Unter dem Begriff Green Care werden all jene Aktivitäten im Zusammenhang mit physischen, psychischen, pädagogischen, oder sozialen Erhaltungs- oder Fördermaßnahmen zusammengefasst, bei denen inhaltlich Natur, Tiere oder Pflanzen zum Einsatz kommen. Bekannte Beispiele sind die tiergestützte Therapie (mit Kleintieren, Nutztieren, oder Reittieren), Care Farming und die Gartentherapie.

Nähere begriffliche Eingrenzung Bei „Green Care“ handelt es sich um einen Sammelausdruck für all jene Initiativen und Aktivitäten aus Wissenschaft und Praxis, die mit Hilfe von Natur, Tieren oder Pflanzen physische, psychische, pädagogische, oder soziale Verbesserungen bei bestimmten Zielgruppen bewirken möchten. Inhalt können sowohl belebte Naturelemente sein – wie etwa Tiere oder Pflanzen – oder auch unbelebte – zum Beispiel Steine oder Wasser. Ebenso können individuelle Naturelemente zum Einsatz kommen, wie auch kollektive in Form einer Landschaft, eines Gartens, Waldes, landwirtschaftlichen Betriebes oder anderer Lokalitäten. Diese positiven, beziehungsweise fördernden Aspekte sollen die Gesundheit, das Wohlergehen, und die Lebensqualität von Menschen erhalten oder sogar steigern. Je nachdem, was mit der jeweiligen Green-Care-Initiative erreicht werden soll, kann die körperliche Gesundheit erhalten, gesteigert oder wiederhergestellt werden, etwa durch regelmäßige Bewegung an der frischen Luft oder durch Rehabilitationsprogramme für z. B. Schlaganfall-, Verkehrsunfall- oder Adipositas-Patienten; die mentale Gesundheit erhalten oder gesteigert werden, zum Beispiel durch kognitives Training bei Personen mit demenzieller Erkrankung, Depression oder belastungsarme Tätigkeiten für Burn-out-Patienten; das soziale Wohlbefinden verbessert werden, etwa durch (Re-)Integrationsprojekte für ethnische oder medizinische Randgruppen, oder im Rahmen von kommunikationsfördernden Programmen; der vorhandene Lernstand von Heranwachsenden pädagogisch gefördert werden, zum Beispiel durch eine Vielzahl von Lehrprojekten für Kinder und Jugendliche zu den Themen "Pflanzen", "Tiere", "Natur", "Umwelt", oder "Nahrungsmittelproduktion". Dies gilt auch für Kinder mit ADHD oder mit einer Lernschwäche. eine Förderung der Kreativität und Persönlichkeitsentwicklung in künstlerischen und kunsttherapeutischen Projekten in der Natur und mit Naturmaterialien oder in Retreats mit „Green Meditation“, einem von Hilarion Petzold entwickelten Verfahren der Naturmeditation, in Gang gesetzt werden.Hilarion G. Petzold: „Green Meditation“ – Ruhe, Kraft, Lebensfreude. In: Green Care. 2, 2015, S. 2–5; http://www.fpi-publikation.de/artikel/textarchiv-h-g-petzold-et-al-/index.php und erw. Polyloge Ausgabe 05/2015. http://www.fpi-publikation.de/polyloge/alle-ausgaben/05-2015-petzold-hilarion-g-2015b-green-meditation-ruhe-kraft-lebensfreude.html. Aufgerufen am 1. Oktober 2015. Initiativwerden „für die Natur“ als „caring for nature“ gefördert werden. Dies soll durch Schulung einer „komplexen Achtsamkeit“ für ökologische Probleme erfolgen, wie es neuerlich im „Green Care Manifesto“ gefordert worden ist, wodurch bei den Green-Care-Probanden neben dem Inanspruchnehmen der Natur die Sorge für die Natur hinzutreten soll.

