Direktvermarktung erneuerbarer Energien ist eine in Deutschland seit 2012 geförderte Form der Vermarktung erneuerbarer Energien. Die Energieerzeuger vermarkten den erzeugten Strom selbst im Stromhandel, statt ihn gegen eine feste Einspeisevergütung an den lokalen Netzbetreiber zu liefern. Eine positive Differenz zwischen dem in einer Ausschreibung ermittelten anzulegenden Wert und erzielbaren Markterlösen wird über eine Marktprämie ausgeglichen.

Im Wesentlichen verdient der Betreiber somit in jedem Monat das Maximum von erzielbaren Markterlösen und dem über die Ausschreibung ermittelten, garantierten anzulegenden Wert. Kleinere Risiken aus der Vermarktung verbleiben jedoch beim Betreiber.

Die Marktprämie wird dem Betreiber ausgezahlt. Die Kosten für diese Subvention wurden ursprünglich über die EEG-Umlage auf den Endverbraucher umgelegt. Seit dem 1. Juli 2022 belasten diese Kosten den Staatshaushalt. Eine Prognose ihrer Höhe für das Folgejahr wird jährlich auf Netztransparenz.de veröffentlicht. Die prognostizierte Höhe für das Jahr 2025 beträgt ca. 17 Mrd. €.

Ermittlung der Vergütung Seit dem EEG 2017 werden Bauprojekte für erneuerbare Energien mehrmals im Jahr in einer Auktion der Bundesnetzagentur ausgeschrieben. Gebote müssen sich auf einen bestimmten anzulegenden Wert in Cent pro Kilowattstunde (Gebotswert) für den in den Anlagen erzeugten Strom und auf eine in Kilowatt anzugebende Anlagenleistung (Gebotsmenge) beziehen.

Die Gebote mit den niedrigsten Gebotswerten erhalten einen Zuschlag, bis das ausgeschriebene Volumen des jeweiligen Gebotstermins erreicht ist. Das Ausschreibungsverfahren ist Pay-as-Bid, d. h. bezuschlagte Anlagen erhalten den von ihnen gebotenen anzulegenden Wert.

Die Anlagenbauer vermarkten dann den erzeugten Strom selbst auf den Energiemärkten. Zusätzlich zu den dort erzielten Erlösen erhalten sie eine Marktprämie. Diese entspricht der Differenz zwischen dem anzulegenden Wert und dem geeignet ermittelten Marktwert in ct/kWh der jeweiligen Erzeugungsart für den jeweiligen Monat und wird nur ausgezahlt, wenn diese Differenz positiv ist. Liegt also der Marktwert über dem anzulegenden Wert, so verbleiben die höheren Markterlöse beim Betreiber.

Die in die Rechnung eingehenden Marktwerte werden monatlich auf Netztransparenz.de veröffentlicht. Der Marktwert ist der Preis in ct/kWh, den das durchschnittliche Einspeiseprofil der jeweiligen Erzeugungsart (Einspeisung aller Windanlagen an Land, aller Windanlagen auf See …) im jeweiligen Monat am Spotmarkt erzielt hätte.

Chancen und Risiken aus dem Marktprämienmodell Gegenüber einer Vermarktung zum Garantiepreis sind mit der Vermarktung nach dem Marktprämienmodell große Chancen verbunden. Dies zeigte sich besonders bei dem massiven Anstieg der Strompreise beginnend 2021 im Zuge des Ukrainekrieges. Die Betreiber erzielten Marktpreise, die weit über jeder Garantiepreisvergütung lagen.

Das Marktprämienmodell birgt aber auch Risiken für die Betreiber, insbesondere wenn der Marktwert des eigenen Einspeiseprofils geringer ist als der Marktwert einer durchschnittlichen Erzeugungsanlage derselben Art:

mini|500px|Direktvermarktung nach dem EEG 2012Ein Anlagenbetreiber bekommt für seinen Strom eine höhere Vergütung als die EEG-Vergütung, wenn er für seinen Strom im Stromhandel einen höheren Preis erzielt als die durchschnittliche Wind- bzw. PV-Anlage. Ein Anlagenbetreiber bekommt für seinen Strom eine niedrigere Vergütung als die EEG-Vergütung, wenn er für seinen Strom im Stromhandel einen niedrigeren Preis erzielt als die durchschnittliche Wind- bzw. PV-Anlage. Das eigentliche Risiko für den Erzeuger besteht jedoch nicht in dem geringen Marktwert-Unterschied zwischen eigenem Profil und durchschnittlichen Profil und den Prognoserisiken, die sich in der Vermarktung manifestieren, sondern im Windaufkommen und der Sonneneinstrahlung. Dieses Risiko besteht auch bei Fixpreisvergütung und es ist nicht unerheblich. mini|500x500px|Volllaststunden Wind und Solar von 1990 bis 2022

