mini|300px|Geburtshaus von Herbert Boeckl, Klagenfurt, Viktringer Ring 11 mini|240px|Gedenktafel an Boeckls Geburtshaus Herbert Arthur Paul Boeckl (* 3. Juni 1894 in Klagenfurt; † 20. Jänner 1966 in Wien) war ein österreichischer Maler, der als Autodidakt und bedeutender Vertreter der österreichischen Moderne gilt.
Leben Frühe Jahre Herbert Arthur Boeckl wurde am 3. Juni 1894 als Sohn des Staatsgewerbeschullehrers und Maschinenbauingenieurs Leopold Böckel und dessen Frau Paula in Klagenfurt geboren. Er war der zweitälteste von vier Söhnen. Bereits in Kindertagen entwickelte er ein großes Interesse an der Malerei.Agnes Husslein-Arco (Hrsg.): Herbert Boeckl. Retrospektive. Wien 2009, S. 401–402.
Seine Schulausbildung erhielt Boeckl in Klagenfurt, wo er auch 1912 maturierte, um sich anschließend in Wien an der Akademie der bildenden Künste zu bewerben. Nachdem ihm eine Aufnahme verwehrt wurde, immatrikulierte er an der Bauschule der Technischen Hochschule. Das dortige Architekturstudium hatte für ihn jedoch nie einen vergleichbar hohen Stellenwert wie die Malerei. Nichtsdestoweniger ermöglichte ihm das Studium neue Perspektiven und engen Kontakt zu Adolf Loos, der vehement gegen den für ihn mit veralteten Traditionen belasteten Kunstbetrieb auftrat.Gerbert Frodl: Herbert Boeckl, Salzburg 1976, S. 6–7.
Im Dezember 1913 nahm Boeckl an der Ausstellung des Österreichischen Künstlerbundes im Kunstsalon Pisko in Wien teil. Laut damaligen Kunstkritikern zeigten die Arbeiten der ausstellenden Künstler starke Anregungen durch die Werke von Gustav Klimt, Maurice Denis, Paul Gauguin, Paul Cézanne und Vincent van Gogh. Boeckl war mit den Bildern Blaue Karre, Bäume am Feuerbach und Herbstmorgen an der Glan vertreten.Agnes Husslein-Arco (Hrsg.): Herbert Boeckl. Retrospektive. Wien 2009, S. 402.
Erster Weltkrieg Auch nach Kriegsausbruch 1914 studierte Boeckl weiterhin an der Wiener Technischen Hochschule und betätigte sich gleichzeitig als Maler. Seine Gemälde aus dieser Zeit lassen einen stärkeren Einfluss des Symbolismus und Postimpressionismus erkennen.
Ab Mai 1915 diente er im Feldartillerieregiment Nr. 28, zu dem Ende des Jahres auch Bruno Grimschitz gehörte – enger Freund, späterer Kustos sowie Direktor der Österreichischen Galerie im Wiener Belvedere und Förderer Boeckls. Unter seine Leitung erwarb das Museum insgesamt zehn Werke des Künstlers. Auch Grimschitz’ Nachfolgern war die Erweiterung dieser Sammlung ein großes Anliegen.
1916 beteiligte sich Boeckl an der Decennium-Ausstellung des Österreichischen Künstlerbundes bei C. J. Wawra in der ehemaligen Galerie Pisko, wo er das kurz zuvor entstandene Porträt Bruno Grimschitz zeigte. Während eines Heimaturlaubes im selben Jahr lernte er seine zukünftige Ehefrau Maria Plahna kennen. Im Jänner 1917 beteiligte sich Boeckl an einer Ausstellung in Klagenfurt, bei der er einen, zurzeit als verschollen geltenden, Entwurf für ein Heldendenkmal ausstellte.
1918 absolvierte Boeckl seine erste Staatsprüfung an der Technischen Hochschule in Wien und konnte sich an der 10. Bilderschau des „Kunstvereins für Kärnten“ in Klagenfurt beteiligen. Im selben Jahr schloss der Künstler einen unbefristeten Kommissionsvertrag auf Vorschuss mit dem erfolgreichen Verleger, Buch- und Grafikhändler Gustav Nebehay ab. Damit wurde dem Händler gegen einen regelmäßigen Monatslohn die gesamte Produktion des Malers zum Verkauf überlassen, wobei der Verkaufserlös je zur Hälfte an die Vertragspartner gehen sollte. Zusätzlich finanzierte Nebehay Boeckls Studienreisen, die ihn nach Berlin, Paris und Sizilien führten. Der Vertrag wurde 1931 aufgrund von Differenzen um den Verkauf eines Bildes aufgelöst.Agnes Husslein-Arco (Hrsg.): Herbert Boeckl. Retrospektive. 2009, S. 402–403.
