Skrewdriver (abgewandelt von „Schraubendreher“) war eine britische Musikgruppe aus Blackpool. Sie wurde 1976 als Punk-Band gegründet und entwickelte sich später zu einer international bekannten neonazistischen Band. Sie gilt als Vorreiter der Rechtsrock-Szene und war Zugpferd des rassistischen und neonazistischen Netzwerks Rock Against Communism. Später war sie eine der Gründungsbands von Blood and Honour. Leadsänger und Haupttexter Ian Stuart Donaldson war bis zu seinem Tod am 24. September 1993 eine Leitfigur der internationalen Rechtsrock-Szene und wird seit seinem Tod als Märtyrer verehrt.

Geschichte Anfänge Ian Stuart Donaldson, der sich meist nur Ian Stuart nannte und aus der Gegend um Blackpool stammte, gründete 1975 die Rockband Tumbling Dice. Zunächst als Schülerband gestartet, wurde sie 1977 in Skrewdriver umbenannt. Dies geschah nach einem Besuch aller Mitglieder eines Konzerts der Sex Pistols. Skrewdriver spielte anfangs Punk mit Offbeat-Elementen ohne jegliche rassistische Tendenz. Nach einem Demo sicherte man sich einen Vertrag bei Chiswick Records aus Camden Town. Dort erschien zunächst die Single You’re So Dumb. Die Band durfte unter anderem für die damals noch unbekannten The Police eröffnen. Sie adaptierte im Verlauf nach einem Besuch eines Konzertes von Cock Sparrer den Skinhead-Stil. Es folgte im November die LP All Skrewed Up und die Single Antisocial. Das Album erhielt in der britischen Presse eine Anzahl wohlwollender Rezensionen. Für die BBC wurde eine Peel-Session aufgezeichnet. Die Gruppe wurde in der Szene gut aufgenommen. Das Vorankommen wurde allerdings durch einen Zwischenfall mit Bob Geldof von den Boomtown Rats verhindert. Geldof wurde bei einem Konzert von einem Skrewdriver-Fan zusammengeschlagen und ließ seinen Einfluss spielen, um Auftritte der Band zu verhindern. Donaldson trat 1979 der extrem rechten Partei British National Front bei. Als dies bekannt wurde, fand Skrewdriver keine Auftrittsmöglichkeiten mehr. Bands wie Cock Sparrer, The Business und 4-Skins gingen auf Distanz. 1979 löste sich die Band in der ursprünglichen Formation auf. Ein Auftritt im Marquee wurde später als Bootleg veröffentlicht.

Wandlung zur rechtsextremen Band Der Sänger und Gitarrist Ian Stuart Donaldson engagierte sich danach weiter in der British National Front und 1981 bei der Young-National-Front-Organisation Rock Against Communism (RAC). Im Herbst 1981 gründete der wegen Körperverletzung an einem Schwarzen vorbestrafte Stuart Skrewdriver erneut und gab der Band von Beginn an eine rechtsextreme Ausrichtung. Dazu rekrutierte er Mitglieder der frühen Rechtsrockband The Elite, darunter Bassist Mark French und Schlagzeuger Geoff Williams. Er veröffentlichte zunächst die nationalistische Single Back With a Bang zusammen mit dem Lied I Don’t Like You, das noch aus der Frühphase der Band stammte.Back With a Bang auf Discogs Mit der zweiten Single White Power von 1983 setzte er sich an die Spitze der RAC-Organisation. Die Single markierte die erste Veröffentlichung des von der NF gesponserten Labels White Noise Records. Das Lied gilt als einer der kontroversesten Songs, die jemals veröffentlicht wurden. Die Medien schossen sich direkt auf die Band ein und Donaldson verstand es, den schlechten Ruf für sich zu nutzen. 1984 erschien das Debütalbum der wiedervereinigten Skrewdriver unter dem Titel Hail the New Dawn und trug ein martialisches Wikingercover.

