Elstertrebnitz ist eine südwestlich von Leipzig und Pegau, westlich von Borna, nordöstlich von Zeitz und östlich von Weißenfels gelegene Gemeinde in Sachsen. Verwaltet wird die Gemeinde seit 2002 durch die Verwaltungsgemeinschaft Pegau. Elstertrebnitz ist geprägt durch seine agrarwirtschaftlich genutzten Flächen und seine Nähe zur Leipziger Seenlandschaft. Die an Sachsen-Anhalt grenzende Gemeinde zählt zu den längsten Straßendörfern des Freistaates. Die Geschichte des Ortes erstreckt sich über 950 Jahre.
Geographie Geographische Lage mini|links|Karte von Elstertrebnitz mini|Elstermühlgrabenmini|Vereinfachtes Tiefenprofil der Region in Ost-West-Ausdehnung Die Gemeinde Elstertrebnitz liegt im Süden der Leipziger Tieflandsbucht ca. 15 km nordöstlich von Zeitz und ca. 30 km südwestlich von Leipzig im Dreiländereck (Sachsen–Sachsen-Anhalt–Thüringen) und grenzt direkt an die Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Östlich der Gemeinde befindet sich das neuerschlossene Leipziger Neuseenland, wogegen im Nordwesten der Tagebau Profen das Dorf begrenzt. Die B 2 sowie die Bahnstrecke Leipzig–Zeitz führen durch Elstertrebnitz. Im Süd-Osten fließt die Weiße Elster durch ehemalige Auenlandschaft, die durch ausgedehnte Landwirtschafts- und Waldflächen gekennzeichnet ist. Noch vor der sächsischen Landesgrenze abzweigend, nimmt der Profener Elstermühlgraben seinen Lauf durch die einzelnen Ortsteile der Gemeinde.
Der Elstermühlgraben trieb die Mühlen von Elstertrebnitz bis Großzschocher teilweise bis ins 20. Jahrhundert an. Heute sind nur noch wenige Mühlen in Betrieb. Vor allem der Dorfbevölkerung diente der Mühlgraben als Badegelegenheit und als Wasserquelle für das gebrauchte Waschwasser. Das Pegauer Bad, das direkt neben dem Elstermühlgraben liegt, reinigte und nutzte das Wasser für seine Anlage. Aber auch als „Transportweg“ für die verschiedensten Zwecke wurde der Mühlgraben genutzt. So zum Beispiel mündete der alte Floßgraben, der in früherer Zeit Holz aus dem Vogtland und im 20. Jahrhundert die Abwässer des nahen Tagebaus Profen transportierte, in die künstliche Elsterabzweigung. Das Trinkwasser für die Ortsbevölkerung wurde deshalb nicht aus dem Mühlgraben entnommen, sondern vor allem aus den örtlichen (und privaten) Brunnen geschöpft. Noch zu DDR-Zeiten wurden die Abwässer der Haushalte (geklärt und ungeklärt) in den Elstermühlgraben eingeleitet. Nach der politischen Wende 1989 bekam Elstertrebnitz ein modernes Abwassersystem und die Turbinen einiger Mühlen wurden zur Stromgewinnung genutzt.
Geologie Während des Karbon-Perm befand sich im Gebiet um Elstertrebnitz eine Felslandschaft aus Grauwacke mit aus Schieferuntergrund bestehenden Niederungen. Durch Meeresüberflutungen entstanden aus Ablagerungen Algenriffe (bis ca. 40 m Höhe) und in den Niederungen Sedimente aus Gips, Anhydriten und Salzen, der so genannte Zechstein. Über den Schichten lagerten sich Buntsandstein und Sedimente des Tertiärs ab. Im Tertiär war das ganze Gebiet mit Braunkohlenmooren bedeckt, dabei laugten die Sedimente des Zechsteinmeeres aus. Durch das Senken des Moores, das verstärkte Torfbildung zur Folge hatte, konnte sich im Gebiet des heutigen Tagebau Profen ein mächtiger Braunkohleunterflöz (50 m dick) bilden. Ebenfalls eingebettet in die Sedimente des Tertiärs ist ein knapp 10 bis 20 m dicker Braunkohleflöz (Oberflöz), der sich über weite Gebiete der Leipziger Tieflandsbucht erstreckt. Während der Eiszeit bis in die neuere Zeit lagerten sich Kies und Sedimente ab, welche die heutige Landschaft gestalteten. mini|Ortseingang Elstertrebnitz aus Richtung Profen
Das Gemeindegebiet Elstertrebnitz liegt am westlichen Flusslauf der Weißen Elster, die sich in die Schichten der eiszeitlichen Ablagerungen durch ein Hin- und Herpendeln eingeschnitten hat. Die Talsohle der Weißen Elster liegt bei Elstertrebnitz in einer durchschnittlichen Höhe von 130 m über N.N. Die sieben Ortsteile von Elstertrebnitz liegen überwiegend 5 m höher auf einer Terrasse. Diese Terrasse wurde bei der zweiten Eiszeit aufgeschottert und später mit weiteren Ablagerungen bedeckt. Während der dritten Eiszeit wurden darüber fruchtbares Löss und Feuchtschwarzerde abgelagert. Zum Osten hin läuft die Elsterterrasse auf einen 10 bis 15 m hohen Abhang hin, der durch Glimmersand aus dem Oligozän, präglazialem Elsterkies und Geschiebelehm besteht. Der gelb- bis rötlichbraune Auelehm der Elsteraue stammt aus den alljährlichen Überschwemmungssedimenten und bildet Schichten zwischen 1,70 und 4,50 m Dicke.Kulturhistorische Wanderungen durch die Elsteraue. In: Heimatgeschichtliche Blätter des Kreises Borna, hrsg. von Rat des Kreises, Abteilung Kultur und Kulturbund der DDR, Kreisvorstand Borna der Gesellschaft für Heimatgeschichte; Heft 2, 1989 Auf diesem fruchtbaren Auenboden gedieh die Landschaft bis Ende des 19. Jahrhunderts zu einem ausgeprägten Auenwald mit vielen Eichen. Um die alljährlichen Überschwemmungen der Auelandschaft und somit der angrenzenden Dörfer zu verhindern, wurde in den 1930er-Jahren die Elster begradigt. Erst der Bau von Talsperren am Oberlauf der Elster konnte das Problem beheben.
