Das 4. Lothringische Infanterie-Regiment Nr. 136 war ein Infanterieverband der Preußischen Armee. Das Regiment wurde 1887 im Zuge der Heereserweiterung gegründet und im Reichsland Elsaß-Lothringen an der Grenze zu Frankreich stationiert – unter anderem in Dieuze, Forbach und Pfalzburg. Zeitweise lebten in diesen Garnisonsstädten mehr Regimentsangehörige als zivile Einwohner. Während des Ersten Weltkrieges war das Regiment an Kämpfen an der Westfront wie auch an der Ostfront beteiligt und verlor dabei insgesamt 4.360 Soldaten. Nach Kriegsende wurde das Regiment Anfang 1919 aufgelöst. mini|hochkant=0.8|Farbschema der Uniforme des Regiments: „Gelbe Knöpfe und Helmbeschläge; rote Schulterklappen; rote Ärmelplatten mit hellblauem Vorstoß“ Geschichte Aufstellung und Garnisonszeit im Kaiserreich (1887–1913) Das Regiment wurde durch Allerhöchste Kabinetts Ordre (A.K.O.) vom 11. März 1887 (Stiftungstag) gegründet und am 11. März und (mit Bereinigung) am 1. April 1887 als Infanterie-Regiment Nr. 136 aufgestellt:

Zum 11. März wurden durch Abgaben einzelner Kompanien von folgenden Einheiten aus Infanterieregimentern gebildet: für das I. Bataillon: 4. Kompanie des Infanterieregiment 8 (4./IR 8,) 6./IR 48, 6./IR 52, 8./IR 12; für das II. Bataillon: 5./IR 20, 8./IR 24, 12./IR 35, 12./IR 64; für das III. Bataillon: 2./IR 93, 10./IR 27, 12./IR 26, 8./IR 66.

Am 2. Oktober 1893 wurde ein IV. (Halb-)Bataillon aufgestellt. Dieses wurde am 1. April 1897 zusammen mit dem IV. (Halb-)Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 97 in Saarburg i. L. zur Formierung des 1. Bataillons des neuen Infanterie-Regimentes Nr. 171 in Bitsch abgegeben.

Das Regiment unterstand der gleichfalls neuformierten 65. Infanterie-Brigade. Diese war der neuformierten 33. Division zugeordnet.

Das Regiment nahm 1899 in Stuttgart und 1908 in St. Avold am Kaisermanöver mit vorhergehender Kaiserparade teil. Die Großübung wurde während der Zeit des Deutschen Kaiserreichs als das bedeutendste und umfassendste Militärmanöver bezeichnet, das alljährlich in Gegenwart des Kaisers stattfand.

Anlässlich seines Geburtstages erließ Wilhelm II. am 27. Januar 1902 den Armee-Befehl, dass die zuvor noch ohne landmannschaftliche Bezeichnung geführten Verbände zur besseren Unterscheidung und zur Traditionsbildung eine Namenserweiterung erhalten sollten. Das Regiment ab diesem Zeitpunkt die Bezeichnung 4. Lothringisches Infanterie-Regiment Nr. 136.

Am 1. April 1906 fand eine Veränderung des Unterstellungsverhältnisses statt. Das Regiment tauschte mit dem in Straßburg stationierten 3. Unter-Elsässischen Infanterie-Regiment Nr. 138 die Garnison und bildete gemeinsam mit dem Infanterie-Regiment Nr. 105 die 85. Infanterie-Brigade.Quellennachweis zur 85. Brigade der 30. Division beim XV. Armeekorps, Statistisches Jahrbuch Elsass-Lothringen, 1908, Seite 252 (Online bei archive.org)

Uniform und Ausrüstung Der im Mittelfeld der 126 cm² großen Fahne befindliche „preußische Kriegsadler“ hat eine friderizianische Gestalt. Die Krone, der Schwertknauf und das Blitzbündel des Adlers waren in Gold gehalten. Das Mittelfeld, die vier Eckmedaillons und das Spruchband hatte die rote Farbe der Achselklappen des XV. Korps. Die vier Keile waren weiß mit schwarzen Rändern.Martin Lezius: Fahnen und Standarten der alten preußischen Armee. Franckh’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1935.

