Roßwein ist eine Kleinstadt in sächsischen Landkreis Mittelsachsen.

Geographie mini|Roßwein Geographische Lage Das Territorium von Roßwein liegt im Mittelsächsischen Bergland, beiderseits der Freiberger Mulde. Der Kern der namensgebenden Stadt befindet sich auf dem sanft aufsteigenden Gelände am rechten Muldenufer. Roßwein liegt etwa 50 km westlich von Dresden in der Nähe der Städte Freiberg und Meißen.

Nachbargemeinden

Nossen gehört zum Landkreis Meißen, alle anderen Nachbargemeinden gehören zum Landkreis Mittelsachsen.

Stadtgliederung

mini|Margarethenmühle im Zweiniger Grund Die Ortsteile sind:

Gleisberg Grunau Haßlau Hohenlauft Klinge Littdorf Mahlitzsch Naußlitz mit Kobelsdorf Niederforst Niederstriegis Ossig Otzdorf Roßwein (Stadt) Seifersdorf Ullrichsberg mit Troischau Wettersdorf Wetterwitz Zweinig

Geschichte mini|Karte von Roßwein vor 1843 mini|Marktplatz (1906) mini|hochkant|Kirche von Roßwein Roßwein war im frühen Mittelalter ein altsorbisches Fischerdorf. Im 12. Jahrhundert entwickelte sich daraus im Rahmen der deutschen Ostsiedlung eine markgräflich-meißnische Stadtanlage mit einem Herrensitz.Ernst Eichler: Sachsen, Alle Städtenamen und deren Geschichte, Leipzig 2007, S. 111, ISBN 978-3-86730-038-4 Die erste urkundliche Erwähnung von Roßwein stammt aus dem Jahr 1220. Ein Jahr später wird ein villicus de Rosewin genannt. Der Name der Stadt geht auf das altsorbische Wort Rusavin, abgeleitet vom Personennamen Rusava zurück. Roßwein ist also die Siedlung eines Sorben mit Namen Rusava. Der Name geht auf rusy rötlich, blond, braun zurück.Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, S. 311. Der Ortsname legt nahe, dass Roßwein eine sorbische Gründung ist. Unbekannt ist das Jahr der Gründung und auf wessen Initiative die Gründung erfolgte. Im Jahr 1286 wird Roßwein erstmals in einer Urkunde als Stadt (civitas seu oppidum) bezeichnet. Es gibt eine wechselvolle Geschichte. Roßwein wurde durch den Markgrafen Heinrich den Erlauchten (1221–1286) an seinen Enkel Friedrich den Freidigen (den Gebissenen), Pfalzgraf von Sachsen, verpfändet und ging nach dem Tode Heinrichs in den Besitz von Friedrich den Freidigen über. Friedrich der Freidige übergab Roßwein durch Schenkung am 18. Mai 1293 an das Zisterzienserkloster Altzella bei Nossen.

Seit 1360 hatte Roßwein einen Bürgermeister und einen Rat. Die Stadt unterstand nachweislich ab 1590 dem Amt Nossen. Rat und Bürgermeister zu Roßwein erhielten die Gerichtsbarkeit sowohl vom Kloster Altzella als auch vom Amt Nossen nur auf Zeit verpfändet. Den Stadtrichter wählte der Rat aus seiner Mitte. Später besaß Roßwein auch eine umringende Stadtmauer von 1.221 m Länge mit durchgezogenem Wehrgang. Vom Marktplatz aus verliefen fünf Straßen zu fünf Stadttoren: dem Kreuztor, dem Bergtor, dem Mühlentor, dem Döbelnschen bzw. Lommatzscher Tor sowie dem Brückentor, welches einen Wachturm trug. Als Baumaterial dienten Bruchsteine aus dem nahen Steinbruch. Auch Steine aus der Freiberger Mulde, die man Katzenköpfe nannte, fanden Verwendung. Torwachen mussten von den Bürgern selbst gestellt werden. Sie erhielten eine Ausbildung in der Waffenführung von Spieß, Armbrust und Schwert. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit verschloss man die Tore. Säumige hatten dann vor den Toren der Stadt ihr Nachtlager zu suchen. Ab 1805 entfiel das Verschließen der Stadttore. Die Torwachen löste man aber erst 45 Jahre später auf.

Um 1550 lebten 259 besessene Mann und 360 Inwohner in Roßwein. 1748 waren es 477 besessene (grundbesitzende) Bürger und der Ort bestand der Größe nach aus 29 Hufen.

1871 war die Bevölkerung bereits auf 6848 angestiegen.

Roßwein zählte neben Nossen und Siebenlehn zum bedeutendsten Besitz des Klosters. Dadurch hatte aber die Stadt die meisten Abgaben zu leisten. Alle Anlieger waren verpflichtet, für ihren Wohnbereich den Bau auszuführen und zu erhalten.

