Die Pazifische Taifunsaison 2011 war ein andauerndes Wetterereignis, unter dem die sich während des gesamten Kalenderjahres bildenden tropischen Wirbelstürme zusammengefasst sind. Die meisten tropischen Wirbelstürme bilden sich im Pazifischen Ozean westlich der Datumsgrenze und nördlich des Äquators jedoch zwischen Mai und November. Solche tropischen Wirbelstürme nennt man Taifune. Die sich östlich des 180. Längengrades bildenden Stürme sind Gegenstand der Pazifischen Hurrikansaison 2011.
Innerhalb des nordwestlichen Pazifiks gibt es zwei meteorologische Organisationen, die den Stürmen Namen vergeben. Dies führt dazu, dass ein und derselbe Sturm häufig zwei verschiedene Namen erhält. Die offizielle Bezeichnung durch die Japan Meteorological Agency (JMA) erhält ein tropischer Sturm, sobald er an einer beliebigen Stelle im nordwestlichen Pazifik andauernde zehnminütige Windgeschwindigkeiten von 35 Knoten (rund 65 km/h) erreicht. Die Philippine Atmospheric, Geophysical and Astronomical Services Administration (PAGASA) hingegen weist tropischen Tiefdruckgebieten Namen zu, die sich innerhalb des nationalen Verantwortungsbereiches bilden oder dorthin ziehen; dieser Verantwortungsbereich liegt grob umgrenzt zwischen 115° und 135° östlicher Länge und zwischen 5° und 25° nördlicher Breite. PAGASA weist auch dann einen lokalen Namen zu, wenn das System bereits durch die Japan Meteorological Agency benannt wurde. Tropische Tiefdruckgebiete, die vom US-amerikanischen Joint Typhoon Warning Center beobachtet werden, erhalten eine Nummer mit dem Suffix W.
Saisonprognosen Quelle Datum GesamtzahlZyklonenStürmeTaifuneintensiveTaifune GCACIC Durchschnitt (1950–2000) 31 27 17 – TSRDurchschnitt (1965–2010) – 26,3 16,4 8,5 TSR 8. März 2011 – 27,8 17,5 7,8 TSR 5. Mai 2011 – 28,0 17,7 7,6 GCACIC 9. Mai 2011 31 27 16 – JMA Tatsächliche Aktivität 15 7 2 1 JTWC Tatsächliche Aktivität 11 6 2 1
Während der Saison veröffentlichen die meteorologischen Organisationen und Forschungseinrichtungen Vorhersagen darüber, wie viele tropische Zyklone, tropische Stürme und Taifune sich während der Saison bilden und die nationalen meteorologischen Organisationen erstellen Prognosen, wie viele Wirbelstürme einen der anliegenden Staaten treffen werden.
City University of Hong Kong Seit der Taifunsaison 2000 haben das Laboratory for Atmospheric Research oder das Guy Carpenter Asia-Pacific Climate Impact Centre (GCACIC), beides Einrichtungen an der City University of Hong Kong (CityUHK), Vorhersagen über die tropische Aktivität in der kommenden Taifunsaison veröffentlicht. In der Vorhersage vom Mai 2011 sagte das GCACIC für den westlichen Nordpazifik 31 tropische Systeme voraus, von denen sich 27 zu tropischen Stürmen und davon 17 zu Taifunen entwickeln würden.
Für die Koreanische Halbinsel und Japan sagte das GCACIC voraus, dass sich sechs statt der durchschnittlichen vier tropischen Systeme näher als 100 km an die Küsten Japans oder Koreas heran gelangen würden. Für Südchina prognostizierte das Institut sieben solcher Systeme, gegenüber dem Durchschnittswert von 5. Außerdem wurde prognostiziert, dass fünf der prognostizierten Systeme auf die Zeit zwischen Mai und August fallen würden und der Rest auf die Zeit von September bis Dezember.
