wendischen Ansiedlung Bleketsa und slavicum Bleckede.
Stadtrecht und Befestigung des Ortes Im Jahr 1293 erhielt Bleckede, das zu diesem Zeitpunkt offiziell noch keine Stadt war, gemeinsam mit anderen Städten das Münzrecht verliehen. Erst 1310 bekam Bleckede offiziell die Stadtrechte mit der Auflage verliehen, die Stadt zu befestigen. Diesen Zweck erfüllte ein Stadtgraben, der bis 1929 die Stadtgrenzen markierte.
Zum eigenen Schutz, zur Sicherung des Elbzolls und Elbübergangs wurde vermutlich im 13. Jahrhundert mit dem Bau einer Burg in Bleckede begonnen. Das um 1600 erbaute Elbschloss Bleckede steht auf den Resten der Burg, deren älteste Erwähnung um 1270 bekannt ist. 1379 wurde das Schloss Bleckede an die Städte Hamburg, Lübeck, Hannover und Lüneburg abgetreten, danach gelang es Lüneburg, sich den Besitz Bleckedes bis Ostern 1561Hans-Joachim Behr: Die Pfandschlosspolitik der Stadt Lüneburg im 15. und 16. Jahrhundert. Lüneburg 1964, S. 75. bestätigen zu lassen.
Seit Anfang des 17. Jahrhunderts Von 1593 bis zu seinem Tod 1623 war Fritz von dem Berge Amtmann von Bleckede. 1666 legt eine Feuersbrunst den gesamten Ort Bleckede in Schutt und Asche. 1720 kam der erste Arzt nach Bleckede und 1735 wurde die bis heute erhaltene Alte Apotheke erbaut.
Vom 1. April 1885 an war Bleckede Kreisstadt des neu gegründeten Landkreises Bleckede, der am 1. Oktober 1932 in den Landkreis Lüneburg eingegliedert wurde.
Einrichtung eines Marinenachschublagers zum Ende des Ersten Weltkrieges Seit den Kriegsjahren 1917/18 ließ die Kaiserliche Marine den Ölhof in Bleckede errichten. Ab 1936/37 war die Bautätigkeit besonders intensiv. Auf einem ca. 150 ha großen Gelände wurden Ölvorräte gelagert. Das Gesamtfassungsvermögen betrug ca. 340.000 t.Großbaustelle Bleckede – Der Ölhof 1935/36. In: Elbmarschpost, 19. September 2007 Ein umfangreiches Tunnelsystem verband alle 34 unterirdischen Riesenbunker. Zur Lagerung und Verladung führten unterirdische Druckrohrleitungen über Pumpstationen zur Elbe. Insgesamt bestand das Lager aus 78 Tank- und Gebäudeanlagen. Drei Jahre nach Kriegsende wurden die Anlagen 1948 demontiert und gesprengt. Rund 12.000 m Rohrleitungen, Anlagenteile und weiterer Schrott wurden nach England verschifft. Von 1960 bis 1968 wurden die Trümmerflächen eingeebnet.
Bau des Kohlekraftwerkes Alt-Garge durch KZ-Häftlinge während des Zweiten Weltkrieges
Die Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) begannen während der Zeit des Nationalsozialismus mit dem Bau eines Kohlekraftwerkes im Ortsteil Alt-Garge, unmittelbar an der Elbe. Für die Bauarbeiten des Kohlekraftwerkes Alt-Garge der Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) wurden seit 1940 hauptsächlich Zwangsarbeiter herangezogen, die in einem Arbeiterlager (Lager „A“) untergebracht waren. 1944 wurde im Lager B in der Nachbarschaft zur Baustelle das KZ-Außenlager Alt Garge als (Außenstelle des KZ Neuengamme) errichtet, in das bis zum Februar 1945 Zwangsarbeiter aus Neuengamme und dem KZ Sachsenhausen verbracht wurden.John Hopp, Die Hölle in der Idylle. Das Außenlager Alt Garge des Konzentrationslagers Neuengamme, erw. Neuausgabe, Hamburg 2013. und:"Die KZ-Außenstelle Alt Garge: Die Erinnerung ist noch wach". In: Elbmarschpost, 14. September 2006Alt-Garge – Kraftwerk Ost-Hannover und KZ-Außenlager auf geschichtsspuren.de (vormals lostplaces.de)
Der erste Kraftwerksblock ging erst nach dem Krieg, im Jahr 1946 mit 70 Megawatt ans Netz. In den 1970er Jahren gab es Überlegungen, ein Kernkraftwerk in Alt Garge zu bauen. 1974 wurde das Kohlekraftwerk schließlich stillgelegt. 1987/88 wurden die Anlagen des Kraftwerkes abgebaut. Reste der Anlagen sind noch weiterhin sichtbar. In der Nähe des damaligen KZ-Außenkommandos Alt-Garge erinnert eine Gedenkstätte an das Schicksal der Häftlinge.
