mini|Das Herzog Anton Ulrich-Museum mini|Herzog Anton Ulrich-Museum mit dem neuen Anbau davor (Aufnahme von Nordwesten)

Das Herzog Anton Ulrich-Museum (kurz HAUM), wie es seit 1927 heißt, wurde 1754 in Braunschweig eröffnet. In seiner über 250-jährigen Geschichte entwickelte es sich zu einem der größten und bedeutendsten Kunstmuseen Deutschlands. Benannt ist es nach seinem Gründer, Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel (1633–1714). Es zeigt etwa 4.000 Kunstwerke aus 3.000 Jahren Kunstgeschichte.Beschreibung auf Braunschweig.de, abgerufen am 12. Mai 2021.

Im Jahr 2010 wurde es um einen Erweiterungsbau ergänzt. Das historische Haupthaus wurde von Grund auf renoviert und nach siebenjähriger Bauzeit am 23. Oktober 2016 wiedereröffnet.

Geschichte Entstehung Das Museum hat seine Ursprünge im Kunst- und Naturalienkabinett des Braunschweigischen Herzogs Karl I., das dieser auf Anregung von Daniel de Superville 1754 eröffnete. Es befand sich zunächst im Kleinen Mosthof und wurde später in den Großen Mosthof verlegt. Es war eines der ersten Museen in Deutschland, das für die Öffentlichkeit zugänglich war, und wurde nur ein Jahr nach dem Britischen Museum in London eröffnet. Dieses „Kabinett“ umfasste eine Sammlung aus Kunsthandwerk und Skulpturen des Barock und der Renaissance, aber auch antike Kunstwerke, die nicht aus Europa stammten.Jochen Luckhardt: Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig: Die Sammlung. Deutscher Kunstverlag, München 1995, ISBN 3-422-06122-3. Die Naturaliensammlung wurde später zum Grundstock des Naturhistorischen Museums.

19. Jahrhundert Im 19. Jahrhundert sah sich das Museum zahlreichen, zum Teil dramatischen Veränderungen unterworfen. So hatte sich bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts die schlechte Bausubstanz des Salzdahlumer Schlosses bemerkbar gemacht. Schnelle Abhilfe war vonnöten. Verschlimmert wurde die Lage schon bald dadurch, dass das Land Braunschweig 1806 von napoleonischen Truppen besetzt wurde, die große Teile der kostbarsten Kunstgegenstände in den Pariser Louvre entführten. Infolge der Besetzung durch Napoleons Truppen war Braunschweig bis auf weiteres Bestandteil des Königreiches Westphalen. Im Jahre 1811 ließ der König von Westphalen und Bruder Napoleons Jérôme das Schloss Salzdahlum abreißen.

Im Zuge der Befreiungskriege (1813–1815) erlangte Braunschweig jedoch seine alte Eigenständigkeit und die geraubten Kunstschätze wieder zurück. Allerdings war das Land inzwischen verarmt und es gab nicht mehr genügend Platz, um die Kunstschätze unterzubringen. Folglich musste eine Möglichkeit gefunden werden, die Kunstgüter zum einen sicher aufzubewahren und zum anderen für diese wichtige Kunstsammlung ein angemessenes und repräsentatives Gebäude zu bekommen.

1882 wurde ein Architektenwettbewerb durchgeführtDeutsche Bauzeitung, 16. Jahrgang 1882, Nr. 82 (vom 14. Oktober 1882), S. 486. und im Folgejahr mit dem Neubau begonnen. 1887 konnte der von Architekt Oskar Sommer in Zusammenarbeit mit dem damaligen Museumsdirektor Herman Riegel entworfene Museumsbau eröffnet werden. Seither ist das – ähnlich wie das benachbarte Staatstheater Braunschweig nach dem Stilvorbild der italienischen Renaissance gestaltete – Gebäude im äußeren Erscheinungsbild unverändert geblieben. Maßgeblich bei den Entwürfen Sommers war das Grundrissschema von Leo von Klenzes Münchner Pinakothek. An das Gebäude grenzt im Norden bis heute der Museumpark.

Die Bestände wuchsen, verglichen mit den vorangegangenen Jahrzehnten, nur noch gering, nicht zuletzt wegen Geldmangels. So konnten 1868 die Sammlung Reinike, 1910 die Sammlung Vasel und schließlich 1944 die Vieweg-Tepelmann-Sammlung hinzugefügt werden.

