Behaartes Lammfell beziehungsweise Schaffell sowie die daraus hergestellten Produkte werden als Handelsware vertrieben. Seit etwa 10.000 Jahren werden Hausschafe zur Lammfleisch-, Schafsmilch- und Fellgewinnung gehalten, damit sind sie wahrscheinlich die ältesten Nutztiere. Die Nutzung der Schafswolle begann vor etwa 3000 Jahren. Mit Millionen jährlich anfallender Felle sind sie die wichtigsten domestizierten Pelzlieferanten.
Der Weltbestand an Schafen wird von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) auf etwa 1,8 Milliarden geschätzt.Rolf Minhorst: Was genau ist ein Haarschaf? Osnabrück April 2008. Die meisten Felle werden jedoch nicht für Pelzzwecke genutzt, sondern gehen in die Lederindustrie. Die Felle von Wildschafen werden praktisch nicht verwendet.Christian Franke, Johanna Kroll: Jury Fränkel’s Rauchwaren-Handbuch 1988/89. 10., überarbeitete und ergänzte Neuauflage. Rifra-Verlag, Murrhardt, S. 262–301.
Das Schaffell war immer vor allem die wärmende Bekleidung für die einfachen Bevölkerungsschichten. Bereits im frühen Mittelalter galt es, trotz oder vielleicht sogar wegen der großen Haltbarkeit des Haares, als weniger wertvoller Pelz „nur für die niedrige Geistlichkeit und den Bauernstand“. Überhaupt war der Lammpelz besonders bei der Landbevölkerung verbreitet.Fritz Schmidt: Das Buch von den Pelztieren und Pelzen. F. C. Mayer Verlag, München 1970, S. 350–369. Es gibt Lammfelle von außerordentlicher Verschiedenheit und unterschiedlichem Handelswert. Durch diese Vielfalt, ihr ausreichendes Vorhandensein, wegen der großen Strapazierfähigkeit und der vielfältigen Möglichkeiten der Fellveredlung (Scheren, Färben, Bedrucken, Veloutieren, Nappieren) gehören Lammfelle heute zu den begehrtesten Fellarten für die Konfektion überhaupt. mini|Das Waschen der Schaffelle und die Beurteilung der Wollqualität (1594–1596, Isaac Claesz)
Folgt man einer im Jahr 2014 veröffentlichten Studie an 3000 neugeborenen Kindern, so sollen Kinder, die auf einem Tierfell geschlafen haben, zu 80 Prozent weniger an Asthma erkrankt sein. Bei den Fellen dürfte es sich um die üblicherweise fast ausschließlich dafür verwendeten Schaffelle gehandelt haben. Noch im Alter von zehn Jahren waren diese Unterschiede messbar, in diesem Alter waren es 41 Prozent. Anhand früherer Forschungen wurde dies auf bisher nicht spezifizierte Mikroben zurückgeführt, die man in den Fellen vermutet. Die Studie wurde vom Helmholtz Zentrum München der Non-Profit-Gesellschaft European Respiratory Society durchgeführt.www.scinexx.de/wissen-aktuell, European Lung Foundation, 8. September 2014.
Allgemein mini|hochkant|Nappierter Merinolamm-Mantel (2013) Es werden vorrangig zwei große Gruppen unterschieden: die Haarschafe und die Wollschafe. Haarschafe haben ein kurzes Wollkleid mit grobem Grannenhaar. Sie wechseln ihr Haar im Frühjahr und im Herbst. Die Wollschafe haben einen größeren Anteil an Flaumhaaren, es findet kein jahreszeitlicher Haarwechsel statt.
Von den Wollschafen wird ein kleiner Teil der Fellerzeugung zugeführt, die sogenannten Pelzschafe. Felle aller Altersstufen, so sie sich für Pelzzwecke eignen, werden traditionell in der Rauchwarenbranche ziemlich ausnahmslos als Lamm bezeichnet, besonders auch in verarbeitetem Zustand gegenüber dem Endverbraucher. Zeitweilig wurden tatsächlich in vielfach größerem Umfang wirkliche Lammfelle, also die Felle sehr junger, oft nur wenige Tage oder Stunden alter Jungschafe zu Pelzen verarbeitet, der Anteil schwankt je nach Modeentwicklung. Den heutigen Ansprüchen bequemer Kleidung entsprechend haben neue Veredlungsmethoden die Felle ausgewachsener Schafe inzwischen dünnledrig, leicht und geschmeidig gemacht. Zurzeit nehmen großflächige Felle älterer Tiere einen höheren Anteil an der Lammfellbekleidung ein als noch bis etwa um 1990.
