Die Braunkohlenlagerstätte Malliß ist das größte Vorkommen von Braunkohle im deutschen Land Mecklenburg-Vorpommern.
Durch Bohrungen und Auffahrungen wurden drei Flöze nachgewiesen, davon zwei bauwürdige: das Ober- und das Unterflöz. Da die bergbaulichen Gewinnungsarbeiten fast eineinhalb Jahrhunderte andauerten und es eine große Anzahl von Betreibern unterschiedlichster Eigentumsformen gab, soll aus Gründen der Übersichtlichkeit im Folgenden die Geschichte dieses Bergbaus zweigeteilt werden, auf ebendiese beiden Kohlenflöze; hier endend mit dem Abbau des Unterflözes.
Die Suche und Erkundung der Mallißer Braunkohlenlagerstätte sowie deren geologische und hydrogeologische Bedingungen wurden bereits im Artikel Braunkohlenbergwerk Malliß (Oberflöz) beschrieben.
Die bergbaulichen Gewinnungsarbeiten im Unterflöz „Mallißer Ziegelei- und Bergwerks-Gesellschaft“ (1883–1908) mini|links|Ansicht des Marienstollens um 1870 Die Mallißer Ziegelei war bereits in den 1870er Jahren erheblich erweitert worden und hatte einen weitaus höheren Brennstoffbedarf. Zur Beförderung dieser Mengen wurde das Ziegeleiareal durch einen Stichkanal mit dem Elde-Kanal verbunden. Ein weiterer Kanal wurde in nordwestlicher Richtung angelegt. Dieser neue Wasserweg führte direkt zum Marienstollen. Das Unterflöz stand hier mit einer Mächtigkeit von 2,30 m an. Die Vorrichtung der Lagerstätte wurde dadurch begünstigt, dass die Grubenwässer nicht mittels Pumpen zutage gefördert werden mussten, sondern dem Gefälle des Marienstollens folgend direkt dem Elde-Kanal zuflossen. Diese Vorbereitungsarbeiten für den Kohleabbau fanden an der entlang der Bundesstraße 191 verlaufenden sogenannte Chausseestörung jedoch ihr Ende. Aus diesem Feld sind von 1873 bis 1900 etwa 155.000 t Kohlen abgebaut worden. Schon vorher war das Unterflöz nordwestlich der Chausseestörung durch vier Schächte von 11 m bis 14,75 m Teufe ausgerichtet worden. Hier sind zwischen dem Ausgehenden und einem Niveau von etwa 20 Metern über NN von 1888 bis 1905 rund 45.000 Tonnen Kohle gewonnen worden.
Die durch die Mallißer Ziegelei- und Bergwerksgesellschaft geförderte Kohle war von guter Beschaffenheit und konnte sich bald einen recht umfangreichen Absatz sichern. Nicht nur der gesamte Feuerungsbedarf der Ziegelei und der ebenfalls am Eldekanal gelegenen Dampfsägerei wurde gedeckt, sondern die Kohle wurde auch auf dem Wasserwege die Elde aufwärts bis nach Malchow und abwärts nach den an der Elde gelegenen Orten für Industrie- und Hausbrandzwecke in größerem Umfang verfrachtet. Sowohl die bessere Qualität der Unterflözkohle als auch die Verbilligung der Transportkosten durch den Wasserweg kamen dem Absatz zugute. mini|Ansicht des Eingangs zum Marienstollen Trotzdem war das Unternehmen der zunehmenden Konkurrenz der mitteldeutschen Braunkohle auf Dauer nicht gewachsen, da diese trotz höherer Frachtkosten selbst Briketts billiger liefern konnte. Im Jahre 1907 hatte die Mallißer Ziegelei- und Bergwerksgesellschaft einen Verlustsaldo von 49.962 Mark. Sie beschloss daher im April 1908 ihre Auflösung und das Bergwerk wurde wiederum stillgelegt.
„Gewerkschaft Conow“ (1922–1926) mini|Lage der Schächte, Stollen und Tiefbausohlen der Gewerkschaft Conow Als in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg die Brennstofflage angespannt war, erwarb die Gewerkschaft Conow, die in unmittelbarer Lage das Kaliwerk Conow betrieb, die Abbauberechtigung für das Braunkohlenbergwerk Malliß, um das Kaliwerk mit Kohle versorgen zu können. Sie richtete das Grubenfeld 1922 unterhalb der alten Abbaue aus den Jahren 1894/1908, nordwestlich der sogenannten Chausseestörung, durch einen Tagesschacht (Schacht B) sowie später durch eine zutage endende „Schiefe Ebene“, den Conow-Stollen I, für die Braunkohlengewinnung vor. Schacht B diente der Wasserhaltung und Bewetterung, war aber auch durch ein eingebautes Fahrtrum als Rettungsweg ausgerüstet. Fahrung und Förderung liefen jedoch über den Conow-Stollen I. Schacht B wurde auf dem Bohrloch Nr. 49, dicht an dem von Conow nach Bockup führenden Weg abgeteuft. Er traf das Kohlenflöz in der Teufe von 45,2 m und wurde noch 3 m in dessen Liegende geteuft; seine Gesamtteufe betrug also rund 51 m. Er wurde in Bolzenschrotzimmerung mit dichter Verschalung von 40 mm-Bohlen ausgeführt. Die lichte Weite des Schachtes betrug 2,50 m × 3,50 m.
