Lovesexy ist das zehnte Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Es erschien am 6. Mai 1988 bei Paisley Park Records in Zusammenarbeit mit Warner Bros. Records.
Unmittelbar nachdem Prince die Veröffentlichung des Black Album im Dezember 1987 abgesagt hatte, nahm er den Großteil des Albums Lovesexy auf. Die Musik wird den Genres Funk, Pop und Rock zugeordnet; die Liedtexte sind überwiegend spirituell geprägt und von mystischer Erleuchtung sowie christlichen Motiven beeinflusst und behandeln vor allem Gott, Teufel, Schuld und Sühne. Als Gastmusikerin wirkte Sheila E. mit.
Musikkritiker bewerteten das Album unterschiedlich; einige betrachteten es als gefühlvoll und experimentell, andere kritisierten es als musikalisch und textlich überzogen. In Europa war Lovesexy kommerziell erfolgreich und erreichte in mehreren Ländern Gold- oder Platinstatus. Zudem waren nahezu alle Konzerte der Lovesexy Tour ausverkauft.
In den USA hingegen nahm Prince’ Popularität ab; erstmals seit 1981 verfehlte er mit einem Album den Platinstatus, und der US-amerikanische Tourneeteil entwickelte sich zu einem Verlustgeschäft, da mehrere Konzerte nicht ausverkauft waren.
Entstehung mini|Prince, 1988 Nachdem Prince die Veröffentlichung des Black Album Anfang Dezember 1987 abgesagt hatte, begann er am 11. Dezember 1987 im Paisley Park Studio in Chanhassen, Minnesota, mit den Aufnahmen für Lovesexy, die bis zum 18. April 1988 andauerten. Er wollte damit ein positives Statement abgeben und bezeichnete Lovesexy im Gegensatz zum Black Album als sein „weißes Album“. Auf Lovesexy bringt Prince seine spirituellen Anliegen deutlicher als zuvor zum Ausdruck und präsentiert zahlreiche Bekenntnisse zu Erlösung und Glauben. Viele Songs sind von einer ernsthaften, zugleich optimistischen Stimmung geprägt. Prince beschrieb das Album als „einen mentalen Trip, vergleichbar mit einem psychedelischen Film“.Uptown (2004), S. 379–380.
Alan Leeds (* 1947), damaliger Tourmanager von Prince und älterer Bruder des Saxophonisten Eric Leeds, sagte über die Entstehung von Lovesexy: „Dieser Mann [Prince] hatte ganz klar eine Erweckung erlebt und beschlossen, dass er sein Leben ändern wollte – für längere Zeit oder sogar für immer.“Hahn (2016), S. 184. Leeds zufolge hielt Prince das Black Album im Nachhinein für Teufelswerk, das nicht wirklich von ihm selbst gewesen sei und dem er nun „eine Platte für Gott“ folgen lassen müsse. „In diesem Moment war er ein neuer Typ. Ich behaupte nicht, dass sich sein Leben dramatisch geändert hätte, doch sicherlich änderte sich die Musik, die er machte“. Karen Krattinger, ebenfalls damalige Tourmanagerin von Prince, meinte: „Es war eine Fassade. Es war mir klar, dass er mit seinem Leben noch immer nicht glücklich war“. Dez Dickerson, ehemaliger Gitarrist in Prince’ Band, sagte: „Er wusste, dass etwas nicht stimmte, dass er Kinder beeinflusste. Um dies zurechtzurücken, erfand er eine Art neue Religion, in der alles in Ordnung ist und Gott lächelnd zuschaut“. Der Saxophonist Eric Leeds gab zu: „Ich verstand nicht, was der Begriff ‚lovesexy‘ aussagen sollte. Das kapierte niemand“.Nilsen (1999), S. 250.Hahn (2016), S. 185.Ewing (1994), S. 80.
Bereits am 20. Oktober 1987 nahm Prince in seinem Paisley Park Studio den Song When 2 R in Love auf, den er auch auf dem Black Album platziert hatte.Nilsen (1999), S. 269. Am 11. Dezember 1987 nahm er dann mit seiner Begleitband das Stück 18x18px No auf, das er bereits im Juli 1986 als The Ball – im Jahr 2020 auf Sign o’ the Times Super Deluxe veröffentlicht – geschrieben und nun überarbeitet hatte. Am selben Tag nahm Prince zudem den Song Positivity auf, den er allein einspielte.Clerc (2023), S. 166.Clerc (2023), S. 160. Am 13. Dezember nahm er Anna Stesia, am 14. Dezember Dance On sowie am 30. Dezember 1987 Alphabet St. auf.Clerc (2023), S. 162.Clerc (2023), S. 165. Das Stück Glam Slam nahm Prince ebenfalls im Dezember 1987 auf; das exakte Aufnahmedatum ist jedoch nicht bekannt.Clerc (2023), S. 164.
