mini|Nerzmantel, nach Reinigung und Finish Die klassische Pelzreinigung ist auch heute noch das Läutern genannte Reinigen mit Hilfe von Holzmehl, ursprünglich nur durch den Kürschner. Insbesondere in Verbindung mit Außenstoffen (Stoffbekleidung mit Fellinnenfutter) sowie Pelzvelours und nappierte Pelze wird Pelzbekleidung jetzt auch von auf Pelz und Leder spezialisierten Betrieben chemisch gereinigt.
Allgemein Bis in die Neuzeit sind Pelze, außer einem gelegentlichen Ausklopfen, vermutlich während ihrer Lebensdauer überhaupt nicht gereinigt worden; insbesondere den rustikaleren Fellarten sieht man eine Verschmutzung kaum an. Die noch erhaltenen Kabinettskassenrechnungen der Kurfürstin Anna Maria von der Pfalz weisen Anfang des 18. Jahrhunderts dann fünf Belege ihres Düsseldorfer Hofkürschners über das „Putzen“ oder „Säubern“ von edlem Pelzwerk auf, auch das Bleichen getragener Kleidung ist dort bereits belegt.Jürgen Rainer Wolf (Hrsg.): Die Kabinettskassenrechnungen der Kurfürstin Anna Maria Luisa von der Pfalz (1667–1743). Band 1. Klartext Verlag, Essen 2015, ISBN 978-3-8375-1510-7, S. 353 und 592.Jürgen Rainer Wolf (Hrsg.): Die Kabinettskassenrechnungen der Kurfürstin Anna Maria Luisa von der Pfalz (1667–1743). Band 2. Klartext Verlag, Essen 2015, ISBN 978-3-8375-1511-4, S. 898, 934 und 981.
Während in Deutschland als kürzestes Reinigungsintervall von den Fachhändlern heute meist einmal jährlich nur für empfindliche Fellarten oder besonders strapazierte Pelze empfohlen wird, schlägt die Fachliteratur der USA für diese Teile sogar das mehrmalige Reinigen innerhalb eines Jahres vor.Max Bacharach: Selling Furs Successfully. Prentice Hall, New York 1938, S. 236 (englisch). Soweit dies im Läuterverfahren geschieht, leidet der Pelz dabei nicht; es ist vor allem eine Frage der Kosten.
Die Pelzreinigung mit ihren vielen, unterschiedlich zu behandelnden Fellarten erfordert wesentlich höhere Warenkenntnisse als die Reinigung von Textilien. Die zu reinigenden Teile sind oft stark gealtert und deshalb im Leder morsch. Das alte Haar ist häufig, durch den Schmutz überdeckt, vergilbt. Auch ist der Arbeitsprozess deutlich aufwändiger und differenzierter. mini|Originaler Bildtext: „Kürschnermeister Jean Schenkenbach beim Klopfen und Reinigen von Fellen.“Rechts auf der Arbeitsplatte eine Handklopfmaschine (1910). Bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Pelze in Deutschland noch ausschließlich durch Kürschner gereinigt. In den Vereinigten Staaten, in denen auch die Herstellung von Pelzgroßkonfektion bereits Anfang des 20. Jahrhunderts einen in Deutschland nie erreichten Spezialisierungsgrad erreicht hatte, hatten diese Arbeit weitgehend längst besondere Pelzreinigungsbetriebe übernommen. Sie bekamen ihre Aufträge von den verschiedenen Pelz-Einzelhandelsunternehmen. In Europa waren es die Italiener, die als erste mit einer besonderen Haarbehandlung, dem sogenannten Finish, dem Pelz „den letzten Schliff“ gaben. Die ersten derartigen Spezialreinigungen in der Bundesrepublik waren zum einen die Firma Pelz-Neu in Hachenburg, deren Inhaber seine Kenntnisse neuer Endbearbeitungsmethoden und dazu benötigter Finish-Geräte aus den USA mitbrachte. Er richtete nach amerikanischem Vorbild einen Abholservice ein, der die Pelze bei den Kürschnern, Pelzeinzelhändlern und Reinigungsannahmestellen vor Ort abholte. 1955 spezialisierte sich außerdem, unter dem Namen Thorer Finish, die alte Pelz-Zurichtungs- und Veredlungs-Firma Thorer & Co. aus Offenbach am Main, ursprünglich seit 1883 in der Pelzstadt Leipzig am in der Branche legendären Brühl beheimatet.1883–1958 – 75 Jahre Thorerfarbe: Thorer & Co, Offenbach am Main 1958. Sie errichtete mehrere Filialen in Deutschland, unter anderem auch in dem damals inmitten der DDR gelegenen West-Berlin. Weitere, zumeist kleinere Unternehmen gründeten sich in den Jahrzehnten des Pelzbooms in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In der DDR gab es seit den 1950er Jahren in Leipzig ebenfalls einen Spezialbetrieb für die Pelzreinigung, dessen Verfahren von einem Kürschnermeister entwickelt worden war.