Garnisonen und Kasernenbauten Die Garnison des Regiments war von 1887 bis 1906 Dieuze sowie zusätzlich Forbach und Pfalzburg. Die Infanterie-Kaserne in Dieuze wurde speziell für das Regiment Nr. 136 errichtet, für den Bau der Kaserne wurde 1887 in einem außerordentlichen Etat 2,37 Mio. Reichsmark bereitgestellt.Wochenblatt für Baukunde. 9. Jahrgang, Heft 37 (6. Mai 1887), S. 187. Von 1894 bis 1895 wurde die Kaserne in Dieuze um Baracken für das kurz vorher aufgestellte IV. (Halb-)Bataillon errichtet. Neben zwei Mannschaftskasernen für je etwa 90 Mann entstand unter anderem ein Kammergebäude und eine Büchsenmacherei. Die Gesamtkosten dieses Baus lagen bei etwa 138.000 Reichsmark.Statistische Nachweisungen über bemerkenswerte in den Jahren 1891 bis 1895 vollendete Hochbauten der preußischen Heeresverwaltung. Berlin 11898, , S. 2–3. (Eintrag Nr. 2, Infanterie-Regiment 136 in Dieuze)

1906 tauschte das Regiment seine Garnison mit dem Infanterie-Regiment Nr. 138, das seit 1887 in Straßburg stationiert war. Dort war von 1884 bis 1887 die Manteuffel-Kaserne gebaut worden,Manteuffel-Kaserne in Straßburg im Elsass, heute Caserne Stirn, erbaut von 1884 bis 1887, Entwurf Feller, Ausführung Baurat Alexander Rühle von Lilienstern (Straßburg). In: Statistische Nachweisungen über Hochbauten der preußischen Heeresverwaltung, Ausgabe 1886/1892, S. 8–9. Anhang zu Zeitschrift für Bauwesen, Berlin 1895, Manteuffel-Kaserne, Kapitel: Militärische Gebäude zur Unterbringung und Ausbildung der Truppen, sowie zur Lagerung von Kriegsbeständen in Strassburg und seine Bauten, Verlag K. J. Trübner, Strassburg, 1894, Seiten 530–531. benannt nach Feldmarschall Manteuffel, bis zu seinem Tod 1885 Reichsstatthalter in Elsaß-Lothringen. Die Manteuffel-Kaserne wurde 1919 von der französischen Armee nach ihrem Oberbefehlshaber in Caserne Foch umbenannt, stationiert wurde dort das 158e régiment d'infanterie. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht 1940 wurde die Kaserne wieder in Manteuffel-Kaserne rückbenannt. 1945 benannte die französische Armee die Kaserne schließlich in Caserne Stirn um, nach Jean Paul Ernest Stirn (1867–1915), einem im Ersten Weltkrieg gefallenen französischen General. Von 1959 bis 1985 war hier die Ecole Militaire de Strasbourg ansässig, seitdem eine Ausbildungseinrichtung (Centre de formation interarmées au renseignement, CFIAR) des militärischen Nachrichtendienstes Direction du Renseignement Militaire.

Einsatzgeschichte mini|Teilnahme des 4. Lothringischen Infanterie-Regiment Nr. 136 an den Herbstübungen des XV. Armee-Korps vom 18. bis 23. August 1898 in Bühl Nach der Aufstellung des Regiments am 1. April 1887 gab es bis zum Ersten Weltkrieg keine Kriegsbeteiligung des Regiments. In der Zeit bis zur Mobilmachung verlegte das Regiment mehrfach im Rahmen von Übungen und auch zur Teilnahme an den Kaisermanövern.

Erster Weltkrieg (1914–1918) Das Regiment machte am 2. August 1914 mobil.

Das Regiments war an den Kämpfen der 115. Division an der Ostfront von August 1915 bis April 1918 beteiligt. Auch in den Aufzeichnungen aus den Verlustlisten finden sich dazu Informationen. Bei einem Angriff am 20. September 1916 konnten die russischen Streitkräfte nördlich von Schelwiw durchbrechen und den Ort einnehmen. Gemeinsam mit anderen Einheiten konnte das Regiment am gleichen Tag den Rückzug bewirken.Joermann: Geschichte des 4. Lothringischen Infanterie-Regiments Nr. 136. Dieuze 1887–1906. Strassburg 1906–1918, Duisburg 1933, S. 310

Nach schweren Verlusten 1918 bei Blanzy wurden die Reste des Regiments in einem Bataillon zusammengefasst. Ende des Monats war das Regiment wieder aufgefüllt. Infolge weiterer Verluste löste man am 20. August 1918 die 4., 8. und 11. Kompanie auf. Am 10. September 1918 erhielt das Regiment seine eigene, aus Teilen der MWK115 gebildete Minenwerferkompanie.Stein: Die Minenwerfer-Formationen 1914–1918. In: Zeitschrift für Heereskunde, Jg. 1959/1960, Heft 165–168.Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914 bis 1918.

Zur Maas-Argonnen-Offensive wurde das Regiment am 26. September 1918 mit anderen Verbänden als 229. Infanterie-Brigade bei der 115. Infanterie-Division aufgestellt, um gegen US-amerikanischen Verbände der American Expeditionary Forces von General John J. Pershing anzutreten.

Das Regiment wurde im Januar 1919 in Bad Wildungen demobilisiert und aufgelöst.