Erreichte Volllaststunden Die Stromausbeute pro MW installierte Leistung (sogenannte Volllaststunden) kann in aufeinanderfolgenden Jahren für Solaranlagen bis zu 50 % steigen oder sinken. Für die deutsche Solareinspeisung wurden in den Jahren 1990 bis 2022 durchschnittliche Volllaststunden von 333 bis 982 Volllaststunden erreicht. Für den deutschen Windpark an Land insgesamt wurden in den Jahren 1990 bis 2022 durchschnittliche Volllaststunden zwischen 1.931 und nur 962 erreicht. In aufeinanderfolgenden Jahren konnte die Erzeugung pro MW installierte Leistung dabei trotz unterjähriger Installation neuerer und besserer Anlagen wegen geringerem Windaufkommen bis zu 20 % sinken.

Entspricht das Windaufkommen oder die Sonneneinstrahlung des gewählten Standorts über mehrere Jahre nicht den Prognosen und Erwartungen, wird der Erzeuger Probleme haben, seine Investition zu amortisieren.

Marktwert erneuerbarer Energien Als Förderung erhält eine erneuerbare Anlage den anzulegenden Wert (Fixpreis) abzüglich dem Marktwert des zugehörigen Referenzprofils. Diese Marktwerte werden monatlich durch die Übertragungsnetzbetreiber auf ihrer gemeinsamen Plattform Netztransparenz veröffentlicht. Dort finden sich die folgenden Marktwerte:

monatlicher Marktwert Wind an Land monatlicher Marktwert Wind auf See monatlicher Marktwert Solar Jahreswert Wind an Land Jahreswert Wind auf See Jahreswert Solar

Berechnung:

Der Marktpreis Wind an Land entspricht dem Preis pro erzeugter Kilowattstunde, den das gesamte Einspeiseprofil sämtlicher Windenergieanlagen an Land im jeweiligen Monat erzielt hätte. Er berechnet sich somit wie folgt:

mit +die in der jeweiligen Stunde i von allen Windanlagen eingespeiste Menge in kWhder in der jeweiligen Stunde i geltende Spotpreis in ct/kWhmder Monat, für den der Marktwert berechnet wird Für Windanlagen auf See und Solaranlagen berechnen sich die Werte entsprechend. Als stündliche Einspeisemengen sind dann die Einspeisung aller Windanlagen auf See bzw. aller Solaranlagen zu setzen.

Die Jahresmarktwerte berechnen sich, indem in obiger Formel in Zähler und Nenner statt über alle Stunden eines Monats über alle Stunden eines Jahres summiert wird. mini|420x420px|Jahresmarktwerte erneuerbare Energien von 2020-2023 im Vergleich zum durchschnittlichen Spotpreis (base), Quelle: Netztransparenz.de Einfluss des allgemeinen Preisniveaus:

Die Marktwerte von Wind- und Solareinspeisung spiegeln offensichtlich das allgemeine Preisniveau auf den Stromhandelsmärkten wider. Hier gab es in den Jahren 2021 und 2022 extreme Preisanstiege, die sich auch in den Jahresmarktwerten für erneuerbare Energien widerspiegeln. Erneuerbare Einspeiser konnten im Jahr 2022 die sieben- bis neunfachen Erlöse von 2020 am Markt erzielen.

Auch die Entwicklung der monatlichen Marktwerte spiegelt zunächst einmal die extreme Steigerung der Marktpreise wider (hier auf logarithmierter Skala):

zentriert|700x700px|alternativtext=Marktwerte erneuerbarer Energien nach Netztransparenz.de, hier wegen der extremen Preissteigerungen auf logarithmierter Skala|Marktwerte erneuerbarer Energien im Vergleich zum durchschnittlichen Spotpreis (base) nach Netztransparenz.de, hier wegen der extremen Preissteigerungen auf logarithmierter Skala Wertunterschiede zwischen den Profilen:

Neben dem dominierenden Effekt des allgemeinen Preisniveaus zeigen sich jedoch auch Unterschiede zwischen den Profilen:

Die Einspeisung von Wind- und Solaranlagen erzielt im monatlichen und jährlichen Mittel fast durchgängig einen Marktwert, der niedriger ist als der zum Vergleich mitausgewiesene mittlere Spotpreis (Basepreis). Der durchschnittliche Spotpreis ist der Marktwert, den ein Grundlastkraftwerk erzielen würde, das in jeder Stunde bandförmig dieselbe Leistung einspeist.