Das Museum nach 1918 Nach der Auflösung des Herzogtums Braunschweig im November 1918 ging die Trägerschaft für das Museum zunächst an eine Stiftung über. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Verantwortung vollständig dem Land Niedersachsen übertragen.

1927 erhielt das zuvor als Landesmuseum bezeichnete Museum seinen heutigen Namen.Online-Stadtchronik Braunschweig, Eintrag zum 19. Mai 1927Der Name Landesmuseum wurde 1938 durch eine Umbenennung des bisherigen Vaterländischen Museums für Braunschweigische Landesgeschichte in Braunschweigisches Landesmuseum anderweitig wiedervergeben.

1937 wurden in der nationalsozialistischen Aktion „Entartete Kunst“ nachweislich fünfzehn Werke von George Grosz, Hans Christoph Hartig (1873–1936), Karl Hofer, Alexei von Jawlensky, Max Kaus, Alfred Kubin, August Macke, Frans Masereel, Karl Mohr (1922–2013), Otto Müller, Ellen Passow, Karl Schmidt-Rottluff, Arthur Segal und Karl Sommer aus der Sammlung beschlagnahmt.

Im Zweiten Weltkrieg gab es am Museum nur geringe Gebäudeschäden. Nach dem Krieg wurden die Seitenflügel des Gebäudes von der britischen Militärregierung besetzt. Weitgreifende Eingriffe in die Bausubstanz erfolgten mit der Umnutzung als Verwaltungsbau.

mini|Erweiterungsbau im Museumpark von 2010 für Archiv, Werkstätten und Kupferstichkabinett

21. Jahrhundert Anfang des neuen Jahrtausends wurde deutlich, dass eine umfassende Sanierung des Museumsbaus unumgänglich ist. Von 2008 bis 2010 entstand im Museumpark hinter dem Hauptgebäude ein Erweiterungsbau mit drei Etagen und einer Fläche von 4.000 m² nach einem Entwurf von Lehmann Architekten (Offenburg/Berlin)., abgerufen am 25. Februar 2014. Dort sind die Bibliothek und das Archiv, das Kupferstichkabinett, Werkstätten, ein Café und die Verwaltung untergebracht.

Das Hauptgebäude wurde ab 2013 weitgehend auf den Ursprungszustand zurückgebaut, grundsaniert und mit moderner Ausstellungstechnik ausgestattet., abgerufen am 24. Oktober 2016. Seit der Wiedereröffnung am 23. Oktober 2016 wird es ausschließlich für die Sammlungen und für Ausstellungen genutzt und bietet eine größere Ausstellungsfläche, so dass mehr Kunstwerke als zuvor gezeigt werden können.

Die Mittelaltersammlung wird in der Burg Dankwarderode gezeigt., abgerufen am 24. Oktober 2016. Dort wurden während der Bauarbeiten bis 2016 zudem Meisterwerke aller Sammlungen in der Sonderschau „Epochal – Meisterwerke des Herzog Anton Ulrich-Museums von der Antike bis zur Gegenwart“ präsentiert.

2024 haben die Braunschweigische Landessparkasse und die Braunschweigische Sparkassenstiftung ihre historische Münzforschungssammlung dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Bis dahin lagen die mehr als 8.000 Münzen und Medaillen als in Tresoren. Nun sollen sie in Ausstellungen präsentiert und für Forschungszwecke genutzt werden. Im Erdgeschoss des Museums werden in einem neuen, speziell gesicherten Ausstellungsbereich regelmäßig wechselnde Themen präsentiert.Verborgene Schätze aus den Tresoren befreit auf der-loewe.de, 7. Mai 2024, abgerufen am 30. Mai 2024.

Sammlungen mini|Braunschweig 1899: Herzog Anton Ulrich-Museum (rechts, Nr. 28) und Burg Dankwarderode (links, Nr. 4) mini|Das Herzog Anton Ulrich-Museum von Westen mini|Abends Vom Großen Mosthaus zog die Kunstsammlung 1765 in das 1902 abgerissene Paulinerkloster am Bohlweg in Braunschweigs Innenstadt, wo sie weiter anwuchs, so zum Beispiel durch Auffüllung mit Stücken aus dem (heute ebenfalls nicht mehr existenten) „Grauen Hof“, der Kunstkammer Bevern und dem Schloss Salzdahlum. Die Ausstellungsstücke, damals in allererster Linie reine Repräsentationsstücke, umfassten hauptsächlich Bronzestatuen, Kunstkammerobjekte, Möbel, Elfenbeinschnitzereien, Majoliken (größte Sammlung italienischer Majoliken nördlich der Alpen), Emaillearbeiten (über 200 Objekte) und Ostasiatica.

