Friedrich August von Heyden-Nerfken (* 3. September 1789 auf Gut Nerfken, Landkreis Preußisch Eylau; † 5. November 1851 in Breslau) war ein deutscher Schriftsteller und Oberregierungsrat von Breslau.
Leben und Wirken Friedrich von Heyden wurde in das ostpreußische Adelsgeschlecht Heyden-Nerfken geboren. Die Eltern waren Jakob von Heyden-Nerfken (1728–1812) und dessen zweite Ehefrau Albertine von Klingspor (1770–1823). Sein Jüngerer Bruder Karl von Heyden-Nerfken wurde Landrat und Erbe des Stammgutes Nerfken.
Nach dem Besuch des Gymnasiums und der Albertus-Universität Königsberg ging er zunächst nach Berlin und später nach Göttingen, um Geschichte, Sprachen und Literatur zu studieren; er hörte u. a. Barthold Georg Niebuhr, Friedrich August Wolf und Johann Gottlieb Fichte, die großen Einfluss auf sein späteres dichterisches Schaffen haben sollten. Auch seine Bekanntschaft mit Charles de Villers und Benjamin Constant sollten ihn tief beeindrucken.
Nach seinem Studium diente von Heyden zunächst von 1813 bis 1815 in einem preußischen Jägerbataillon, anschließend trat er in den preußischen Staatsdienst, wurde Regierungsreferendar in Königsberg und war weiterhin für die Regierungen in Frankfurt (Oder), Stettin und Oppeln tätig, ehe er 1826 Regierungsrat in Breslau wurde. Im selben Jahr heiratete er Friederike von Hippel (1807–1865), eine Tochter des Regierungspräsidenten von Oppeln Theodor Gottlieb von Hippel, mit der er die Söhne August (1827–1897) und Friedrich (1838–1926) hatte; die Tochter Charlotte (1831–1863) war mit dem Leutnant Kajus Wilhelm Hermann von Engelmann († 22. Juli 1893) verheiratet.
Friedrich von Heyden starb am 5. November 1851 als Oberregierungsrat in Breslau.
Seine schriftstellerische Tätigkeit bewegte sich vor allem auf dem Gebiet der Poesie, aber auch mit einigem Erfolg auf dem der romantischen Epik. Seine ersten gedruckten Werke, das romantische Drama Renata (1816) sowie die ebenfalls in Versen verfasste Tragödie Conradin (1818), erreichten ein beachtliches Publikum. August von Platen ließ sich zu einer verblüffenden Analyse hinreißen:
Den Rahmen der im Folgenden veröffentlichten Schriften Heydens (Dramen, Lyrik, Novellen, epische Gedichte, ein Roman) bildet meist das romantisch verklärte Mittelalter, namentlich die Stauferzeit, so in Kampf der Hohenstaufen (1828) oder Reginald (1831).
Von Heydens erfolgreichstes Werk, Das Wort der Frau (1843), behandelt die Aussöhnung der Welfen mit den Staufern anlässlich der Hochzeit des ältesten Sohnes Heinrichs des Löwen mit Agnes von Staufen. Das Gedicht erschien noch mehr als dreißig Jahre nach dem Tod des Dichters in der 23. Auflage.
Veröffentlichte Werke Die Erstveröffentlichungen der in Randzeichnungen 1841 erschienenen Novellen und Erzählungen in diversen Almanachen fehlen in dieser Werkliste. – Laut Theodor Mundt 1852 blieben zahlreiche Werke v. Heydens ungedruckt.
Renata. Romantisches Drama. Realschulbuchhandlung, Berlin 1816 (Digitalisat b. Google Books) (UA am 5. März 1817 in Dresden) Conradin. Trauerspiel. Realschulbuchhandlung, Berlin 1818 (Digitalisat) Die Gebrüder Brandt aus Memel. Dargestellt nach den bei der Königl. Regierung zu Königsberg befindlichen Akten.Die Begebenheit wurde auffällig ähnlich dargestellt von Oscar Mantau (Lübeckischer Heldenmut zur See). In: Der Bär. Illustrierte Wochenschrift für vaterländische Geschichte, Nr. 26 (1900), S. 653–655 (Digitalisat in der ZLB). In: Beiträge zur Kunde Preussens, Band 1. Hartung, Königsberg 1818, S. 250–263. (Digitalisat) Dramatische Novellen. 2 Bände.Jede der sechs in den beiden Bänden der „dramatischen Novellen“ enthaltenen Bühnenstücke wird durch ein Sonett als Prolog eingeleitet. Unzer, Königsberg 1819 Band 1 (Digitalisat): Haß, Ritterpflicht und Liebe. Schauspiel in drei Aufzügen (UA am 7. Dezember 1819 in WienRezension in Wiener Zeitschrift, 28. Dezember 1819, S. 1285 f. (Digitalisat bei ANNO).) Magandola, oder die Perle des Ganges. Ein indisches Mährchen Band 2 (Digitalisat bei Google Books): Das Feuer im Walde. Schauspiel in einem Aufzuge (UA 1820 in Wien und 1821 in Dresden) Apelles. Schauspiel in zwey Aufzügen (UA[?] am 10. Februar 1824 in BrünnMährisch-Ständische Brünner Zeitung, 10. Februar 1824, S, 174 bzw. 10. März 1824, S. 294 („Königl. städtisches National-Theater“) (Digitalisat bei ANNO).) Der Pilgrim. Romantisches Spiel in einem Aufzuge Der Winterabend. Schauspiel in einem Aufzuge Dichtungen. Unzer, Königsberg 1820 (Digitalisat) Der rächende