Il Marescalco ist eine Komödie von Pietro Aretino in fünf Akten, die im Jahr 1533 abgefasst wurde.Il Marescalco wurde möglicherweise 1526 begonnen. Relativ gesichert ist jedoch, dass sie 1533 abgeschlossen wurde. Vgl. Douglas Radcliff-Umstead: The Birth of Modern Comedy in Renaissance Italy. University of Chicago Press, Chicago/London 1969, S. 166. Der Titel der Komödie bezieht sich auf den Protagonisten, einen Höfling am Hof von Mantua, der die Funktion des marescalco (d. h. Marschall) innehat.

Inhalt Zueignung Pietro Aretino widmet Il Marescalco Argentina Rangona, eigentlich Argentina Pallavicino, Gemahlin des Guido Rangone, eines Edelmannes aus Mantua. Die Zueignung hat einen ironischen Unterton. Aretino stellt sich vor, ein um die Keuschheit seiner Tochter besorgter Vater zu sein. Allerdings handelt es sich bei seiner Tochter um die Komödie Il Marescalco. Obwohl er seine Tochter in aller Bescheidenheit großgezogen habe, sei diese nun mit allen bekannt. Da er seine „Tochter“ nicht ins Kloster schicken könne, vertraue er sie der für ihre Tugendhaftigkeit bekannten Argentina an. Diese solle dafür sorgen, dass Aretinos „Tochter“ bei der Aufführung der Geschichte des Marescalco nicht die Grenzen des guten Geschmacks überschreite. Anschließend kommt Aretino auf den Protagonisten der Komödie zu sprechen. Dem Marescalco hätten sich die Augen geöffnet, wenn er sich doch mit Argentinas Gemahl Guido Rangone beraten hätte. Er hätte unverzüglich eine Frau geehelicht. Damit spielt Aretino auf die Weigerung des Marescalco an, eine ihm vom Fürsten zur Seite gestellte Frau zu heiraten und zugleich auch auf die Homophilie des Marescalco, (aus katholischer Sicht) eine Untugend, der durch das Licht der göttlichen Vernunft beizukommen sei. Am Ende preist Aretino seine Komödie als eine Frau, die allen anderen an Liebreiz übertreffe, so wie Madonna Argentina nicht allein alle großherzigen Frauen, sondern geradewegs alle Fürsten in den Schatten stelle.

Prolog

Aus dem von einem Komödianten vorgetragenen Prolog geht hervor, dass das Stück zu Ehren des Kardinals von Loreno (möglicherweise Jean de Lorraine-Guise) aufgeführt werden soll. Eine besondere Ehrung erfährt zudem Ippolito de’ Medici. Allerdings, so stellt sich später heraus, ist der Komödiant wie später in Giordano Brunos Candelaio in Wirklichkeit bloß Ersatz für eine andere Person, die den Prolog und die Zusammenfassung der Handlung hätte vortragen sollen, dies jedoch aus Angst vor Bestrafung nicht getan habe, zumal in der Komödie davon die Rede ist, dass der Herzog einem seiner Hofmänner einen Streich spielt.

Die Erwähnung des Streichs dient dem Komödianten als Vorwand, die Handlung der Komödie zusammenfassend wiederzugeben. Die Handlung sei Folgende: Da sich der Marschall des Herzogs von Mantua den Frauen andauernd verweigert habe, habe der Herzog ihm einen Streich gespielt. Der Streich habe darin bestanden, dass der Marschall in das als tugendhaft geltende Haus eines gewissen Grafen Nicola gezerrt und dort mit einem als Frau verkleideten jungen Mann verheiratet worden sei. Als der Marschall gemerkt habe, dass es sich bei der Braut in Wirklichkeit um einen Mann handelte, sei er höchst erfreut gewesen.

Anschließend erzählt der Komödiant zur Belustigung des Publikums einen Schwank, in dem er sämtliche Rollen spielt, wobei der Schwank die typische Handlung einer Komödie darstellen soll, in der die Rollen dementsprechend wiederum typisch für die Komödie der Zeit sein sollen. Zunächst versetzt der Komödiant sich in die Rolle des Apothekers bzw. des Pedanten, der dem Publikum in umständlichen, Petrarcas Dichtung entlehnten Worten die Handlung zusammenfasst. Daraufhin erzählt der Komödienschauspieler, dass er, wenn er eine Kupplerin wäre, zu einer Frau, deren Mann sich gerade nicht im Haus befinde, ginge und ihre Schönheit über den Klee lobte, um diese zu erweichen. Dem Lob soll die Nachricht folgen, dass ein Mann sich unsterblich in die Frau verliebt habe, dessen Liebesbrief der Komödiant in der Rolle der Kupplerin der Frau aushändigen würde. Doch sollte er als Kupplerin vom Ehemann ertappt werden, fände er unzählige Ausreden.