Nachbargemeinden An die Gemeinde Elstertrebnitz grenzen die Stadt Pegau im Norden, die Stadt Groitzsch im Nordosten, die Gemeinde Elsteraue im Süden und die Gemeinde Hohenmölsen im Westen. Die Gemeinden Elstertrebnitz und Hohenmölsen werden durch den Tagebau Profen geografisch getrennt.
Ortsgliederung und Flächennutzung Die Gemeinde Elstertrebnitz gliedert sich in sieben Ortsteile. Im Folgenden sind diese in der geographischen Abfolge von Nord nach Süd genannt: mini|Verteilung der Gemeindefläche nach ihrer Nutzung (2005) Eulau (Ortsteil B) Elstertrebnitz (Ortsteil A) Tannewitz (Ortsteil C) Trautzschen (Ortsteil D) Greitschütz (Ortsteil E) Costewitz (Ortsteil F) Oderwitz (Ortsteil G)
Elstertrebnitz hat eine Fläche von 1166 ha, davon werden 612 ha (52,5 %) landwirtschaftlich genutzt. 388 ha, also ein Drittel der Gemeindefläche wird als Abbauland bezeichnet, dazu gehört Gelände, das beispielsweise zur Braunkohlegewinnung dient(e). Wasser- und Waldflächen sind mit 74 ha (1,1 % und 5,2 %) angegeben. Weitere 86 ha (7,4 %) werden zur Kategorie Siedlung und Verkehr geordnet. Die Nutzung der Siedlungs- und Verkehrsfläche unterteilt sich in 48 ha (4,1 %) Gebäude- und Freiflächen und 2 ha (0,2 %) Erholungsflächen. Die Friedhöfe beanspruchen in Elstertrebnitz eine Fläche von 1 ha (0,1 %). Zu der Verkehrsfläche von 36 ha (3,1 %) zählen Straßen und Wege, die allein schon eine Fläche von 27 ha ausmachen. Das Elstertrebnitzer Siedlungsgebiet befindet sich hauptsächlich entlang des Elstermühlgrabens; westlich der Bahn und östlich der B2 befinden sich keine bebauten Flächen.
Klima Das Klima von Elstertrebnitz wird vor allem von gemäßigten Wetterlagen beeinflusst. Im Jahr 2006 verteilten sich die Hauptwindrichtungen auf NO und SW, bei durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten von ca. 3 km/h. Die maximalen Windgeschwindigkeiten lagen zwischen 10 und 50 km/h. Die Nähe zum Harz und zum Erzgebirge bestimmen die Niederschlagsmenge vor allem aus südlicher und westlicher Windrichtung. Die Temperaturen liegen zwischen 35 °C (im Juli) und −12 °C (im Januar). Mit 1000 W/m² liegt die Sonneneinstrahlung im nationalen Vergleich ziemlich hoch, dieser Spitzenwert wird von April bis Juli erreicht.
Geschichte Besiedlung in der Ur- und Frühgeschichte Die älteste Besiedlung auf dem heutigen Gemeindegebiet stammt aus der bandkeramischen Kultur. Eine Abfallgrube und weitere Siedlungsreste wurden bei der Ausgrabung eines schnurkeramischen Gräberfeldes dokumentiert, das 1936 beim Bau des Sportplatzes im Ortsteil Trautzschen angeschnitten und teilweise zerstört wurde. Ein Hockergrab enthielt ein weibliches Skelett und zwei schnurkeramische Gefäße (1800–750 v. Chr.). Nach der Ausgrabung gelangte es an das Grassimuseum in Leipzig. Insgesamt konnten 50 Gräber nachgewiesen werden. Außerdem wurden 15 Gefäße aus der Eisenzeit (750 v. Chr.) gefunden, jedoch durch Unkenntnis zerstört.