Strom. Bruchstück aus den Papieren eines schottischen Pairs. In: Taschenbuch für das Jahr 1822. Der Liebe und Freundschaft gewidmet. Wilmans, Frankfurt am Main, S. 151–192 (Digitalisat) Helmigild. Zwei epische Gesänge. In: Wintergarten, Band 6, 1822, S. 187–253 Die Retter. Erzählung. In: Penelope für 1823, S. 258–317 Der Sohn der Wildniß. Erzählung. In: Penelope für 1824, S. 212–281 Die Reise zum Ätna. Erzählung. In: Der Sammler № 83–91 (1824), S. 509–539 (Digitalisat bei Google Books) Die Gallione. Gedicht in sechs Gesängen. Göschen, Leipzig 1825 (Digitalisat bei Google Books) Die Unglücklichen zu Versailles. Erzählung. In: Berliner Conversations-Blatt, 1827 Der Kampf der Hohenstaufen. Trauerspiel. Reimer, Berlin 1828 (Digitalisat) Der Liebestrank. Erzählung. In: Berliner Conversations-Blatt, 1828 Der Phantast. Novelle. In: Der Freymüthige, 1829 Scharfenstein. Novelle. In: Urania. Taschenbuch auf das Jahr 1831. Brockhaus, Leipzig 1831, S. 267–373 (Digitalisat) Reginald. Romantisches Gedicht in fünf Gesängen. Reimer, Berlin 1831. (Digitalisat bei Google Books) Der neue Hyazinth. Novelle. In: Der Freihafen, 1. Jg. (1838), Heft 4, S. 62–135. (Digitalisat) Der Schatzgräber. Novelle. In: Jahreszeiten. Eine Vierteljahrschrift, Sommer 1839, S. 25–119. (Digitalisat) Die Erben. Novelle. In: Jahreszeiten. Eine Vierteljahrschrift, Winter 1839, S. 1–125 (Digitalisat) Die Bekenntnisse. Eine Novelle. In: Urania. Taschenbuch auf das Jahr 1838. Brockhaus, Leipzig 1838, S. 253–388. . Die Intriguanten. Roman. 2 Bände. Einhorn, Leipzig 1840 (Digitalisat von Band 1 und Band 2) Randzeichnungen. Eine Sammlung von Novellen und Erzählungen. 2 Bände. Einhorn, Leipzig 1841 Band 1: Die Bewerbungen • Anton Hart • Der graue John (Digitalisat bei Google Books) daraus: Der graue John. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Band 13. 2. Auflage. Berlin , S. 177–231. In: Thomas Weitin (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz, Darmstadt/Konstanz 2016 () Band 2: Die Unbegnadigten • Cesarone • Der Schleier der Königin. (Digitalisat) daraus: Die Unbegnadigten. Eine Novelle. Zu des Dichters 150. Geburtstage. Pekinger Pappelinsel-Werkstatt 1939Zur Pappelinsel-Werkstatt siehe Vincenz Hundhausen. Theater. 3 Bände. Einhorn, Leipzig 1842Rezension in: Der Freihafen, Band 6 (1843), XII. Bücherschau, S. 182–185; . Band 1: Nadine. Trauerspiel in fünf Aufzügen (UA 14. Mai 1842 in Berlin) • Die Modernen. Lustspiel in fünf Aufzügen (UA 9. April 1840 in Berlin) (Digitalisat) Band 2: Der Liebe Zauber. Schauspiel in fünf Aufzügen • Album und Wechsel. Schauspiel in fünf Aufzügen (UA 20. November 1839 in Berlin) (Digitalisat) Band 3: Der Geschäftsführer. Lustspiel in fünf Aufzügen (UA 28. Januar 1841 in Berlin) • Der Spiegel des Akbar. Trauerspiel in fünf Aufzügen • Geheimnisse und ihr Ende. Lustspiel in drei Aufzügen Das Wort der Frau. Eine Festgabe. Einhorn, Leipzig 1843; . Der Schuster zu Ispahan. Neupersische Erzählung in Versen. Brandstetter, Leipzig 1850 (Digitalisat) Die Königsbraut. Gedicht in fünf Gesängen. Brandstetter, Leipzig 1851Rezension Wieder ein Versuch im Epos! in: Blätter für literarische Unterhaltung, № 22, 29. Mai 1852, S. 521–523 (Digitalisat). Gedichte. Mit einer Biographie des Dichters herausgegeben von Theodor Mundt. Brandstetter, Leipzig 1852; .
Vertonungen Friedrich Hegar: Drei Gesänge für Tenor (oder Sopran) mit Pianofortebegleitung, op. 10, № 2: Die Stille (1879)Die Stille. In: Gedichte (1851), S. 75 f.; .
Genealogie Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Alter Adel und Briefadel. 1922. Sechzehnter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1921, S. 394–397. Digitalisat, In: Internet Archive
Literatur , mit Bildnis. Hrsg. Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen für Wissenschaft und Forschung Berlin / Bonn. 2025.
Karl Goedeke: Friedrich A. v. Heyden. In: Grundriß zur Geschichte der Deutschen Dichtung aus den Quellen. Band 3, Buch 8 (Dichtung der allgemeinen Bildung), Abschnitt I, Kapitel II, § 332, Nr. 195. Ehlermann, Dresden 1881, S. 722–724; . Theodor Mundt: Friedrich von Heyden’s Leben. In: Gedichte. Mit einer Biographie des Dichters. Oscar Brandstetter, Leipzig 1852, S. VII–XLVII. Digitalisat, In: Internet Archive. gekürzt mit dem Titel Des Dichters Leben In: Friedrich von Heyden: Das Wort der Frau. Eine Festgabe. Brandstetter, Leipzig 1866. (14. Auflage), S. IX–XXVIII. Digitalisat, In: Internet Archive.
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