Annahmestellen für die Pelzreinigung sind Pelzfachgeschäfte, Kürschnereien oder Textilreiniger. Im Kürschnereibetrieb werden je nach Maschinen- und Personalausstattung, nach Art des anfallenden Auftrags und nicht zuletzt nach der persönlichen Einschätzung des Fachmanns in seine Fähigkeiten im Vergleich zum Pelzreinigungs-Fachbetrieb die angenommenen Aufträge in der eigenen Werkstatt ausgeführt, oder er gibt sie an den Spezialreiniger weiter. Vor der Auslieferung an den Endkunden kontrolliert er auch die nicht im Haus durchgeführte Arbeit, lässt nicht reinigungsbeständige, abgetrennte Verschlüsse wieder annähen, entfernt das eventuell unter das Futter geratenes Reinigungsmehl und bessert kleinere Schäden, wie zum Beispiel Risse, nach.
Die Reinigung von Pelzvelours und Pelznappa (Nappalan) sowie von pelzgefütterten Textilien, sofern der Pelz nicht vorher vom Stoffteil getrennt wurde, erfordert in jedem Fall den Spezialreiniger mit seinen Maschinen.
Die Pelzzurichtung, das Gerben von Rohfellen, stellt besondere Ansprüche an die Reinigung, werden doch die Häute unter Umständen erheblich verschmutzt und geruchsbelastet, mit Blut verkrustet oder mit Wagenschmiere verunreinigt, angeliefert. Wenn die zugerichteten Felle den Betrieb verlassen, müssen sie eine maximal ansprechende Haar- und Lederoptik aufweisen. Der Pelzzurichter und Pelzveredler kennt neben dem sogenannten Gutläutern auch das Abläutern, das Feuchtläutern, das Klammläutern sowie das Läutern im Haar und das Läutern im Leder.W. Künzel: Vom Rohfell zur Rauchware. Alexander Duncker Verlagsbuchhandlung, Leipzig ca. 1937, S. 91–92. Das Pelzläutern in Pelzveredlungsbetrieben gliedert sich in mehrere Arten: Das Läutern während der Zurichtung (Gerbung), während der Farbe und für besondere Zwecke (zum Beispiel um Farbüberschüsse zu entfernen). Es trägt dazu bei, die Griffigkeit des Pelzleders zu verbessern; das Leder zu „Schönen“, das heißt es weißer zu machen; zur Glanz- und Griffverbesserung des Haares; zur Haarentfettung sowie zur Vermeidung elektrostatischer Aufladung. Nicht alle Läutervorgänge dienen der eigentlichen Fellreinigung.A. Ginzel: Das Läutern von Pelzfellen. In: Der Rauchwarenmarkt. Leipzig 19. Dezember 1941, S. 7–8. Die im Ergebnis optimale Pelzreinigung richtet sich nach dem in der Veredlungsindustrie erreichten Standard.Gaetan J. Lapick, Jack Geller: Scientific Fur Servicing. Fairchild Publications, New York 1952.
