Die französische Gemeinde La Rochebeaucourt-et-Argentine, okzitanisch La Ròcha Beucort e Argentina, liegt im Nordwesten des Départements Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie hat Einwohner (Stand ) und gehört zum Kanton Brantôme en Périgord im Arrondissement Nontron. Zuständiger Gemeindeverband ist die Communauté de communes Dronne et Belle. Ihr Gemeindegebiet bildet ferner einen integralen Bestandteil des Regionalen Naturparks Périgord-Limousin.
Etymologie La Rochebeaucourt leitet sich ab vom Nordokzitanischen Ròcha (Wehrschloss, Festung) und dem Anwesen bzw. Hof (cort, cour) des Bodo (Beu, Beau). Der Ortsteil Argentine geht aus dem Okzitanischen Argentina hervor mit der Bedeutung Silbermine. Eine weit bodenständigere Hypothese leitet Rochebeaucourt vom Lateinischen rupes boves curtis ab, d. h. der Fels, an dem der Stier kastriert wird (erwähnt in einem kirchlichen Register des 13. Jahrhunderts).
Geographie mini|300px|Lagekarte von La Rochebeaucourt-et-Argentine
Die Gemeinde La Rochebeaucourt-et-Argentine liegt im Périgord, 25 Kilometer südöstlich von Angoulême und 25 Kilometer nordwestlich von Brantôme (Luftlinie). Sie wird von folgenden Nachbargemeinden umgeben:
Die Gemeinde ist Grenzgemeinde zum Département Charente.
Neben dem Ortskern von La Rochebeaucourt besteht die Gemeinde aus folgenden Geländepunkten, Weilern, Gehöften, Schlössern und einer Mühle:
Argentine, Baix, Beauvais, Bonneuil, Boudoire, Bourdeillas, Chez Favier, Chez Lambaud, Combe Chabot, Combe Fadasse, Fitout, Fontaine de Boudoire, La Bouquerie, La Forêt, Lagland, Lasteyrie (Schloss), Le Chatenet, Le Coderc, Le Cros, Le Moulin de Ménieux, Le Noble, Le Petit Noble, Les Brousses, Les Broussettes, Les Fieux (Schloss), Les Grandes Métairies, Les Grandes Terres, Les Gros Chênes, Les Martres, Les Plaines, Les Pouillottes, Les Raysses, Les Renaudières, Lutardias, Manoulie, Ménichoux, Nadaillac, Péricaud, Seguignas und Trambouille.
Der topographisch tiefstgelegene Punkt mit 85 Metern über dem Meer liegt im äußersten Westen bei Nadaillac an der Nizonne, die hier das Gemeindegebiet verlässt. Der höchste Punkt erreicht 183 Meter an der Südgrenze zu Gout-Rossignol (südlich vom Weiler Le Coderc). Die maximale Höhendifferenz beträgt somit 98 Meter.
Verkehrsanbindung mini|300px|Alter Grenzstein von 1844 an der D 939 auf der Brücke über die Nizonne – Grenze zwischen den Départements Charente und Dordogne
La Rochebeaucourt liegt an der Hauptverkehrsstraße D 939 von Angoulême nach Périgueux, die hier die Nizonne überquert. Ferner gehen vom Ortskern folgende Straßen aus: die D 87 in Nordrichtung nach Rougnac die D 12 in Südrichtung nach Gout-Rossignol und weiter nach Verteillac und Ribérac die D 5 in Westrichtung nach Villebois-Lavalette. Kommunalstraßen führen vom Ortskern nach Sainte-Croix-de-Mareuil und nach Fontaine. Von Argentine aus folgt eine Kommunalstraße dem linken Nizonneufer und verbindet mit Blanzaguet sowie mit Champagne. Eine auffallend geradlinige Wegetrasse verlässt La Rochebeaucourt nach Südost in Richtung Mareuil. Diese voie féodale wurde im Mittelalter angelegt; wegen ihrer Geradlinigkeit wird sie fälschlicherweise oft auch als voie romaine (Römerstraße) bezeichnet.
Zwischen 1850 und 1950 besaß die Gemeinde auch einen eigenen Bahnhof auf der rechten Nizonneseite im Gemeindegebiet von Édon. Die Bahnstrecke Magnac-Touvre–Marmande ermöglichte eine Verbindung über Rougnac nach Angoulême sowie nach Süden über Ribérac nach Périgueux und weiter nach Marmande.
Auf dem Kalkplateau von Argentine besteht ein privates Flugfeld.
Fernwanderweg Durch Argentine und La Rochebeaucourt verläuft der aus Süden (von Mareuil) kommende Fernwanderweg GR 36, der dann über Villebois-Lavalette weiter nach Angoulême zieht.
