mini|300px|Goldmine Navachab bei Karibib mini|Karte der Minenrechte zu Zeiten Deutsch-Südwestafrikas (1914) Der Bergbau in Namibia spielt eine dominierende wirtschaftliche Rolle. Namibia ist reich an Bodenschätzen, die teilweise schon seit mehr als 120 Jahren abgebaut werden.
Mit einem Anteil von 9,1 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (2020)Annual Review 2021. Chamber of Mines, 2022. und 51 Prozent an Exporterlösen (2019) war der Bergbau der wichtigste Wirtschaftszweig in Namibia. abgerufen am 3. Mai 2011.
Bergbausektor mini|Dioptas aus der Region um Tsumeb
Allgemein Namibia zählt weltweit zu den führenden Bergbaunationen in Bezug auf Diamanten, Uran, Zink und Flussspat. Zudem werden Gold, Kupfer, Blei und Salz sowie zahlreiche weitere Mineralien abgebaut. Im Bergbau waren zum 31. Dezember 2020 mehr als 8640 Personen dauerhaft beschäftigt. Weitere etwa 6600 waren temporär beschäftigt.
Der gesamte namibische Bergbausektor unterliegt dem zuständigen Ministerium für Bergbau und Energie. Alle aktiven Bergbauunternehmen sind Mitglied der Bergbaukammer The Chamber of Mines of Namibia. Mit Stand Dezember 2020 waren es 53 ordentliche Mitglieder.
Die namibische Regierung führt seit 2009 weitreichende Veränderungen der Bergbaugesetzgebungen durch. Unter anderem wurden dem staatlichen Unternehmen Epangelo Mining die Exklusivrechte für die Exploration und den Abbau ausgesuchter Rohstoffe zugestanden. Dieses wird jedoch nur bei Neuvergabe von Bergbaulizenzen und nicht auf bestehende Lizenzen angewandt.Gelassenheit bei Gold-Produzenten, Allgemeine Zeitung, 5. Mai 2011.
Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Bergbau begannen auf dem Territorium des heutigen Namibia erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Blei-Zink-Kupfer-Lagerstätte von Tsumeb wurde ab 1907 durch deutsche Geologen erkundet. Die zufällige Entdeckung von Diamanten in den Sanddünen und dem Verwitterungsschutt vorhandener Gesteine zwischen Lüderitz und Aus im damaligen Deutsch-Südwestafrika erfolgte ein Jahr später und löste organisierte Explorationsarbeiten entlang der Atlantikküste aus.R. A. Pelletier: Mineral Resources of South-Central Africa. Cape Town (Oxford University Press), 1964 S. 24, 122-124. Erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg und danach folgten weitere geowissenschaftliche Untersuchungen.
2020 gab es 15 aktive Bergbauunternehmen in 26 Bergwerken.
Diamanten Diamanten(v. a. Namdeb)JahrKarat in Millionen 2024 2,234 2023 2,327 2022 2,137 2021 1,517 2020 1,504 2019 1,670 2018 2,008 2017 1,804 2016 1,570 2015 >1,764 2014 >1,917 2013 1,762378 2012 1,659408 2011 1,336000 2010 1,522000 2009 0,929000 2008 2,132165 2007 2,177516 2006 2,084800 2005 1,774000 2004 1,858383 2003 1,454706 2002 1,275899 2001 1,384704 2000 1,320308 Quelle: Diamanten wurden auf dem Gebiet des heutigen Namibia schon zu Zeiten Deutsch-Südwestafrikas abgebaut. 1908 entdeckte ein Bahnarbeiter im heutigen Sperrgebiet-Nationalpark im Südwesten des Landes die ersten Diamanten. Während der kommenden Jahre wurden Diamanten in großen Mengen im Tagebau gewonnen und es entwickelten sich Ortschaften wie die Stadt Kolmanskuppe. Nachdem der Diamantenabbau schwieriger und weniger ertragreich und das Diamantensperrgebiet proklamiert wurde, zogen die Menschen aus den einstigen Diamantenstädten in andere Landesteile. Mitte der 1990er Jahre wurde vor allem die Exploration im Atlantischen Ozean vorangetrieben. Heutzutage werden etwa zwei Drittel aller namibischen Diamanten aus den Alluvialböden des Atlantik gewonnen. Die namibischen Diamanten gelten mit Abstand als reinste und teuerste der Welt. Es handelt sich zu 98 % um Schmuckdiamanten. Der Karatpreis namibischer Diamanten liegt mit fast US$ 450 pro Karat mehr als doppelt so hoch wie der von kanadischen Diamanten.Wenig Diamanten, höchster Wert. Allgemeine Zeitung, 9. August 2011
Heute zählt Namibia mit einem jährlichen Abbauvolumen von 1,8 Millionen Karat (Stand 2017) zu den zehn größten Diamantenproduzenten der Welt. Fast alle namibischen Diamanten werden monopolistisch von der Namdeb Diamond Corporation gewonnen, zu der auch De Beers Marine Namibia gehört.