Während für die Beurteilung von Leder wesentliche Prüfungen, bezogen auf den einzelnen Ledertyp, herausgearbeitet wurden, befand sich 1976 sich die Erstellung von Prüfprogrammen für Pelzfelle noch in den Anfangsstadien, für Edelpelze wurden bis dahin noch keine wesentlichen, auf systematischen Untersuchungen beruhenden Aussagen gemacht. Neue Erkenntnisse sind seitdem wohl nicht bekannt geworden. Lediglich für die sogenannten Gebrauchspelze bestehen Prüfungen, die es gestatten, sowohl über das Pelzleder als auch seine Verwendbarkeit weitgehende Aussagen zu machen. Da der Zustand der zu reinigenden Pelze für die Reinigungsfähigkeit von wesentlicher Bedeutung ist, ist bei einer eventuell notwendigen Reinigung mit Lösungsmitteln die Untersuchung der Aziditätsverhältnisse, also des pH-Wertes und der Schrumpfungstemperatur besonders wichtig. Hiermit können Aussagen gemacht werden können, ob das Pelzmaterial eine genügende Festigkeit besitzt, die auch für die längere Tragezeit erhalten bleibt. Es dürfen keine freien Säuren im Pelzleder vorkommen, die mit der Zeit zu einer Zerstörung führen können, und zum anderen muss geprüft werden, ob das Leder eine Gerbung im eigentlichen Sinne erfahren hat, so dass eine gewisse Temperaturstabilität gegeben ist. Auch ist es wichtig, den Gehalt an mit Dichlormethan extrahierbaren Stoffen zu untersuchen, um zu sehen, welche Fettungsintensität die Pelzfelle im Einzelnen erfahren haben. Als neuere Prüfung schließt sich dann die Untersuchung der Reinigungsbeständigkeit beziehungsweise des gesamten Reinigungsverhaltens der Pelze an. Von der Art der Gerbung und auch der Fettung hängt es in entscheidendem Maße ab, wie sich ein Pelzleder bei einer chemischen Reinigung verhält. Nach Ansicht der Fachleute sollte man bei den meisten Pelzarten darauf hinarbeiten, die Gerbung so zu halten, dass eine zu große Temperaturempfindlichkeit nicht mehr besteht. Von der Pelzzurichtung sollte damit der Übergang zur eigentlichen Gerbung dieses Materials erfolgen, wie es heute mit den zur Verfügung stehenden Gerbstoffen möglich ist, auch unter der Erhaltung eines weichen und insgesamt leichteren Materials.131 Vorschläge für die Qualitätsbewertung für Leder und Pelzfelle. Primärquelle J. Lange: Sonderdruck aus Das Leder. Heft 8, 1976, S. 125–128: Vorschläge für die Qualitätsbewertung für Leder und Pelzfelle. Aus der Abteilung Forschung und Entwicklung der Westdeutschen Gerberschule, Reutlingen. Auf Lederpedia.de, abgerufen am 8. Juli 2022.
Arbeitsablauf mini|hochkant|Auch Sitzbezüge, Decken und Wohnaccessoires aus Fell werden gereinigt In der Annahmestelle wird beim Auftragseingang das zu reinigende Teil auf erkennbare Mängel oder auf Grund des Alters auf mögliche Schädigungen geprüft, gegebenenfalls wird das Futter aufgetrennt, um die Lederfestigkeit zu beurteilen. Verschiedene Zusatzarbeiten sind möglich, wie das Farbauffrischen vergilbter Pelze, das Auffärben von Pelzvelours oder -nappa und das Eulanisieren gegen Mottenbefall.
Wird das Teil an einen Reinigungsbetrieb weitergereicht, wiederholt sich diese Arbeit dort. Etwaige Schäden wie Verschleiß oder Farbveränderungen werden dokumentiert. Um ein Weiterreißen zu verhindern, werden eventuelle Risse gesichert. Vor dem Reinigen mit Reinigungsmehl muss das Futter zugeheftet und ebenfalls nach offenen Stellen durchgesehen werden.
Die Reinigungsfähigkeit von alten morschen oder anders vom Leder her fragwürdig erscheinenden Pelzen festzustellen ist ein wichtiger Indikator die Säurefreiheit des Leders. Beim Überprüfen mit destilliertem Wasser und Indikatorpapier darf der pH-Wert nicht unter 3,5 liegen.K. Günter Rordorf: Kleine Leder- und Pelzkunde Leder- und Pelzreinigung. Bussesche Verlagshandlung, 2. Auflage 1966, S. 27, 62–65.
In den Reinigungstonnen sollten nur gleichartige Felltypen zusammengefasst werden. Weiße Teile sind in jedem Fall separat zu behandeln.
Da die Reinigungsprozesse materialschonend möglichst kurz gehalten werden, muss häufiger bei noch nicht befriedigendem Ergebnis ein zweiter Reinigungsdurchgang erfolgen.
Das Leder soll bei der Reinigung nicht verändert werden. Der Gerbstoff darf nicht entzogen werden, damit der Pelz nicht schrumpft oder morsch wird. Die im Leder gebundenen Fett- und Farbstoffe dürfen nicht auf das Futter durchschlagen und dadurch Flecken verursachen.
Zur optischen Verbesserung des Haarbilds erhalten die Pelze nach der Reinigung ein Finish, je nach Fellart werden sie mit Lüster, einer leichten Säure, besprüht, eventuell noch einmal geschüttelt und dann gebügelt (insbesondere alle gerupften und geschorenen Felle, wie Samtnerz, Biber oder Samtnutria) oder mit einem Trockendampfgerät, dem sogenannten Steamer, aufgeblasen. Langjährig bestehende Betriebe und Zurichter haben nicht nur verschiedene Reinigungsmittel, sondern auch unterschiedliche Lüster-Rezepte für die verschiedenen Pelzarten.