Green-Care-Initiativen sprechen also abhängig von der jeweiligen Zielsetzung ein breites Publikum an. So werden Maßnahmen im Bereich der betreuten Pflege, der Rehabilitation, der (Re-)Integration, der therapeutischen und sozialen Arbeit, der Pädagogik, und der Gesundheitsvorsorge durchgeführt. Dies sowohl für Menschen mit einer medizinischen Indikation als auch für jene ohne eine solche. Auch Lebensalter, soziale Schicht, ethnische Herkunft, oder Geschlecht spielen keine Rolle. Menschen mit besonderen Bedürfnissen werden ebenso angesprochen wie ältere und pflegebedürftige Personen, Drogen- und Alkoholabhängige, sozial bedürftige Menschen, Personen mit Depressionen, Angstzuständen, Persönlichkeitsstörungen oder Lernschwierigkeiten, Burn-out-Patienten und jene, die sich nur schwer in die Gesellschaft integrieren können. Es gibt auch Initiativen mit Kindergärten auf Bauernhöfen, Schul- und Gemeinschaftsgärten sowie anderen pädagogischen Aktivitäten. Und für Menschen mit migratorischem Hintergrund, soziale Randgruppen, Häftlinge im Strafvollzug, Haftentlassene, Missbrauchsopfer, Obdachlose und Langzeitarbeitslose wird mit Green Care Aktivitäten eine (Re-)Integration in die Gesellschaft versucht.

Wissenschaftliche Anfänge Initiativen wie „tiergestützte Therapie und Pädagogik“, „Gartentherapie“ oder auch „soziale Landwirtschaft“ sind nicht neu und gibt es in einigen europäischen Ländern schon seit vielen Jahren und Jahrzehnten.Dorit Haubenhofer: GreenCare – grüne Pflege? bibliomed-pflege.de-Internetportal, 9. März 2015. Seit den 1980ern wurden auch vermehrt wissenschaftliche Studien zu diesen und ähnlichen praktischen Ansätzen betrieben. Rund um die Jahrtausendwende gab es dann einige internationale Konferenzen und Projekte, bei denen durch die Beteiligten angeregt wurde, sich basierend auf gemeinsamen Interessen und Zukunftsvorstellungen zusammenzuschließen. Denn obwohl die inhaltlichen und konzeptionellen Ansätze von tiergestützter Therapie, Gartentherapie, sozialer Landwirtschaft und Co. sehr unterschiedlich sein können, stoßen sie bei ihrer praktischen und wissenschaftlichen Umsetzung dennoch oftmals vor vergleichbare Probleme, haben sie doch häufig mit denselben Vorurteilen zu kämpfen und lassen sie sich durchaus durch gemeinsame Grundmotive und Zielsetzungen vereinen. Die Bildung von internationalen Netzwerken, Konferenzen und Kooperationsaktivitäten kam auf. Initiativen wie „Community of Practice – Farming for Health“ und Förderungen wie „COST Action 866“ wurden verwirklicht. COST steht für „European Cooperation in Science and Technology“ und war ein von der EU gefördertes Programm zur Vernetzung und Koordination national unterstützter Forschungsaktivitäten auf internationaler Ebene.G. Wiesinger (Hrsg.): Green Care in Landwirtschaft und Gartenbau. Resumee der Cost Aktion 866 „Green Care in Agriculture“. Bundesanstalt für Bergbauernfragen, Wien 2011. Im Laufe dieser COST Action 866, die im Rahmen der Domäne „Food and Agriculture“ genehmigt wurde und eine Laufzeit vom 28. August 2006 bis 31. August 2010 hatte, wurde der Begriff „Green Care“ als solcher geprägt.

Grenzen von Green Care Green Care umfasst ein sehr breit gefächertes Gebiet. Es gibt jedoch deutliche Grenzen: So ist nicht jeder Kontakt mit der Natur automatisch Green Care. Das oben umschriebene Ziel der Erhaltung oder Steigerung physischer, psychischer, pädagogischer, oder sozialer Aspekte muss gegeben sein.

Ebenfalls essentiell erscheint die Diskussion über die Möglichkeiten der Wirkung von Green-Care-Initiativen. Fest steht, dass Green Care nicht als die ultimative Lösung aller Probleme gesehen werden kann. Denn obwohl die Einsatzmöglichkeiten sehr breit gefächert sind, gibt es Limitierungen. So hat zum Beispiel eine Person, die gegen Gräser oder Pollen hoch allergisch ist, keinen Nutzen an einer gartentherapeutischen Tätigkeit, oder wird einem Menschen mit einer Tierhaarallergie eher geschadet als genutzt, wenn er/sie tiertherapeutisch gefördert werden soll. Auch andere Einschränkungen sind festzuhalten, wie individuelle Abneigungen oder Ängste gegenüber bestimmten Naturelementen, oder der kulturelle oder auf früheren Erfahrungen beruhende Unwille, sich einer bestimmten Green-Care-Initiative anzuschließen. Es gibt auch Personengruppen, die lieber in einer gut funktionierenden geschlossenen Einrichtung betreut werden wollen, da sie keine Beziehungen zu Tieren, Pflanzen oder der Landwirtschaft entwickelt haben und dies auch nicht möchten. Andere sind in der Landwirtschaft oder mit Tieren aufgewachsen und wollen dies in ihrem Leben nicht missen. Der persönliche Wunsch der Klienten muss respektiert und keiner darf zu etwas gezwungen werden. Eine weitere Limitierung ergibt sich ganz praktisch aus dem vorhandenen Angebot, das regional oft sehr unterschiedlich sein kann.