Eine im Ortsteil Greitschütz gefundene Prunkaxt aus schnurkeramischer Zeit (rund 2500 v. Chr.) wird im Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden aufbewahrt und soll wohl in Zukunft im Haus der Archäologie und Geschichte Sachsens in Chemnitz zu sehen sein.
Der germanische Volksstamm der Hermunduren siedelte sich hier in den ersten Jahrhunderten nach Christus an. Aus der Zeit um 500 n. Chr. stammt der gefundene Brakteat, der sich heute im Statens historiska museum in Stockholm befindet.M. Axboe / U. Clavadetscher / K. Düwel / K. Hauck / L. v. Padberg: Die Goldbrakteaten der Völkerwanderungszeit. Ikonographischer Katalog. München: Fink 1985–1989 Im Zuge der Völkerwanderung verließen die Menschen zum überwiegenden Teil ihre Siedlungsgebiete, in die vom Ende des 6. Jahrhunderts an slawische Gruppen einwanderten und sich in kleinen weilerartigen Siedlungen niederließen. Die sich zum Stamm der Sorben zusammengeschlossenen Slawen wurden spätestens in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts unter König Heinrich I. (um 920) und dessen Sohn Otto in das ostfränkisch-deutsche Reich eingegliedert.
Entstehung der Dörfer im Zuge des Landesausbaus mini|1774 erbautes Fachwerkhaus im Ortsteil Eulau mini|Dorfplatzbrunnen im Ortsteil Trautzschen mit originalem Mühlstein
Die Oberdörfer von Elstertrebnitz tragen fast alle slawische Namen. Sie wurden vermutlich gemeinsam von slawischen und aus den fränkischen, sächsischen und thüringischen Altsiedelgebieten westlich der Saale und Elbe zugewanderten Bauern angelegt, die unter anderem durch Graf Wiprecht von Groitzsch in der Zeit um 1100 und im frühen 12. Jh. in das Gebiet an Elster und Pleiße angeworben wurden. Das Gebiet lag im Einzugsbereich des Klosters Pegau. Dessen Mönche ließen unter anderem den heutigen Elstermühlgraben anlegen, der die Grundlage für die Mühlen des Ortes bildete. Das Tympanonreliefvgl. hierzu Die Ephorie Borna; Erscheinungsort: Leipzig; Erscheinungsjahr: 1903; Signatur: Hist.Sax.L.48.b-3 und Die Inspectionen: Borna und Pegau; Erscheinungsort: Dresden; Erscheinungsjahr: 1841 vom Ende des 12. Jahrhunderts ist wahrscheinlich „eines der frühesten künstlerischen Zeugnisse in Sachsen“.Pro Leipzig eV (Hrsg.): Im Elsterland zwischen Zwenkau, Groitzsch und Pegau. In Zusammenarbeit mit den Städten Zwenkau, Groitzsch und Pegau hrsg. v. Pro Leipzig e. V., Leipzig 2002 Das Relief, vormals aus der Elstertrebnitzer St.-Martins-Kirche, befindet sich heute im Museum der Albrechtsburg (Meißen), eine Kopie ist im Museum Pegau zu sehen.
Urkundliche Erstnennungen Es könnte möglich sein, dass Eulau im Jahre 1268 in einer im Urkundenbuch des Hochstiftes Merseburg abgedruckten Urkunde des Markgrafen Dietrich von Landsberg erstmals als Ylowe genannt wird. Dort wird er jedoch mit Ihlewitz bei Gerbstedt in Zusammenhang gebracht.P. Kehr (Bearb.): Urkundenbuch des Hochstifts Merseburg, 1. Teil (962–1357), Halle, 1899 (= Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete, 36), S. 273. Der Ortsname stammt wahrscheinlich von ilow (il für „Lehm“, „Ton“) ab und änderte sich seit 1482 von Ylo über Ilaw und Eylaw zu Eulau.
Elstertrebnitz, als ältester der sieben Ortsteile, wurde 1039 erstmals in den schriftlichen Quellen erwähnt. Die altwendische Bezeichnung Trjêbnica bedeutet Ort der Rodung; Elster oder auch Alster kann von fließen kommen. Seit 1290 als Trebnitz bezeichnet, änderte sich der Ortsname über Trebicz (1468), Trebenitz (1548) und Elster Trebenitz (1590) zum heutigen Elstertrebnitz.
Tannewitz wurde im Jahre 1350 im Lehnbuch von Friedrich dem Strengen als Tannewicz erwähnt und soll seinen Namen von der Sippe der Tannova erhalten haben.Hey, Die slawischen Siedlungen im Königreich Sachsen. 1893
Im Jahre 1209 fand Trautzschen im Codex diplomaticus Saxoniae erstmalige Erwähnung. Als älteste „Urkunde“ des Ortes gilt ein Ölgemälde, das den Kirchenpatron Heinrich Puster als Gerichtsherrn darstellt. Auf diesem Bild befindet sich der Schriftzug: