Anton Kartak (* 26. März 1924 in Przemyśl in Polen; † 14. Februar 2011) war ein deutscher Jurist, Basketballtrainer, -spieler und Sportfunktionär. Kartak war in den ersten Phasen seines Lebens ein engagierter Wettkampf- und später Freizeitsportler. In den 1940er und 50er Jahren war er ebenfalls als Eishockeyligaspieler und -trainer aktiv. Besonders in der ersten Phase des Wiederaufbaus nach Kriegsende hat er im Bereich des Sports, besonders des Hochschulsports, Aufbauarbeit geleistet. Bereits 1951 wurde ihm das Silberne Lorbeerblatt verliehen.Gemeindebrief Friedenskirche Handschuhsheim – Nr. 207, Ausgabe April bis Juli 2011. Aus den Kirchenbüchern Ev. Friedensgemeinde Handschuhsheim. Website Evangelische Kirche in Heidelberg. Abgerufen 14. Mai 2011. Anton Kartak, vierter Präsident. Website DBB. Abgerufen 14. Mai 2011. Website USC Heidelberg. Abgerufen 14. Mai 2011. – DBB-Ehrenpräsident nach langer schwerer Krankheit verstorben. Website DBB. Abgerufen 6. April 2012. Website USC Heidelberg. Abgerufen 14. Mai 2011.Chronik BBW Namen, Zahlen, Fakten … aus 40 Jahren BBW (PDF; 95 kB). Website Basketballverband Baden-Württemberg e. V. Abgerufen 12. April 2014.rechts|110px|klasse=skin-invert-image
Jugend, Zweiter Weltkrieg, Studium Geboren wurde Anton Kartak in Polen. Die ersten vier Klassen des Gymnasiums besuchte er in Jindřichův Hradec (deutsch Neuhaus/Tschechien), eine Stadt im Jihočeský kraj in Tschechien, die 1938 bis 1945 bedingt durch das Münchner Abkommen politisch von ihrem Umland abgeschnitten war, da es zum Reichsgau Sudetenland (Gau Niederdonau) zugeschlagen wurde. 1939, im Jahr der Besatzung durch die reichsdeutsche NS-Diktatur und Beginn des SS-Terrors in der Region des heutigen Tschechien, wechselte er auf eine deutsche Oberschule in Prag. 1942, unmittelbar nach der bestandenen Abiturprüfung, wurde Anton Kartak zur deutschen Wehrmacht eingezogen. Er diente bei der Luftwaffe. Am 5. November 1944 wurde sein Flugzeug während eines Einsatzes über der Region Appeldoorn (Niederlande) beschossen. Das Flugzeug stürzte ab. Der Luftwaffensoldat überlebte den Einsatz verletzt, mit schweren Verbrennungen am Kopf. Da Anton Kartak nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht und darauf folgendem Kriegsende nicht in Kriegsgefangenschaft geriet, hat er die Gelegenheit genutzt, im Jahr 1946 das Studium der Rechtswissenschaft an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg aufnehmen zu können. Diese Hochschule war nicht durch Bomben zerstört und der Lehrkörper befand sich nach Ende der Hitler-Diktatur in einer Phase der geistigen Erneuerung. Er schloss sein Studium 1949 mit dem ersten juristischen Staatsexamen ab. 1953 bestand er das „Assessoren-Examen“ vor dem Justizprüfungsrat in Stuttgart. Anton Kartak hatte seinen Lebensmittelpunkt im bevölkerungsreichsten Stadtteil von Heidelberg, in Handschuhsheim. DBB-Präsident von 1973 bis 1984. Website DBB. Abgerufen am 6. April 2012.
Basketballer in Heidelberg 1947 gründete Anton Kartak die Basketballabteilung im Heidelberger Turnerbund (HTB) und belegte mit seiner Mannschaft auf Anhieb den dritten Rang bei der ersten zentralen Nachkriegsmeisterschaft in Darmstadt. Das zweite Turnier in der Nachkriegszeit wurde im Folgejahr 1948 gewonnen. Nach Gründung des DBB im Mai 1949 erspielte das Männerteam des HTB in den Jahren 1950, 1951 und 1952 stets die Deutsche Basketballmeisterschaft. Anton Kartak war an diesen herausragenden Erfolgen des HTB als Spielertrainer beteiligt. In dieser Zeit hatte er damit eine Entwicklung im Rhein-Neckar-Raum eingeleitet, die in den 1950er Jahren zur Gründung weiterer Basketballabteilungen beziehungsweise Frauen- und Männerteams in der Region führte (Heidelberger TV 1846, BC Heidelberg, TSG 78 etc.).