Bodenbedeckung mini|300px|Bodenbedeckung in La Rochebeaucourt-et-Argentine
Die Bodenbedeckung der Gemeinde La Rochebeaucourt-et-Argentine schlüsselt sich im Jahr 2018 gemäß der europäischen Datenbank CORINE Land Cover (CLC) wie folgt auf:
Wälder – 41,8 % heterogene landwirtschaftliche Nutzung – 14,7 % Wiesen – 10,3 % Buschwerk und/oder Grasland – 7,0 % Ackerland – 25,8 % Steinbrüche usw. – 0,5 %.
Die landwirtschaftliche Nutzung steht im Vordergrund, sie ist für die rein landwirtschaftliche Nutzung (bestehend aus heterogener Landwirtschaft inklusive Wiesen und Ackerland) von 51,0 % im Jahr 1990 auf 50,8 % im Jahr 2018 minimal zurückgegangen.
Klima La Rochebeaucourt-et-Argentine besitzt ein abgeschwächtes ozeanisches Klima, das sich durch folgende Parameter auszeichnet:
Klimaparameter im Zeitraum 1971–2000
Jahresmittel: 12,4 °C Anzahl der Tage unter −5 °C: 3,4 Anzahl der Tage oberhalb 30 °C: 8,3 Maximum im Tages-Temperaturunterschied: 14,7 °C Jahresniederschlag: 934 mm Niederschlagstage im Januar: 12,1 Niederschlagstage im Juli: 7,0
Durch den Klimawandel zeichnen sich Erhöhungen im Jahresmittel ab, die sich bereits auch bemerkbar machen. So ist beispielsweise an der 58 Kilometer entfernten Wetterstation in Châteaubernard das langjährige Jahresmittel von 12,9 °C für 1971–2000 über 13,3 °C für 1981–2010 auf 13,8 °C für 1991–2020 angestiegen – ein Zuwachs um 0,9 °C innerhalb von 20 Jahren.
Hydrographie mini|300px|Hydrographische Karte von La Rochebeaucourt-et-Argentine
Das Gemeindegebiet von La Rochebeaucourt-et-Argentine wird im Nordosten und Nordwesten von der Nizonne umflossen, die gen Südwest in Richtung Dronne entwässert. Der Ortskern von La Rochebeaucourt liegt unmittelbar am Fluss. Ein beim Weiler Le Coderc entstehendes Trockental zieht nach Nordwest und mündet linksseitig kurz vor Les Fieux in die Nizonne. Es enthält unterhalb von Boudoire eine Quelle, die Fontaine de Boudoire. Zwischen La Rochebeaucourt und Argentine verläuft ein weiteres, nur zeitweilig Wasser führendes Trockental; es folgt ebenfalls der Nordwestrichtung und mündet südlich vom Ortskern linksseitig in die Nizonne.
Die Nizonne, die kurz vor Verlassen des Gemeindegebietes in Lizonne umbenannt wird, bildet Teil des Flusssystems Isle-Dronne.
Die Gesamtlänge des Entwässerungsnetzes beträgt 14,5 Kilometer.
Geologie mini|hochkant=1.6|Geologische Karte von La Rochebeaucourt-et-Argentine
Das Gemeindegebiet von La Rochebeaucourt-et-Argentine liegt in seiner Gesamtheit auf flachliegenden Sedimenten des nördlichen Aquitanischen Beckens.
Älteste aufgeschlossene Formation ist das Ligérien (Formation c3a). Seine knolligen bis plattigen Kreidekalke bilden die Umrahmung des Trockentals südlich des Ortskerns. Darüber folgt das aus Rudistenkalken bestehende Angoumien mit der stellenweise wandbildenden Angoulême-Formation (Formation c3b) und dem Oberturon (Formation c3c). Das Angoumien unterlagert und umrahmt das südliche Trockental und zieht weiter nach Norden und Nordwesten bis zur Ortsmitte. Darüber legen sich die harten Fossilkalke des Coniaciums (Formation c4). Sie bauen den Untergrund fast des gesamten südwestlichen Gemeindegebietes auf; auch bei Beauchaud im Nordosten sind sie aufgeschlossen, werden aber hier von der Nordwest streichenden Mareuil-Störung jäh abgeschnitten. Nordöstlich dieser Störung steht dann Santonium an – in der Hauptsache Mergelkalke reich an Austern, Glaukonit-führende Silte sowie Sande des Mittel- und Obersantons (Formation c5b-c). Stellenweise treten auch noch die graugrünen, glaukonithaltigen Plattenkalke des Untersantons auf (Formation c5a).
An der Nordostecke werden die Oberkreideschichten von pleistozänem Kolluvium bedeckt, welches aus den Sanden des Santons hervorgegangen ist (Formation ACC). Die beiden Trockentäler werden von würmzeitlichen Hangschutt verfüllt (Formation GP). Das Nizonnetal wird von holozänen Ablagerungen ausgekleidet (Formation K), welche vorwiegend fluviatilen Ursprungs sind, teils aber auch Komponenten der Hanglagen enthalten können. Ferner finden sich an drei Stellen entlang der Nizonne Riß-zeitliche Niederterrassen (Formation Fwb) – westlich von Les Fieux, bei Nadaillac und an der Südwestecke des Gemeindegebietes. Diese bestehen aus Geröllen, Schottern und Kiesen in einer sandig-tonigen Matrix und werden von Braunerden abgedeckt.