Werdegang als Künstler Nach Ende des Krieges gab Boeckl das Studium an der Technischen Hochschule auf und bezog 1919 ein Atelier in Klagenfurt. Dort hielt er engen Kontakt zum Nötscher Künstlerkreis, dessen Mitglieder ihm Aktmodelle vermittelten. In dieser Zeit entstanden beispielsweise der Große Liegende Frauenakt, für den er seine Frau als Modell wählte, und eine Vielzahl an Aktdarstellungen in Kohle und Aquarell.Agnes Husslein-Arco (Hrsg.): Herbert Boeckl. Retrospektive. 2009, S. 403. Boeckls Darstellungen in den 20er Jahren zeigen den Einfluss des Nötscher-Kreises, der zum größten Teil in der Gewichtung auf die Farben zu erkennen ist. Sein Verhältnis zur Farbe war jedoch von sinnlicher, beinahe expressionistischer respektive psychologischer Natur.Gerbert Frodl: Herbert Boeckl. Salzburg 1976, S. 13. Zusätzlich sind diese Werke Zeugnis für eine starke und eigenwillige Künstlerpersönlichkeit. Der Große liegende Akt beispielsweise hat nichts mit den gleichzeitig entstandenen Werken anderer österreichischer Maler gemeinsam. Noch deutlicher zeigen sich die plötzliche Selbständigkeit und das neue künstlerische Selbstbewusstsein des gerade aus dem Krieg heimgekehrten, jungen und eigentlich ungeschulten Künstlers in den Zeichnungen und Gouachen dieser Zeit.Gerbert Frodl: Herbert Boeckl. Salzburg 1976, S. 10–11.
Als von Juni bis September 1920 im Wiener Kunstgewerbemuseum eine Überblicksdarstellung der Moderne Österreichs präsentiert wurde, konnte sich Herbert Boeckl mit zwei Gemälden beteiligen. Sie wurden neben Werken von Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka gezeigt. Im selben Jahr entstand während eines Sommeraufenthaltes in Töschling am Wörther See das Ölbild Gruppe am Waldrand. Hier wurde die Ölfarbe schon beinahe zur Modelliermasse der Darstellungen. Die starken Konturen, die in seinen früheren Werken Anwendung fanden, verschwanden. Ebenfalls in Töschling entstand Steinbruch mit roten Schatten, in der die Tektonik der Landschaft hervorgehoben wurde und somit dem architektonischen Verständnis Boeckls entgegenkam – ein Aspekt, dem er im Laufe seines künstlerischen Schaffens stets große Bedeutung beimaß. Direkte Vorbilder für das Streben Boeckls, den Farbauftrag plastisch zu gestalten, lassen sich nicht finden. In den Werken Boeckls dieser Zeit ist die Farbe verselbständigt und wird beinahe selbst zum Motiv.Gerbert Frodl: Herbert Boeckl. Salzburg 1976, S. 14–15.
Nach häufigem Wechsel seines Wohnortes begab sich Boeckl 1921 nach Berlin. Dort schloss er sich keiner Künstlergruppe an, sondern ließ sich abseits der Kunstzentren nieder. Während seines einjährigen Berlinaufenthaltes entstanden unter anderem die Werke Stillleben mit Fischen, Stillleben mit toter Taube und Berliner Hinterhäuser.Agnes Husslein-Arco (Hrsg.): Herbert Boeckl. Retrospektive. Wien 2009, S. 404. Bei Letzterem, dem ersten dokumentierten Stadtbild Boeckls, zeigt sich sein starkes Interesse an den hinter- und ineinander geschachtelten Wand- und Farbflächen, die von dunklen Linien getrennt und von Fensteröffnungen belebend durchbrochen werden.Gerbert Frodl: Herbert Boeckl. Salzburg 1976, S. 16.
Im April 1922 reiste Boeckl zurück nach Kärnten und verbrachte den Sommer mit seiner Familie in Klopein. Am Klopeiner See entstanden zahlreiche Landschaftsdarstellungen, die seine intensive Beschäftigung mit Cézanne erkennen lassen.Agnes Husslein-Arco (Hrsg.): Herbert Boeckl. Retrospektive. 2009, S. 404. Bis auf 1924 hielt sich Boeckl nun jeden Sommer dort auf, um einerseits die in Berlin, Paris und Sizilien gesammelten Impressionen zu verarbeiten und Natureindrücke zu sammeln. Besonders hatten ihn die vielfältige Schichtung der Landschaft, die bewaldeten Hügel und steilen Berge, vor allem aber die klare Abgrenzung der Formen und ihrer Farb- und Helligkeitsgrade voneinander fasziniert.Gerbert Frodl: Herbert Boeckl. Salzburg 1976, S. 17.