Nun übernimmt der Komödiant die Rolle der Frau, die von der Kupplerin angesprochen wurde. Als Frau beschimpfte er die Kupplerin (als eine zumindest dem Schein nach tugendhafte Frau) und jagte sie in die Flucht. Den Brief, den die Kupplerin ihr überreicht habe, zerrisse er und träte ihn mit Füßen. Wenn die Kupplerin fortgegangen sei, höbe er den Brief wieder auf und setzte ihn wieder zusammen. Daraufhin reizte und neckte er als Frau seinen Liebhaber vom Balkon aus in der Art und Weise, dass dieser ihm nicht widerstehen könne. Selbst wenn er (nach wie vor als Frau) von seinem Manne mit seinem Liebhaber erwischt würde, fände er in jeder Situation eine Ausrede.

Eine weitere Rolle, die er zu spielen gedenkt, ist die des rührseligen Geliebten der Frau, der für seine Liebe die schönsten Worte (aus Petrarcas Liebesdichtung) findet. Er ließe sich von einem Pagen begleiten, der ihm immer wieder die Samtschuhe sauber machte. Auf seiner Mütze sei ein Bilderrätsel abgebildet, welches bedeute, dass er der Liebhaber feiner Herzen sei. Auch den eifersüchtigen Ehemann möchte der Komödiant spielen, der seine Frau, selbst wenn sie zur Toilette geht, einschließt und sie nicht auf Feste und sonstige Vergnügungen gehen lässt. Weitere Personen, die der Komödiant in der prototypischen Komödie spielen möchte, die jedoch mit der vorgenannten Handlung nicht direkt im Zusammenhang stehen, d. h. quasi als Statisten fungieren, sind der Bramarbasierer, d. h. der eigentlich feige Heeresführer, der in Friedenszeiten seinen Mitmenschen durch sein martialisches Auftreten Angst einjagt; der Parasit, ein Schmeichler und Speichellecker, der sich diesem nach spätestens einer Woche unentbehrlich gemacht hat; und schließlich der Begleiter des Bramarbas, der sich wehmütig der guten alten Zeiten erinnert. Den Herrn jedoch könne er niemals glaubwürdig spielen, da er weder ausreichend Verstand noch genügend Umsicht für diese Rolle besitze. Allerdings formuliert der Komödiant diese Aussage einer Art und Weise, in der die Vorzüge und Tugenden des Fürsten auch als unerreichbare Dumm- und Plumpheit verstanden kann. Schließlich geht der Komödiant ab, da nun Giannicco – ein Dieb und Naschmaul, so der Komödiant – die Bühne betritt.

Erster Akt Giannicco erzählt seinem Herrn, dem Marescalco, der Fürst habe verfügt, er solle eine Frau heiraten, der Marescalco glaubt ihm aber nicht. Als Jacopo die Verfügung bestätigt, ist der Marescalco wenig erfreut. Jacopo berichtet Ambrogio von der mürrischen Reaktion des Marescalcos auf die Ehepläne. Beide verabreden sich im zum Haus des Grafen, wo die Hochzeit stattfinden soll. Giannicco erzählt auch der Amme des Marescalco von der mürrischen Reaktion seines Herrn. Als die Amme dem Marescalco begegnet, erzählt sie ihm von einem Traum, den sie auf den Marescalco bezieht. Der Marescalco hält die Heiratsidee weiterhin für einen schlechten Scherz des Fürsten. Die Amme versucht, ihm das Eheleben schmackhaft zu machen und zählt ihm die Freuden der Ehe auf, kann den Marescalco jedoch nicht überzeugen.

