Thiers () ist eine französische Stadt und Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Puy-de-Dôme in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Die Kleinstadt ist Sitz der Unterpräfektur () des Arrondissements Thiers, welches aus sechs Kantonen besteht, und ist Hauptort () des Kantons Thiers.

Geografie

Die Stadt wird vom Fluss Durolle durchquert, der im Gemeindegebiet in die Dore einmündet. Die Gemeinde ist Teil des Regionalen Naturparks Livradois-Forez.

Nachbargemeinden sind (von Norden im Uhrzeigersinn): Paslières, Saint-Rémy-sur-Durolle, La Monnerie-le-Montel, Celles-sur-Durolle, Sainte-Agathe, Escoutoux, Peschadoires, Orléat und Dorat.

Geschichte mini|Bebauung an der Rue de Lyon am Westhang des Durolle-Tals mini|hochkant|Hauptstraßen Rue François Mitterrand (D 2089; links) und Rue des Grammonts (D 400) mini|hochkant|Straßenüberbauung Pedde du Coin des Hasards aus dem 15. Jahrhundert Thiers ist gallischen Ursprungs. Eine erste Siedlung am linken Durolle-Ufer wurde 532 von den Franken zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte auf dem rechten Ufer im heutigen Altstadtviertel. Von dort aus wuchs die Stadt immer weiter den Hang hinauf. Die Blütezeit der Stadt begann mit dem Einzug der Messerschmiedekunst. Eine Legende besagt, dass auvergnatische Kreuzritter diese Kunst aus dem Orient nach Thiers gebracht hatten. Die ersten Messerschmiede ließen sich nachweislich im 14. Jahrhundert in Thiers nieder; sie nutzten das starke Gefälle der Durolle für den Antrieb ihrer Schmiedehämmer. Das Gewerbe brachte der Stadt rasch Ansehen und Reichtum. Ab dem 15. Jahrhundert wurden die Schmiedeerzeugnisse vor allem nach Spanien und Norditalien exportiert. Ende des 18. Jahrhunderts lebten etwa 10.000 – und damit zwei Drittel – der Einwohner vom Schmiedehandwerk. Heute sind etwa 5.000 Menschen in rund 300 handwerklichen Messerschmieden der Stadt, den Coutelleries, beschäftigt.

Während der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg diente das Hotel L’Aigle d’Or in der Rue de Lyon der Wehrmacht als Hauptquartier. Am 25. August 1944 wurde die von 400 Männern der SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division „Horst Wessel“ verteidigte Stadt durch Soldaten der Forces françaises de l’intérieur (FFI) und Kämpfer der Mouvements unis de la Résistance (MUR) befreit.

1975 drehte Francois Truffaut seinen Film Taschengeld (L’Argent de poche) in Thiers; heute trägt eine Straße den Namen des französischen Regisseurs.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2012 2015 2019 Einwohner 16.369 16.623 16.567 16.018 14.832 13.338 11.217 11.588 11.784 Quellen: Cassini und INSEE

Sehenswürdigkeiten mini|Stillgelegte Messerfabrik im Tal der Durolle „Le Vieux Thiers“, verwinkelte mittelalterliche Altstadt mit vielen restaurierten Fachwerkhäusern des 15. bis 17. Jahrhunderts Kirche St-Genès, ursprünglich romanische aus dem 11./12. Jahrhundert; Vorhalle des 18. Jahrhunderts mit einem reich skulpturierten Wandgrab des 14. Jahrhunderts; größte Vierungskuppel der Auvergne Eglise du Moutier, mit schönen Kapitellen Schloss La Chassaigne, Landschloss des Manoir-Typs vom Ende des 15. Jahrhunderts mit großzügigem Schlossgarten Maison des Coutelliers mit Ausstellung über die Schmiedekunst von den Anfängen bis zur Gegenwart und dem Nachbau einer historischen Messerschmiede Musée de la Coutellerie, Museum der Messermacherei mit Filmvorführung Le Creux de l’Enfer, Museum zeitgenössischer Kunst in einer ehemaligen MesserfabrikInternetseite des Museums L’Orangerie, Schau tropischer Gewächse Parc du Moutier

Verkehr mini|Bahnhof Thiers hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Clermont-Ferrand–Saint-Just-sur-Loire. Die hoch über dem Tal gelegene Station wurde 1872 von der Compagnie des chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée (P.L.M.) eröffnet. Seit 2016 wird der Abschnitt nach Saint-Just nicht mehr befahren, nur in der Relation Clermont-Ferrand–Thiers verkehrten 2021 weiterhin Züge.

Durch den Ort verliefen die Nationalstraßen N 89, die mittlerweile zur Départementsstraße D 2089 herabgestuft wurde, und N 106 (jetzt: D 400 und D 906). Den Norden der Stadt tangiert die in West-Ost-Richtung verlaufende Autobahn A 89 mit den Anschlussstellen Thiers-Ouest und Thiers-Est.

Städtepartnerschaften Partnerstädte von Thiers sind Schrobenhausen in Bayern und Bridgnorth in der englischen Grafschaft Shropshire, die wiederum untereinander verschwistert sind., gesehen am 7. Januar 2017

In Thiers geboren Stephan von Thiers, Eremit, Begründer des Ordens von Grandmont, Heiliger, * um 1045, † 1124 Guillaume Des Gilberts, Theaterschauspieler und Theaterdirektor, 1594–1653 Jean-Félix Nourrisson, Philosoph, 1825–1899 Amable Chassaigne, Bischof, 1885–1962 Jean Pouzet, Autorennfahrer, 1892–1940 Claire Chazal, Journalistin und Nachrichtensprecherin, * 1956 Patrick Berhault, Bergsteiger und Bergführer, * 1957 Zinedine Soualem, Schauspieler, * 1957

Literatur Anne Henry: Thiers, une exception industrielle. Puy-de-Dôme (= Images du patrimoine. 229). Étude du Patrimoine Auvergnat, Clermont-Ferrand 2004, ISBN 2-905554-26-6.

Weblinks

Offizieller Webauftritt der Stadt Über Thiers Ville de Thiers bei cartesfrance.fr

Einzelnachweise

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