1923 trat Boeckl seine Studienreise nach Paris an, wo er im Louvre die alten Meister studierte und sich mit dem Bildhauer Ossip Zadkine anfreundete. In der französischen Hauptstadt entstanden Pariser Selbstbildnis und Fortifikationen von Paris.Agnes Husslein-Arco (Hrsg.): Herbert Boeckl. Retrospektive. Wien 2009, S. 404. Der Aufenthalt in Paris führte weniger zu einer Auseinandersetzung mit den neuesten Strömungen innerhalb der französischen Kunst, als viel mehr zu einer intensiven Beschäftigung mit den Klassikern der modernen Malerei, allen voran mit Cézannes Werken.Gerbert Frodl: Herbert Boeckl. Salzburg 1976, S. 17.
Es folgte ein kurzer Aufenthalt in Kärnten und eine Reise zusammen mit seiner Familie nach Palermo, wo er die Maler Edwin Hunziker und Max Gruber kennenlernte. In Sizilien entstanden unter anderem die Große sizilianische Landschaft, eine Darstellung in der sich Boeckls großes Interesse am Steinbruch von Bagheria zeigt, sowie die Kleine sizilianische Landschaft.Agnes Husslein-Arco (Hrsg.): Herbert Boeckl. Retrospektive. Wien 2009, S. 401–405. Der Aufenthalt in Italien hatte für Boeckl größere Bedeutung als jene in Paris und Berlin. In Sizilien wandelte sich seine Malerei: Bereits in Palermo entwickelten sich selbstbewusste, sparsam ausgeführte Zeichnungen, woraus sich eine gewisse Vereinfachung und eine Art Erhabenheit in Boeckls Malerei ergab. Diese Neuheiten in seinem Stil werden in Der großen Sizilianischen Landschaft bereits deutlich sichtbar.Gerbert Frodl: Herbert Boeckl. Salzburg 1976, S. 20.
mini|Errettung Petri aus dem See Genezareth: Petrus trägt die Gesichtszüge Lenins 1924 erschien die erste kunsthistorische Würdigung Boeckls durch Otto Benesch, der Boeckls Kunst als Nachfolge von Goya, Van Gogh, Géricault, Cézanne und Lovis Corinth stellte.Otto Benesch: Rembrandts Vermächtnis. In: Belvedere. Kunst und Kultur der Vergangenheit. Zeitschrift für Sammler und Kunstfreunde, Bd. 5. 28/29, 1924, S. 148–175. Im Winter desselben Jahres arbeitete er im Atelier des befreundeten Malers Felix Esterl in Wien, wo die Bilder Stillleben mit Ofenrohr und Akt mit gelber Kiste entstanden.Agnes Husslein-Arco (Hrsg.): Herbert Boeckl. Retrospektive. Wien 2009, S. 405. Letzteres stand am Beginn einer Reihe von Aktbildern, deren Hauptanliegen es war, die Körperlichkeit der menschlichen Figur durch raumbildende Farben zu ergänzen und mittels der Entfernung von naturalistischen Formen Ausdruckssteigerung zu erzeugen.Gerbert Frodl: Herbert Boeckl. Salzburg 1976, S. 21.
Neben zahlreichen namhaften Malern der Nötscher Schule beteiligte sich Boeckel von April bis Juni 1925 an der Kunstschau des Bundes Österreichischer Künstler im Wiener Künstlerhaus. Hier zeigte er die Große sizilianische Landschaft und zwei Stillleben.
Im November 1927 präsentierte die Wiener Secession im Zuge ihrer Herbstausstellung einen eigenen Boeckl-Saal mit 30 Ölgemälden des Künstlers, die in den vorangegangenen zwei Jahren, aber auch während der Aufenthalte in Berlin, Palermo und Paris entstanden waren. Wiener Kunstkritiker sahen in den Werken das Vorbild Kokoschkas und zogen Vergleiche zu Lovis Corinth, sodass Boeckl von manchen ein Mangel an Innovation vorgeworfen wurde.Agnes Husslein-Arco (Hrsg.): Herbert Boeckl. Retrospektive. 2009, S. 405–406.
mini|Gedenktafel für Herbert Boeckl, Wien, Argentinierstraße 42 1928 bezog Boeckl ein Atelier in der Wiener Argentinierstraße, in dem er 36 Jahre bis zu seinem Schlaganfall arbeitete und teilweise wohnte. Seine Familie lebte hingegen in Maria Saal. Im September malte er auf eigene Initiative im dortigen mittelalterlichen Dom das Fresko Errettung Petri aus dem See Genezareth. Das Bild führte wegen seines Stils, aber auch wegen einer angeblichen Ähnlichkeit Petri mit Lenin zu teils heftiger Kritik, sodass Bischof Adam Hefter das Bild verhängen ließ.
In den folgenden Jahren nahm Boeckl an zahlreichen Wiener Ausstellungen teil und steigerte seine Verkaufszahlen. Zusätzlich finden sich in den damaligen Kunstkritiken häufig anerkennende Worte für seine Werke. Er wohnte mit seiner Familie von 1930 bis 1935 in Perchtoldsdorf.Christine Mitterwenger, Gregor Gatscher-Riedl: Perchtoldsdorfer Straßenlexikon. 2004.