Bei den Fellen echter Lämmer unterscheidet der Pelzhandel zwischen gelockten, moirierten, geflammten und glatthaarigen Haarstrukturen, die jedoch nicht immer eindeutig gegeneinander abzugrenzen sind. 1. Gelockte Fellarten sind Karakul (Persianer), Halbpersianer, Salzfelle, Bagdads (gelegentlich ebenfalls als Salzfelle bezeichnet), indische und pakistanische Lammfelle, ostasiatische, besonders chinesische Lammfelle. Als leichtgelockte Ware bezeichnet der Handel italienische, spanische und griechische Lammfelle sowie Caloyos (Spanien, Südamerika).
Der Begriff der Gelockten Ware war vor dem Ersten Weltkrieg vor allem auf Persianer, Halbpersianer und Salzfelle begrenzt. Da das meiste davon schwarz gefärbt wurde, hieß die gelockte Ware auch Schwarze Ware. Alle Schaf- und Lammfellsorten wurden damals auch als Schafkram zusammengefasst.
mini|hochkant=0.75|Embros-Jacke (um 1985?) 2. Moirierte Felle gehören eigentlich auch zur gelockten Ware, doch betrachtet der Handel sie meist als Spezialsorte. Sie haben ein flaches Muster ähnlich dem Breitschwanzfell des russischen Karakullamms. Es sind dies ostasiatische, indische und pakistanische Moirés, chinesischer Breitschwanz, Chekiangs und andere. Auf die eigentlichen Breitschwanzfelle findet der Begriff keine Anwendung; auch nicht auf Breitschwanz-Buenos und Embros, bei denen das Muster durch die Tiefschur der Lincoln-Schmaschen (Bueno) und der Römer-Lammfelle (Embros) entstanden ist. Auch die moirierten Swakarafelle aus Namibia werden wohl vom Handel nicht in diese Spezialsorte eingeordnet.Nicht nur Schafslammfelle werden als Moirés bezeichnet, sondern auch die besten Felle der Ziegenlämmer, wie moirierte Kid aus China, Asmara-Zickel aus Abessinien und Hodeida aus dem Jemen.
3. Hochschur-Lammfelle und Schaffelle verschiedener Lamm- und Schafarten werden durch Scheren und anschließendes Färben für Pelzzwecke nutzbar gemacht. Die großflächigeren Häute werden teilweise dafür im Rohzustand vorgeschoren, um das Zurichten der langhaarigen und teils zottigen Felle zu erleichtern. Oft geschah das bereits im Ursprungsland mit Handschermaschinen, um die Transportkosten zu verringern. Der Veredler entscheidet später nach einer eventuell weiteren Vorschur, in welcher Schurhöhe die beste Zeichnung zu erwarten ist; bereits eine Haarlängendifferenz von nur 0,2 Millimeter kann einen wesentlichen Unterschied bewirken. Für Hochschuren sind besonders die feinwolligen, dichthaarigen, leichtledrigen, merinoartigen Sorten geeignet. 4. Tiefschur-Lammfelle weisen einige Millimeter über dem Leder eine reliefartige Zeichnung (Moiré) auf, die erst nach dem Scheren sichtbar wird. Allerdings lässt sich durch ein Durchleuchten der Rohfelle feststellen, welche Felle für die Tiefschur ausreichend gezeichnet sind.Friedrich Jäkel: Der Brühl von 1900 bis zum 2. Weltkrieg., 5. Fortsetzung. In: Rund um den Pelz. August 1966, S. 83. Hierfür eignen sich Römer-Lammfelle, besonders schön werden Lincoln- oder Montevideo-Schmaschen (Fellbezeichnung Bueno-Lamm, früher auch gelegentlich American-Broadtail (amerikanischer Breitschwanz), ausgewachsenere Felle waren zumindest vor 2000 noch als Borrego und Borrequito im Handel). Die als am schönsten empfundenen Felle weisen nach der Tiefschur ein pfauenaugenähnliches Muster auf. Montriesen. bezeichnete eine geschorene Lammart, ähnlich Buenos, Lincoln oder Embros, nur von einer anderen Herkunft; sie ergaben Pelzmäntel schwererer Art.Alexander Tuma: Pelz-Lexikon. Pelz- und Rauhwarenkunde. XX. Band, Verlag Alexander Tuma, Wien 1950. Stichwort „Montriesen“. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging man dazu über, für Besatzzwecke Lincolnfelle nicht mehr ausschließlich tief zu scheren, um ihnen mit einer halbhohen Schur ein persianerähnliches Aussehen zu geben.
5. Oberhaar-Lammfelle sind mehr grannig oder mehr wollig, wobei die grannigeren die wertvolleren sind. Soweit das Haar gelockt ist, wird es durch Bügeln und Fixieren gestrafft. Sie eignen sich gut für Edelpelz-Imitationen wie Marder, Zobel, Iltis, Luchs, Blau- oder Silberfuchs und Waschbärfell, vor allem die so genannten Toskana-Lammfelle und spanische Ware mit ihrer seidigen Qualität. Toskana-Lamm ist eine bestimmte italienische Lammfellsorte, die Felle müssen nicht aus der Toskana stammen.