Auch in Roßwein forderte 1613 die schwarze Pest ihre Opfer. Im Jahr 1834 lebten bereits 4202 Einwohner in Roßwein. 1868 wurde die Eisenbahnverbindung nach Leipzig und Dresden sowie 1874 nach Chemnitz eröffnet. Seit dem 19. Jahrhundert war die Stadt ein wichtiger Industriestandort; hier siedelten sich Metallwaren-, Schuh-, Textil- und Zigarrenfabriken an. Mit Einführung der Allgemeinen Städteordnung erlangte das Stadtgericht 1834 seine Eigenständigkeit. Nach Abtretung an den Staat ging die städtische Gerichtsbarkeit zusammen mit der vom Justizamt Nossen ausgeübten Ober- und Erbgerichtsbarkeit in der Stadt Roßwein und ihren Fluren am 1. September 1853 auf das Königliche Gericht Roßwein über.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges von Ende 1944 bis Frühjahr 1945 mussten KZ-Häftlinge des Außenlagers Nossen/Roßwein des KZ Flossenbürg in der Gießerei E. Broer ("Ebro-Werke") Zwangsarbeit verrichten.

Historische Schreibweisen und Bedeutung des Ortsnamens Der Schreibweise des Ortsnamens Roßwein hat im Laufe seiner Geschichte variiert und es gab verschiedene Schreibweisen. Folgende Schreibweisen sind aus historischen Quellen überliefert:Digitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen.

1220: Ros(s)ewin 1221: Bertoldus antiquus villicus de Rosewin 1286: Russewyn 1349: Ruswin 1393: Rüssewin um 1500: Russewein seit 1555/56: Roßwein

Der Name kommt vom altsorbischen Rusavin.Das geht auf den Personennamen Rusva, zu rusy, rötlich, blond zurück. Es war also die Siedlung eines Rusava.Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Berlin 2001, Band II, S. 311, ISBN 3-05-003728-8

Gedenkstätten Der Gedenkstein auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof Etzdorfer Straße/Ecke Bergstraße erinnert sowohl an sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter als auch an die zwei kommunistischen Widerstandskämpfer Paul Rockstroh und Kurt Schmidt, die 1944 bzw. 1945 im KZ Sachsenhausen ums Leben kamen. Ein Gedenkstein und zwei Gedenktafeln in der Kadorfer Straße 31b, in der Gartenstraße 42 und in der Goldbornstraße erinnern ebenfalls an Paul Rockstroh. Ein Gedenkstein im Ortsteil Haßlau, Zweiniger Grund, an der Zufahrtsstraße zur Margarethenmühle, erinnert an einen polnischen Zwangsarbeiter, der wegen einer unerlaubten Beziehung zu einer deutschen Frau 1943 öffentlich gehenkt wurde. Am Schweizerberg im Ortsteil Mahlitzsch wurden im April 1945 sieben unbekannte KZ-Häftlinge eines Todesmarsches aus dem Außenlager Colditz des KZ Buchenwald von SS-Männern erschossen. Ein dort 1975 errichteter Ehrenhain beherbergt ein Denkmal, das an dieses Geschehen erinnert, bei dem von 1.000 Häftlingen nur 17 überlebt haben. Die Toten von Mahlitzsch wurden auf dem Friedhof des Ortsteiles Niederstriegis begraben. An sie erinnert ein 1974 errichteter Grabstein. Am Bismarckplatz stand das Bismarckdenkmal mit einem Reliefmedaillon des Deutschen Reichskanzlers.

Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung GleisbergStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 01.01.1994 Grunau 01.06.1973 Eingemeindung nach Niederstriegis GrünrodaStatistische Bureau des königlichen Ministeriums des Inneren (Hrsg.): Gemeinde- und Ortsverzeichnis für das Königreich Sachsen. 1904. vor 1875 Eingemeindung nach Niederstriegis Haßlau 01.01.1994 HohenlauftStatistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.Ministerium des Innern des Landes Sachsen (Hrsg.): Verzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere. 1952. vor 187501.07.1950 Eingemeindung nach Etzdorf, Umgliederung nach Niederstriegis Kobelsdorf vor 1875 Eingemeindung nach Naußlitz Littdorf 01.01.1994 Eingemeindung nach Niederstriegis MahlitzschDas Sachsenbuch. Kommunal-Verlag Sachsen, Dresden 1943. 01.10.1935 Eingemeindung nach Niederstriegis Naußlitz (mit Klinge) 01.07.1950 Eingemeindung nach Haßlau Niederstriegis 01.01.2013 Ossig (mit Juchhöh) 01.07.1950 Eingemeindung nach Haßlau Otzdorf 01.01.1970 Eingemeindung nach Littdorf Seifersdorf 01.01.1969 Troischau vor 1875 Eingemeindung nach Ullrichsberg Ullrichsberg 01.01.1952 Wettersdorf 01.07.1950 Eingemeindung nach Wetterwitz Wetterwitz 01.01.1974 Eingemeindung nach Gleisberg Zweinig 01.07.1950 Eingemeindung nach Haßlau