1914 mini|Erste Flandernschlacht, Oktober–November 1914 Das Regiment machte am 2. August 1914 mobil. Ab 1914 hatte das Regiment eine eigene Maschinengewehrkompanie.Quellennachweis, Statistisches Jahrbuch Elsass-Lothringen, 1914, Seite 261

Im Rahmen der 30. Infanterie-Division:

31. Juli bis 7. August: die Division wird im Elsass positioniert und hält entlang der französischen Grenze Deckung.

7. bis 10. August: an der Schlacht um Mülhausen beteiligt.

11. bis 20. August: ab dem 13. August Verlegung nach Saarburg i. L.

20. bis 22. August: In die Schlacht von Morhange verwickelt, Verfolgung der französischen Truppen, Vorrücken auf französisches Territorium. Schnelles Vorrücken mit Pferde-Fuhrwerken über die Meurthe nach Raon-l'Étape.

22. August bis 9. September: Ab dem 24. August auch in die Schlacht von Chipotte verwickelt.

9. bis 17. September: Herauslösen aus der Front, Konzentration in Avincourt; Transport auf Fahrzeugen nach Tergnier.

18. September bis 30. Oktober: An der Schlacht an der Aisne beteiligt, Besetzung eines Frontabschnitts zwischen Craonne und Hurtebise. Rückzug von der Front am 20. Oktober und Konzentration in der Region von Laon.

31. Oktober 1914 bis 8. Januar 1916: Transport auf Fahrzeugen nach Flandern in die Gegend von Ypern, Besetzung eines Abschnitts in einem Sektor in der Region.

31. Oktober bis 29. November 1914: Teilnahme an der Ersten Flandernschlacht. Kämpfe in Richtung Geluveld.

1915 Im April wird das 136. Infanterie-Regiment an die neu aufgestellte 115. Infanterie-Division abgegeben.

Im Rahmen der 115. Infanterie-Division:

2. April – 9. Mai: Ausbildung in der Gegend von Tournai, Erholung und Ausbildung. In Reserve der Obersten Heeresleitung

10.–27. Mai: Verstärkung der Front im Sektor Arras, in die Schlacht um das Artois verwickelt. Sehr heftige Kämpfe im Sektor Ablain-Saint-Nazaire und Neuville-Saint-Vaastn

27. Mai – 10. Juni: Herauslösen aus der Front, Ruhe und Reorganisation.

10. Juni – 30. Juli: Transport über die Aisne, Besetzung eines Frontabschnitts in der Gegend von Missy-sur-Aisne.

30. Juli – 10. August: Herauslösen aus der Front, Fahrzeug-Transport an die Ostfront.

11.–19. August: Vormarsch in Richtung Kaunas.

19. August – 8. September: Kämpfe entlang des Neman.

9. September – 2. Oktober: An der Sventiany-Offensive beteiligt.

3. Oktober 1915 – 28. Juni 1916: Organisation und Besetzung eines Sektors in Richtung Smarhon, Naratsch-See und Pastavy

1916 mini|Schlacht um Verdun Februar–Dezember 1916 28. Juni – 16. Juli: Herauslösen aus der Front, Ruhe und Reserve.

16.–23. Juli: in Kämpfe um Ķekava verwickelt.

24. Juli – 2. August: Rückzug von der Front, Ruhepause.

2. August – 9. September: Verlegung nach Galizien, Teilnahme an der Kämpfe in der Gegend von Zaliztsi und an der Brussilow-Offensive. Insbesondere ist der Einsatz des Regiments am 20. September 1916 an den Rückeroberungen in Schelwiw (Wolodymyr) (Ukraine) bekannt. Am gleichen Tag brach General Brussilow die russische Offensive aufgrund der enorm angestiegenen Verluste ab.

9.–21. September: Herauslösen aus der Front, Ruhepause.

21. September – 4. November: Kämpfe in der Region Kovel.

5.–12. November: Besetzung eines Frontabschnitts zwischen den Flüssen Styr und Stokhid.

12. November – 1. Dezember: Herauslösen aus der Front, Transport nach Rumänien und Kämpfe entlang des Flusses Olt.

1.–5. Dezember: Schlacht am Argeș

6.–9. Dezember: Kampf um die Einnahme von Bukarest.

9.–20. Dezember: Verfolgung rumänischer Truppen in Richtung Ialomița, Prahova und Buzău.

21.–27. Dezember: Kampf um Râmnicu Sărat.

28. Dezember 1916 – 4. Januar 1917: Auswertung der Kämpfe um Râmnicu Sărat.

1917 4. Januar – 21. Juli: Kämpfe entlang des Flusses Putna und des Flusses Siret.

22.–25. Juli: An der Abwehr der Kerenski-Offensive entlang des Siret beteiligt.

25. Juli – 9. Dezember: Sicherung von Sektoren entlang der Flüsse Siret und Susita.

10. Dezember 1917 – 1. Februar 1918: Waffenstillstand an der rumänischen Front, die Division besetzt ihre Stellungen.

1918 1. Februar – 8. April: Ablösung durch eine österreichisch-ungarische Division; Herauslösen und Erholung in der Gegend von Brăila.