Dachorganisation der Diamantenproduzenten ist das Diamond Board of Namibia.
Bergbauunternehmen und Bergwerke Off-Shore Debmarine Diamond Fields International abgerufen am 24. Oktober 2013. (Förderung 2005 eingestellt, Wiedereröffnung Ende 2018 geplantCanadian diamond producer to resume mining off Namibian coast. Mining.com, 21. November 2017.) SAKAWE Mining (Förderung 2008 eingestellt) Trans Hex (Förderung 2008 eingestellt) On-Shore Namdeb Diamond Corporation (Namdeb) im Diamantensperrgebiet Namdeb - Sendelingsdrift-Bergwerk (eröffnet November 2014)Pohamba inaugurates Sendelingsdrif mine. The Namibian, 11. November 2014, abgerufen am 11. November 2014.
Eisenerz Bereits zu Zeiten als „Schutzgebiet“ Deutsch-Südwestafrika und sodann als deutsche Kolonie gab es von deutscher Seite geologische Untersuchungen, die reiche Eisenerz-Vorkommen in der Region des Kaokoveldes nachwiesen. Sie gerieten aber im Zuge der weiteren politischen Entwicklung in Vergessenheit bis entsprechende Dokumente nach dem Zweiten Weltkrieg in Berlin der Amerikanischen Besatzung in die Hände fielen. Sie wurden von dort an die amerikanische Gesellschaft Bethlehem Steel weitergeleitet, die sich von der südafrikanischen Regierung eine Konzession zum Abbau geben ließ, diese aber nie nutzte.Alfred E. Johann in Groß ist Afrika, C. Bertelsmann Verlag Gütersloh, 1957, Kapitel "Südwestafrika", Abschnitt Knochenküste und Kaokofeld In der Folge gab es an verschiedenen Orten Namibias immer wieder Projekte zum Abbau, so eines ab 2014 in der Region von Dordabis, welches erst ab 2021 realisiert wurde. Für die Zukunft gibt es Pläne eine Stahlindustrie aufzubauen die durch eine angedachte lokale Wasserstoffproduktion besonderes klimafreundlich werden soll.
Fluorit (Flussspat) Fluorit, unter Bergleuten auch als Flussspat bekannt, wurde in Namibia etwa 50 Kilometer nordwestlich der Stadt Otjiwarongo in der Region Otjozondjupa am Rande eines inaktiven Vulkans von Okorusu Fluorspar seit 1988 abgebaut. Das Unternehmen ist Teil der internationalen Solvay-Gruppe. Im August 2009 wurde der Abbau, aufgrund der geringen weltweiten Nachfrage, bis Oktober des gleichen Jahres eingestellt.Okorusu halts production, Namibia Economist, 14. August 2009 Bis dahin hat Okorusu etwa 120.000 Tonnen Flussspat pro Jahr produziert. Das Bergwerk, welches das größte der Welt ist (Stand Oktober 2014), wurde am 28. Oktober 2014 vorübergehend komplett geschlossen und nahm 2017 den Betrieb wieder auf.
Gold Gold JahrKilogramm 2021 7103 B2Gold: 5601 Navachab: 1502 2020 6254 B2Gold: 4763 Navachab: 1491 2019 6526 B2Gold: 5045 Navachab: 1481 2018 6171 B2Gold: 4744 Navachab: 1427 2017 7272 B2Gold: 5429 Navachab: 1843 2016 6592 2015 6009 2014 2140 2013 1795 2012 2287 2011 2063 2010 2773 Quelle: Der Abbau von Gold findet in Namibia unter anderem im Navachab-Goldbergwerk nahe der Gemeinde Karibib in der Region Erongo statt. Die Exploration der Vorkommen begann 1984. 1989 wurde der Betrieb, als einzige Goldmine des Landes, aufgenommen. Die Laufzeit der Mine wird bis 2018 angegeben. 2017 wurden 1843 Kilogramm abgebaut, 209 waren es 1481.
Im Dezember 2014 begann die Förderung im Otjikoto-Goldbergwerk. abgerufen am 16. Dezember 2014 Dieses Bergwerk von B2Gold förderte 2016 noch 4714 Kilogramm, ein Jahr später waren es bereits 5429 Kilogramm. Das Lebensende des Bergwerkes wird dank Erweiterung um einen Schacht vermutlich erst 2026 erreicht, es soll aber noch bis 2031 bereits gefördertes Material verarbeitet werden.
Kupfer Kupfer wird in Namibia durch das Unternehmen Weatherly International, ehemals Ongopolo Mining and Processing, abgebaut. Hierfür standen vor allem die Minen Otjihase und Matchless bei Windhoek zur Verfügung. Beide wurden 2015 vorerst geschlossen. Allgemeine Zeitung, 15. September 2015 Die Mine Khusib (Tschudi) nahm indessen 2015 die Förderung auf. Hier wurden 2016 16.391 Tonnen Kupfer produziert, 2017 waren es 15.466 Tonnen.