Ein zusätzliches Problem ergibt sich dadurch, dass Green-Care-Initiativen in der Praxis noch nicht gesetzlich geregelt sind. Zwar gibt es eine Reihe von Aus- und Weiterbildungen, die absolviert werden können, jedoch kann prinzipiell jeder, der dies möchte, die eine oder andere Green Care Aktivität anbieten. Dies öffnet die Tür zur Kurpfuscherei und kann ein schlechtes Licht auf den gesamten Sektor werfen. Zudem mangelt es teilweise auch noch an den nötigen einheitlichen und ebenfalls gesetzlich geregelten Qualitäts- und Sicherheitsstandards, sodass es von den einzelnen Individuen oder Organisationen abhängt, ob und inwieweit solche eingehalten werden. Dies beginnt schon bei der Nomenklatur, etwa auch – da der Begriff des Therapeuten beispielsweise in Deutschland frei ist und keinen besonderen Schutz genießt – bei der Frage, ob "Green Care" als „Therapie“ deklariert werden darf.

Typisierung gängiger Green-Care-Initiativen Im Folgenden wird eine Typisierung von gängigen Green-Care-Initiativen vorgenommen.

Green-Care-Initiativen mit Pflanzen und in der freien Natur Die Ursprünge stammen zum Teil aus dem anglikanischen angelsächsischen Raum, zum Teil aus dem deutschen Raum, wo schon zu Beginn des 19. Jh. in den aufkommenden neuen Psychiatrien Gärten für Patienten angelegt wurden, in denen sie arbeiten oder sich auch entspannen konnten. Pioniere waren hier Johann Christian Reil (1803) oder Christian Friedrich Wilhelm Roller (1831). In der Psychiatrie in Form der psychiatrischen Gartentherapie und der Arbeitstherapie insbesondere auch seit Anfang der 1970er Jahre in Therapieeinrichtungen für Drogenabhängige wurden Garten- und Tiergestützte Therapie in Behandlungsspektrum als flankierende Maßnahme zu Psychotherapie und Soziotherapie eingesetzt, wo sie von Hilarion Petzold unter dem Begriff „Die neuen Naturtherapien“ oder als „Ökotherapie“ im Bereich der Psychotherapie bekannt gemacht wurden.Hilarion G. Petzold: „Es geht um eine Begrünung der Seele“: Der Psychotherapeut und Therapieforscher Hilarion Petzold über Naturtherapien und eine „ökologische Wende“ in der Psychotherapie. In: Psychologie Heute. 12, 2014, S. 60–65. http://www.fpi-publikation.de/artikel/textarchiv-h-g-petzold-et-al-/index.php Dort – etwa in Großbritannien und den USA – gibt es eine ganze Reihe von Green-Care-Initiativen mit Pflanzen, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz (noch) nicht Fuß gefasst haben. Als Arbeitsgebiete unterschiedlicher Green-Care-Initiativen zu erwähnen sind die eigentliche Gartentherapie (horticultural therapy), die therapeutische Gärtnerei (therapeutic horticulture), die soziale und therapeutische Gärtnerei (social and therapeutic horticulture), die pflanzengestützte Gesundheits- und Krankenpflege, die Ökotherapie (ecotherapy) die Outdoorpädagogik, die hauptsächlich in den USA verbreiteten Formen von Natur-Therapie (nature therapy), Wildnis-Therapie (wilderness therapy) und Abenteuer-Therapie (adventure therapy), das breite Feld der heilenden Gärten (healing gardens) und heilenden Landschaften (healing landscapes), welches hauptsächlich in Großbritannien Verbreitung findet, und die hauptsächlich in Großbritannien vertretene Form von „green exercise“, welche Bewegung und Sport in der Natur umfasst.

Definitionen der Gartentherapie