Aus- und Vorrichtung, Abbauverfahren Nach Fertigstellung des Schachtes wurde am nordöstlichen Schachtstoß eine Pumpenkammer in der Kohle ausgearbeitet, ausgezimmert und ausgemauert. Dann wurde östlich vom Schacht beginnend eine doppelgleisige Schiefe Ebene (Conow-Stollen I) in Türstockzimmerung mit dichter Verschalung und einer Neigung von etwa 7 Grad in nordöstlicher Richtung, etwa parallel zum Conow-Bockuper-Weg, bis zu Tage aufgefahren. Sie hatte die lichten Maße 2,30 m × 2,10 m und wurde in einsteiniger Backstein-Mauerung ausgekleidet.
Zur Vorrichtung der Lagerstätte wurde im Streichen des Flözes nach beiden Seiten des Schachtes eine doppelgleisige Hauptförderstrecke (I. Tiefbausohle) bis an die Baugrenzen getrieben. Beim Vortrieb ins Unverritzte wurde zur Sicherung vor Sanddurchbrüchen täglich vorgebohrt sowie eine elektrische Handlampe und Abdichtungsmaterial (Bretter und Stroh) bereitgehalten. Schwebende Abbaustrecken wurden in Abständen von ungefähr 15 m bis zum Alten Mann beziehungsweise zum Ausgehenden aufgefahren. Die streichenden Pfeilerstrecken hatten Abstände zueinander von 10 m, die eigentlichen Abbauorte, die sogenannten Brüche, hatten die Maße von rund 4 m × 4 m. Als Abbauverfahren kam Pfeilerrückbau (-bruchbau) zur Anwendung. Zwischen Altem Mann und Fahrstrecken verblieben Sicherheitspfeiler, um diese als sichere Fluchtwege nutzen zu können.
1924 wurde nach Westen, zur weiteren Vorrichtung des sogenannten Westflügels, vom Conow-Stollen I die II. Tiefbausohle bis zum „Westlichen Wetterschacht“ (vergl. obige Darstellung, etwa 600 m Länge), vorgetrieben. Zu dem entgegengesetzten Ostflügel hin wurde der begonnene Streckenvortrieb später eingestellt, da eine von Übertage gestoßene Bohrung (Bohrung 38) eine sogenannte Flözverdrückung antraf. Hier, im östlichen Niveau der II. Sohle, wurde das Kohlenflöz durch eine Kieseinlagerung verdrängt. Dieser östliche Bereich sollte später durch die III. Tiefbausohle, ausgelenkt vom Conow-Stollen I aus, angefahren werden. Dort wurde schon im September 1920 mit dem Abteufen eines Schachtes begonnen (Teufschacht A), der jedoch bei Teufe 24 m infolge starken Sand- und Wasserauftriebs aus dem Lot kam und aufgegeben werden musste.
Die Bewetterung erfolgte auf natürlichem Wege. Bei Bedarf konnte jedoch jederzeit ein Grubenlüfter auf Schacht B in Betrieb genommen werden. Später, als die I. Sohle den Alten Mann erreichte, wurde der „Westliche Wetterschacht“ angelegt, durch den sich die Grubenbewetterung noch verbesserte. Der Betriebsplan sah vor, gegebenenfalls in der Nähe der Abbauörter weitere Wetterbohrlöcher von 30 cm Durchmesser von unten nach Übertage zu stoßen.
Die Grubenwässer-Zuflüsse betrugen etwa 1 m³/min. Sie wurden in der Sumpfstrecke der II. Sohle gesammelt und von mehreren elektrischen Kreiselpumpen, die in einer Pumpenkammer oberhalb der Sohle aufgestellt waren, zu Tage gehoben. Später, so war geplant, sollte die Hauptentwässerung über Schacht A (in obiger Darstellung „Teufschacht A“) laufen.
