Die Marinha Portuguesa (deutsch Portugiesische Marine) ist die Seestreitmacht der Republik Portugal und eine von vier Teilstreitkräften der portugiesischen Streitkräfte. Sie hat eine Personalstärke von (2011) etwa 10.400 Männern und Frauen, darunter gut 10 % Offiziere und inklusive rund 1500 Angehörigen der Marineinfanterie.
Geschichte der portugiesischen Marine Die im Spätmittelalter entstandene portugiesische Marine trug mit ihren Entdeckungsfahrten wesentlich zur Herausbildung eines neuzeitlichen europäischen Weltbildes bei. Zu Beginn der Neuzeit erlebte die portugiesische Seefahrt ihre Blüte und erhob Portugal zur bedeutenden Seefahrernation und zur Kolonialmacht des ersten globusumspannenden Weltreichs. Die Entdeckungsfahrten Vasco da Gamas und anderer portugiesischer Seefahrer wurden Thema des portugiesischen Nationalepos „Die Lusiaden“. Die Flotte diente fortan vor allem zur Absicherung des portugiesischen Kolonialreichs und verfiel mit dem Zusammenbruch desselben.
Anfänge mini|Dokument von 1317 über die Ernennung des Genuesen Pessanha zum ersten Admiral Portugals Der Aufbau einer portugiesischen Marine begann unter König Dinis I. (1261/1279–1325). Portugals erster König Afonso I. (1109/1128–1185) hatte 1147 für die Eroberung Lissabons noch die Hilfe bremischer Schiffe und englischer Kreuzfahrer benötigt, doch schon unter seinem Urenkel, Dinis’ Vater Afonso III. (1210/1248–1279), hatten auch portugiesische Schiffe zwischen 1237 und 1250 bei der Blockade und Eroberung der letzten maurischen Hafenstädte und Küstenorte an der Algarve geholfen.Die Website der portugiesischen Marine gab bis 2014 stattdessen eine Seeoperation bei Cabo Espichel im Jahr 1180 als ersten Einsatz einer portugiesischen Flotte an, verschwieg allerdings die späteren Niederlagen (1337, 1373 und 1381) gegen kastilische Flotten.
Die Eroberung von Badajoz (1230) und Niebla (1262) durch Kastilien sowie dauerhafte Grenzverträge (1267, 1297) hinderten Portugal fortan daran, sich zu Lande auszubreiten, nur zur See war eine Expansion noch möglich. Zudem war Portugal durch Kastiliens bzw. Spaniens Landmasse vom übrigen Europa abgeschnitten, seine englischen Verbündeten und flämischen bzw. italienischen Handelspartner waren nur auf dem Seeweg erreichbar. Diese Seewege wiederum, aber auch die portugiesischen Fischfanginteressen waren sowohl durch Kastilien bzw. Spanien und dessen Verbündeten als auch von maurischen Piraten bedroht.
Nicht allein die Notwendigkeit einer Flotte, sondern vor allem auch die Möglichkeit zur Schaffung einer Seestreitmacht führten zur Entstehung der portugiesischen Marine. Durch die Eroberung der Algarve hatte Portugal mit den maurischen Algarbiern ein Volk traditioneller Fischer und erfahrener Seeleute hinzugewonnen. Darüber hinaus standen seit Mitte des 13. Jahrhunderts auch genuesische Seeleute und Schiffe in portugiesischem Sold. Von den Algarbiern lernten die Genuesen und Portugiesen die Navigation nach den Sternen und das Kreuzen gegen den Wind. Im Jahr 1312 verfügte Dinis die Schaffung einer Kriegsflotte und 1317 ernannte er schließlich den Genueser Kapitän Manuel Pessanha zum ersten Admiral des Königreichs Portugal (Almirante do Reino de Portugal).
Doch schon unter Dinis’ Sohn Afonso IV. (1291/1325–1357) konzentrierte sich Portugal zunächst wieder mehr auf eine Einmischung in innerkastilische Machtkämpfe als auf den Ausbau der Seemacht, wobei bereits 1337 der überwiegende Teil der von Pessanha in die portugiesische Flotte eingebrachten 20 Schiffe in einer Seeschlacht am Kap St. Vincent gegen die Kastilier verloren ging. Vor Saltés erlitten portugiesische Galeeren 1381 eine erneute Niederlage gegen Kastilien. Erst nach dem Landsieg von Aljubarrota gegen Kastilien (1385) und unter neuen Königen aus dem Haus Avis wandte sich Portugal endgültig der Seefahrt zu.
