Johann Andreas Engelhardt (* 19. Dezember 1804 in Lossa (Finne); † 1866) war ein deutscher Orgelbauer des 19. Jahrhunderts.
Leben und Werk Engelhardt stammte aus Lossa bei Naumburg (Saale) und war vom mitteldeutschen Orgelbau in seiner sächsisch-thüringischen Ausprägung um 1800 beeinflusst.Wurm: Orgeln in Südniedersachsen. 1997, S. 89. Über seine Lehr- und Gesellenzeit ist bisher nichts bekannt. Um 1829 ließ er sich in Herzberg am Harz nieder und wirkte ausgehend vom Harz bis in die Regionen von Braunschweig und Hannover.
Engelhardt schuf zusammen mit seinem Sohn Gustav Carl Engelhardt (* 8. April 1843; † 1917) über 100 Orgeln, von denen noch 20 weitgehend erhalten sind. In der Regel handelt es sich um ein- oder zweimanualige Dorforgeln mit begrenzter Registerzahl. Klanglich und architektonisch sind seine Werke in der Übergangsperiode vom ausgehenden Barock, Klassizismus und der Frühromantik angesiedelt. Die Dispositionen sind noch weitgehend spätbarock geprägt, während sein Konkurrent Philipp Furtwängler einen fortschrittlichen Klang anstrebte.
Sein Sohn Gustav Carl Engelhardt (1843–1917) führte die väterliche Werkstatt bis 1880 fort. Von ihm ist in Heimburg (1871) eine zweimanualige Orgel erhalten.Eintrag auf organindex.de
Werkliste (Auswahl) In der fünften Spalte bezeichnet die römische Zahl die Anzahl der Manuale, ein großes „P“ ein selbstständiges Pedal und ein kleines „p“ ein nur angehängtes Pedal, die arabische Zahl in der vorletzten Spalte die Anzahl der klingenden Register. Bedeutende erhaltene historische Gehäuse (mit modernen Orgeln) werden durch Kursivierung angezeigt.
Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen 1830 Lerbach Kirche Lerbach 160x160px|Engelhardt-Orgel Lerbach II/P 14/19 ursprünglich I/P/14; 1863/1864 Erweiterung um ein Oberwerk durch den Erbauer in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Gustav Carl Engelhardt; 2016/2017 umfassende Restaurierung durch Jörg Bente. 1833 Barbis St.-Petri-Kirche zentriert|160x160px II/P 19 Erweiterung der Orgel von Johann Tobias Hansen (1753) um ein Oberwerk mit 5 Registern Umfassende Restaurierung durch Orgelbauer Rudolf Janke (1992–1993) 1835 Trautenstein Ev.-luth. Kirche St. Salvatoralt=Engelhardt-Orgel in der St. Salvator-Kirche in Trautenstein.|160x160px|Engelhardt-Orgel in der St. Salvator-Kirche in Trautenstein. I/P 11 1840 Börnecke Ev.-luth. Kirche St. Petrus II/P 20 1841 Osterode am Harz St. Jacobi (Schlosskirche) zentriert|160x160px II/P 26 1950 durch Paul Ott Umbau und 1994 Restaurierung durch Rudolf Janke 1841 Goslar-Oker Martin-Luther-Kirche I/P 13 Später Erweiterungsumbau; die Register von Engelhardt blieben jedoch erhalten 1842 Gudersleben St. Vitus zentriert|160x160px I/P 12 Prospekt erhalten, von Kießling & Sohn 1928 mit II/P 10 Neubau im historischen GehäuseUwe Pape (Hrsg.): Lexikon norddeutscher Orgelbauer, Band 1: Thüringen und Umgebung, S. 127 u. 305. Pape Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-921140-58-1, pneumatisches Orgelwerk nur fragmentarisch erhalten 1843 Westerode St.-Nicolai-Kirche I/P 10 Fast vollständig erhalten 1845 Herzberg am Harz St. Nicolai zentriert|160x160px II/P 36 Klassizistischer Prospekt; größte erhaltene Orgel Engelhardts (28 Register original) 1847–1850 Goslar Marktkirche III/P 46 1970 durch Orgel von Karl Schuke ersetztmarktkirche-goslar.de: Die Orgeln der Marktkirche Goslar, abgerufen am 24. Juli 2018. 1851 Wollershausen St. Marien 160x160px II/P 16 Nahezu unverändert erhalten; 2000 Restaurierung durch Gebr. Hillebrand → Orgel 1854 Osterhagen St.-Martins-Kirche zentriert|160x160px II/P 17 Hinter Prospekt von Johann Michael Kahlert (1770) aus Duderstadt/St. Servatius 1855 Scharzfeld St.-Thomas-Kirche 160x160px II/P 20 1855–1856 Mechtshausen Nikolaikirche I/P 12 Mechtshausen-Bilderlahe. Kirchengemeindelexikon der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, abgerufen am 6. Februar 2026. 1856 Wettmar St. Marcus 160x160px II/P 14 Teilweise erhalten; 2005–2006 umfassende Restaurierung durch Jörg Bentebente-orgelbau.de: Die Engelhardt-Orgel in Wettmar, abgerufen am 24. Juli 2018. 1856 Clenze St. Bartholomäus zentriert|160x160px II/P 18 1968–1970 Pfeifenwerk durch Karl Schuke bis auf Reste im Pedal fast vollständig erneuertNOMINE e. V.: Clenze, St. Bartholomäus, abgerufen am 24. Juli 2018. 1857 Bilshausen St. Kosmas und Damian 160x160px II/P 21 1984 Restaurierung durch Gebr. Krell/Duderstadt 1857 Schwiegershausen Michaeliskirche 160x160px 1859 Bad Lauterberg im Harz St.-Andreas-Kirche 160x160px II/P 25 Prospekt und anderer Orgelbauteile von Engelhardt erhalten und in Neubau durch Rudolf Janke integriert 1860 Jerstedt St.-Lukas-Kirche I/P 13 Abbruch 1980 verhindert, heute original erhalten, 1992 restauriert von Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt, erstmalige Verwendung von Zink als Pfeifenmaterial (Feststellung Prof. Uwe Pape, TU Berlin) 1861 Lucklum Kommendekirche 160x160px I/P 13 Fast vollständig erhalten 1861 Düshorn St. Johannes der Täufer zentriert|160x160px II/P 19 14 Register erhalten 1861/62 Gladebeck St. Nikolai II/P 17 Weitgehend erhaltenWinfried Topp, Uwe Pape: Norddeutsche Orgelbauer und ihre Werke. 2000, S. 103–106.
Literatur
Weblinks www.herzberg-am-harz.de: Orgelbauer Engelhardt Organ index: Johann Andreas Engelhardt
Einzelnachweise
Kategorie:Orgelbauer (19. Jahrhundert) Kategorie:Orgelbauer (Deutschland) Kategorie:Orgellandschaft Südniedersachsen Kategorie:Person (Herzberg am Harz) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1804 Kategorie:Gestorben 1866 Kategorie:Mann