Ende des Zweiten Weltkriegs und Nachkriegszeit mini|Pontonbrücke der US-Army über die Elbe bei Bleckede
Am 29. April 1945, zehn Kilometer von Bleckede entfernt, setzten die britischen Truppen von Artlenburg aus aufs gegenüberliegende Elbufer bei Schnakenbek über, richteten einen Brückenkopf einLübecker Nachrichten: Letzte Kämpfe im Frühjahr 1945, vom: 14. April 2015; abgerufen am: 30. Mai 2018Dorfzeitung Kröppelshagen-Fahrendorf. Kriegsende vor 70 Jahren, S. 10, vom: Frühjahr 2015; abgerufen am: 30. Mai 2018 und besetzten anschließend die nahe gelegene Stadt Lauenburg, um von dort weiter nach Schleswig-Holstein vorzudringen.Lübecker Nachrichten: Letzte Kämpfe im Frühjahr 1945, vom: 14. April 2015; abgerufen am: 30. Mai 2018 Kurz darauf, in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai 1945, setzten Truppenteile der 9th United States Army bei Bleckede mit Hilfe einer Pontonbrücke über die Elbe. 86 Menschen starben bei den Kämpfen um die Elbüberquerung bei Bleckede. Es folgte die Besetzung südwestlicher Teile Mecklenburgs durch die Amerikaner. (Siehe auch: Kriegsende in Südmecklenburg (1945)). Anschließend fielen die rechtselbischen Stadtteile Bleckedes an die Sowjetische Besatzungszone und wurden erst 1993 nach Niedersachsen rückgegliedert.
Eingemeindungen Am 17. Oktober 1928 wurden die Gemeinden Kleinburg, von Estorff’scher Acker, Vorbleckede und Wendisch Bleckede, der Gutsbezirk Heisterbusch sowie der westliche Teil des Gutsbezirks Forst Sandbergen nach Bleckede eingemeindet.Amtsblatt der Regierung Lüneburg 1928, S. 258 Am 1. Juli 1929 wurde außerdem der linkselbische Teil der Gemeinde Wendischthun mit dem Dorf Alt Wendischthun eingemeindet.Amtsblatt der Regierung Lüneburg 1929, S. 165
Im Rahmen der Verwaltungs- und Gebietsreform wurde am 1. März 1974 die Einheitsgemeinde Stadt Bleckede gebildet. Durch Abschluss eines Gebietsänderungsvertrages wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Alt Garge, Barskamp, Brackede, Breetze, Garlstorf, Garze, Göddingen, Karze (mit Vogelsang), Radegast, Rosenthal, Walmsburg (mit Reeßeln) und Wendewisch zur bis dahin einzigen Flächengemeinde des Landkreises Lüneburg zusammengefasst.
Während der deutschen Teilung lagen die rechtselbischen Stadtteile Neu Bleckede und Neu Wendischthun innerhalb der Deutschen Demokratischen Republik. Die Stadt war also genau wie Mödlareuth in Thüringen und Bayern geteilt. Infolge der deutschen Wiedervereinigung wurden die beiden Ortschaften, die der Gemeinde Teldau angehörten, wieder Ortsteile der Stadt Bleckede und das gesamte Amt Neuhaus wieder ein Teil des Landkreises Lüneburg. Diese Rückgliederung erfolgte am 30. Juni 1993.StBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.1993
mini|Die 1968 errichtete Katholische Kirche
Religion In Bleckede befinden sich verschiedene christliche Glaubensgemeinschaften.