Die meisten Rohfelle werden aufgeschnitten angeliefert, mit Kopf, Klauen (Beinen) ohne Hufe und dem Schwanz. Einzelne Herkommen kleiner Lammfelle, unter anderem aus Südfrankreich, Korsika und Sardinien, werden manchmal auch rund abgezogen; sie werden meist nach Gewicht gehandelt.
Bezeichnungen nach dem Zeitpunkt der Schlachtung bzw. des Todes Felle von Früh- und Totgeburten vom ungemusterten Karakullamm Galjak vom gemusterten Karakullamm Breitschwanz von sonstigen Pelzlämmern Galjak von Wollschaflämmern Schmaschen Felle ein bis wenige Tage alter Lämmer vom Karakullamm Karakul oder Persianer von sonstigen Lämmern Lammfell, z. B. Bagdadlammfell von Wollschafen, etwa einen Tag alt Schmasche von Wollschafen, zwei bis vier Tage alt Forsche von Wollschafen, 3 bis 6 Tage alt Lamm(fell) Felle von bis mehrere Monate alten Tieren werden bezeichnet als Lamm(fell), z. B. Tibet, Slink, Merino usw. Felle ausgewachsener Schafe werden bezeichnet als Schaf(fell)Felle geschorener Schafe werden bezeichnet ohne Bewollung, nur Lederware Blöße wenig bewollt,zum weitaus größten Teil auch Lederware Scherling oder Shearling mit stärkerer Bewollung Angewachsene mit dichterem Wollkleid Kurzwollige
Einteilung der Schafrassen nach Vliestyp Weltbestand (Prozentsätze Stand 1956)H. Grell: Studien zur Schaf- und Ziegenhaltung in den Tropen und Subtropen (Teil II.). Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung, Weltforum Verlag, München 1973, S. 43. Nach Carter und Chalet (1956, zitiert in Schäfer: Nutzungsrichtung der Schafrassen unter dem Einfluß des Standortes. In: Handbuch der Tierzüchtung. Band 3, 2. Halbband, Verlag Paul Parey, Hamburg / Berlin 1961, S. 164–180). Merinoschafe und Schafe im Merinotyp 20 % Langwollrassen und Langwollkreuzungen 20 % Kurzwollrassen und Kurzwollkreuzungen 4 % Grobwollrassen (Teppichwollen) 50 % Haarschafe 6 %
Die Begriffe Forsche, Blöße, Scherling, Angewachsene und Kurzwollige werden nur im Rauchwarenhandel verwendet.
Die Schafhaut ist im Sommer schwammiger als im Winter und ergibt deshalb ein weniger wertvolles Leder.Darioush Mehdi, S. 4. Nach White und Caughley (zitiert von Küntzel): A. Küntzel: Handbuch der Gerbereichemie und Lederfabrikation. Springer Verlag, Wien 1944. Mit zunehmendem Alter ändert sich die Haut- und Wollbeschaffenheit. Die Unterschiede treten im Allgemeinen erst mit zunehmendem Alter stärker in Erscheinung. Insbesondere bei der Veränderung der Wollfeinheit wird das Alter der Schafe in der Literatur als wichtiger Faktor betrachtet. Die Lammwolle ist feiner als die Schafwolle.Dariousch Mehdi, S. 4–5. Nach Frölich, Spöttel und Tänzer sowie nach Doehner: C. Frölich, W. Spöttel, E. Tänzer: Die Wollkunde. Springer Verlag, Berlin 1929. - H. Doehner: Handbuch der Schafzucht und Schafhaltung. 4. Band: Die Leistung des Schafes. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1954.
An der Schulter ist die Wolle meist am feinsten. Es folgen Bauch und Rücken, während die Wolle an den Keulen fast durchweg am gröbsten ist. Als der wertvollste Teil des Schaffelles gilt das Kernstück (Croupon), bei dem Haarwuchs und Hautdicke am stärksten und gleichmäßigsten sind. Es beträgt etwa drei Viertel der Gesamtfläche eines Felles, bei guten Fellen mehr, bei schlechten weniger. Das verbleibende Viertel sind „abfällige“ Teile (Garnituren); gute Felle sind in den Seiten nur wenig abfällig.
Ein wesentlicher Faktor für die Wertbestimmung eines Felles ist auch seine Größe. Größere Lammfelle werden nicht nach Stückzahl, sondern nach Quadratfuß gehandelt. Während früher die Fläche mit dem Planimeter ermittelt wurde, geschieht dies heute industriell mit der Flächenmessmaschine. Die auf der Fellrückseite vermerkten Angaben erfolgen entweder in Quadratzentimetern oder in Quadratfuß, wobei 1 Quadratfuß zu 9,3 Quadratzentimeter gerechnet wird.
Strapazierfähigkeit