Gemäldesammlung mini|Vermeer: Das Mädchen mit dem Weinglas mini|Rembrandt: Das Braunschweiger Familienbild Die Sammlung wurde über die Jahre vor allem durch Zukauf niederländischer Landschaftsgemälde und Stillleben erweitert.

Die Gemäldesammlung umfasst unter anderem wichtige Werke von:

Skulpturen und Kunsthandwerk Diese Sammlung besteht fast ausschließlich aus den Beständen, die durch die Braunschweiger Herzöge, insbesondere Herzog Anton Ulrichs und seines Sohnes August Wilhelm, angesammelt wurden.Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig: Die Sammlung. S. 53–79.

Dort befinden sich beispielsweise: Die Herzog-Julius-Büchse, eine teilweise vergoldete Prunkbüchse (1580 bis 1585) Ein Schreibtisch von Hendrik van Soest (Antwerpen um 1700) Die Spiegeluhr von Caspar Langenbucher (Augsburg 1649) Die Kugellaufuhr von Christoph Rohr (Leipzig/Braunschweig um 1600)

Der Hofdegen Herzog Ferdinands von Braunschweig-Lüneburg (um 1760)NDR vom 21.09.2023: Prunkdegen nach 260 Jahren zurück in Braunschweig

Graphische Sammlung Das Kupferstichkabinett wurde als Teil des 1754 eröffneten „Herzoglichen Kunst und Naturalienkabinetts“ durch Herzog Carl I. zu Braunschweig und Lüneburg gegründet. Diese waren Bestandteile aus älteren herzoglichen Graphiksammlungen. Herzog Anton Ulrich sammelte bereits in Schloss Salzdahlum Kupferstiche, zu denen Werke von Albrecht Dürer zählten. Von Beginn an lag der Schwerpunkt auf zeitgenössischer Graphik. Weiterhin wurden von Herzog Carl I. zeitgenössische Kupferstiche aus Deutschland, England und Frankreich aufgekauft. 1764/65 erfolgten Erwerbungen des englischen Moralisten und Satirikers William Hogarth. Eine Ausdehnung der Sammlung wurde erst 1765 von dem Kunst- und Naturalienkabinett in das Zeughaus ermöglicht. 1766 erlangte das Museum die beiden Rembrandt-van-Rijn-Bände der Wolfenbütteler Bibliothek. Diese enthielten auch Kupferstiche nach Anton van Dyck, Raffael und Peter Paul Rubens. Der weitere Ausbau des Kupferstichkabinetts erfolgte bis 1779. In diesem Zeitraum wurden zahlreiche Neuerwerbungen getätigt. Diese umfassten größtenteils zeitgenössische Graphiken, später jedoch auch Altmeisterzeichnungen. Treibende Kraft zu dieser Erweiterung war der Herzog selbst. 1795 umfasste die Sammlung insgesamt 1260 Bände mit insgesamt 90.000 Blättern. Jedoch wurden 54.000 der vorhandenen Blätter in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herausgenommen und auf Kartons angebracht. Die Handzeichnungen waren um das Jahr 1780 auf ca. 95 Bände festzulegen. Von diesen wurden bis heute 20 Bände aufgelöst bzw. sind verschollen. Auch die vorhandenen Bände weisen fehlende Blätter auf. Insgesamt zählte der bis 1800 erfasste Bestand 9585 Zeichnungen, von denen sich 6752 Blätter in Klebebänden befanden. Diese wurden in speziellen Regalen aufbewahrt.

Einen bedeutsamen Zuwachs an Druckgraphiken des 15. bis 19. Jahrhunderts erlangte das Kupferstichkabinett 1910 durch das Vermächtnis des bedeutenden braunschweigischen Graphiksammlers August Vasel. Im Jahr 1928 erlangte das Kupferstichkabinett die Graphiksammlung der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. Diese umfasste ebenfalls ca. 10.000 Blatt an Druckgraphik. Heute umfasst der Bestand an Druckgraphik etwa 145.000 Blatt. Die Sammlung der Handzeichnungen lässt sich auf knapp 10.000 Werke beziffern. Weiterhin werden im Kupferstichkabinett mehr als 1.000 illustrierte Bücher bewahrt. Diese beinhalten vor allem Prachtwerke aus Renaissance und Barock.