Blüte
mini|Portugiesische Karavelle
Aufstieg und Blüte der portugiesischen Seemacht sind eng mit Prinz Heinrich (1394–1460) verbunden, der den Beinamen „Der Seefahrer“ erhielt. In der gesamten damals bekannten europäischen und orientalischen Welt ließ Heinrich die verschiedensten Seekarten aufkaufen und in der legendären Seefahrtschule von Sagres (Academia Nautica) kopieren, abgleichen, überarbeiten und aktualisieren. Als Großmeister des Christusordens standen ihm dafür bedeutende Geldmittel und reichlich motiviertes Personal zur Verfügung. Nach Heinrichs Plänen bauten die Portugiesen den von den Mauren übernommenen Schiffstyp der Karavelle zu einem größeren Schiffstyp um. Mit ihr befuhren portugiesische Seefahrer bald das gesamte bekannte Seegebiet bis dessen damaliger Grenze auf der Höhe von Kap Bojador. 1415 eroberten sie mit Ceuta einen ersten Stützpunkt am gegenüberliegenden afrikanischen Ufer. Vor der afrikanischen Küste entdeckten und besiedelten die Portugiesen 1418 Madeira, 1431 die Azoren und 1456 die Kapverden. Bereits 1444 hatten sie Guinea, Goldküste (Ghana) und die Sklavenküste an der Nigermündung erreicht und dort erste Sklaven erbeutet.
Die eigentliche Bedeutung der portugiesischen Seefahrt bestand in der Umschiffung des Kap Bajador, der Entdeckung eines Seewegs nach Indien (Goa, seit 1506 portugiesisch) und China (Macau, seit 1557 portugiesisch) um das afrikanische Kap der Guten Hoffnung herum sowie der Entdeckung Brasiliens. Viele der neuentdeckten Orte an der westafrikanischen, der ostafrikanischen und der indischen Küste wurden von den Portugiesen bald darauf unterworfen, wodurch ein umfangreiches Kolonialreich entstand.
Die Absicherung des Kolonialreichs und seiner maritimen Verbindungswege steigerte die Rolle der Flotte noch mehr und überforderte sie zugleich. Vor allem im kolonialen Sklavenhandel von Afrika (Elmira, seit 1471 portugiesisch) nach Amerika (Brasilien, 1500 entdeckt, seit 1531 portugiesische Ansiedlung) entbrannte ein gnadenloser Konkurrenzkampf weniger mit Spaniern und Piraten als vielmehr mit Engländern, Franzosen und Niederländern, später auch mit Dänen, Schweden und Brandenburgern. Diese aufrüstenden neuen Seemächte nahmen den alten Seemächte Portugal und Spanien allmählich Kolonien und Sklavenhandel ab und reduzierten sie zu Seemächten zweiten Ranges. Lediglich gegen arabische, persische, indische, malaiische und chinesische Schiffe konnten sich portugiesische Flotten weiterhin behaupten.
Niedergang
Ein schwerer Schlag für die portugiesische Marine war der Feldzug von König Sebastian (1554/1568–1578) gegen Marokko. In der Schlacht von Alcácer-Quibir wurde 1578 nicht nur das gesamte Landheer vernichtet und der König sowie der Großteil des Adels getötet, auch 500 Schiffe gingen bei dem Unternehmen verloren. Das derart geschwächte Portugal verlor 1580 seine Unabhängigkeit an Spanien, Spanien schlug 1582 eine dagegen opponierende portugiesisch-französische Flotte vor den Azoren. Der Rest der portugiesischen Flotte wurde der Spanischen Armada angegliedert und erlitt mit ihr zusammen 1588 eine empfindliche Niederlage gegen England.
In Union mit Spanien wurde Portugal auch in den Niederländischen Unabhängigkeitskrieg hineingezogen, zwischen 1602 und 1662 eroberten die Niederländer trotz eines portugiesischen Seesieges bei Kap Rachado (1606) und zweier portugiesisch-spanischer Siege vor Bahia (1625 und 1631) Teile der portugiesischen Kolonien Brasilien (1630–1654), Elmira (1637), Malacca (1641), Angola (1641–1648, außer Luanda), die Molukken (1653), Ceylon (1658) sowie die indische Malabarküste (1662, außer Goa); Goa, Luanda und Macau wurden belagert. Die Niederlagen gegen die Engländer im Seegefecht vor Suvali (1612) und gegen die Niederländer vor Malacca (1641) markierten das Ende der portugiesischen Seeherrschaft im indischen Raum, auch omanische Piraten und „Froschmänner“al-Jazeera: Oman – History, Power and Influence (Video ab TC 11:00) setzten den Portugiesen zu. Perser und Araber schüttelten die portugiesische Herrschaft an ihren und den ostafrikanischen Küsten schließlich ab (1698, außer Mocambique). In Europa jedoch, wo die Niederländer den vereinten Spaniern und Portugiesen noch 1639 in der Seeschlacht bei den Downs eine weitere folgenschwere Niederlage beigebracht hatten, bildeten die Niederlande und Portugal seit 1641 eine Allianz gegen Spanien, eine vereinte Flotte unterlag aber 1641 den Spaniern in einer Seeschlacht vor Kap St. Vincent.