Einwohnerentwicklung seit 1834 Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1998 31. Dezember):Datenquelle ab 1998: Statistisches Landesamt Sachsen 1834 bis 1960 1990 bis 2002 2004 bis 2010 2012 bis 2015 1834: 4.202 1885: 6.443 1925: 9.376 1933: 9.605 1939: 9.696 1960: 10.34331. Dezember 1990: 9.2113. Oktober 1998: 8.252 1999: 8.157 2000: 8.044 2001: 7.952 2002: 7.824 2004: 7.596 2005: 7.451 2006: 7.353 2007: 7.290 2009: 7.022 2010: 6.923 2012: 7.746 2013: 7.611 2015: 7.672

Politik

Stadtrat Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 21 Sitze des Stadtrates wie tabellarisch aufgelistet. Auch vorherige Wahlen sind aufgelistet.

+letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU940,3937,11148,0AfD525,5418,1––SPD312,3311,8314,8Bürgerwählergemeinschaft Niederstriegis-Roßwein211,1314,2417,0Linke16,4315,7417,3Freie Sachsen12,8––––Grüne–1,6–3,1–3,0Wahlbeteiligung66,9 %59,2 %47,3 % In Roßwein gibt es neben den im Stadtrat und Kreistag vertretenen Parteien eine Ortsgruppe der Grünen. Weiterhin ist in Roßwein eine einstmals vom Bürgermeister 2001 ins Leben gerufene „Arbeitsgruppe Stadtgestaltung und Stadtentwicklung“ aktiv, die für alle Roßweiner Bürger offen ist, auf basisdemokratische Weise funktioniert und dem Stadtrat zuarbeitet.

Bürgermeister Seit dem 8. September 2022 ist Hubert Paßehr (CDU) der Bürgermeister von Roßwein. Er hatte sich am 3. Juli 2022 im 2. Wahlgang mit 43,8 % gegen seine Mitbewerber durchgesetzt.Ergebnis Bürgermeisterwahl am 3. Juli 2022 Von 2001 bis 2022 war Veit Lindner (parteilos) Bürgermeister. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Hubert PaßehrCDU43,82015Veit LindnerLindner86,7200888,7200167,01994Wolfgang PieschkeCDU59,9

Kreistag Mittelsachsen Seit der Kreistagswahl am 26. Mai 2019 ist Roßwein durch Veit Lindner (parteilos, Fraktion SPD), Peter Krause (DIE LINKE.) und Ines Luft (AfD) im Kreistag vertreten.

Wappen Es handelt sich um ein „redendes Wappen“.

Blasonierung: „Ein weißes Pferd steht mit dem Kopf nach links schauend auf einem grünen „Drei-Berg“ (Berg mit drei Kuppen). Drei Weinreben und sieben Weinblätter sind ebenfalls auf dem Wappen zu sehen.“

Städtepartnerschaften Roßwein unterhält eine städtepartnerschaftliche Beziehung mit Freiberg am Neckar im württembergischen Landkreis Ludwigsburg.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke mini|Gleisberg (Roßwein): Ev. Dorfkirche, romanische Chorturmkirche Das historische Hallenbad in der Stadtbadstraße wurde im Jahre 1897 eingeweiht. Es handelt sich um das „erste behördlicherseits errichtete Hallenbad Sachsens“, wie der damalige Bürgermeister C.A. Rüder bei der Einweihungsfeier ausführte.

Weitere bauliche Sehenswürdigkeiten sind: Rathaus von 1862 mit Portal von 1529. Tuchmacherhaus aus 16. Jh. (ehemaliges Abthaus des Klosters Altzella) Kirche St. Marien (Inneres der Kirche im klassizistischen Stil) 2000 auf dem Markt errichtete Nachbildung der kursächsischen Postdistanzsäule Die Stadtmauer, von der noch Reste überall in der Stadt zu sehen sind, z. T. auch wieder restauriert. Die Villa Constanze in der Böhrigener Straße (Jugendstilvilla von 1905). Die Muldenpromenade, entlang der Freiberger Mulde mit Feuerwehr- und Industriemuseum und Irrgarten. Die letzte Dampfmaschine Roßweins, eine Tandem-Verbundmaschine der Fa. Hanomag Hannover, Baujahr 1911 Die historische Signalbrücke am Bahnhof Saubrunnen Herrschaftliches Gutshaus im Ortsteil Otzdorf Kirche im Ortsteil Otzdorf Rundes Haus und Ruine der Burg Kempe im Ortsteil Mahlitzsch

Naturdenkmäler