Die Kettenbahnförderung Die 1922 in Betrieb genommene Kettenbahn (gebaut von der Maschinenfabrik A. W. Mackensen aus Magdeburg) im Conow-Stollen I wurde 1924 unterhalb der I. Tiefbausohle in einem Winkel von 113 Grad nach Westen abgezweigt und mit geringem Einfallen zur II. Tiefbausohle geführt. Die Herstellung einer geradlinigen Verlängerung in einfallender Richtung wurde wegen der Schwierigkeit und der Kosten, die eine solche doppelgleisige Strecke in den zu durchörternden geologischen Verwerfungszonen mit sich brächte, verworfen. Am Knickpunkt der um 117 m verlängerten Kettenbahn wurde die Kette (unkalibrierte Kette, Gliederstärke 16 mmp, geliefert von der Firma Caspar Post & Söhne aus Hagen) um zwei Umlenkscheiben von 860 mm Durchmesser herumgeführt, zu deren beiden Seiten Kettentragrollen angeordnet wurden. Die Umlenkscheiben und Tragrollen wurden so hoch verlegt, dass die Kette sich rechtzeitig selbsttätig aus den Mitnehmern der Förderwagen löste. Die Wagen durchfuhren sodann die Gleiskurve und wurden von einem Fördermann wieder unter die Kette geschoben. Der Antrieb erfolgte durch einen 15 kW-Elektromotor. Die Leistung der Kettenbahn wurde angegeben mit 3.000 Hektoliter Kohle (entspricht 225 t) in 15 Stunden. Ein Förderwagen fasste 6 hl oder umgerechnet 450 kg.
Die durch Conow-Stollen I zutage geförderten Förderwagen wurden auf einer Verladebühne mittels Kreiselwipper über Roste in Kohlenbunker gestürzt und von hier teils in Bahnwaggons, teils in Fuhrwerke verladen. Betriebsführer waren Franz Buttenberg, später Gottlieb Riemer. Gefördert wurden von 1922 bis 1926 etwa 155.000 t ausschließlich für die Kesselanlagen des Werkes. Mit der Stilllegung des Kalibergwerkes 1926 kam das Braunkohlenbergwerk ebenfalls zum Erliegen.
„Landesverwaltung Mecklenburg-Vorpommern, Braunkohlen- und Salzgewinnung“, gefolgt von „Mecklenburgische Braunkohlenbergbau G.m.b.H. Malliss“ sowie letztlich „VEB (K) Braunkohlenbergwerk Malliß“ (1945–1960)
Die Wiederbelebung des Kohlenabbaus nach Kriegsende Nach der Besetzung Mecklenburg-Vorpommerns durch die Rote Armee setzte die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) am 9. Juli 1945 eine Landesverwaltung ein. Diese und die spätere Landesregierung (ab Dezember 1946) unterstanden der Aufsicht und Kontrolle der SMAD beziehungsweise der SMA und hatten ihre Befehle umzusetzen. mini|Eingang des Conow-Stollens I Die Sowjetische Militäradministration übte bis zur Gründung der DDR im Oktober 1949 die oberste Regierungsgewalt aus. Dieser im Juli eingesetzten Landesverwaltung machte der in Malliß wohnende Bergwerksdirektor Friedrich Prinz mit Schreiben vom 25. August 1945 auf das Mallißer Braunkohlenvorkommen aufmerksam. Letztlich war wohl sein „Endbericht über meine Untersuchungen der Nutzbarmachung des Braunkohlenvorkommens in Malliss-Bockup“ vom 19. Oktober 1945 Anlass des Befehls Nr. 13 vom 26. Januar 1946 der SMAD: „Erbeutung von Heizmaterial: […] Ferner befinden sich beim Dorf Malliss, Kreis Ludwigslust, bedeutende Braunkohlenvorkommen,(gegen 1 Million to), deren Ausbeute bis jetzt nicht begonnen hat, obwohl diese Kohle sowohl für Industriezwecke als auch für den Bedarf der Bevölkerung Verwendung finden könnte. Zur Ausführung des erwähnten vom Oberbefehlshaber der sowjetischen Truppen in Deutschland, Marschall Shukow, erlassenen Befehls [mit Befehl Nr. 103 vom 10. Oktober 1945 hatte der Oberbefehlshaber der Sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland, Marschall Shukow, die Landespräsidenten und örtlichen Selbstverwaltungen bereits beauftragt,] […] mit allen Mitteln die Ausbeutung jeglicher Art örtlichen Heizmaterials zu fördern.[…] befehle ich:“
„§ 4. Zwecks Abbau der Braunkohlenablagerungen im Dorfbezirk Malliss (Kreis Ludwigslust) beantrage ich beim Direktor der Bergwerk-Gesellschaft „Malliss“, Herrn Prinz, sofort mit der Abstützung zweier Kohlenschächte zu beginnen und zum 15. Juli d. J. zu beenden. Durch Erhöhung der Kapazität zum 1. Januar 1947 ist eine monatliche Ausbeute von 15.000 to Braunkohle zu erreichen.“ „§ 5. Der Chef der Wirtschaftsabteilung bei der Verwaltung der SMA in Mecklenburg und Vorpommern, Oberst der Garde Michailow, hat die Übergabe der sich auf dem Gebiet des Marinearsenals (Dorf Conow, Kreis Ludwigslust) befindlichen, für den Arbeitsbeginn erforderlichen Bergschacht-Einrichtung zu gewährleisten und eine Kontrolle über die Durchführung dieses Befehls einzurichten“.Ministerpräsident, Dolmetscherbüro, Befehle der SMA Mecklenburg-Schwerin 1946, Bestandssignatur 6.11-2, Nr. 1463a, Landeshauptarchiv Schwerin