Am 29. Januar 1988 nahm Prince das Titelstück Lovesexy auf; bereits im Dezember 1987 hatte er ein Stück mit dem Titel Luv Sexy eingespielt, das sich deutlich von der veröffentlichten Version unterscheidet. Am 31. Januar 1988 nahm Prince mit I Wish U Heaven den letzten Song für Lovesexy auf. Die abschließenden Arbeiten am Album absolvierte er am 18. April 1988 im Paisley Park Studio.Clerc (2023), S. 164–165.
Als Prince das fertige Album bei Warner Bros. Records vorstellte, war man dort wegen des anzüglichen Albumcovers besorgt. Das Cover wurde der Warner-Marketingabteilung vorgestellt, und viele der anwesenden Mitarbeiter befürchteten, dass Einkaufszentren und Musikgeschäfte das Album so nicht in die Verkaufsregale stellen würden. Daher wurde Prince um ein alternatives Albumcover gebeten, was er jedoch ablehnte. Zudem weigerte er sich, die CD-Edition des Albums mit Indexmarkierungen zu versehen, sodass die Songs nicht einzeln anklickbar sind und nur als Einzeltrack-Gesamtwerk gehört werden können. Ferner wollte Prince keine Musikvideos zum Album veröffentlichen, da er die Meinung vertrat, sich dadurch von anderen Popstars zu unterscheiden und eine geheimnisvolle Aura um die Platte Lovesexy zu schaffen.Hahn (2016), S. 186.
Gestaltung des Covers Das Albumcover zeigt ein Foto von Prince, aufgenommen von Jean-Baptiste Mondino; es wurde jedoch so nachbearbeitet, dass es wie ein Gemälde wirkt. Prince ist von halblinker Richtung aus zu sehen, nackt auf den weißen Blütenblättern einer großen Orchidee sitzend. Sein Blick richtet sich ins Unbestimmte, und sein linkes Bein ist angewinkelt, sodass der Genitalbereich verdeckt bleibt. Ein Staubblatt – der pollentragende männliche Teil einer Blüte –, im Hintergrund in Höhe von Prince’ Oberarm und oberhalb der Stelle zwischen seinen Beinen platziert, in Form eines nach oben krümmenden Blütenstempels, kann als phallische Anspielung interpretiert werden. Mit der linken Hand stützt sich Prince ab, die rechte liegt auf seinem Herz. Das Gesamtbild des Albumcovers soll eine spirituelle Wiedergeburt symbolisieren.Hahn (2016), S. 185–186.Uptown (2004), S. 91.Hill (1989), S. 283.Mischke (1989), S. 199. Die Liedtexte der Songs sind sowohl in der LP-Ausgabe als auch im CD-Booklet abgedruckt.
Wie Warner Bros. Records befürchtet hatte, wurde das Albumcover in den USA von mehreren Geschäften als Pornografie gedeutet, weshalb Lovesexy häufig hinter dem Ladentisch aufbewahrt wurde. Mavis Staples sagte später in London zu Prince: „Die Leute in den Staaten sind nicht so tolerant wie hier [in Europa].“Ewing (1994), S. 77.
Prince äußerte seine eigene Sicht auf das Albumcover und sagte dem US-Musikmagazin Rolling Stone 1990: „Dieses Albumcover war nur ein Bild. Wer das Bild ansieht und etwas Krankes darüber sagt, ist selbst krank – es schaut einen direkt aus dem Spiegel an.“Draper (2016), S. 86.
Artdirector Steve Parke (* 1963) sagte nach Prince’ Tod im Jahr 2016: „Ich erinnere mich, dass sich die Band damals ein wenig aufgeregt hat, weil im ursprünglichen Artwork die gesamte Band zu sehen war. Als sie erfuhren, dass auf dem neuen Cover nur ein nackter Prince mit einigen Blumen abgebildet sein würde, waren sie etwas vor den Kopf gestoßen.“Azhar (2016), S. 56.