Giannicco kommt hinzu und wird vom Marescalco im Beisein der Amme wegen der Nachricht von der Hochzeit gezüchtigt. Im folgenden Monolog bereut der Marescalco, seinen Beruf als Ladenbesitzer aufgegeben zu haben, um an den Hof zu gehen. Er trifft den Pedanten, der ihn belehrt, dass der Marescalco wie alle Menschen von Gott geschaffen wurden, um sich zu vermehren. Giannicco unterbricht das Gespräch der beiden, weil die Pferde im Stall wild geworden sind, und der Marescalco geht ab, um sich um die Pferde zu kümmern. Giannicco und der Pedant unterhalten sich indessen über die Sprödigkeit des Marescalco. Giannicco verabredet sich mit dem Pedanten für einen späteren Zeitpunkt.

Zweiter Akt Giannicco trifft den Pagen des Marescalco. Dieser möchte jemandem einen Streich spielen. Giannicco empfiehlt ihm den Pedanten. Während Giannicco diesen in Schach hält, soll der Page an den Hintern des Pedanten Papier heften, das später angezündet werden soll. Giannicco unterhält sich daraufhin mit dem Pedanten. Der Page kann offenbar seinen Streich mit dem Pedanten durchführen. Als der Pedant den Streich bemerkt, möchte er diesen beim Fürsten anzeigen. Giannicco versucht den Pagen beim Pedanten zu entschuldigen. Der Pedant geht schließlich zum Unterricht, den er nun halten muss, während Giannicco den Stallknecht des Marescalco erblickt und sich davon macht. Der Stallknecht soll den Marescalco im Namen des Fürsten zwecks der Hochzeit abholen. Beide machen sich zum Fürsten auf. Giannicco und die Amme unterhalten sich indessen über die Hochzeit. Sie betreten das Haus der Amme, um sich dort mit dem Sohn der Amme zu treffen. Ambrogio und der Marescalco unterhalten sich indessen über die Hochzeit. Beide halten nicht viel von Frauen. Ambrogio deutet im Gespräch an, dass er von seiner Frau betrogen wird. Abgesehen davon scheint das Leben mit seiner Frau für ihn die Hölle auf Erden zu sein, ja, Frauen überhaupt scheinen ihm das Schlimmste auf der Welt zu sein. Im Gespräch erfahren die Zuschauer zudem, dass es sich bei dem Fürsten um den Herzog von Mantua handelt. Ambrogio geht ab. Der Marescalco begegnet daraufhin seiner Amme und Giannicco. Da der Marescalco weiterhin über die bevorstehende Hochzeit todunglücklich ist, schlägt ihm die Amme vor, mittels eines Zaubers den Fürsten davon abzuhalten, weiter an die Hochzeit zu denken. Ein Cavaliere und ein Conte unterhalten sich indessen über die ablehnende Haltung des Marescalco gegenüber der Hochzeit. Sie können nicht verstehen, warum der Marescalco die ihm auserlesene Frau nicht heiraten möchte. Offensichtlich ist alles, was sie sagen, ironisch gemeint bzw. doppeldeutig, da es sich bei der Hochzeit in Wirklichkeit um einen Streich handelt. Sie erblicken Giannicco und fragen diesen nach dem Marescalco. Giannicco erzählt den beiden vom Unmut des Marescalco und dass er dem Marescalco angesichts dessen Haltung vorgeschlagen habe, die ihm auserlesene Frau doch noch zu ehelichen, da diese junge Männer anziehen würde, mit denen sich der Marescalco vergnügen könne, während Giannicco sich an der Frau des Marescalco gütlich tun könne. Über diesen Vorschlag sei der Marescalco allerdings äußerst erbost gewesen. Giannicco geht ab. Indessen treffen der Conte und der Cavaliere auf den Marescalco. Sie sehen am Marescalco selbst, dass er über seine Situation unglücklich ist. Nachdem die beiden abgegangen sind, kommt die Amme, die dem Marescalco zuvor den Zauber versprochen hatte, aus ihrem Versteck hervor. Um den Zauber wirksam werden zu lassen, soll der Marescalco ein Kreuz auf der Erde ziehen, den Fürsten mit einem magischen Pulver bestreuen und diesem einen Zauberspruch ins Ohr flüstern. Der Marescalco kann sich den Zauberspruch jedoch nicht merken. Die Amme geht daraufhin ab. Statt ihrer kommt der Pedant des Wegs. Er kehrt vom Unterricht heim und ärgert sich über seine Schüler: Diese haben ihm einen Streich gespielt und ihm eine an seinen Hintern befestigte Papierschlange angezündet. Er weiß, dass der Page für diesen Streich verantwortlich ist.

Dritter Akt