Im Jahr 1953 wechselte der dem Heidelberger Hochschulsport seit 1946 eng verbundene Anton Kartak vom Heidelberger TB zum USC Heidelberg, für dessen Entwicklung er sich stets verantwortlich fühlte und zu dessen Vorsitzenden er später gewählt wurde. Die Basketballabteilung des USC war 1952 auf Initiative von Otto Neumann, Sportwissenschaftler und Gewinner der Silbermedaille bei den Olympischen Sommerspielen 1928 gegründet worden. In den ersten vierzehn Spielzeiten nach Gründung des DBB, 1949/50 bis 1962/63, gewannen die Heidelberger Basketballer neun deutsche Meistertitel des DBB. Es gab in diesem Zeitraum mehrere Finals bei den Frauen und Männern, in denen beide Finalteams der deutschen Meisterschaft aus Heidelberg kamen. Anton Kartak war als Trainer und Coach an dem Gewinn von vier Meistertiteln des USC-Männerteams direkt beteiligt (1957, 1958, 1960 und 1961). Zur Saison 1959/60 gelang es USC-Trainer Anton Kartak, den neunzehnjährigen Klaus Weinand für das Team des USC Heidelberg zu gewinnen. Der Nationalmannschaft-Center stammt aus Koblenz und war in den 1960er Jahren einer der erfolgreichsten DBB-Basketballer.Persönlich – DBB-Ehrenpräsident Anton Kartak wurde 80 Jahre alt! In ballKONTAKT (DBB), 03 – April 2004, Seite 4.
Eishockeysport In seiner Zeit als Schüler, in Jindřichův Hradec und Prag, wurde Anton Kartak ebenfalls als Eishockeyspieler ausgebildet. Als er 1946 als Student nach Heidelberg kam, lagen große Gebiete der Stadt Mannheim in Schutt und Asche. Das damalige Eisstadion des Mannheimer ERC am Friedrichspark, erst im Jahr 1939 eingeweiht, war im Juni 1943 von Bomben der Kriegsgegner getroffen und zerstört worden. Die Menschen in Mannheim hatte nach der Kapitulation zunächst große Sorgen in ihrem Alltagsleben. Anton Kartak, der in der Mannheimer Eishockeyszene als „Toni“ Kartak bekannt ist, gehörte zu den acht Spielern, die im Jahr 1949 beim Mannheimer Eis- und Rollsport-Club (Mannheimer ERC) begannen, wieder mit dem Puck auf dem Eis zu spielen. In der Spielzeit 1951/52 begannen die Eishockeyspieler des Mannheimer ERC mit dem Ligaspielbetrieb. Toni Kartak leitete im ersten Jahr des Spielbetriebs das Training. Er gehörte zu der Mannschaft des Mannheimer ERC, der im Februar 1956 unter dem lettischen Spielertrainer Ēriks Koņeckis der Aufstieg in die Oberliga gelang, um danach vierzehn Jahre erstklassig spielen zu können. Website Die Haerdsch. Abgerufen 14. Mai 2011.
Allgemeiner Deutscher Hochschulverband Als Student der Universität Heidelberg hatte Anton Kartak sich für den Hochschulsport stets mit hoher Priorität eingesetzt. Er gehörte im April 1948 zu dem Kreis der Gründer des Dachverbandes des deutschen Hochschulsports, des Allgemeinen Deutsches Hochschulverbandes (adh). In Bayrischzell erfolgte der Zusammenschluss der studentischen Sportreferate an den Universitäten und Hochschulen. Der ADH fungierte bis in die 1960er Jahre zugleich als „Sportamt des Verbands Deutscher Studentenschaften (VDS)“. Bis 1953 war Anton Kartak 2. Vorsitzender des ADH und bis 1955 verantwortlich für den Basketballsport im ADH. Bereits 1949 nahm er als Spieler in Meran an den ersten Weltstudentenspielen nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs beziehungsweise der ersten Spiele der FISU-Spiele teil. In den Jahren 1950 und 1951 gewann Anton Kartak mit der Mannschaft der Universität Heidelberg die Meisterschaften der ADH. Neben seiner Tätigkeit als Bundestrainer betreute Anton Kartak die Auswahlmannschaften des ADH bei mehreren Universiaden als Trainer und Coach. Auch 1953 bei dem Basketballturnier der FISU, das 1953 in der Dortmunder Westfalenhalle im Rahmen der 3. Internationalen Hochschulsportwoche stattfand. Mit Walther Tröger, 1963 bis 1961 Generalsekretär des ADH, später Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) für Deutschland und Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), arbeitete Anton Kartak ab 1976 als einen seiner Vizepräsidenten beim DBB und in der FIBA Sports Commission zusammen. Dem ADH blieb Anton Kartak stets, seit 1998 als Ehrenmitglied, eng verbunden. – Anton Kartak. Website adh. Abgerufen 14. Mai 2011.