Tropical Storm Risk Consortium Seit der Taifunsaison 2000 gibt auch das Tropical Storm Risk Consortium (TSR) am University College of London Vorhersagen über die zu erwartende Aktivität der kommenden Taifunsaison heraus. Für 2010 wurden diese Prognosen Anfang März, Mai, Juli und August bekanntgegeben. Sie beinhalten Angaben darüber, wie viele tropische Stürme, Taifune und intensive Taifune sich während der Saison bilden könnten.Nach den Kriterien des TSR handelt es sich um einen intensiven Taifun, wenn die einminütige Windgeschwindigkeit bei mindestens 175 km/h pro Stunde liegt. In den im März und Mai veröffentlichten Prognosen ging das TSR übereinstimmend von einer nahezu durchschnittlichen Taifunsaison mit 28 tropischen Stürmen und 18 Taifunen und acht intensiven Taifunen aus.
Vorhersagen der nationalen Wetterdienste Am 17. Januar gab die Philippine Atmospheric, Geophysical and Astronomical Services Administration (PAGASA) bekannt, dass sie mit 20 bis 22 tropischen Wirbelsturmsystemen in ihrem Verantwortungsgebiet rechne. Das Hong Kong Observatory (HKO) sagte am 23. März 6–9 tropische Systeme mit Auswirkungen auf Hongkong voraus. Das Thai Meteorological Department gab am 26. April bekannt, dass nach seiner Ansicht 2011 zwei tropische Stürme Thailand beeinflussen würden, wovon der eine im August oder September durch Vietnam ziehe und sich auf den Norden des Landes auswirken und der andere im Oktober oder November Südthailand treffen könnte.
Stürme Tropische Depression 01W
Am 1. April begannen die Japan Meteorological Agency (JMA) und das Joint Typhoon Warning Center (JTWC) mit der Beobachtung eines Tiefdruckgebietes über dem Südchinesischen Meer, das mit nichtstetiger Konvektion verbunden war, etwa 535 km ostsüdöstlich von Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam. Die JMA erklärte das System umgehend zu einer tropischen Depression, der ersten der Taifunsaison 2011. Nach der weiteren Entwicklung, vor allem der Ausbildung von konvektiven Bändern um das bodennahe Zirkulationszentrum herum, alarmierte das JTWC, dass die Bildung eines tropischen Wirbelsturmes bevorstehe. Früh am 2. April klassifizierten die Meteorologen des US-Navy in Honolulu das System 01W als tropisches Tiefdruckgebiet. Innerhalb weniger Stunden zeigte sich jedoch, dass das System seine Konvektion verlor, weil Windscherung auf das Tiefdruckgebiet einwirkte, sodass sich dieses fast stationäre System nicht weiter intensivieren konnte. Auch am nächsten Tag konnte das System keine Konvektion aufbauen, und das JTWC gab die letzte Warnung aus, weil das System in ein Resttief degeneriert war. Die JMA setzte ihre Beobachtung des Systems noch einen weiteren Tag fort und gab am 4. April den letzten Statusbericht zu dem Tiefdruckgebiet bekannt.
Tropische Depression 02W (Amang)
Am 30. März begann die JMA mit der Beobachtung eines Tiefdruckgebietes südwestlich von Yap. Am 2. April entwickelte das System eine oberflächennahe Zirkulation, die Konvektion des Systems blieb jedoch unorganisiert. Da das System jedoch eine gut organisierte Ausströmung aufwies und sich in einer Region mit nur schwacher Windscherung bewegte, war eine Entwicklung zu einem tropischen Tiefdruckgebiet zu erwarten, während das System weiter in westnordwestlicher Richtung zog. Nachdem das System früh am 3. April für eine kurze Zeit stationär gelegen hatte, wendete sich das System nach Osten. Die JMA war zu dem Zeitpunkt der Auffassung, das System sei ausreichend organisiert, um als tropische Depression klassifiziert zu werden. Weil sich das System westlich des 135. Grades östlicher Länge befand, nahm auch PAGASA die Ausgabe von Sturmwarnungen auf und wies der Depression den für die Philippinen geltenden Namen Amang zu. Das nordostwärts ziehende System entwickelte schließlich genügend Konvektion, um vom JTWC als tropisches Tiefdruckgebiet mit der Bezeichnung 02W eingestuft zu werden. Diese Intensivierung war jedoch nur kurzlebig, weil sich eine Wetterfront von Westen her näherte und das System zur Transition in ein außertropisches System zwang. Damit verbunden war eine Intensivierung, sodass der National Weather Service (NWS) in Tiyan auf Guam Sturmwarnungen für die Inseln Agrihan, Pagan und Alamagan ausgab. Durch den Einfluss der Wetterfront und starker Windscherung, wurde die Zirkulation verbreitert und die Konvektion freigestellt; außerdem gelangte das System über kälteres Wasser als zuvor. Früh am 6. April veröffentlichte das JTWC die letzte Warnung zu 02W, als sich dieses über offenem Wasser aufzulösen begann. Aufgrund des Auflösungsprozesses führte auch der NWS die Sturmwarnungen für die Marianeninseln am 6. April nicht mehr weiter. Die JMA setzte ihre Beobachtungen noch einige Stunden fort, stellte ihre Warnungen dann aber auch ein.