Bis 2016 war Bleckede Sitz eines Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises. Am 1. Januar 2017 wurde aus den Kirchenkreisen Bleckede und Lüneburg der neue Ev.-luth. Kirchenkreis Lüneburg gebildet. Er gehört zum Sprengel Lüneburg der Landeskirche Hannovers. Die Kirchengemeinde Bleckede entstand durch eine Fusion der Kirchengemeinden Barskamp, Bleckede und Garlstorf-Radegast und umfasst das gesamte Gebiet der Stadt Bleckede und den Ortsteil Tosterglope der Samtgemeinde Dahlenburg. In der Kirchengemeinde gibt es fünf Kirchen: Die Martin-Luther-Kirche in Garlstorf, die Kirche in Radegast, die Sankt Jacobikirche Bleckede, die St. Vituskirche in Barskamp und die Erlöserkirche in Alt Garge. In der Kirche St. Jacobi wurde 1946 Jörg Immendorff getauft.Tilman Spengler: Waghalsiger Versuch, in der Luft zu kleben. München/Berlin 2015, S. 147.
Die katholische Kirche St. Maria Königin vom hl. Rosenkranz wurde 1968 errichtet. Sie ist eine Pfarrkirche im Dekanat Lüneburg, ihr sind auch die Kirchen in Dahlenburg und Neuhaus zugeordnet.
Die nichttrinitarischen Zeugen Jehovas besitzen einen Königreichssaal in der Stadt.
Politik Die Stadt Bleckede gehört zum Landtagswahlkreis 48 Elbe und zum Bundestagswahlkreis 38 Lüchow-Dannenberg – Lüneburg.Landtagswahlkreise ab 16. Wahlperiode. Wahlkreiseinteilung für die Wahl zum Niedersächsischen Landtag. Anlage zu § 10 Abs. 1 NLWG, S. 4. ( ; 87 kB)Beschreibung der Wahlkreise. Anlage zu § 2 Abs. 2 Bundeswahlgesetz. In: Achtzehntes Gesetz zur Änderung des Bundeswahlgesetzes. Anlage zu Artikel 1. Bonn 18. März 2008, S. 325. ( ; 200 kB)
Stadtrat
Der Rat der Stadt Bleckede besteht aus 24 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 9001 und 10.000 Einwohnern. Die 24 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
Stimmberechtigt im Stadtrat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Dennis Neumann (parteilos).
Die letzte Kommunalwahl vom 11. September 2021 führte zu folgendem Ergebnis:, abgerufen am 28. März 2019 Partei / Liste Stimmenanteil +/− %p Sitze +/− CDU 35,67 % − 4,44 8 − 2 SPD 17,10 % + 0,39 4 ± 0 Grüne 20,82 % + 6,49 5 + 2 UWB* 20,67 % − 8,18 5 − 2 FDP 3,18 % + 3,18 1 + 1 Linke 2,56 % + 2,56 1 + 1 * Unabhängige Wählergruppe Bleckede
Die Wahlbeteiligung lag 2021 bei 57,86 %. Bürgermeister Hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Bleckede war seit 2006 Jens Böther (CDU). Bei der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 wurde er als Amtsinhaber mit 60,8 % der Stimmen wiedergewählt. Sein Gegenkandidat Martin Gödecke (Unabhängige Wählergruppe Bleckede) erhielt 39,2 %. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,3 %.Einzelergebnisse der Direktwahlen am 25. Mai 2014 in Niedersachsen, abgerufen am 20. November 2014 Böther trat seine weitere Amtszeit am 1. November 2014 an, wurde jedoch 2019 zum Landrat des Landkreises Lüneburg gewählt. Seit dem 1. Dezember 2019 ist Dennis Neumann (parteiunabhängig) Bürgermeister von Bleckede.
Städtepartnerschaft Seit 1977 besteht eine Partnerschaft mit den französischen Gemeinden Auffay und Tôtes. Beide französische Kommunen gehörten bis 2015 zum Kanton Tôtes im Département Seine-Maritime in der Region Normandie., abgerufen am 20. November 2014
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|St.-Jacobi-Kirche
Evangelische St.-Jacobi-Kirche