Ab 1985 1985 erfolgte der Bruch mit der National Front aus ideologischen Gründen. Die NF vertrat zunehmend Positionen, die aus Sicht der rassistischen, gewaltbereiten Neonazis problematisch waren. So strebte die Partei eine enge Kooperation mit der Nation of Islam an und veröffentlichte Schriften von Muammar al-Gaddafi. Die rechtsextreme Skinheadszene dagegen tendierte eher zum Nationalsozialismus und propagierte die Ideologie der White Supremacy. Ian Stuart war maßgeblich an der Gründung des Blood-and-Honour-Netzwerks beteiligt, einer Organisationsstruktur für neonazistische und rechtsextreme Bands, der auch Brutal Attack, Squadron, Sudden Impact und No Remorse angehörten. Es war vor allem Skrewdriver, die auch international den Weg für den Rechtsrock ebneten. So handelte Donaldson einen Deal mit dem deutschen Punk-Label Rock-O-Rama aus, das die ersten Platten von Skrewdriver veröffentlichte. Rock-O-Rama entwickelte sich damit zum wichtigsten deutschen Rechtsrock-Label seiner Zeit und wurde zum wichtigsten internationalen Produzenten für rechtsextreme Musik. Eine ähnliche Rolle spielte in Frankreich das Label Rebelles Européens, das ebenfalls eng mit Donaldson zusammenarbeitete. Zudem tourte die Band unermüdlich durch Deutschland und die skandinavischen Länder. Dort wurden ebenfalls Chapter von Blood and Honour gegründet. Blood and Honour war nicht parteipolitisch gebunden und war eine Sammelbewegung verschiedener rechtsextremer Richtungen. Skrewdriver und Donaldson standen dem British Movement nahe.

Blood and Honour war auch der Titel eines Albums der Band von 1986. Kurz vor der Veröffentlichung wurde Stuart inhaftiert, weil er an einem rassistisch motivierten Kampf beteiligt war. Er nutzte sein Jahr im Gefängnis, indem er neue Lieder für Skrewdriver und Artikel für Neonazi-Magazine schrieb. 1987 folgte White Rider, das überwiegend auf Songs basierte, die er während seiner Haft geschrieben hatte. Das Album gilt gemeinhin als Skrewdrivers bestes Werk, litt jedoch wie die meisten Rock-O-Rama-Produktionen unter einer sehr schwachen Produktion.Fred Beldin:

Zu dieser Zeit lebte Donaldson in London und bewohnte zusammen mit einigen anderen Skinheads dort ein heruntergekommenes Haus. Nachdem zunächst einige großangelegte Konzerte von Skrewdriver stattfanden, wurden danach einige durch die Antifascist Action verhindert und immer öfter endeten Auftritte in Schlägereien. Donaldson, mittlerweile stadtbekannt als Neonazi, wurde selbst Opfer mehrerer Übergriffe. Nachdem eine Machtdemonstration von Blood and Honour, ein als „Main Event“ angekündigtes Konzert von Skrewdriver, im Chaos versank, zog er von London nach Nottinghamshire. Danach wurde es ein wenig ruhiger um Skrewdriver. Donaldson selbst widmete sich anderen Projekten und trat unter anderem als Liedermacher und mit seiner Rockabilly-Band Klansmen auf. Ideologisch stand er nun mehr, der Bandname deutet es schon an, dem Ku-Klux-Klan nahe. So änderten Skrewdriver auf dem Album After the Fire auch den Rockklassiker Sweet Home Alabama von Lynyrd Skynyrd ab und unterlegten ihn mit einem Text über den Ku-Klux-Klan.

Kriminalität Im Umfeld der Gruppe kam es immer wieder zu rassistisch oder politisch motivierter Gewalt. So musste Donaldson 1986 eine mehrmonatige Haftstrafe wegen eines Überfalls auf einen Nigerianer in London verbüßen. 1991 waren Skrewdriver im ostdeutschen Cottbus zu einem Konzert angereist. Ziel war die Unterstützung der nach der deutschen Wiedervereinigung erstarkten rechtsextremen Szene in Ostdeutschland. Nach dem Konzert schlossen sich einige Bandmitglieder einem Mob an, der durch die Straßen zog und Jagd auf Ausländer machte. Dabei kam es zu einer Schlägerei mit einem Angehörigen der linken Szene, den der Mob schwer verletzte. Die sechs Beteiligten, unter ihnen auch Skrewdriver-Gitarrist Stigger und Schlagzeuger John Burnley, der Bruder von Paul Burnley, wurden anschließend für fünf Monate in Untersuchungshaft genommen. Sie wurden gegen Zahlung einer hohen Kaution wieder freigelassen und verließen das Land. Um die Kaution aufzubringen, nahm Ian Stuart unter dem Projektnamen Rough Justice die Solidaritäts-MCD Justice for the Cottbus Six auf.Ian Stuart and Rough Justice – Justice For The Cottbus Six auf Discogs