Das Gemeindegebiet von La Rochebeaucourt-et-Argentine situiert sich am Nordwestende der Nordwest-Südost-streichenden Mareuil-Antiklinale. Es nimmt folglich im Vergleich zu seiner Umgebung eine tektonisch bedingte Hochlage ein. Die Mareuil-Störung hat den Südwestabschnitt hier bis nahezu 70 Meter hochgedrückt, so trifft beispielsweise bei Beauchaud Mittelsantonium im Nordosten auf Oberes Angoumien im Südwesten. Mit der Antiklinale sind zwei weitere Störungen assoziiert; sie streichen nahezu Nordnordwest und queren das Nizonnetal bei Les Fieux. Das Gelände zwischen den beiden parallel verlaufenden Störungen ist hier leicht grabenartig abgesenkt. An der Fontaine de Boudoire quert eine kleinere Störung in Ostnordost-Richtung, wobei die Nordseite leicht angehoben ist.
Das Untere Angoumien (Angoulême-Formation) wurde einst intensiv als Baustein abgebaut. Sehr viele Steinbrüche konzentrieren sich auf das südliche Trockental bei Argentine. Die recht weichen Bausteine wurden hier aus der Wand herausgesägt. Die zurückgebliebenen, teils riesigen Öffnungen im Gesteinsverband werden jetzt oft zur Champignonzucht verwendet.
Ökologie Naturpark Die Gemeinde La Rochebeaucourt-et-Argentine bildet seit 1998 einen integralen Bestandteil des Regionalen Naturparks Périgord-Limousin.
Schutzgebiete mini|300px|Schutzgebiete des Typus 1 mini|300px|Schutzgebiete des Typus 2
Das Kalkplateau von Argentine steht wegen seiner endemischen, kalkliebenden Trockenflora unter Naturschutz. Es wird von flachliegenden Kalken des Angoumiens aufgebaut. Beachtenswert ist die Vielfalt der Orchideen.
Darüber hinaus finden sich Schutzgebiete (ZNIEFF – Französisch zone naturelle d'interêt écologique, faunistique et floristique) im Nizonne-Tal:
Schutzgebiete des Typus 1 Die Schutzgebiete des Typus 1 folgen nahezu dem gesamten Verlauf der Nizonne/Lizonne, bilden aber ein schmales Band, das nur im Süden des Ortskerns 300 Meter breit wird. Sie umfassen insgesamt etwas unter einem Quadratkilometer und werden als Marais alcalins de la vallée de la Nizonne (alkalische Sümpfe des Nizonne-Tals) bezeichnet. In ihnen leben 12 charakteristische Tierarten: Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale), Kreuzenzian-Ameisenbläuling (Phengaris rebeli), Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris teleius), Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis), Gekielter Flussfalke (Oxygastra curtisii), Großer Feuerfalter (Lycaena dispar), Stromtal-Wiesenvögelchen (Coenonympha oedippus), Französische Keiljungfer (Gomphus graslinii), Fischotter (Lutra lutra), Europäischer Laubfrosch (Hyla arborea), Marmormolch (Triturus marmoratus) und Europäischer Nerz (Mustela lutreola). Hinzu kommen die typischen 5 Pflanzenarten Schachblume (Fritillaria meleagris), Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe), Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum), Gewöhnliches Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia) und Verkannter Wasserschlauch (Utricularia australis).
Insgesamt treten jedoch noch 160 weitere Tierarten und 156 Pflanzenarten auf.
Weitere Schutzgebiete des Typus 1 erstrecken sich auch auf den alten Steinbruch bei Argentine (ausgewiesen als Ancienne carrière d'Argentine), auf die Kalkhanglagen südlich von La Rochebeaucourt und bei Argentine (als Coteaux calcaires de La Rochebeaucourt-et-Argentine), sowie auf ein kleines Gebiet an der Südwestgrenze zu Champagne-et-Fontaine (als Plaines céréalières diversifiées).
Schutzgebiete des Typus 2 Die Schutzgebiete des Typus 2 betreffen ebenfalls den Lauf der Nizonne/Lizonne (ausgewiesen als Vallées de la Nizonne, de la Tude et de la Dronne en Poitou-Charentes). Sie dehnen sich aber auch auf das Kalkplateau aus (als Plateau de la Rochebeaucourt et Argentine) sowie auf zwei weitere Gebiete an der südlichen Gemeindegrenze zu Champagne-et-Fontaine und zu Gout-Rossignol (bezeichnet als Plateaux céréaliers du Verteillacois).