Dies zeigen die seit 2020 vorliegenden Jahresmarktwerte wie auch mit seltenen Abweichungen die monatlichen Marktwerte für Wind an Land, Wind auf See und Solar. Das Profil „Wind auf See“ erzielt weiterhin durchgängig einen besseren Preis als das Profil „Wind an Land“.

Neben dem absoluten Marktwert ist es sinnvoll, einen sogenannter Marktwertfaktor (d. h. den relativen Marktwert / Basepreis) zu betrachten. Das allgemeine Preisniveau wird herausgekürzt und Wertunterschiede zwischen den Profilen werden deutlicher sichtbar. Die Marktwertfaktoren sehen für die 2017 bis 2023 wie folgt aus:

mini|zentriert|700x700px|Marktwertfaktoren Wind und Solar für die Jahre 2017-2023, Daten Netztransparenz.de Wieder zeigt sich, dass die Windeinspeisung auf See höhere Preise erzielt als die Windeinspeisung an Land und auch weniger anfällig für Preisausschläge nach unten ist. Die Solareinspeisung erzielt im Winter teils deutlich überdurchschnittliche Preise (über Base), allerdings liegen diesen hohen Preisen nur geringe Mengen zu Grunde. Im Sommer, wo die Solareinspeisung hoch ist, bleiben die Preise unter Base.

Trends der Marktwertentwicklung: mini|Entwicklung von Marktwerten erneuerbarer Energien in den einzelnen Monaten 2017 - 2023, Daten Netztransparenz.de Die Einspeisung erneuerbarer Energien ist hochkorreliert. Bei weiterem Ausbau von Solar- und Windenergie in Deutschland werden im Wesentlichen dieselben Profile hochskaliert. So ist die Windenergieeinspeisung ganz Deutschlands ähnlich volatil wie die Einspeisung eines einzigen norddeutschen Standorts. Dies kann zu dem sogenannten Kannibalisierungseffekt führen: Weht viel Wind, ist der Strom billig, weht der Wind nicht, bleibt er sehr teuer. Die erneuerbare Einspeisung zerstört sich auf diese Weise mit wachsendem Zubau selbst den Preis.

Kannibalisierungseffekte würden erwarten lassen, dass die Marktwertfaktoren mit steigendem Zubau erneuerbarer Energien einen sinkenden Trend zeigen.

Aus der obigen Auswertung der Marktwertfaktoren lässt sich nicht direkt ein Trend ableiten. Im Jahresverlauf wirken jahreszeitliche Schwankungen viel stärker auf den Marktwert als langfristige Trends. Trends werden eher sichtbar, wenn z. B. die Entwicklung des Januar-Marktwerts über mehrere Jahre betrachtet wird, da hier Werte der gleichen Jahreszeit miteinander verglichen werden (siehe Grafik rechts).

Besonders bei der Solareinspeisung zeigen die Marktfaktoren in den Jahren 2017-2023 für fast jeden Monat des Jahres eindeutig einen sinkenden Trend. Recht stabil zeigt sich dagegen die Einspeisung „Wind auf See“.

Ausschreibung des anzulegenden Wertes Seit 2017 werden die anzulegenden Werte und damit die Förderung von der Bundesnetzagentur in regelmäßigen Auktionen nach Erzeugungsart ausgeschrieben. Den Zuschlag erhält, wer am wenigsten Förderung verlangt.

Solar Freifläche Die in den letzten Jahren für Solar Freifläche geforderten anlegbaren Preise liegen bei ca. 5 ct/kWh. Im Jahr 2023 gab es deutliche Preisausschläge nach oben, es wurden bis zu 7ct/kWh verlangt. Der Preistiefpunkt liegt klar hinter uns:

mini|zentriert|420x420px|Ausschreibungsergebnisse Solar Freifläche von 2015 bis 2023, Quelle: Bundesnetzagentur

Solar auf Dach Deutlich höhere anlegbare Preise gelten in der Kategorie „Solar auf Dach“: mini|zentriert|420x420px|Ergebnisse der Ausschreibungen der Bundesnetzagentur zu Solar auf Dach, Quelle: Bundesnetzagentur

Wind Onshore Die in den jeweiligen Auktionen geforderten anlegbaren Preise bezuschlagter Windanlagen an Land lagen im Mittel lange Zeit recht stabil bei um die 6 ct/kWh, sind aber 2023 um über 1 ct/kWh angestiegen.

Zugrundeliegende Kostensteigerungen bestätigt eine Untersuchung der Windguard im Auftrag des BMWK.mini|zentriert|420x420px|Mittlerer Anlegbarer Preis für bezuschlagte Windanlagen an Land, Quelle: Ausschreibungsdaten der Bundesnetzagentur.

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