Tropischer Sturm Aere (Bebeng)
Früh am 4. Mai bildete sich etwa 140 km westlich von Palau ein Tiefdruckgebiet. Dieses begann sich im Tagesverlauf zu organisieren, bildete eine oberflächennahe Zirkulation sowie schmale Konvektionsbänder und ein gut definiertes Zentrum aus. Das System begann am nächsten Tag in einer nordwestlichen Richtung auf die Philippinen hin zu wandern. Am Nachmittag des 5. Mai kam das System jedoch fast zum Stillstand, was dem Einfluss eines Hochdruckgebietes nordöstlich des Systems zu verdanken war. Zu jenem Zeitpunkt begann sich die Zirkulation zwar auszuwalzen, allgemein befand es sich jedoch in einer für die weitere Entwicklung günstigen Umgebung mit hohen Wasseroberflächentemperaturen und geringer vertikaler Windscherung. Später an dem Tag konsolidierte sich das Zirkulationszentrum erneut und das System setzte die Wanderung nach Nordwesten langsam fort. Die Japan Meteorological Agency stufte es daraufhin zu einer tropischen Depression hoch. Am Nachmittag des 6. Mai klassifizierte auch das Joint Typhoon Warning Center dieses System als tropisches Tiefdruckgebiet, und am gleichen Abend klassifizierte PAGASA das System als Tropische Depression Bebeng. Am Nachmittag des 7. Mai erreichten die andauernden Windgeschwindigkeiten Sturmstärke, sodass die JMA die tropische Depression als tropischen Sturm einstufte und den internationalen Namen Aere vergab. Der Sturm schlug allmählich eine nördliche und schließlich nordöstliche Zugbahn ein, verlor jedoch weiter nördlich an Kraft, sodass er von der JMA südlich von Kyūshū zur Depression zurückgestuft wurde. Am 12. Mai löste sich das System auf.
Als sich der tropische Sturm der Ostküste von Luzon näherte, aktivierten die verschiedenen Regierungsbehörden der Philippinen ihre Notfallpläne. Die Streitkräfte der Philippinen, die Philippine National Police und die Philippine Coast Guard wurden in Bereitschaft versetzt. Mehrere vom Sturm betroffene Seehäfen wurden geschlossen, sodass am Nachmittag des 7. Mai nach amtlichen Angaben 1379 Reisende festhingen. Die Niederschläge durch den Sturm führten verbreitet zu Überschwemmungen und Erdrutschen, wodurch Straßenverbindungen unterbrochen und einzelne Ortschaften abgeschnitten wurden. In Catarman, Northern Samar wurden innerhalb von 24 Stunden 377,4 mm Niederschlag registriert, wodurch eine Sturzflut ausgelöst wurde. Der National Disaster Risk Reduction and Management Council stellte fest, dass durch den Sturm und seine Auswirkungen mindestens 33 Personen getötet wurden und bezifferte die Schäden in der Landwirtschaft auf 1,37 Milliarden PHP (31,7 Millionen US-Dollar).
Taifun Songda (Chedeng)