Musik und Liedtexte Albumsongs Die Musik ist eine stilistische Kombination aus Funk, Pop und Rock. Das Album enthält einige der anspruchsvollsten Songs in Prince’ Karriere, und viele Stücke weisen Einsprengsel auf, wobei neue Parts plötzlich erscheinen und ebenso schnell wieder verschwinden. Oftmals existieren gleichzeitig aktive Melodielinien und intensive harmonische Aktivität. Jazzige und gelegentlich dissonante Blechblasinstrumente unterstützen die komplexe harmonische Struktur. Die Arrangements sind dicht und lebendig, weit entfernt vom minimalistischen „Minneapolis-Sound“, den Prince in den 1980er Jahren prägte, können jedoch in einzelnen Songs zuweilen überladen wirken.Hill (1989), S. 284–285.
Viele Songs strahlen eine ausgelassene Partystimmung aus und vermitteln ein spontanes Ensemblegefühl, wobei Blechblasinstrumente in den meisten Stücken dominant eingesetzt werden. Ein weiterer prägender Bestandteil ist der Gitarrensynthesizer, der den Gitarrenklang kräftiger und „symphonischer“ erscheinen lässt. Den Linn LM-1 Drumcomputer verwendet Prince nur in When 2 R in Love; meist setzt er andere Computer-Drums oder Live-Drums mit getriggerten Sounds ein, die häufig mechanisch klingende Beats liefern. Sein Songwriting wirkt jedoch zuweilen inkonsistent, und einige Melodien erscheinen unauffällig. Zudem wirken die rhythmischen Elemente und das Drum-Programming weniger einfallsreich als in früheren Songs.
Das zentrale Thema der Liedtexte ist das Streben nach göttlicher und menschlicher Liebe. Zudem behandelt Prince Krieg und Frieden, Himmel und Hölle, Gott und Teufel sowie Schuld und Sühne. In den Liner Notes definiert er „Lovesexy“ als „das Gefühl, das man bekommt, wenn man sich verliebt, nicht in ein Mädchen oder einen Jungen, sondern in den Himmel über einem“. Er vergleicht es mit einer Droge ohne Nebenwirkungen – ein Gefühl, das ewig anhält. „Lovesexy“ scheint somit ein euphorischer Bewusstseinszustand zu sein und könnte Prince’ Art darstellen, zu sagen, dass Liebe das „sexieste“ Gefühl überhaupt ist.Hahn (2016), S. 189.Mischke (1989), S. 27. Neben seinem charakteristischen Falsettgesang verwendet Prince auf Lovesexy auch tiefere Stimmlagen; vereinzelt ist er zudem im Sprechgesang zu hören. 18x18px No Das erste Wort I des Openers 18x18px No (Homophon von I Know) ist auf dem Albumcover als Auge gestaltet. Der Song beginnt mit einem gesprochenen Intro – eine Art Kinderreim – von „The Spirit Child“, einem Pseudonym von Ingrid Chavez (* 1965). Prince’ Stimme ergänzt das Intro mit einer Anti-Drogen-Botschaft: „Willkommen in der New Power Generation – der Grund, warum meine Stimme so klar ist, liegt darin, dass kein Heroin in meinem Gehirn ist.“ Das Intro ist mit einem Soundeffekt unterlegt, der aus einem Sample des von dem britischen Komponisten Roger Limb (* 1941) geschriebenen Stücks Passing Clouds (1976) stammt. Nach 1:05 Minute setzt Schlagzeugspiel ein, und 18x18px No entwickelt sich zu einem fröhlich und lebendig wirkenden Ein-Akkord-Stück, bei dem das Zusammenspiel von Basslinie und Bläsermotiv einen funkigen Groove erzeugt. Mehrere Komponenten erzeugen eine Partystimmung, darunter ein schneller, jazziger Bläserpart, ein Saxophonsolo sowie wimmelnde Background-Vocals, die permanent miteinander kollidieren; die Arrangements wirken dabei jedoch etwas überladen. Mit einem traditionellen Gospel-Thema thematisiert der Liedtext den Kampf zwischen Himmel und Hölle, den Prince mit den von ihm erfundenen Metaphern „Lovesexy“ und „Spooky Electric“ – vermutlich seine Metapher für Satan – beschreibt. Er fordert die Menschen auf, Nein zum Teufel in Form von Alkohol, Drogen und Waffen zu sagen. Zudem ruft er im Verlauf dreimal das von ihm konstruierte Wort „Hundalasiliah“, das laut Urban Dictionary „The funky Version of Hallelujah“ bedeutet. Den Liedtext singt Prince in seinem typischen Falsettgesang.Begleitheft der CD Lovesexy, Warner Bros. Records / Paisley Park Records, 1988 Alphabet St.