In Rekordjahren Mitte der 1990er Jahre konnten mehr als 230.000 Tonnen Kupferkonzentrat abgebaut werden. Von 2005 bis 2011 war der Abbau jedoch fast komplett eingestellt worden. So konnten 2008 nur noch knapp 9000 Tonnen gewonnen werden. 2010 fuhren die Bergwerke wieder hoch.
Der Bau einer weiteren Mine mit drei Tagebauen, 120 Kilometer nordöstlich von Windhoek durch das Unternehmen Craton ist geplant (Stand Juni 2017). Das Vorkommen wird mit mindestens 700.000 Tonnen angegeben.Neue Kupfermine geplant. Allgemeine Zeitung, 15. November 2013, S. 4.
Die Verhüttung findet vor allem durch Tsumeb Smelter (ehemals Namibia Customs Smelter) statt, die 2009 21.543 Tonnen Blisterkupfer hergestellt haben.
Im Mai 2023 wurde der erneute Betrieb des Bergwerks Kombat für den Abbau von Kupfer aufgenommen.First copper shipment marks Kombat cash flow. The Namibian, 10. Oktober 2023.
Salz Salz wird in Namibia in Meerwassersalinen unter anderem durch das Unternehmen Salt & Chemicals, als Tochter der Walvis Bay Salt Holdings bei Walvis Bay gewonnen. Die Verarbeitung findet durch das Tochterunternehmen Walvis Bay Salt Refiners statt. Die Produktion begann 1964. (PDF; 4,5 MB) 2016 wurden knapp 700.000 Tonnen Salz produziert, 2017 waren es mehr als 735.000 Tonnen.
The Salt Company produziert seit 1934 Salz an der Küste Namibias. Das Unternehmen ist in Besitz der Familie Klein. 2016 wurden annähernd 137.000 Salz gewonnen, ein Jahr später 144.500 Tonnen.
Auch Steinsalz wird in Namibia abgebaut.
Uran mini|Rössing-Mine bei Arandis Uran Jahr Tonnen 2019 6458 Rössing: 2448 Langer Heinrich: 0 Husab: 4010 2018 6514 Rössing: 2478 Langer Heinrich: 465 Husab: 3571 2017 4981 Rössing: 2110 Langer Heinrich: 1526 Husab: 1345 2016 4086 2015 3453 2014 3839 2013 4878 2012 5005 2011 3831 2010 5306 2009 5320 2008 5119 2007 3367 2006 3617 2005 3711 2004 3582 2003 2401 2002 2751 2001 2640 2000 3210 Quelle: Namibia zählt zu den größten vier Nationen im Uranabbau weltweit und verfügt mit der Rössing-Mine über den größten Urantagebau der Welt, der noch weit über 2023 hinaus genutzt werden kann.Mehr gebohrt, mehr gewusst, Allgemeine Zeitung, 29. März 2011 Weitere große Vorkommen werden seit Mitte der 2000er Jahre in der Region Erongo, insbesondere um Goanikontes im Namib-Naukluft-Park exploriert. Die Husab-Mine wurde am 7. Juni 2011 offiziell als viertgrößtes Uranvorkommen der Welt deklariert. Nach Angaben des Betreibers Swakop Uranium handelt es sich um die zweitgrößte Uranmine der Welt.Husab Uranium Project, Overview. Swakop Uranium. Abgerufen am 21. Oktober 2021.
Der Schutz der Umwelt spielt bei der Ausbeutung der Vorkommen eine herausragende Rolle.Gemeinsam für eine nachhaltige Entwicklung, Allgemeine Zeitung, 3. Mai 2011 Zur weiteren Nutzung der Vorkommen ist der Bau einer Chemiefabrik und eines Hafens für 12 Milliarden Namibia-Dollar bei Walvis Bay geplant.Chemiefabrik und neuer Hafen, Allgemeine Zeitung, 29. April 2011
Bergbauunternehmen und Bergwerke Rössing Uranium Limited fördert seit 1977 aus der weltgrößten Uranmine Rössing bei Arandis. 2016 betrug die Fördermenge 1850 Tonnen.
Ein weiterer Förderer von Uran ist Langer Heinrich Uranium. Es handelt sich um eine 100-prozentige Tochter der Paladin Energy. Seit 2007 wird Uran in der Langer-Heinrich-Mine, etwa 40 Kilometer von Rössing entfernt, abgebaut. Das Unternehmen fördert und exportiert Yellowcake voraussichtlich bis zum Jahr 2024. 2016 wurden 2236 Tonnen gefördert und damit im vierten Jahr in Folge mehr als von Rössing. Das Bergwerk wurde im April 2018 in Care and maintenance versetzt,600 job losses feared at Langer Heinrich. New Era, 27. April 2018. soll aber 2023 wieder den Betrieb aufnehmen.