Deutscher Basketball Bund (DBB) Nationalmannschaften des DBB Im ersten vollständigen Jahrzehnt nach Gründung des DBB war Anton Kartak als Bundestrainer, im Zeitraum 1951 bis 1956, für sämtliche DBB-Nationalmannschaften verantwortlich. Vorher hatte er unter seinem Vorgänger im Amt, Bundestrainer Theo Clausen, sechs Spiele einer deutschen Auswahl absolviert, konnte an den FIBA Europameisterschaften 1951 in Paris wegen eines in einem Basketballspiel gebrochenen Beines nicht teilnehmen und gehörte somit nicht zu dem Nationalmannschaftskader, der das erste Länderspiel des DBB bestreiten konnte. Als Bundestrainer nominierte Anton Kartak für die gesamtdeutsche Mannschaft acht Nationalspieler des DBB bei den FIBA Europameisterschaften der Männer 1953 in Moskau und 1955 in Budapest. Sein Nachfolger als Bundestrainer wurde 1956 Theodor Vychodil. Website DBB. Abgerufen 6. April 2012.1951 – FIBA European Championship for Men Website FIBAeurope. Abgerufen 14. Mai 2011.1953 – FIBA European Championship for Men Website FIBAeurope. Abgerufen 14. Mai 2011.1955 – FIBA European Championship for Men Website FIBAeurope. Abgerufen 14. Mai 2011.
Sportwart des DBB 1968 wurde Anton Kartak als Sportwart in das Präsidium des Deutschen Basketball Bundes gewählt (Dieses Amt hatte er bereits Anfang der 1960er Jahre inne und wegen vorübergehend schwerwiegender gesundheitlicher Beeinträchtigungen 1963 an Günter Hüffmann, ehemaliger Erstligaspieler Post Hannover, abgegeben.). Anton Kartak oblag in der Folge die Verantwortung für die Planung und Organisation des Spielbetriebes aller Nationalmannschaften des DBB. Dazu gehörten als Hauptaufgaben die Sichtung aller Spieler im Bereich des DBB, die Zusammenstellung von Kadern mit entwicklungsfähigen jugendlichen Spielern sowie die Nominierung der Frauen- und Männerkader der Nationalmannschaften, ebenso die Entwicklung und Umsetzung von Trainingskonzepten, um die Entwicklungen und Erfolge der einzelnen Nationalmannschaftsteams zu sichern. Dabei arbeitete er mit den Bundestrainern im Leistungssportbereich und deren Assistenten für die einzelnen Nationalmannschaften eng zusammen.
Bereits bei Beginn seiner Tätigkeit als Sportwart wurde Anton Kartak mit einem erheblichen Druck konfrontiert, der dadurch gegeben war, dass die Bundesrepublik Deutschland Gastgeber der Olympischen Sommerspiele 1972 in München war und damit die Teilnahme der Nationalmannschaft der Männer am olympischen Basketballturnier, ohne Qualifikation, anstand (Die Teilnahme der Frauennationalmannschaft ergab sich für den Gastgeber nicht, da das erste olympische Basketballturnier der Frauen erst 1976 in Montreal gespielt wurde.). Vorher, in den Jahren 1969 und 1971, standen die 16. und 17. FIBA Europameisterschaften der Männer auf dem Programm, in Italien und der Bundesrepublik Deutschland. Der DBB war Ausrichter der Europameisterschaft 1971 und seine Nationalmannschaft somit als Gastgeber ohne Qualifikation teilnahmeberechtigt.