Der Tod von Ian Stuart Donaldson 1992 versuchte sich Skrewdriver an einem großangelegten Konzert, dessen Veranstaltungsort jedoch bereits im Vorfeld antifaschistischen Gruppen bekannt wurde. Donaldson selbst wurde bereits im Vorfeld attackiert und man verlegte das Konzert in einen kleinen Vorort. Doch einige Skinheads kamen zum ursprünglichen Ort des Geschehens und es kam zu einer Massenschlägerei, die von der britischen Presse als „Battle of Waterloo“ tituliert wurde. Auch bei der Ausweichlocation kam es zu Ausschreitungen, die jedoch von Skrewdriver-Services, der Security-Firma von Blood and Honour, unter Kontrolle gehalten wurde.

1993 erschien Skrewdrivers letztes offizielles Album Hail Victory. Der 36-jährige Donaldson starb am 24. September 1993 an den Folgen eines Autounfalls. Der Unfalltod des Rechtsrock-Sängers und Gitarristen war gleichzeitig das Ende für die Band Skrewdriver.

Nach Skrewdriver Der Gitarrist von Skrewdriver Steve Calladine alias Stigger gründete kurz nach Stuarts Tod eine eigene RAC-Band namens Warlord, benannt nach dem sechsten Album von Skrewdriver. Stigger selbst trat auch als Liedermacher auf und war Mitinitiator des deutsch-britischen Projekts German-British-Friendship. Er gehörte der Blood-&-Honour-Gruppierung Combat 18 an, die nach Stuarts Tod das Label ISD-Records (ISD ist die Abkürzung von Ian Stuart Donaldson) aufbauten und die Vorherrschaft im schwelenden Führungsstreit um Blood and Honour übernahmen.

1997 waren Charlie Sargent, der Gründer von Combat 18, und der frühere Skrewdriver-Gitarrist Martin Cross in den Mord an Christopher Castle verwickelt und schuldig gesprochen worden.Combat 18: Memoirs of a street-fighting man, independent.co.uk vom 1. Februar 1998

Am 1. Januar 2022 verstarb das ehemalige Skrewdriver-Mitglied „Big Merv“ Mervyn Shields an den Folgen einer COVID-19-Erkrankung. Er hatte bereits zuvor gesundheitliche Probleme mit dem Herzen gehabt. Der ehemalige Bassist war weiterhin in der White-Power-Szene aktiv gewesen, lebte allerdings die letzten Jahre eher zurückgezogen in Nordirland, wo er trotz seiner Ideologie als umgänglicher Familienmensch beschrieben wurde.

Musikstil und Texte Zunächst am britischen Punk im Stile der Sex Pistols orientiert, schwenkte die Band während des Skinhead-Revivals um und wurde zu einer Oi!-Band. Während Donaldson bereits 1979 der NF beitrat, waren die ersten Texte der Band politisch unverdächtig und hatten einen starken Subkulturbezug zur Punk- und Skinhead-Szene. Nach der Reformation positionierte sich die Band zu Beginn nationalistisch, schwenkte aber bereits auf dem Debütalbum Hail the New Dawn um zu einer eher pan-germanischen Ausrichtung. Bereits die Single White Power machte deutlich, dass es Donaldson in erster Linie um das Konzept der White Supremacy ging. Motive aus der nordischen Mythologie dominierten das Coverartwork der ersten Alben. Ideologisch stand die Band zu Beginn der National Front nahe. Später, mit dem Beginn von Blood and Honour ab etwa 1987, bezog sich Skrewdriver positiv auf den Nationalsozialismus, insbesondere auf Adolf Hitler sowie Rudolf Heß und entwickelte sich zu einer Band einer rassistisch-nationalistischen Sammelbewegung. Musikalisch sind die späteren Werke der Band eher am Hard Rock und am Metal orientiert. Coverversionen von unter anderem AC/DC, Judas Priest und Black Sabbath belegen Skrewdrivers Versuche, sich mehr am Heavy Metal zu orientieren.