mini|hochkant=0.8|Aquarell auf Papier – 1830 Die Dagobertseiche (auch Chatteneiche genannt) war eine Eiche bei dem Dorf Dagobertshausen im nördlichen Hessen in der Nähe von Marburg. Die Eiche wurde im Jahre 1841 bei einem Sturm stark beschädigt; um das Jahr 1890 brachen die letzten Reste zusammen. Die Eiche galt damals mit einem Stammumfang von 14,86 Metern in einem Meter Höhe gemessen als eine der umfangsstärksten Eichen der Welt. Es handelte sich um die letzte echte Rieseneiche in Deutschland.

Bedeutung Die Eiche galt damals als die umfangsstärkste in Deutschland. Weltweit gesehen gab es nur eine stärkere Eiche in Bosnien, die 1886 gefällt worden ist. Auch in späteren Jahren war in Deutschland keine Eiche mit einem größeren Umfang bekannt. Die derzeit stärksten Eichen in Deutschland haben einen Stammumfang von weniger als 13 Metern. Die derzeit stärkste, natürlich aufgewachsene Eiche Deutschlands, die dickste der Ivenacker Eichen in Ivenack, hat einen Umfang von etwa 12,5 Metern. Auch in Europa gibt es derzeit keine Eiche mit einem größeren Stammumfang als ihn die Dagobertseiche hatte. Die umfangsstärkste Eiche Europas, die Kvilleken in Schweden, hat einen Stammumfang von etwas mehr als 14 Metern. Der halbseitig abgestorbene Stamm wird mit Seilen am restlichen Teil befestigt. Die stärkste Eiche mit halbwegs intaktem Stamm war bis April 2013 die Pontfadog Oak im Vereinigten Königreich mit einem Stammumfang von 13,38 Metern, in 1,3 Meter Höhe gemessen. Die größte Eiche in den Vereinigten Staaten, die als eine der größten weltweit gilt, ist die Live Oak mit etwas über elf Meter Umfang.

Geschichte mini|hochkant=0.8|Kupferstich von J. M. B. KesslerTitelblatt von Die Vorzeit: ein Taschenbuch für das Jahr 1821. Die Dagobertseiche war Mitte des 18. Jahrhunderts im Stammbereich völlig hohl. Der Schweinehirt des Dorfes baute sich damals im hohlen Stamm einen Schweinestall ein. Im Jahre 1820 schrieb der deutsche Philosoph und lutherische Theologe Karl Wilhelm Justi in Die Vorzeit: ein Taschenbuch für d. Jahr 1821:

mini|hochkant=0.8|Kupferstich auf Papier – Ludwig Christian Wagner, 1838 Bei einem Kupferstich der Dagobertseiche von Ludwig Christian Wagner aus dem Jahre 1838 wird in der Bildunterschrift ein Umfang von 36 Fuß genannt, was etwa elf Meter entspricht. Es wird jedoch nicht genannt, auf welcher Stammhöhe die Messung stammt. Im Jahre 1851 wurde die Eiche mit einem Stammumfang von 14,86 Meter angegeben, in einem Meter Höhe gemessen. Am 18. Juli 1841 knickte ein Orkan während einer Sonnenfinsternis im mitteleuropäischen Raum zahlreiche Bäume, darunter mehrere herausragende alte, wie die Lutherbuche bei Steinbach in Westthüringen und eine sehr große Linde bei Freiberg in der Schweiz um. Der Orkan richtete auch an der Dagobertseiche großen Schaden an. Im Jahre 1851 wurde der entstandene Hohlraum im Stamm als Ziegen- und Hundestall genutzt. Darüber befand sich ein Raum, der als Heuboden verwendet wurde. Um etwa 1891 brach die einzige noch erhaltene Wand des Stammes zusammen. Am 18. Juli wurde in der Oberhessischen Zeitung 50 Jahre nach dem Orkan mit einem Gedicht davon berichtet:

1) Bevor uns 50 Jahre schwanden Zog oftmals ich zum Ort hinaus, Wo eine Eiche hat gestanden Nicht fern von Dagoberts Haus.

2) Ihr war, wie alte Sagen melden, Eintausend Jahr die Lebenszeit. Gleich der von Bonifaz gefällten Dem starken Donnergott geweiht.

3) Ein halb Jahrhundert ist verschwunden, Daß unsre Eiche fand ihr Ziel, Daß sie nach oft geschlagnen Wunden Gepeitscht vom Sturme niederfiel.

4) Zur Jugendzeit sah Christenheere Vorbei sie wider Sachsen ziehn, Heimkehren mit dem blutgen Speere, Indeß besiegt die Heiden fliehn. 5) In ihrem kühlen Schatten ruhte Ein Pilger oft und Wandersmann, Der dann gestärkt mit heiterm Mute Zog fürder die beschnittne Bahn.

6) Wie manches Vöglein, das bedrohte Falk oder Habicht mit dem Mord, Fand seine Rettung von dem Tode In einem sichern Neste dort!

7) Wie oft erkor die grünen Zweige In ihrem Heim Frau Nachtigall, Die, wenn der Tag ging spät zur Neige, Hier flötete den süßen Schall.

8) Zuletzt ohn’ alle Pietäte, Ward sie, vom Alter ausgeschält, Zur Wohnung und unsaubern Stätte Zwei Borstentieren auserwählt. 9) Die während oben Vöglein sangen, Einmischten eklen Schauerton, Bis mit dem Messer kam gegangen Ein Mann und gab verdienten Lohn.

10) Der Sturmwind kam, nahm diese Schande Und hat ein gutes Werk getan, Bedrückt durch langer Jahre Bande Kam ihr des Alters Schwachheit an.

11) Und welche grimme Macht ist eigen, Zerstörung bringend, bösen Sturm, Hat mancher Sturz uns wollen zeigen, Wer denkt nicht an den Siegesturm?

12) Kaum weiß man noch das Fleckchen Erde, Wo unser Baum stand 1000 Jahr, Kaum, welcher Tag ihn einst zerstörte, Das wunderbare Exemplar.

mini|hochkant=0.8|Bemerkenswerte Bäume und Sträucher der Umgegend von Marburg. 1909 – Friederich Kanngießer Die letzten Reste der Eiche verschwanden um das Jahr 1900. Im Jahre 1909 schrieb der Superintendent Friederich Kanngießer, der das Alter der Eiche nach den damaligen Berechnungsmethoden auf 800 bis 1200 Jahre schätzte, in Bemerkenswerte Bäume und Sträucher der Umgegend von Marburg:

Im Februar 1931 wurde in den Oberhessischen Blättern, einer wöchentlichen Unterhaltungsbeilage der Oberhessischen Zeitung berichtet, dass die Eiche von einem Hirten als Schweinestall genutzt und am 18. Juli 1841 durch einen Orkan zerstört wurde. In diesem Zusammenhang wurde auch der Bericht von Karl Wilhelm Justi aus dem Jahre 1820 aus dem Werk Die Vorzeit: ein Taschenbuch für d. Jahr 1821 veröffentlicht.

Siehe auch Liste der Eichen Europas mit einem Stammumfang ab zehn Metern

Literatur

Weblinks

Allgemeine Literatur-Zeitung, Ausgaben 109–216

Einzelnachweise

Kategorie:Einzelbaum in Hessen Kategorie:Geographie (Marburg) Kategorie:Einzelbaum in Europa Kategorie:Individuelle Eiche oder Baumgruppe mit Eichen