Auch die Franzosen unternahmen mehrere Versuche, Teile Brasiliens zu erobern bzw. sich dort festzusetzen (1555–1567, 1590–1604, 1610–1615, 1655–1660), konnten jedoch von portugiesischen Land- und Seestreitkräften vertrieben werden. Dennoch, vor allem mit französischer und englischer Hilfe konnte Portugal in einem 26-jährigen Kampf (1640–1666) gegen Spanien seine Unabhängigkeit wiedererlangen und zumindest einige der Kolonien von den Niederländern zurückerobern. Die Portugiesische Flotte als Seemacht war den anderen Mächten zahlenmäßig unterlegen, doch an der Seite eines Bündnispartners (Briten oder Spanier) machte dies die zahlenmäßige Unterlegenheit deutlich wett. Im 18. Jahrhundert ereigneten sich vor allem vor der Colonia del Sacramento in der La-Plata-Mündung Seegefechte zwischen portugiesisch-britischen und spanischen Kriegsschiffen. 1735/37 konnten die Portugiesen eine spanische Blockade Sacramentos aufheben, 1762 und 1776/77 scheiterten sie jedoch mit eigenen Landungsoperationen.
Nach dem Erdbeben von 1755, das auch noch die Ruinen der Schule von Sagres zerstörte, wurde nicht nur das Land, sondern auch die Flotte neuaufgebaut: 1763 wurde ein Marineministerium geschaffen und 1779 eine neue Marine-Akademie gegründet. Während der französisch-spanischen Invasion Portugals (1807) entzog sich die portugiesische Flotte dem Zugriff durch Napoleon, die Evakuierung des gesamten Hofstaates nach Rio de Janeiro stellte logistisch eine letzte Spitzenleistung dar. Flankiert von britischen Kriegsschiffen brachten 36 portugiesische Kriegsschiffe und zahlreiche Transportschiffe 18.000 Höflinge sowie den Staatsschatz über den Atlantik nach Brasilien und den Großteil davon 1821 wieder zurück.
Während des Brasilianischen Unabhängigkeitskrieges wurden portugiesische Schiffe 1822 und 1823 vor Bahia von brasilianischen Marineverbänden angegriffen. Die seit dem Verlust Brasiliens hoffnungslose Bedeutungslosigkeit der portugiesischen Marine zeigte sich deutlich im Portugiesischen Bürgerkrieg. Zuerst konnte sie 1829 vor Vila da Praia die liberalen Aufständischen nicht an der Besetzung der Azoren, dann 1831 eine französische Flotte nicht am Einlaufen in den Tejo und am Beschuss Lissabons hindern, und obwohl der Großteil der portugiesischen Flotte loyal zu Dom Miguel war, unterlag sie 1833 in einer erneuten Seeschlacht vor Kap St. Vincent der Flotte Dom Pedros und konnte dessen Landung in der Algarve nicht verhindern. Vor dem französischen Angriff auf Lissabon verfügte die portugiesische Flotte über elf Linienschiffe, von denen die Franzosen sieben zerstörten. Nach dem Ende des Bürgerkriegs und der Wiedervereinigung bestand die portugiesische Flotte aus sechs Linienschiffen. Nach dem Verbot des Sklavenhandels (1836) spielten Flotte und Kolonien zunächst eine untergeordnete Rolle, im Jahr 1865 beschlossene Neubauten wurden kaum verwirklicht. Im Jahr 1876 umfasste die Flotte erst 26 Dampfer, aber noch immer elf Segelschiffe.Meyers Konversations-Lexikon, Dritte Auflage, Dreizehnter Band, S. 130. Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig 1878.
Über den Zustand der portugiesischen Handelsschifffahrt, die den Zustand der Kriegsmarine widerspiegelte, schrieb der deutsche Konsul in Lissabon 1887:
Modernisierung mini|Unteroffiziere der Marineinfanterie vor ihrer Einschiffung nach Angola (1907) mini|Ein Revolutionsführer von 1910 war Admiral Carlos Cândido dos Reis, der sich allerdings gleich zu Anfang das Leben nahm, da er den Umsturz irrtümlich für gescheitert hielt. (Sein Flaggschiff, die Dom Carlos I., wurde danach in Almirante Reis umbenannt.)